Ausgabe 
(10.3.1896) 11
 
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Natur- und Völkerrechtes, der Oekonomie- und Kameral-tvissenschaften die ganze juristische Fakultät in Händenhatte. Im Oktober trat Jckstatt sein Amt an, und seineerste That war, daß Heegius an die Regierung nachStraubing versetzt wurde, um für einen Günstling Platzzu machen, der in Würzburg sein Schüler gewesen, der-malen aber Repetitor des Rechtes an der fränkischenHochschule und Bräutigam einer Nichte seiner Frau war:durch Dekret vom 14. Oktober 1746 wurde JohannGeorg Weishaupt, geboren 1717 zu Brilon im preuß-ischen Regierungsbezirke Arnsberg in Westfalen , als Pro-fessor der kaiserlichen Institutionen und des Kriminal-rechtes mit 600 fl. Gehalt nach Jngolstadt berufen.(Mederer, ^irnul. inZolst. III, 227.) Um seine Vor-lesungen beginnen zu können, mußte der Berufene erstselbst am 4. November 1746 in Jngolstadt zum Doktorbeider Rechte promoviren! Am 6. Februar 1748 wurdedem Professor Weishaupt ein Söhnlein geboren, das inder hl. Taufe den Namen Joseph Johann Adam erhielt;Adam Jckstatt hielt das Kind über dem Taufbecken, alsStadtpfarrer Ferdinand Balthasar Ecker zur Sch. U.L. Frau in Jngolstadt das Wasser der Wiedergeburtabgoß.

Diesem Pathenkinde Jckstatis sollen die nachfolgen-den Zeilen gewidmet sein.

Seine geistige Ausbildung erhielt Adam Weishaupt bei den Jesuiten seiner Vaterstadt, welche seit 1556 inJngolstadt thätig waren. Im Nachtrag zurRecht-fertigung meiner Absichten" (Frankfurt u. Leipzig 1787S. 1419) erzählt Weishaupt :

Ich kam als ein Knab mit achthalb Jahren das erste-mal in die Schule. Es ist wahr, wir mußten unaufhörlichbeichten und dem äußerlichen Gottesdienst beiwohnen und vor-züglich die Andachten zu ihren (der Jesuiten ) Heiligen verrichten.Aber dies war auch alles: Sie wollten sich auf diese Art, nichtdurch Gründe, sondern durch den äußerlichen Glanz, durch Ge-wohnheit und Fertigkeiten des jungen Kopfes so sehr bemeistern,daß er dereinst bei reiferen Jahren gar kein Bedürfniß nachhöheren Gründen haben sollte. Unser einziger Unterricht warjeden Freitag, wo wir ein Stück aus unserem Canisius aus-wendig daherplappern mußten?) Wenn gegen Ende des Jahresdie Prämien vertheilt wurden, so ward eine dergleichen Be-lohnung auch demjenigen zugedacht, welcher bei der vorgenom-menen Prüfung die besten Beweise seines Unterrichts im Christen-thum gegeben hatte. Und nun höre die Welt diese Beweise undsie sage, ob ich unrecht habe? Wir mußten der Reihe nach,meistens nach alphabetischer Ordnung, an der Thür des Zim-mers, in welchem sich drei von unseren Glaubens-Richtern ver-sammelt hatten, warten, der erste nach gegebenen Zeichen ein-

«) Aehnlich schreibt Cl. Th. P-rtheS in: Politische Zu-stände und Personen in Deutschland zur Zeit der französischen Revolution (Gotha 1862) I, 438 über Bayern :Der Religions-unterricht bestand zum großen Tbeile in dem Auswendiglernender Sätze des von dem Jesuiten Grätscher verfaßten Katechismus."Greifer oder Gretscher, wie Mederer schreibt, hat aber keinenSchulkatcchismus geschrieben. Die Studienordnnng der Gesell-schaft Jesu v. 1599 schrieb den Professoren der niederen Klassen*or:Die Jünglinge, die man der Gesellschaft Jesu zur Er-.iehung anvertraue hat, unterrichte der Lehrer so, daß sie zu-gleich mit den Wissenschaften besonders die eines Christen würd-igen Sitten gewinnen. Er wache darüber, daß alle der Messeund Predigt beiwohnen; und zwar der Messe täglich, der Pre-digt aber an Festtagen. . . . Der christliche Unterricht soll be-sonders in den Klassen der Grammatik und, wenn nöthig, auchin andern Freitags oder Sonnabends auswendig gelernt undhergesagt werden. . . Er halte auch Freitags oder Sonnabendseine halbstündige fromme Exhorte oder Erklärung des Kate-chismus; er dringe vorzüglich aus tägliches Gebet, besondersauch zur täglichen Abbetung des Rosenkranzes oder der Tag-zeiten Mariä. . . Er empfehle sehr die geistliche Lesung, be-sonders aus dem Leben der Heiligen; er bemühe sich, daßNiemand die monatliche Beicht unterlasse. Pachtler I. v. II,879-381. 6onk. II, 275 v. 21; II. 353 u. 6.

treten und nicht eine Glaubenssrage, sondern ein Räthsel anSdem Canisius auflösen, z. B. wir sollten das Vaterunser rück-wärts ohne Anstand auswendig hersagen. Wir sollten sagen,wie oft at, tu oder oum in dem ersten Haupt stück stehen, oder wurden uns 2 oder 3 Worte aufgegeben, wo wir sogleichfortfahren mußten, und dies so oft, als diese Worte in diesemHauptstücke enthalten waren. Wenn einer nach dem anderndiese Fragen vor diesem geheimen Religionsgericht beantwortethatte, so kam der Präfckt an die Thüre und verlas die Namenderjenigen, welche die Frage errathen hatten. Diese blieben so-dann und fingen unter sich ihren Wettstreit aus der Religionauf das Neue an, bis ein einziger Sieger blieb, und dieser alleinwurde gekrönt. Nun sage alle Welt, was sie von diesemReligionsunterricht hält? Diesen und keinen andern Unterricht(denn ihre Predigten waren nicht viel besser) erhielt ich bis indas 15. Jahr meines Lebens, wo ich das Gymnasium verließund mit dem akademischen CursuS den Ansang machte. Ichbin auf diese Art, ich darf sagen, 29 Jahre alt geworden, ohnedaß ich für die Wahrheit meiner Religion einen andern Beweisanführen konnte, als: so bin ich gelehrt worden; so sagt dieKirche; dieses Recht der Kirche ist in der hl. Schrift gegründet,und die Kirche hat das Recht, den zweifelhaften Sinn derSchrift zu bestimmen.

Was soll, fährt Weishaupt fort, aus einem solchen Menschenwerden, wenn er hinter andere Bücher geräth, wenn er mitVernünftigen einen Umgang pflegt, wenn er aus der Schulemit einer so schwachen Gegenwehr und Vorbereitung in dieWelt tritt... Ich glaube also mit Grund behaupten zu können,daß nicht ich, nickt der Jlluminatismus, sondern der fort-dauernde schlechte Religionsunterricht und die Unwissenheit desgrößern Theils von dem katholischen Klerus, die Quelle dcS indiesem Lande (Bayern ) herrschenden Unglaubens sei."

Der junge Weishaupt , dessen Vater schon im Sep-tember 1753 in Heiligenthal bei Würzburg , wo er inden Ferien weilte, im Alter von 36 Jahren starb (Me-derer, Uniral. III, 256), lernte bei seinem Gönner undPathen Jckstatt die neueste Literatur französischer Auf-klärung kennen, und bald war ihmder Name der Bibelebenso unerträglich und lächerlich", als die Schriften desCicero, gegen welche er bis in sein Alter tiefen Abscheutrug; er gelangte zu einem allgemeinen Skepticismus.

Im Jahre 1764 promovirte er an der Hochschulezu Jngolstadt aus der gesammten Philosophie, 1768 ausdem Rechte, welches er sich zum Fachstudium erwählthatte. Schon im Jahre 1772 wurde er außerordentlicherProfessor der Rechtswissenschaft; als im folgenden Jahredie Jesuiten in Folge des päpstlichen Aufhebungsbrevesvom 21. Juli 1773 ihre Lehrthätigkeit an der Jngol-städter Hochschule einstellen mußten, übernahm Weishaupt ,wenn auch Laie, die Vorlesungen aus dem kanonischenRechte, welche er 13 Jahre langnach der Lehre dergallikanischen Kirche" fortführte. (Kurze RechtfertigungS. 25.) Mit Jckstatt's Hilfe fand er auch Zutritt zuder philosophischen Fakultät und las über Geschichte undMoralphilosophie in soaufgeklärtem" Sinne, wie erohne zu große Gefahr nur konnte. Dabei verschmähtees der ehrgeizige Professor nicht, in lieblosester Weiseüber seinen Gönner Jckstatt an Lori, den Mitdirektorder Universität, nach München zu berichten. (Allg. Ztg.1874 Beilage Nr. 174; über Lori vergl. Westenrteder,Sämmtl. Werke, Kcmpten 1833, Bd. 14 S. 140167.)Ueberall aber wähnte er den Einfluß der Exjesuiten alsHemmschuh seiner Bestrebungen zu verspüren; der Jesuitis-mus war der Popanz seiner Eitelkeit; ja er behauptetegeradezu, die Jesuiten hätten sich gegen ihn, nachdem erProfessor geworden, verschworen. (Pythagoras oder Be-trachtungen über die geheime Welt und Negierungskunstvon Adam Weishaupt, Frankfurt und Leipzig 1790,Seite 658.)

Da kam, wie Weishaupt erzählt, im Jahre 1774ein Protestant H. aus H. (vielleicht Hamburg ) nach In-