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demselben spielte Nodrigo Borja , als Papst der Nach¬
folger Jnnozenz ' VIII . , Alexander VI .
Auch Alexander VI . war nicht durch die Thüre in
den Schafstall Petri gekommen , ebenso wie bei der Wahl
seines Vorgängers sind auch bei ihm simoniflische Be¬
einflussungen sicher nachweisbar , und schon sein Vorleben
als Cardinal war nicht geeignet , ihn streng denkenden
Gemüthern zu empfehlen . Nichtsdestoweniger fehlten auch
bei seinem Regierungsantritt hoffnungsvolle Stimmen
nicht , zumal aus der Fremde , aus Deutschland , wo man
die Dinge nicht so genau übersah . Gerade auf die
Deutschen aber hat dann freilich das Rom Alexanders VI .
einen tiefverlctzenden Eindruck gemacht , und in nicht wenigen
haben die Erlebnisse des Jubiläumsjahres 1500 , wo sich
wiederum alle Welt in der Hauptstadt der Christenheit
versammelte , schwere Zweifel und Gewiffenskämpfe geweckt .
Der böse Geist der Regierung des Papstes ist sein Sohn
Cesare Borja , ein Mann , in dem alle schlechten Eigen¬
schaften der römischen Cäsaren wieder aufgelebt zu sein
schienen . Die Chronik der Stadt Rom ist in diesen
11 Jahren angefüllt von Blut und Mord , und wenn
auch von den gräßlichen Dingen , die noch Ranke in
wenigen Zeilen zur Charakteristik der Borja - Herrschaft zu¬
sammengetragen hat , sich gar vieles als Erzeugniß der
vergrößernden Fama erweist , so bleibt doch noch genug
übrig , um Pastors eingangs erwähntes Urtheil über diesen
Pontifikat zu rechtfertigen . Auch die Versuche einer
Rettung der Lukrezia Borja , deren Bild Gregorovins
mehr glänzend als treu gezeichnet hat , werden nun wohl
verstummen müssen . Daß Cesare und Lukrezia in der
Geschichte dieses Pontifikats eine so große Rolle spielen ,
zeigt eben , wie sehr der Papst von der Sorge für seine
Familie beherrscht war .
Auch für Alexander VI . ist in der äußeren Politik
oas Verhältniß zu Neapel und zu Frankreich das wichtigste
gewesen . Und in seinen Pontifikat fällt der Kriegszug
Karls VIII . , des neuen Cyrus , der nach den Schar¬
mützeln der Condottieri - Kämpfe die Italiener zum ersten
Male wieder den wirklichen Krieg kennen lehrte . Ferrante
von Neapel war todt , Alexander blieb in den Bahnen
seines Vorgängers , indem er Alfons II . dort anerkannte .
Aber es war ein morscher Thron , den er stützte , und
Giuliano della Novere ergriff die aussichtsvollere Partei ,
als er nach Frankreich floh . Fünf Monate später stand
Karl VIII . in Rom , der Papst sah sich in der Engcls -
burg eingeschlossen und zu einem demüthigenden Vertrage
mit dem Sieger genöthigt , in dem er Neapel preisgab .
Cesare Borja selbst sollte als Cardinallegat , in Wirklich¬
keit als Geisel , die Franzosen auf ihrem märchenhaft
schnellen Siegeszug nach dem Königreich Neapel geleiten .
Hier freilich wendete sich das französische Kriegsglück .
Die heilige Liga vom März 1495 vereinigte Spanien ,
Oesterreich , Venedig und Mailand mit dem Papste gegen
Karl VIII . , nur mit Blühe konnte sich derselbe durch die
Schlacht bei Fornuovo , die einer Niederlage gleichkam ,
den Rückzug nach Frankreich bahnen . — Mitte 1496
schien Italien für einen Augenblick von den Fremden
befreit , da der Vorstoß Maximilians nach Oberitalien
nur die Bedeutung einer Episode hatte , aber der Nach¬
folger Karls VIII . , Ludwtg XII . , nahm mit um so
größerer Kraft dessen italienische Pläne wieder auf .
Und diesmal fand es der Papst — nicht zum wenigsten
auf Cesare Borja ' s Betreiben — gerathen , sich alsbald
auf die Seite Frankreichs zu stellen . Die Venetianer
wurden die Dritten im Bunde . Ludovico Moro aber be¬
zahlte seine Gegenstellung mit dem Verluste von Mai¬
land , 1499 , der ein Jahr später durch die Schlacht bei
Novara ein endgiltiger wurde . Die neapolitanische Beute
konnten die Franzosen freilich nur erlangen , indem sie
dieselbe mit den Spaniern theilten . Am 25 . Juni 1501
billigte der Papst den Vertrag , in dem Ferdinand der
Katholische sein eigenes Blut verrieth .
Man versteht diese wie andere Ereignisse der Re¬
gierung Alexanders VI . erst recht , wenn man beachtet ,
wie wenig der Papst Herr im eigenen Hause war . Der
Streit der Colonna und der Orsini ging auch in seinem
Pontifikat weiter ; bald die einen , bald die andern setzten
sich gegen den Papst . Sein Versuch , die Orsini zu unter¬
jochen ( 1496 ) , endete mit der Niederlage bei Soriano .
Glücklicher war dann sein Sohn Cesare , der es trefflich
verstand , die Gegner gegen einander auszuspielen und sich
in kurzer Zeit zum Herzog der Nomagna machte . Die
Cardinalswürde hatte er bereits 1489 niedergelegt . Der
weltliche Stand und der Herzogstitel paßten besser für
diesen zum Kriegsmanne geborenen Borja , der alle Welt
und schließlich Alexander selbst vor sich zittern machte .
( Schluß folgt . )
Christoph von Stadion , Bischof von Augsburg ,
und seine Stellung zur Reformation .
( Fortsetzung . )
H . k . Um einen Halt zu gewinnen , schloß sich
Christoph im Jahre 1524 dem Bündnisse katholischer
Fürsten zu Negensburg an , dessen Spitze scharf gegen
die Neugläubigen gerichtet war . Man ward einig , der
lutherischen Lehre so viel als möglich Einhalt zu thun ,
kein Landeskind auf die Universität Wittenberg zu schicken
und diejenigen , welche trotz dieses Verbotes auf derselben
studirten , weder zu einem geistlichen noch zu einem welt¬
lichen Amte zuzulassen . Diese Beschlüsse machte der Bischof
am 1 . Oktober 1524 nebst den sehr nützlichen Verord¬
nungen deS Cardinals Campegio , die sich auf die
Kirchenzucht und besonders auf die Sitten der Geist¬
lichen bezogen , vermittelst eines Mandates seinem Klerus
bekannt . ^ )
Trotz aller dieser Verordnungen konnte der Bischof
in den Religiousangelegenheiten keine Wendung zum
Bessern in seiner Diözese erzielen , die neue Lehre ge¬
wann immer festeren Boden . Wie sich der Memminger
Magistrat nicht mehr um den Bischof kümmerte , so machte
es auch der Augsburger , der auf Andringen der Neuerer
im Jahre 1524 verschiedene katholische Kirchengebräuche ,
besonders aber das Fasten , abschaffte . Er duldete und
unterstützte die abtrünnigen Mönche und Prediger , und
durch diese wurde beim Pöbel ein fanatischer Eifer ent¬
zündet . Christoph mußte , um eine Stütze zu haben und
um feinen Anordnungen Gehör zu verschaffen , seine Zu¬
flucht zum schwäbischen Bund nehmen , der die Parteien
durch eine Commission auszugleichen beschloß . ^ ) Es konnte
jedoch nichts die Verbreitung der Irrthümer Luthers ver¬
hindern . In Augsburg wurde das hl . Abendmahl unter
beiden Gestalten ausgetheilt , die Karmeliten legten den
Ordenshabit ab , Or . Frosch und Urban Nhegius vrr -
heiratheten sich , ein gewisser Herbort hob die gestifteten
Jahrtage auf . In Memmingen wurde seit 1527 das
Fastengebot verachtet , mehrere Kirchen wurden von den
Lutheranern verunehrt und die Katholiken verfolgt , einem
" ) Braun , IH . 229 . - Hcfele . Conc . - Gesch . , IX . 374 f .
Braun , III . 236 f .