Ausgabe 
(28.2.1896) 9
 
Einzelbild herunterladen

thun, was in seinen Kräften stand. Um noch größeremUebel vorzubeugen und um seine Unterthanen davor znbewahren, hielt er im Jahre 1536 eine Synode, derenStatuten jedoch nicht erhalten sind?!)

(Schluß folgt.)

Die stringente Kraft der Gottesbeweise.

8tr. In Nr. 6 der Beilage hat ein Mitarbeiterder Postzeitung unter der AufschriftGedanken überWissenschaft und Christenthum " eine Kritik über denebenso betitelten Artikel eines anderen Correspondentenin Nr. 4 zum Besten gegeben und dabei verschiedeneSätze aufgestellt, die wir darin lieber nicht gelesen hätten.ES heißt dort unter ander«,daß die Beweise vonGottes Dasein und Erscheinung in der Natur undGeschichte es zn keiner vollen Stringenz undEvidenz bringen"; dann wird weitergefahren:Wohlspricht daS vatikanische Concil von einer ErkennbarkeitGottes, nicht aber von einer sicheren Beweisbarkeit. AlleBemühungen der Apologeten, Gottes Offenbarung zu be-weisen, haben es nie bis zu einem Erkenntnißzwang, biszu einer inneren Nöthigung gebracht. Die Glaubens-wahrheiten wurden nicht als allgemein gültig und noth-wendig in dem Sinne erwiesen, wie es philosophische undmetaphysische Grundbegriffe sein müssen, und es ist aller-dings nicht zu verwundern, daß die exaktenund kritischen Wissenschaften, die nur (?) mitsicher Beweisbarem operiren, Thatsachen aus demWege gehen, die nach ihrer Ansicht Sachen bloßenMeinens oder Glaubens sind." In dieser Dar-stellung ist Wahres und Falsches und auch nicht Zu-sammengehöriges zusammengemengt, aber im allgemeinenbekommt man beim Durchlesen derselben den Eindruck,als ob eS mit der natürlichen und philosophischen Be-gründung des Gottes- und Christenglaubens gar kläglichbestellt sei, so daß man ihn mit guten Gründen alsbloße subjektive Anschauung bei Seite schieben könne.Auf so schwachen Füßen steht nun aber glücklicherweisedas Gottesreich noch nicht, und die hohlen und blindenDunstgeschosss der modernenWissenschaft und Auf-klärung" werden nimmer den Felsen der Kirche wankendmachen. Auch heute noch behält der Satz seine Wahr-heit:Nur der Thor spricht in seinem Herzen: Es gibtkeinen Gott," und jene Geistesheroen sind nicht zu ent-schuldigen, welche in dem Wunderbar: des Universumsden allmächtigen Baumeister nicht finden wollen. Freilich,wenn jene Tollhüusler von Philosophen recht hätten,welche ihre eigenen Grundsätze im praktischen Leben beijedem Schritte, den sie machen, verleugnen müssen, welchenur das als real gelten lassen, was man greifen undwägen kann, oder gar in ihrem Hyperkriticismus alleobjective Erkenntniß hinwcgdisputiren und schließlich beimvollen Nihilismus angelangen, wobei auch der Kritikusselbst in Dunst und Nebel aufgeht, da liegt es aller-dings nahe, die unwägbare Voraussetzung aller Phänomeneeinfach zu negiren, obwohl andrerseits nicht zu ersehenist, worauf sich denn das eine Welt scheinende Nichtsstützen soll, wenn nicht ein erstes, höchstes Wesen oderUrphänomen ponirt wird. Aber was hat denn die Natur-forschung und exakte Wissenschaft entdeckt, wodurch Gott ,die einzige Stütze aller Wahrheit und Wirklichkeit, über-flüssig geworden wäre? Im Gegentheil, alles, was Astro-

Veitii, Itibl. LIpb. IV. 66: sivs gnoä typisexeusLs nou i'usriiw, sivs guoä per bellieas illormu iemporuwiurdcrs mtenverint.

nomie, Physik, Chemie, Pflanzen- und Tierkunde, Geo-logie und Physiologie u. s. w. zu Tage gefördert haben,ist im Grunde genommen nur ein großartiger Commentarzu dem Ausruf des Psalmisten:Die Himmel verkündendie Ehre Gottes, und seiner Hände Werk zeigt an dasFirmament."

Mit aller Entschiedenheit muß darum die Behauptungzurückgewiesen werden, als ob die herkömmlichen Beweisefür das Dasein GotteS nicht vollkommen stichhaltig seienoder der vollen Stringenz und Evidenz entbehren. S owahr das Causalitätsgesetz unumschränkte,ganz ausnahmslose Allgemeingiltigkeit imgesammten Reiche des Werdens uud Wirkensbesitzt, so wahr und sicher eignet den auf diesesmetaphysische Princip aufgebauten Gottesbeweisendie unerschütterlichste Gewißheit, welche wederdurch kantische Antinomien noch durch minder berühmteParalogismen wankend gemacht wird. Wie der Topfnicht ohne Töpfer, der Tisch nicht ohne Tischler entsteht,so ist Leben nicht vom Schlamme und die unendlich ver-wickelte Weltordnung und -Harmonie nicht durch Zufallaus dem Chaos erwachsen, abgesehen davon, daß auchder Weltstoff in keinem seiner Theile die Absolutheitund Allgenugsamkeit bekundet, welche gewisseDenker"ihm vindiciren möchten. Ist etwa die Pracht eines herr-lichen Frühlingsmorgens oder die Majestät des Sternen-himmels als Produkt der Evolution und zufälligen An-passung begreiflicher, denn als Werk einer allmächtigen,allweisen Intelligenz? Soll der Schleim des Meeres-grundes der Vater des Menschengeistcs sein?

Diese auf das Causalitätspriucip gründende Gewiß-heit und Evidenz ist es auch unzweifelhaft, die das Vati-canum andeutet mit den Worten: Li czuis Üixsrit, vaumuinrrn ei vermin, Lreatorein 6b Oowiirrun uostwum,per 6a, Huus flrota surrt, rratuirrli ratrvrirsluurins osrto oogrrosoi rrou xvsso, airatlrarrrasit. Es ist uns darum unerfindlich, wie der 6. 6-.-Cor-respondeut Zu dem Einfall kommt:Wohl spricht das vati-kanische Concil von einer Erkennbarkeit Gottes, nicht abervon einer Beweisbarkeit." Er behauptet zunächst mehrals zulässig ist; denn wenn von Erkennbarkeit im Gegen-satz zur Beweisbarkeit die Rede ist, so kann nur etwasgemeint sein, was durch unmittelbare Perception evidentist; von Gott gibt es aber natürlicherweise nur ein durchSchlußfolgerung aus anderer'. Thatsachen und Wahr-heiten vermitteltes Erkennen. Andrerseits aber wird einsolches angeblich direktes Ersassen Gottes als so minder-werthig taxirt, daß es weit hinter ein durch Beweis undSchluß gewonnenes zuverlässiges Wissen zurücktreten müßte.Das Vaticanum hat jedenfalls kein unmittelbares oder in-tuitives Schauen Gottes im Auge; es meint auch nichtein Erfassen durch Abstraktion, wie wir die uns um-gebende sinnliche Welt mit dem Verstände ergreifen;ebenso ist die von dem Urheber des besprochenen Artikelsangedeutete innere Gotteserfahrung hier ausgeschlossen,welche nur bei besonders begnadigten Seelen vorkommtund nur snbjective Bedeutung hat; es bleibt demnachnur das durch Schlußfolgerung vermittelte Erkennenübrig, das allein in jenem aerto evZnosoi bezeichnetwird. Eben weil wir Gott nicht in seinem eigenenSein, sondern in dem Resultate seiner schöpferischenWirksamkeit als Urheber der vor uns ausgebreiteten Weltzu erreichen vermögen, ist unsere Gotteserkenntniß lücken-haft; wir sehen nicht sein Wesen, sondern können nuraus der Herrlichkeit seines Werkes und der ihm noth»