wendig zukommenden Aseität seine Vollkommenheiten er-schließen. Aus jeder Wirkung folgt ja mit Nothwendig-keit das Vorhandensein einer Ursache, deren Vollkommen-heit mindestens der Größe der Wirkung entsprechen muß;denn wäre die Ursache geringer an Kraft als die Wirkung,so wäre dieses Mehr von Vollkommenheit in der Wirkungursachlos, ein Ding der Unmöglichkeit. Aber ist auchunsere Kunde von dem höchsten Wesen unvollkommen,ein Stückwerk, so ist doch das relativ Wenige, das wirvon ihm wissen, ein vollkommen gesichertes Wissen.Kennen wir Gott in seinem Sein und seinen Eigen-schaften auch nicht mit jener unmittelbaren Evidenz undKlarheit wie etwa den algebraischen Satz: 2X2 — 4,so erfreut sich diese Erkenntniß doch jener Zuverlässigkeitund Festigkeit, welche jeder Folgerung aus zweifellossicheren Principien und Prämissen eigen ist um so mehr,weil wir nicht bloß auf dem einen oder anderen Wegezu Gott emporgelangen, sondern auf zahlreichen Bahnendieses Ziel mit gleicher Sicherheit erreichen. Der Bauunserer Gotteskunde ruht auf festen Quadern, auf uner-schütterlichen Fundamenten, während der Atheismus seinHaus nicht einmal auf Sand bauen kann. Ein über-zeugter Atheist ist überhaupt eine Unmöglichkeit; wennauch ein überkritischer Skeptiker die Behauptung aufstellt,die Argumente für Gottes Dasein scheinen ihm nicht voll-ständig zwingend zu sein, so kann doch kein Mensch jeetwa ausrufen: „Ich weiß es und habe es gefunden,daß ein Gott nicht existirt."
Was nun den Charakter der Gewißheit anlangt,auf welcher die Evidenz der Gottesbeweise ruht, so istdiese Gewißheit eine metaphysische, soweit sichdiese Beweise wie der kosmologische und Leleologische aufdas Causalitätsprincip stützen. Schließt man aber vonder Thatsache der Wunder und der in Erfüllung ge-gangenen Weissagungen auf Gott , dem allein eine solcheabsolute Macht über Natur und Geschichte eignet, sohängt in diesem Falle die Zuverlässigkeit des Schlussesallerdings von der Glaubwürdigkeit und Sicherheit derZeugen ab; die hier erreichbare Gewißheit ist eine mo-ralische; aber welche moralische Gewißheit! Welcheshistorische Ereignis; ist besser bezeugt als das Faktumder Wunder? Christus selbst hat unzählige Wunder ge-wirkt; dasselbe thaten die Apostel und Heiligen in derKraft Gottes; zu allen Zeiten wurde daS Wirkenund Leben besonders begnadigter Personen durch Wunderverherrlicht. Bei manchen dieser Wundervorgänge warenHunderte und Tausende als Zeugen zugegen; manche vondiesen Zeugen haben ihr Zeugniß mit ihrem Blute be-siegelt. Welch eine Frivolität gehört demnach dazu, dieMöglichkeit eines Wunders zu leugnen! Mit demselbenRecht kann ich die ganze Weltgeschichte als Lüge zurück-weisen. Steht etwa die Existenz eines Han-nibal oder Cäsar sicherer fest als das Lebenund die Thaten des Gottessohnes? Darausergibt sich, was von einer Aeußerung zu halten ist wie:„Wer in sich und seinem Schicksale keine Wunder erlebthat, wird schwerlich an Wunder glauben." Dieselbe Ge-wißheit wie der Thatsache der Wunder steht auch der That-sache der Offenbarung Gottes überhaupt zur Seite; durchWnn'oer hat sich die Kirche als Gottes Werk bekundet undbestätigt. Kein Ereigniß der alten und neueren Geschichteerfreut sich auch nach seiner kritisch-wissenschaftlichen Seitehin einer festeren Basis als die Stiftung und der Bestandder katholischen Kirche .
WaS dann der 6. O.-Correspondent mit der „ur-
sprünglichen Gottesidee" meint, ist uns gleichfalls einschwieriges Räthsel. Eine angeborene Gottesidee gibt esnicht, weil überhaupt keine angeborenen Ideen existiren.Soll etwa diese Idee noch der Nachhall der Uroffenbarungoder der durch Tradition von Geschlecht zu Geschlecht über-mittelte Gottesgcdanke sein? Wenn letzteres nicht gemeintist, so kann diese Gottesidee jedenfalls nur das Produktjenes jedermann so naheliegenden Gedankenganges sein,der in den Beweisen für das Dasein Gottes gewöhnlicheingeschlagen wird. Was liegt denn dem Menschen näher,als bet allem, was er sieht, nach der Ursache zu fragen?Warum sollte er also nicht auch nach der letzten undhöchsten Ursache fragen? Jene Funktion aber, welcheunser O. 6l.-Corrcspondent der ursprünglichen Gottesideezuweist, hat dieselbe ganz gewiß nicht.
Aber wie kommt es dann, höre ich mir entgegen-rufen, daß trotz dieser Stringenz der Eottesbeweise so-vicle an Gott und seiner Kirche irre werden? SolchenFragcrn möchte ich zunächst mit einer Gegenfrage ant-worten: Warum haben die Jsraelitcn, obwohl sie sogroße Thaten und Wunder Gottes erlebt hatten, trotzdemdas goldene Kalb angebetet? Welch ein Abgrund vonLeichtsinn und Bosheit des menschlichen Herzens offen-bart sich in diesem Vorgang! Uebrigcns kommen auchnoch andere Atomente hier in Betracht. Obwohl imallgemeinen der Gottesgedanke jedem Menschen so naheliegt und sich förmlich aufdrängt, so ist doch ein tieferesEindringen in diese Gedaukengänge mit einiger Schwierig-keit verbunden und nicht jedermanns Sache. Sodannkann man die Menschen nicht zwingen, ihren Geist aufsolche Probleme zu richten und darin zu vertiefen. Auchbei der Erkenntniß der Wahrheit wie bei derBethätigung jeder anderen Fähigkeit muß der Willedabei sein. Soll ich einen Gegenstand sehen, so mußich das Auge öffnen und ihm meine Aufmerksamkeit zu-wenden. Nun aber geschieht es bekanntlich leider nurzu häufig, daß der ganz in die Sinnenwclt und in dasmaterielle Treiben verstrickte und versenkte Mensch fürdie Dinge über ihm kein Auge mehr hat, daß die Oster-glocken der Gottesgedanken von dem Sturme und Ge-schrei gemeiner Leidenschaften gänzlich übertönt werden.Und wenn man auch nicht gerade immer annehmen darf,daß die ordinärsten Götzen wie Venus, Bacchus, dasgoldene Kalb den Weg zu Gott verlegt und den Aus-blick nach der Höhe versperrt haben, wie oft ist es be-sonders bei Professoren und Gelehrten der Hochmuth,die Selbstvergötterung, der Hang zu schrankenloser Frei-heit und Ungebundenheit im Denken und Handeln, welcherdie Geistesklarheit trübt und die Welt in falscher Be-leuchtung erscheinen läßt! Oft genug auch gesellt sichdann zur Sünde des Geistes die alles Hohe und Idealeverheerende Sünde des Fleisches und zieht mit Blei-gewicht die Schwingen des Geistes von den lichten, er-habenen Gottesideen zur Gemeinheit nieder. Das mögenim allgemeinen die Hemmnisse sein, welche vielen denAusblick zum Weltenschöpfer versperren oder widerwärtigerscheinen lassen; im einzelnen bei jedem Apostaten denGrad der Verschuldung festzustellen, ist Sache dessen,welcher Herzen und Nieren durchforscht. Jedenfalls aberwerden dabei jene nicht am besten wegkommen, welche,nicht zufrieden mit der Oede und Verzweiflung im eigenenHerzen, dieses Gift auch in möglichst viele andere Seelenauszugießen bemüht sind.
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