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hinaus suchen mutz. Bei dem Schlußsatz habe ichmich vergeblich besonne», wer wohl so teuflisch seinkönnte, daß er mit der Oede und Verzweiflungseines Herzens andere anstecken wollte; ich bezweifle, obdas auch nur Schopenhauer oder Voltaire beabsichtigte.Oder dachte St. an den Bibelspruch: „Wer die Er-kenntnis; mehrt, der mehrt die Pein."
Jede neue Erkenntniß bringt in die Seele nebendem Gefühl der Befriedigung eine gewisse Unruhe, reiztdie Neugier weiter und der Zweifel ist der Schattendes ErkennenS . Daher ist vielen nichts unsympathischer,als eine neue Idee. Es sind jene, die längst abge-schlossen haben und gewissermaßen in ihrem Erkenntniß-kreis erstarrt sind. 6. 0.
Der selige Luitpold zu Vreitvrmm.
Von k. Emmeram Heindl 0. 8. L.
(Schluß.)
Ueber des Seligen Leben wissen die Andcchser undDiessencr Chronisten nur sehr Spärliches zu berichten.Nachdem die Andcchser Chronik von 1715 einen Leopoldunter den Kindern Otto's II. von Wolfratshausen auf-geführt, fährt sie fort: „Vermuthlich aber ist dieser Leo-pold jener gewesen, welcher anjetzo Leupold insgemeingenennet wird, und in freiwilliger Armuth, auch großerFrombkeit gelebt"; die Chronik von 1755 weiß noch,daß er viele heilige Orte besuchte und verehrte und zuletztals Pilgrim nach Ellwang unweit der Burg Andechskam. Dali' Abaco weiß von diesen Pilgerfahrten nichts,dagegen berichtet er, daß „Luitpold den Stand einesEremiten erwählte und feine Klause zu Ellwangen , einemkleinen Dörflein unweit vom Ammersee , aufschlug undein heiligmüßiges Leben da vollführte". Heiligmäßig,wie sein Leben, war auch sein Sterben, indem er lautChronik von 1715 „endlich zu Ellwang unweit Andex ineinem Vaurenhauß^) seinen seligen Geist aufgeben undzu Baybrnnn, wohin ihn wundcrthätiger Weiß^) zweiOchsen geführt, begraben worden; allwo er noch bißheutigen Tag mit Wunderzeichen leuchtet". Etwas um-ständlicher erzählt fein Begräbniß Dall' Abaco im Jahre1776 mit folgenden Worten: „Man findet von ihm auf-gezeichnet, daß er nach seinem Tode, sowie er es beiLebszeiten verlanget, auf einen gemeinen Karren voneinem Paar Ochsen bespannet gelegt werden sollte, wiedann sein Leichnam ohne Lcit und Fuhrmann nachBraitbrunn gebracht und allda begraben wurde; leuchtetmit Zeichen und Gutthaten". Während es uach denAndcchser Chroniken den Anschein gewinnen könnte, alssei unser Selige am Ende seiner Pilgerfahrten nur zu-fällig zu Ellwang verschieden, erfahren wir also durchden Diessener Chronisten, daß er vielmehr längere Zeitvor seinem Hinscheiden als Klausner daselbst zugebrachthabe. 23)
Nun noch einiges Aktenmäßige über sein Grab
„In einer schlechten Vaucrnhütte" sagt die Chronikvon 1755.
22 ) „Zn allgemeiner Verwunderung" sagt die Chronik von1755; einen Sterbetag oder -Datum findet man nirgends an-gegeben, auch nicht, wann sein Gedächtniß etwa zu feiern wäre.
22 ) Ein ganz ähnliche Legende lebt bekanntlich im Volk überden sel. Willibold, Grafen von Calw , dessen Leib zu Vert-heiln in Württemberg ruht. Auch an den sel. Heinrich möchteich erinnern, der nach der Legende, dem Geschlechte der Grafenvon Andechs entsprossen, im 12. Jahrhundert als Einsiedler amSüdcnde des Würmsccö lebte und der Wallfahrt St. Heinrichihre» Ursprung gab; vergl. hiezu die Chronik von Beuerberg
und dessen Verehrung beim Volke. Dillitzer ^) hat hier-über Folgendes: „In der Kirche zu Breitbrunn warfrüher ein Grab berühmt, welches dem seligen Luitpold(Leopold) angehören sollte, der der Sage nach ein frommerPilger aus dem Geschlechte der Grafen von Andechs ge-wesen sein soll. Die vom heiligen Berg zurückkehrendenWallfahrer nahmen häufig Erde von diesem Grabe mitsich nach Hause. 1740 wurde auf eingeholte Ordinariats-bewilligung im Beisein des Blaflus Marx, Pfarrers inUtting, als bischöflicher Commissür, des Georg Faber ,Pfarrers zu Oberalting, und Petrus Ferrerius aus demKloster Polling als päpstlichen Notarius das Grab er-öffnet, durchsucht und nichts gefunden; deßhalb wiederzugeworfen, womit sein Nuhm ein Ende hatte." DieserBericht ist zwar im Wesentlichen, doch nicht in allenEinzelheiten richtig; das Protokoll über die Eröffnungund Untersuchung des Grabes des seligen „Leypold" be-findet sich im Höchendorfer Pfarrarchiv, und wir gebennachstehend seinen Hauptinhalt: „I. G. Faber, Pfarrerin Alting, ließ nach eingeholter Ordinariatsbewilligungin Gegenwart einer kirchlichen Commission das Grab des(dem Volksglauben nach heiligen) Leypold in Bayr-prun^b) am 4. August 1739 eröffnen und untersuchen.Diese Commission bestand aus dem Pfarrer BlastusMarx von Utting als vom Ordinariat delegirten Com-missär, dem apostolischen Notar Peter Forer Gries, Ca-noniker von Polling , und den beiden Zeugen FerdinandKellerzhofer, Dekan in Liessen, und Eusebius Amort ,Dekan in Polling . Nach der Versicherung mehrerer Orts-bewohner wurde das Grab des seligen Leypold schon seitmehr als 50 Jahren vom Volk verehrt und Erde davonmit nach Hause genommen. Ueber dem in der Mitte desKirchenschiffes befindlichen Grab war ein hölzernes, mitSanderde gefülltes Monument errichtet mit der Inschrift:,8. 1680*. Es wurden einige Neste von
Gebeinen gefunden."
Allem Anscheine uach war Pfarrer Faber von Ober-alting, welchem Breitbrunn kurz vorher (1736) zurPastoration übergeben worden war, die Seele diesesganzen Vorgehens, welchem jedoch erst die Krone auf-gesetzt wurde durch einen Erlaß des PatrimonialgerichtesSeefeld an das Pfarramt Höchendorf vom 2. Dezember1826, worin angeordnet wurde, daß das Grab eingefülltund dem Kirchenpflaster gleichgemacht werden solle, dadie alte Volkssage durch eine Commission vor mehrerenJahren als unbegründet erwiesen worden sei. — WaseS nun mit dem seligen Luitpold und seinem Grabe inWirklichkeit auf sich habe, scheint mir nichtsdestowenigerdamit noch keineswegs außer allen Zweifel gesetzt undwird sich bei dem Mangel von authentischen Nachrichtenaus älterer Zeit auch kaum jemals aufhellen lassen.Von wem rührten die gefundenen Gebeine her, und wokamen sie hin? Darüber schweigt sich das Protokollvollkommen aus. War das Ganze ein plump angelegterSchwindel? Aber wann, wie und durch wen hätte ein
S. 24 ff. im karinwoao boiono; Uaäerns IH, 143; Iwitnvi,Uwtor. VV6Z8okont. I, 163; Sulzbachcr Kalender 1873, S. 49;Vsatrisck, Geschichte von Beuerberg. S. 77; Graf, Cbronik vonSeeShaupt , S. 56 ff. — Im Leben der Heiligen finden wirauch fönst öfter die Erscheinung, daß Thiere ihnen Dienste leisten,so beim hl- Corbinian, der hl. Ecnovesa, der sel. Edigna u. a,
>") Dillitzer Josef, der die bereits erwähnte Beschreibungdes Capitels Oberalting hinterließ, starb am 13. Januar 1802als Dekan und Pfarrer von Frieding.
°2) Ungenaue Schreibweise statt Brayörunn (— Breit-bruun).