52
auch an der Aufrichtigkeit dieser Gesinnung wegen desVerhaltens Christophs auf dem Reichstag zu Worms bezweifelt. Christophs Schuld war es sicherlich nicht, daßdas Resultat dieses Reichstages nicht so günstig ausfiel,als es der Papst gehofft hatte.
Unser Bischof konnte zwar trotz seines Religions-eifers im Ganzen nicht viel ausrichten, er war aber be-müht, in seiner Diözese und vornehmlich in seiner Ka-rhedralstadt das entglimmende Feuer vor dem gänzlichenAusbruch womöglich niederzuhalten.") Als sich z. B.im Jahre 1522 ein Karmelitermönch zu St. Anna inAugsburg erdreistete, die neue Lehre öffentlich von derKanzel dem Volke vorzutragen, ließ ihm Christoph durchseine Vorgesetzten das Predigen verbieten; und obgleichder Magistrat dagegen Vorstellungen machte, blieb erdoch bei seinem gerechten Entschluß")
Als auch in Memmingen einige Neuerer offen ausder Kanzel Luthers Lehre zu verkünden wagten, da er-mähnte Christoph in Güte und Milde, um richt etwadurch Härte abzustoßen, den Memminger Stadimagistrat,dies nicht zu dulden.") Das Schreiben, das er am19. Juli 1523 nach Memmingen abgehen ließ, ist unsauch deßhalb interessant, weil er hier ein Urtheil überLuthers Lehre abgibt. ES heißt hier:
„Wiewol der Luther und sein anhang anfangs von etlichenvcr kirchendicner mißpreuchen und andern» vil christenlicher vndgueter leren geschrieben, so haben sy doch darunder so vil be-truglicheS giffteS eingemischt, daraus bisher kain besscrung oderinerung göitlichS lobs, sonnder nicht anders, dann hinlessigkeit,leichtvertiakcit vnd crgernus gegen Gott und der Welt erwachsenvnd groölich zu besorgen ist, wa Gott der Herr nit mit sonderngnaden sehen, das daraus nicht anders dann gantz vcrfiirenvnd verderben der seelcn, leib, crcn vnd gut erfolgen werden:dann so man nicht mcr »echten, beichten, bethen, mcsshörcn, diemuetcr Cristi und ander lieb heiligen nicht mer in Gott crenvnd vmb ir fürbitt gegen Gott anruffen, sonder der menniglichnach seinem freyen willen vnd zu heben zeittcn die bisher ver-holten ipeiß nach sciin gcvallen vnd Wollust niesten vnd andersmcr thun soll vnd möcht, wie dann die Lutherischen gar vbeldavon schreiben vnd leren, so würd dadurch nicht allein dergantz cristenlich glaub und gaistliche oberkeit vertrackt, sonnderauch dem weltlichen regiment aller gehorsam entzogen, zueletstgroß Pluetvergießen daraus erwachsen vnd alles Wesen zu Nichtenwerden." Daran schließt sich dann noch eine ernstliche Mahnungan den Stadtmagistrat, er solle „im Gehorsam bleiben nnd auchdie seinen darzu getreulich ziehen und weisen, und sonderlichbey denjencn, die so fälschliche, betrügliche, lutherische ler an-genommen und andere darin» heimlich oder öffentlich zu unter-weisen unterstanden haben oder noch thun würden, ernstlichfürkommen und abstellen und nicht länger zusehen.'"")
Außerdem ordnete der Bischof für Memmingen Prozessionen an, was er zugleich auch an andern Ortenseines Bisthums that?°) Aber so sehr sich Christophauch bemühte, seine Gläubigen der wahren katholischenReligion treu zu erhalten, so hatte er doch wenig Er-folg. Der Rath von Memmingen schenkte zwar seinenWorten Gehör und suchte seinen Anordnungen nachzu-kommen, aber er verfuhr so milde gegen die Neuerer,daß dieselben nicht zum Schweigen gebracht wurden. Die
Veits,, Libl. ^.UK. IV. 56: Inciclit episcogatugObristoxbori nostri in eliktieillirna, tsmgora, guibus Imtksrosna ckoAinata Sparkonto, Esrmania uuiversa inunwerabilibustnrbis Znotuabat. II is stiaw ckiooossin ^.ngaistanam, imoipsam urbem LuZustain invackentibus xro otticii oxiscoxalisrationo totis viribus obstitit Lxiscoxus noster, non sins suo-cossu, attamsu non onmi, guein szwrarö ei iiouisset.
") Braun. III. 213.
") Ebd. S. 219.
"1 Braun, Gesch. d. Bisch. v. Augsb. III. 219 ff.
°") Friedrich Doblcr, „Memmingen im Resormations-zeitalter" (Augsburg , 1877). Erster Theil, S. 32. - Braun,
Reformation faßte in dieser Stadt immer festeren Bodens)Unter großem Beifall predigte Christoph Schappeler , Bene-fiziat an der Pfarrkirche zu St. Martin, gegen Messe undHeiligenverehrung und schimpfte weidlich über die kathol-ischen Geistlichen;^) als ihn der Bischof 1524 nach Dil-lingen beschick» und ihn, da er nicht erschienen war, mitdem Banne belegte, trat der Rath für ihn ein. Erschickte zweimal seine Mitglieder Hans Keller undBernhard Strigel zum Bischof. Umsonst aber stellten siedemselben vor, eine Verfolgung Schappelers werde einenAufstand der Memminger Bürgerschaft entfachen; derBischof blieb fest und erwiderte, wenn die Gemeinde sichempöre, werde er und der schwäbische Bund sie gehorsammachen. Da sich Schappeler nicht beugte und in seinemBeginnen fortfuhr, so blieb Christoph nichts übrig, alsüber ihn den Kirchenbann auszusprechen. Am 27. Fe-bruar 1524 wurde die Bannurkunde an der Martins-kirche angeschlagen; aber die Stimmung der Bürgerschaftwar derart, daß der Rath nicht wagen durfte, die Ur-kunde hängen zu lassen. Er begnügte sich jedoch nichtdamit, dieselbe abzunehmen, sondern stellte sich nun-mehr offen auf die Seite der Reformatoren, indem erbehauptete, man müsse dem Worte Gottes mehr anhangenals des Bischofs Drohungen; und damit leugnete er that-sächlich die bischöfliche Autorität.^)
(Fortsetzung folgt.)
Ein Künstler aus dem Chiemgan.
Von Christ. Scherm.
(Schluß.)
Einen Einblick in die Gesinnung seines Herzens er-öffnet uns der Künstler durch die Stiftung, die er 1692zu Gunsten feines Heimathdorfes Kammer machte. Inder Fremde ist ihm wohl der Werth eines geordnetenUnterrichtes der Kinder recht vor die Seele getreten,denn er sandte 1000 Gulden — eine sehr hohe Summefür jene Zeit — an die Pfarrei Otting, damit,wie es im Stiftungsbriefe heißt, „die Jugend auf ewigeWeltzeiten sowohl im Lesen, Schreiben und Rechnen, alsauch anderen guten Sitten und christkatholischen Lehr-stücken durch taugliche Schulhalter emsig unterwiesenwerden solle". Von den Zinsen des Stiftungskapitalswerden jetzt für arme Kinder Bücher und Schuhe an-gekauft.
Im Klassenzimmer des Schnlhauses von Kammerhängt das in Oel gemalte Brustbild Balthasars/o) das1840 auf Veranlassung und Kosten des Herrn Gerichts-arztes Dr. Hell von Traunstein renovirt wurde.o°) Esstellt den Künstler im Alter von ungefähr 55 Jahrendar. Die kleine, gewöhnliche Nase, die wulstigen Lippen,
"') Doblcr, I. Thl., S. 32 ff.
"") „Derselbe nannte seine geistlichen Gegner sogar auf derKanzel elende, gottlose Pfaffen, Mistfinken, Kücken- nnd Suppen-prediger, nnd lobte Gott , daß die Laien beiderlei Geschlecktesgelehrter seien denn die Pfaffen und das Wort Gottes besserverkündigen könnten; kein Pfaff wisse, was Evangelium aufDeutsch heiße" (Dr. Franz Ludwig Banmann, Geschichte desAllgäuö fKempten. 1890) III. Bd.. S. 16).
"") Ebd. S. 311. — Doblcr, Memmingen im Neform.-Zeitallcr. I. 39-41.
"") G. Müller hält das Bild für Selbstportrait; die An-nahme ist unbewiesen.
°°) Vcrgl- den von -j- Benefiziat Bückele in Traunstein aufGrund der Neuen Bibliothek rc., der Hagedorn'schen Lelairoisso-inonts bist. und der Küustlerlexika von LipowSky und Naglerverfaßten Aufsatz über P. im Traunsteiner Wockenblatt 1856Nr. 22 u. 23, den Verfasser vorliegenden Aufsatzes von HerrnLandgerichtSdircktor Otto Mahr in Traunstein zur Einsicht erhielt.