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ebenfalls in Augsburg anwesenden Prediger von Saal-feld, jenem Caspar Aquila , mit dem er einst so strengeverfahren war, begegnete er nun mit Freundlichkeit.Daraus ist also schon ersichtlich, daß Christoph den neuenLehren und ihren Anhängern gegenüber andere Ansichtenbekommen habe. Auch scheute er sich nicht, Luthers Mahnbrief an den Erzbischof von Mainz öffentlich imFürstenrath zu verlesen; ja in der Versammlung desNeligionsausschnffes vom 6. August mahnte Christoph soeindringlich zu Friede und Eintracht, daß es zu heftigenAuftritten zwischen ihm einerseits und dem CardinalMatthäus Lang 6«) und dem Kurfürsten Joachim vonBrandenburg andererseits kam, doch die mildern Stimmen,zu denen besonders auch die des Erzbischofs von Mainz zählte, wurden zurückgewiesen?") Einen Beweis für dasernstliche Eintreten Christophs für die Protestanten liefertauch der Brief, den Melanchthon an ihn schrieb, datirtvom 13. August, in welchem ihm derselbe seinen beson-deren Dank ausdrückt für seine hohe Mäßigung und fürseine Einsprache gegen Maßnahmen der Gewalt?") Ineinem Schreiben an Luther berichtet Melanchthon , daßsich der Bischof von Augsburg ganz ernstlich um sie an-nehme. ?') Der Legat des Papstes, Campegio, fügteinem Schreiben an den Staatssccretär Salviato überChristoph die Bemerkung bei, daß er einiges zu dessenUngunsten gehört habe?")
Hiemit ist also die Behauptung Zapfs, seit 1530sei bei Stadion eine Sinnesänderung bemerkbar, er-wiesen. Unleugbar war er auf dem Augsburger Reichs-tag gegen die Protestanten viel milder gestimmt als früher,ja er trat sogar zu ihren Gunsten auf. Wie läßt sichaber dieser Umschlag bei oem Manne, der bisher ein soeifriger Vertheidiger der alten katholischen Kirche war,erklären? Steichele gibt die Antwort: „Dem Gemüthedes Bischofs that es wehe, daß die religiöse und politischeZerrissenheit, die in das deutsche Reich eingedrungen war,immer weiter um sich zu greifen drohte, und deßhalb er-schien ihn: jeder zulässige Weg Zur Ausgleichung will-kommen"?") Es ist wahr, Christoph hatte ein weichesGemüth und liebte den Frieden über alles, und deßhalbsuchte er auf gütigem Wege die Einigung mit den Pro-testanten zu bewerkstelligen. Wir haben bei ihm dieseBemerkung schon gemacht auf dem Reichstage zu Worms und wiederum gegen den Memminger Magistrat, den erdurch väterliche Ermahnungen zum Gehorsam gegen diekatholische Kirche zurückzubringen suchte. Aber dieseCharaktereigenschaft des Bischofs erklärt doch nicht ganzsein Verhalten auf dem Reichstage zu Augsburg .Während er vor demselben immer energisch protestirte,
Derselbe hielt eine Einigung mit den Protestanten fürunmöglich: „Der Cardinal Lang soll nach protestantischenQuellen zu Melanchthon erklärt haben: Zur Wiedervereinigungder Katholiken und Lutherischen gebe es nur vier Wege: Erst-lich, das; wir Katholiken euch Lutherischen nachgeben — daswollen wir nicht; dann, daß ihr Lutherische uns weicht — daskönnt ihr, wie ihr sagt, nicht thun; ferner, baß man beideTheile vermittle — das ist aber unmöglich; so bleibt demnachnichts übrig, als jeder Theil denke und trachte, wie er denandern aufhebe". (Willibald Hautbaler. 0. 8. L., Des Car-dinals und Erzbischofs MathäuS Lang Verhalten zur religiösenBewegung seiner Zeit (1519-1540 (Wien , 1895) Seite 15).
°°) Zapf, Seite 75.
r°) Braun, III. 253; Zapf. Seite 78 und Beilage VII.Seite 149 f.
'j) Zapf. S. 73.
E l-asinwor, Llou. Vat. xa§. 44: äs auo tuiio aliauiä-suustri auilio.
?°) Allgemeine deutsche Biographie IV. 224.
wenn es sich um den Laienkelch oder um die Priesterehhandelte, ist er jetzt bereit, diese Zugeständnisse den Pro-testanten einzuräumen und auch noch mehr, „wenn esvon Nöthen wäre". Demselben Aquila, dem er einst sohart mitgespielt hatte wegen Bruches des Cölibats undwegen Verkündigung lutherischer Lehren, begegnet er aufeinmal mit Freundlichkeit, und doch hat sich derselbenicht bekehrt. Hier kann der Grund nicht allein in derFriedfertigkeit des Bischofs liegen, hier hatten jedenfallsnoch andere Ursachen mitgewirkt, die eine Aenderung inder Gesinnung Christophs zur Folge hatten.
(Fortsetzung folgt.)
Der selige Luüpold zu Breitbrunn.
Von k. Emmcrain Heindl 0. 8. L.
Am östlichen Gestade des Ammersees, in einemQuerthale des von Jnning bis zum Schlosse Ried längsdes Sees sich erstreckenden Höhenzuges, liegt das 38 An-wesen zählende Dörfchen Breitbrunn, das wegen seinerunmuthigen Lage und der stärkenden Seebäder schon seitJahren ein beliebter Sommeraufenthalt geworden ist.Einen Hauptanziehungspunkt für Naturfreunde bildetnamentlich die kaum eine Viertelstunde nordöstlich vomOrte gelegene kahle, sanftgerundete Höhe. vom einge-bornen Volke noch immer der „Jaudesberg"') genannt,auf dem seit uralter Zeit an Ostern und Johanni (oderPeter und Paul) ein Feuer angezündet wird, um dasdann die liebe Dorfjugend herumtanzt und sonst nochmancherlei Schabernack treibt?) Ueber den Berg selbst,der ohne Zweifel eine altheidnische Cultusstätte war,gehen im Volke unheimliche Sagen um, und er wird beiNacht möglichst gemieden. Bei den Sommerfrischlernführt er den Namen „Königshöhe" oder „Königsberg",den er nach König Ludwig I. erhalten hat. Denn dieFernsicht, die man von seinem Gipfel") besonders überden Seespiegel und das Gebirge genießt, ist so bezaubernd,daß der König, als er i. I. 1836 mit seiner GemahlinTherese im Bade zu Greifenberg weilte, gerne hieherkamund daselbst einen Aussichtsthurm errichten ließ, der aberjetzt verfallen ist. Ja er soll sich sogar mit dem Planegetragen haben, hier ein Schloß zu erbauen. Das spätererrichtete kleine Sommerhaus, worin eine Bank zum Aus-ruhen einlud, steht ebenfalls nicht mehr.
Ein sehr hohes Alter scheint auch dem Dorfe Breit»brunn selbst zuzukommen, wie schon aus dem Umständehervorgeht, daß es, obwohl bereits feit undenklichenZeiten eine Quasifiltale, bis auf den heutigen Tagpfarrliche Rechte (mit Sanctissimum, eigener Sepulturu. s. w.) genießt. Wir möchten zwar nicht daraufschwören, was Or. A. Huber ^) meint, zu Breitbrunn seinach Name und Lage des Ortes die ursprüngliche Tauf-kirche des Missionsbezirkes um den Wörth- und Pilsenseegewesen, worauf auch der Kirchenpatron (Johann d. T.)hindeute. Denn die Lage der jetzigen Kirche ist nichtgerade derart, daß diese zu einer Taufkirche, wozu be-kanntlich ein womöglich stehendes Gewässer erforderlich
Wohl verdorben aus „JudaZberg", weil hier am Char-samstag in dem vorher von Haus zu Haus erbettelten Holze„der Judas verbrannt wird".
2) Siebe vr. I. Scpp, Kirchengeschichte von Oberbayern (4: „Das Feuerhupfen und der Sonnwendtanz").
2) Derselbe erhebt sich nach dem „Topographischen Atlas"617,7 Meter über die Meercsfläche.
*) Geschichte der Einführung des Christenthums in Süd-ostdeutschland (III, 455).