Ausgabe 
(21.2.1896) 8
 
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war, geeignet gewesen wäre. Allerdings ist unser Ort,und zwar gerade in unmittelbarer Nähe der Kirche, sehrreich an Quellen und hat wohl davon nicht, wieHuber meint, von einem ehemaligen Taufbrunnenseinen Namen erhalten; man müßte denn annehmen, daßdie Kirche ursprünglich unten am Gestade des Sees ge-standen habe und erst später auf die Höhe transferirtworden sei. Aber daß Breitbrunn in ältester Zeit eineeigene Pfarrei gewesen sei, dürfte kaum einem Zweifelunterliegen. Urkundlich kommt unser Ort, wenn Freuden-sprung 5) Recht hat, zuerst unter Bischof Heinrich I. vonFretstng (reg. 10981137) vor, wo der Edle Kobaltäs kröittanxrullnnQ Zeuge einer Gutsschankung ansFreifinger Hochstift ist?) Jedenfalls aber gehört Msr-dnrärw äs Lraitdruiursn, um 1185 Ministerin! desMarkgrafen Berthold von Andechs ?) unserm Orte an. Die Kirche von Breitbrunn , die uns für unsernZweck zunächst interessirt, wird zuerst in der Chronik vonAndechs vom Jahre 1755 (I, 52) erwähnt, wonach GrafHeinrich von Andechs ums Jahr 1225 seiner Schloß-kapelle dortselbst unter anderen auch das Oollaturns"der Kirche inPraibrunn" verleiht, welche nach einer An-deutung der Andechser Chronik von 1715 (S. 44) einst-mals von den Grafen von Andechs gegründet und dotirtworden zu sein scheint. Das erwähnte Vermächtnitz desGrafen Heinrich war übrigens nicht von langer Dauer;nach dem Aussterben des Andechsergeschlechtes (1248)scheinen vielmehr die bayrischen Herzoge, denen die Güterder Andechser in Bayern zufielen, auch das Patronats-recht der Kirche von Breitbrunn sich angeeignet zu haben.Denn am 2. August 1266 schenkt Herzog Ludwig derStrenge die Kirche zu Lraitdrunan sammt Kirchensatzund aller übrigen Zugehörde dem Kloster Liessen?) wasBischof Hartmann von Augsburg 1268 bestätigt?) Darausgeht hervor, daß die hiesige St. Johanneskirche damalseine Pfarrkirche war, welche das Kloster Liessen anfangs,gemäß einer von Bischof Hartmaun 1273 für alle ihmuntergebenen Pfarreien erhaltenen Erlaubniß?") wohldurch einen hieher exponirten Conventualen versehen ließ,zumal es feit 1304 auch sonst bedeutende Besitzungen(3 Höfe) hier hatte.") Später aber wurde deren Pasto-ration einem weltlichen Pfarrer aus der Umgebung, undzwar zunächst ums Jahr 1415 jenem von Frieding, an-vertraut; aus diesem Jahre liegt nämlich ein Vtkariats-entschetd des Ordinariats Augsburg vor, aus dem hervor-geht, daß die Kirche Breitbrunn keineswegs mit der PfarreiFrieding unirt werde; sie war daher, wenn sie auch keineneigenen Pfarrer mehr hatte, doch niemals eine eigentlicheFiliale weder von Frieding noch von einer anderen Pfarr-kirche, sondern wurde stets als eine eigeneKirche betrachtet, die der Propst von Liessen jedembeliebigen entsprechenden Nachbarpriester übergeben konnte.1723 kam die Seelsorge von Breitbrunn provisorisch,1738 aber definitiv an die Pfarrei Oberalting, bis durchRevers vom 7. Dezember 1760 Pfarrer Mathias Wid-man von Höchendorf dieselbe übernahm, bei welcherPfarrei sie bis heute verblieben ist, wahrend das Prä-sentationsrecht bis zur Säcularisation dem Kloster Messen

°) Ueber die Ortschaften des 1. Bds. der Meichelbcck'fchenUistoria. VrisinAensis.

") Usielwtd. Liot. ikris. I, b, n. 1283 , b.

-) 21. L. VII, 71.

«) 21. L. VIII, 191.

°) I^UA L Vroxderg', Lög'ssts, III.

*°) 21. L. VIII, 192.

'* *) LsAssta V; 21. L. VIII. 202.

gehörte. Zur Kirche Breitbrunn waren schon seit alterZeit noch die beiden Einöden Ellwang und Was achzuständig?")

Diese Vorbemerkungen sollen hauptsächlich dazudienen, unser eigentliches Thema zu beleuchten und ver-ständlicher zu machen. Die Kirche St. Johann in Breit-brunn , welche nach Dillitzer") im Jahre 1489 eingeweihtworden sein soll und außer einer alten Thurmglocke undeiner am nördlichen Seitenaltar befindlichen, dem 16. Jahr-hundert ungehörigen Holzfigur des hl. Nikolaus") nichtsInteressantes bietet, erfreute sich nämlich einstmals längereZeit hindurch eines hohen Ruhmes und bedeutenden Volks-zulaufes wegen des angeblichen Grabes des seligenLuitpold, das sie in sich bergen sollte und hicmitstehen wir beim eigentlichen Gegenstände unserer Ab-handlung : welche Bewandtniß hat es mit diesem Seligenund mit seinem Grabe zu Breitbrunn ?

Nach den Andechser Chroniken von 1715 (S. 22)und 1755 (I, 33) war der selige Luitpold*") auchLeupold, Liupold, Leopold, Leutgeb u. a. genanntein Sohn des Grafen Otto II. von Wolfratshausen (1' 1122 als Mönch zu Seeon ) und seiner im Todeihm bereits vorangegangenen Gemahlin Lauritta. Daßindessen diese Angabe mit Mißtrauen aufzunehmen ist,geht schon aus den offenbaren sonstigen Unrichtigkeitenhervor, die sie enthält; denn nach Oefele*") starb Ottoerst 1127, während seine Gemahlin noch 1140 am Lebenist; auch hatte er keinen urkundlich nachweisbaren Sohndieses Namens. Mehr Glauben verdienen daher dieDicssener historischen Nachrichten;") diese machen ihn zueinem Sohn des Grafen Otto I. von Wolfratshausen (j- 24. April 1122) und seiner Gemahlin Jusiitia, einergebornen Gräfin von Wtttelsbach, welche am 30. Januar1070 im Gerüche der Heiligkeit starb und in einereigenen Kapelle in der Pfarrkirche zu Thanning beiWolfratshausen begraben liegt?") Dall' Abaco, der*")unsern Seligen unter dem NamenLuitpold" erwähnt,weiß von seiner Genealogie nur zu berichten, daß eraus dem Geschlechte der Grafen von Diessen und Wolf-ratshausen " gewesen sei. Urkundlich läßt sich jedoch nurFolgendes feststellen: Allerdings hatte Otto I. (nachOefele Otto II.) von Wolfratshausen (Gemahlin Justitia )einen Sohn Namens Liupold,"") der gegen 1102 lebteund am 19. Februar ca. 1127 starb. Doch wurde diesernach dem ^acroloZiniu von Diessen in der dortigenStiftskirche St. Stephan begraben; immerhin wäre esdenkbar, daß sein (anfänglich zu Breitbrunn begrabener)Leichnam später cxhuwirt und ins gemeinsame Familien-grab nach Diessen transferirt worden sei.

(Schluß folgt.)

*") Schreiben des Propstes Berthold von Diessen v. I.1757 (Kopie in der Pfarrregistratur zu Frieding).

*o) Handschriftliche Beschreibung des Kapitels Oberalting v.I. 1890, Eigenthum dcS Kapitelarchivs.

"I Bezold-Riehl, Kunstdenkmale d. Königreiches Bayern (I, 858).

*°) Im Volksmunde hieß er auch derheilige" Leupold.

*°) Geschichte der Grafen von Andechs (S. 18 Nr. 17);wir richten uns nach der Zählunaswcise der Dicssener undAndechser Chronisten; bei Oeicle ist es Otto III.

*') Nach Mittheilungen des ch H. H. Pfarrers Gschwindvon Diessen (Stadlcr's Heiligcnlexikcu III, 956).

*°) Vgl. Mayer-Wesiermay-r, Statist. Beschreibe des Erz-bisthumS Müuchen-Freising (III, 659 f.).

In seiner in der k. Staatsbibliothek befindlichen hand-schriftlichen Chronik von Diessen v. I. 1776/77.

"°) Oefele S. 18 Nr. 16. u. S. 117.