Ausgabe 
(28.2.1896) 9
 
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bildungen nicht ganz zufrieden. Die Gottesbeweise ausder Natur in der üblichen Form haben ja innerhalb ge-wisser Grenzen einen hohen Werth, aber sie richten sichzunächst bloß gegen den nackten Atheismus, beweisen nureine mehr oder weniger bewußte Weltursache, außerwenn man verstohlene Anlehen bei der Psychologie*)macht, nicht aber die selbst-wirkliche Geistesmacht, denpersönlichen Gott, der auch die sittlich-geistige Welt er-schaffen hat und in ihr nicht bloß erscheint, den Gottder Offenbarung, der Wunder, des Gebetes. Die aus-gedehnte denkende Weltsubstanz Spinoza's wird sowenigüberwunden, wie das zweckvoll schaffende UnbewußteHartmanns, gar nicht zu reden von dem idealistischenMonismus, der mehr und mehr sich aller nichtkatholifchenForscher bemächtigt. Dieser Monismus, der den meistenApologeten noch unbekannt ist und den ich hier nicht inKürze skizziren kann, ist viel verbreiteter und viel ge-fährlicher, als man sich denkt. Unser schwerster Feind,den wir immer im Auge haben müssen, ist wenigerder dumme Atheismus und theoretische Materialis-mus der ist denkenden Leuten (sogar Häckel) dochviel zu fad und geistlos, der eigentliche Feindist der schillernde, gleißende Monismus und an demprallen, wie ich übrigens schon oft wiederholte, die meistenGeschosse wirkungslos ab, die nach der herkömmlichenMethode gegen die Gottesleugner abgefeuert werden.Auch die obigen Expcktorationen werden einem modernenPantheisten wohl höchstens einiges Lächeln abnöthigen,denn sie gehen neben das Ziel. Der einzige Apologet, derdiese Sachlage einsieht und den modernen Gegnern auchgewachsen ist, ist, wenn ich wich nicht täusche, Schell,dessenGrundwahrheiten des Christenthums" ich HerrnSt. sehr empfehle.

(Schluß folgt.)

Münchner Anthropologische Gesellschaft.

8. Donnerstag den 20. Fcbr. Abends 7'/, Uhr hielt dieAnthropologische Gesellschaft mit der Geozrapdischen und Co-lonial-Gescllschaft im Chemischen Hörsaal eine gemeinschaftlicheSitzung ab, in der Herr Oskar Neumannüber seine Reisenin Ost- und Central-Asrika" sprach. Der Sitzung wohnten dieKgl. Hoheiten Prinzessin Thcrese, Prinz Ludwig und PrinzLeopold mit zwei Söhnen bei. Neumann begann seine Reisevon Sansibar , ging zunächst westwärts nach Jrangi und machtevon hier einen Abstecher in das Gebiet der Ussagara. Er warder erste Europäer, der den Gurui-Berg bestieg. Dann zog ernordwärts und kam nach vielen Strapazen und Kämpfen anden Viktoria-See nach Uganda , wo er einige Zeit zum Zweckewissenschaftlicher Excursioncn verweilte. Von da kehrte er aufdem gewöhnlichen Karawauenweg an die Küste zurück. Er warfast zwei Jahre uuterwcgs u»d bat eine große Sammlung vonThieren, darunter viele neue Arten, mitgebracht.

Freitag den 21. Februar. Die gewöhnliche MouatSsitzungim KunstgewerbehauS eröffnete der Vorsitzende Pros. Dr. I. Rankemit dem Danke an das Kgl. Ministerium des Acußeren, welchesden wissenschaftlichen Expeditionen in ferne Länder großes In-teresse entgegenbringt. Kaum war nämlich aus Südamerika die Nachricht angelangt, daß die von Herrn Dr. HerrmannMeyer aus Leipzig ausgerüstete Expedition zur Erforschung der»och unbekannten Quellflüsse des Schingu auf der Hochebenevon Matto Grosso, an welcher sich auch Dr. Karl Rauke ausMünchen , der Sohn des Vorsitzenden der Gesellschaft, bethciligt»von Indianern überfallen worden sei, als das Kgl. Ministeriumaus eigener Initiative sofort an Ort und Stelle Erkundiaungcneinzog. Aus der eingehenden Nachricht des Konsuls in S. Ca-tharina ersieht man, daß die Expedition von Blumeuau in denUrwald des Staates S. Catharina vorgedrungen war und dortvon den Bugre-Jndianern nachts überfallen wurde. Der Ucber-

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*) Vgl. Güttler, Wissen und Glauben S. 73.

fall verlief ohne jeden Schaden. Die Expedition ging heute bereitswieder nach Nio Grande ab. Dann dankte der Vorsitzende nochim Namen der Gesellschaft Herrn Lieutenant Storch, welchereine Anzahl von Schädeln von Pare-Negern und Massai demanthropologischen Institute zum Geschenke machte. Hierauf er-theilte er Herrn Gebeimratb l)r. v. Christ das Wort zu seinemVortrage mit dem Titel:Ueber die geschlechtlichen Verhältnisseim Alterthumme bei Griechen und Römern", woran sich einekurze Diskussion schloß.

Recensionen und Notizen.

Das glänzend ausgestattete 7. Heft des Deutschen HauS-schatzeS bringt eine reizende Novelle von L. v. Neidegg: EinGegenüber, beginnt eine packende Erzählung von M. Her-bert mit dem charakteristischen Titel: Die Rache der Jugendund bietet außerdem die wirklich humorvolle Humoreske: Feld-dienst bei Nacht von Joh. Roesberg. Der Roman vonKarl May : Die Jagd aus den Millionendieb wirdfortgesetzt. Von den belehrenden Artikeln des Heftes heben wirdie folgenden hervor: Ein Besuch aus der Mccrc-burgvon Max Kraß, die kleinen Religionen von Paris von Dr. I. M. Höhler, der dritte Band der PastorschenPapstgcschichte von Karl Hoebcr, der Bund Tirolsmit dem göttlichen Herzen Jesu von Franz Peters,das Ohr und der Gehörsinn von Jos. Dackweiler, Aus-hebung der Undurchsicktigkeit? (Die Entdeckung desNontgen'schm Lichtes.) Die zahlreichen kleineren Artikel undNotizen zu erwähnen, verbietet uns der Raum.

Studien undMitthcilungen aus dem Bencdictiner-und Cistcrcieuser-Orden. XVI. Jahrgang 1895.Preis pr. Jahrg. (4 Hefte ca. 40 Bogen) M. 8 4 fl.Nur zu beziehen durch die Administration genannterZeitschrift im Stift Naigcrn bei Brunn (Oesterreich ).

JuhaltS-Verzeichniß des IV. Hefteö 1895. Ab-handlungen: Leistle, Dr. David (Dillingcn): Wissen-schaftliche und künstlerische Strcbiamkeit im Sr. Magnusstistezu Füssen (II.) Wintera, 8. Laur. (0. 6. 8. Brauuau):Eine Stätte alter Bcuediktiuercultur (Kloster Säzava inBöhmen). Ncnz, G. A. (Regensburg ): Beiträge zur Ge-schichte der Scboltcnabtci St. Jacob und des Priorates WeihSt. Peter (0. 8. 8.) in RegcnSburg. (IV.) Vielhaber, 8.Gottfried (Orä. l?raem., Scklägl): Eine Admontcr Rotel vomJahre 1390. Lerlisre, 8. UrLmar (0. 8. 8. MaredsouS):VisitationSreccsse des Bcncdiktinerklosterö St. Trond a. d. I.1252 und Statuten des CarvinalS Hugo von St. Sabina.Grilln berger, vr. Otto (0. 6ist., Wtlhering): KleinereQuellen und Forschungen zur Geschichte des Cistercienser-Ordcns (VI.) Mittheilungen: Weikert, v. ThomasAg. (0. 8. 8. von St. Meinrad, Am.): Meine Orientreise (I.)Breitschopf, 8. Robert (0. 8. 8., Altenburg ): Zur WahlCaspar Hofmanns zum Abte von Melk (1587). Ptaine, I.Beda (0. 8. 8., Silos): Os 1'anthsnticits äs la, wission äs8. Llaur eu Kranes. W. I., 8. (0. 8. 8. von Ad.): Zur Ge-schichte der Bücherccnsur in Oesterreich . Breitschopf,Ueber das Formulare bei der Abtweibe. Endl» 8. Friedrich(0. 8. 8., Altenburg): Paul Troger. ein Künstler der Barock-zeit. (II.) Clauß, Jos. M. B. (Herbitzhcim): Beiträge zurBau und Kunstgeschichte der Klöster (III.) Neueste Bene-diktiner - und Cistercienser-Literatur u. s. w.

Literarischcr Haudweiser, begründet, herausgegeben undredigirt von Msgr. Or. Franz HülSkamp in Münster .24 Nrn. ä 2 Bogen Hochquart für 4 M. P. Jahr.

1895. Nr. 22. Inhalt. Der III. Band von Pastor'SPapstgeschichte (Wurm). Weitere kritische Referateüber Heben streit und Kerschbaumer Fastenpredigten(Dcppe), Röhricht Rsg-ests. Lsgni Ilisrosolz-ivitani undRöhricht Die Deutschen im hl. Lande (Ehrhard), BrümmerLexikon der deutschen Dichter, K. Fischer Kritische Strcifzügeund Ioft es Der Rattenfänger von Hamcln (HülSkamp),8 urcs 111-iks ok 6arä. LlanninA (BelleSheim), W. BäuinkerDeutsches gcistl. Liederbuch des 15. Jahrh. (Kreiten), Sand-berg er Orlando di Lasso 3. Theil (Bäumker), Krebs Pas-sionsblumen u. St. Joscpbsbüchlein (Deppe). 23 Notizenüber Sckanz Alter des Menschengeschlechts, F. Schöningh'-schc Novitäten und verschiedene andere Nova (HülSkamp).Zeitschristen-Jnhalt und Novitäten-Verzeichniß.

Verantw. Redacteur: Ad. Haas in Augsburg. - Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Erabherr in Augsburg .