Ausgabe 
(21.2.1896) 8
 
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katholischen Prediger Johann Mack verbot man das Be-treten der Kanzel?")

Christoph that, was er bei diesen Gewaltthätigkeitenund bei dem raschen Umsichgreifen des Lutherthums nochthun konnte; er erneuerte die Constitution des LegatenCampegio vorn Jahre 1624 und ließ sie in deutscherSprache an seine Diözesanen geistlichen und weltlichenStandes ausgehen?^) Im Jahre 1628 ließ AmbrasBlaurer in Memmiugen die Messe bis auf eine recht-mäßige Kirchenversammlung abschaffen und die Altärein den Kirchen Zerstören. Sobald Stadion von der ka-tholischen Geistlichkeit über diesen Vorfall Bericht er-halten hatte, ahndete er dieses widerrechtliche Verfahrenund verwies es dem Magistrat auf's schärfste; er ver-langte ernstlich, daß das Verbot aufgehoben und allesin den vorigen Stand gebracht werde?«) Im Jahre1629 begab er sich auf den Reichstag zu Speyer, "")auf welchem hinsichtlich der Religion durch Stimmen-mehrheit beschlossen wurde,daß diejenigen, welche bisherbei dem Wormser Edikt geblieben waren, noch fernerdabei verharren, hingegen die, welche die lutherische Lehreangenommen hatten, sich aller Neuerungen enthalten, diedem Saerament des Altares entgegengesetzte Lehre nichtbeibehalten und sie zu predigen und zu lehren nicht ge-statten, die Messe nicht abthun, noch sie zu hören rc.verhindern sollten.""")

Wie wir nun bisher die Haltung Christophs vonStadion den Neligionsncuernngen gegenüber verfolgthaben, so können wir nicht anders sagen, als: DerBischof war bisher ein treuer Sohn der katholischenKirche , der sie mit Wort und That vertheidigte, derdurch Güte und Strenge, wie es eben die Umstände er-forderten, diejenigen, die sich vorn verderblichen Einflußder Irrlehren hinreißen ließen, auf den rechten Wegznrückzuleitcn suchte, der namentlich in seiner Diözese alleVorkehrungen traf, um den Neuernngen den Eingang zuversperren und sie da, wo sie bereits eingedrungen waren,wieder zu unterdrücken. Im Jahre 1530 jedoch scheint,wie Zapf meint,eine Sinnesänderung bei dem Bischofeingetreten zu sein. Wollen wir im Folgenden sehen,in wie weit sich die Behauptung Zapf's bewahrheitet.

Das Jahr 1530 war in Hinsicht auf die Religioneines der wichtigsten; denn es sollte auf einmal der Ne-ligionsspaltung ein Ende machen und die heilbringendeEinigkeit herbeiführen« Karl V. veranstaltete einen Reichs-tag zu Augsburg, auf welchem alle Fürsten und Stündeerscheinen sollten. Am 15. Juni, dem Vorabend vonFrohuleichnam, kam er selbst in die alte Reichsstadt. Erwurde von den Reichsfürsten vor der Stadt erwartet,vom Mainzer Primas mit einer Anrede begrübt unddann in glänzendem Zuge nebst seinem Bruder Ferdinandund dem ihn begleitenden Legaten Campegio zum Domund dann Zu feinem Absteigequartier geleitet. Am nächstenTage nahm der Kaiser mit allen Fürsten an der Frohn-leichnamsprozession theil, die seit einigen Jahren in Augs-burg unterblieben war?^) Am 20. Juni wurde der Neichs-

°°) Ebd. S. 238 f.

°') Ebd. S. 245.

-y Ebd. S. 248.

°°) Voitli, Lid!. LIM. IV. 59: gnew consiiüs suisaäjuvit.

°°) Broun, III. 249.

Christoph von Stadion , S. 61.

°°) Daennnsr, Llonuinsnta Vatieo.ua (Freibürg im Brcis-gau, 1861): ur. XXXIII. pag-. 39 f. Baunigarten, Karl V. ,3. Band, S. 28.

Lag feierlich eröffnet, während man am 24. Juni mit denVerhandlungen der Neligionsstreitigkeiten begann. Cam-pegio hielt eine ausgezeichnete Rede über Beseitigung deSZwiespaltes, in der sorgfältig jedes die Protestanten be-leidigende Wort vermieden war. Am 25. Juni wurdesodann vor dem Kaiser und den Neichsständen auf derbischöflichen Pfalz die von Melanchthon verfaßte und vonLuther gutgeheißene sogenannte AugSburger Confcssionabgelesen und dem Kaiser überreicht?") Hicbci war auchChristoph von Stadion gegenwärtig. An ihn hattePapst Clemens VII. , der auf seine Tugend undFrömmigkeit und die bisher gegen den päpstlichen Stuhlbezeigte Anhänglichkeit großes Vertrauen setzte, am29. März 1530 geschrieben und ihn ermähnt,daß erwährend des Neichsconventes die Vertheidigung der hl.Religion auf sich nehmen und den Legaten Lorenz Cam--pegio mit seinem Rathe und seinem Ansehen unterstützenmöchte, damit nach vernichteter Ketzerei der päpstliche Stuhlzum Besitze seiner Rechte und zu seiner vorigen Würdegelange." "^)

Das Ansehen, das Christoph besaß, war in der Thatgroß; dies beweist der Umstand, daß er am 15. Augustin den kleinen Ausschuß gewählt wurde, welcher mit derlutherischen Partei die Streitigkeiten ausgleichen und eineEinigung herbeiführen sollte."") Der Kaiser war nämlichmit der verlesenen AugSburger Konfession sehr unzufrieden,und er stellte sie den gelehrtesten Männern der kathol.Kirche zur Widerlegung zu und berathschlagte sich mitden katholischen Ständen, was zu thun fei. Von diesenriethen einige, wie namentlich Joachim von Brandenburg ,Georg von Sachsen und die Theologen Eck und Faber,zur Strenge, während die meisten geistlichen Fürsten,unter ihnen auch Christoph, und des Kaisers Räthe sichzu friedlichen Maßregeln geneigt zeigten?") Da manlange Zeit kein Einvernehmen mit den Protestanten zuStande brachte, schlugen dieselben vor, einen kleinen Aus-schuß von 14 Personen zu ernennen, was denn auch,wie oben erwähnt, am 15. August geschah.

Was die Wirksamkeit Christophs auf dem Reichs-tage zu Augsburg betrifft, so lauten protestantische Be-richte schon aus den ersten Tagen der Reichsversamm-lung dahin:Der Bischof von Augsburg habe sich günstigüber das vorgelesene Glaubensbekenntniß ausgesprochenund zeige sich mildgesinnt gegen die Bekenner desselben,wie überhaupt die Bischöfe eine versöhnlichere Stimmungdarthäten, als die katholischen weltlichen Fürsten; er habeim Fürstenrathe ungeschcut erklärt, ,ehe er wollt, daßman unvertragen abscheiden sollte, wollt' er ehe die zwenArtikel von beder Gestalt des Sacramcnts und von derPriesterehe nachgeben, und ob es Noth wäre, noch mehrzu thun, sollte zur Erhaltung Friedens und Einigkeitauch nit erwindeist. Diese Rede hätten viele der Fürsten dem Bischof hoch verarget und gleichsam dafür achtenwollen, als ob er auch lutherisch wäre."*") Auch dem

°-) Janssen, Gcsch. d. deutschen Volkes. 3. Vd., S. 165 f.

Hefele, Conc.-Eesch. IX. 704 f.

°*) Braun, Gesch. d. Buch. v. AugSb. III. 252.

«°) Hefele, Conc.-Gescbichte IX. 716. Braun, III. 253.

Veith, Libl. XuZ-. Xlpd. IV. 59 f.: XuZustano (so.vonvsntni aclluit Obr.) kennt 1530, in qno non solum nt Or-äinariue loei, seä ut äoetus eonstansqns vir ab ImperatorsLarolo V. ornn aliis Oatboliois sex äeloetus knit, gut onmtotictsln Xeatliolicio äs inennäts Ooneoräias rationidus in»vioom oonsultarent. Janssen, III. 176.

°°) Hescle, Conc.-Gcsch. IX. 703. Braun, III. 253.

") Allgemeine deutsche Biographie, IV. 226. Zapf, Chr.v. Stadion. S. 74.