Ausgabe 
(10.3.1896) 11
 
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golstadt und unterhielt sich mit Weishaupt über dke Frei-maurerei, deren Ziele und Bestrebungen. Hiedurch kamder Jngolstädter Universitätsprosessor auf den Gedanken,einen eigenen Orden zu gründen, um die Einwirkungendes Jesuiiismus zu paralysiren (Pythagoras S. 651).Abts Schrift vom Verdienste bestärkte ihn in seinemVorhaben, so daß allgemeine Statuten entworfen wurden,deren Tendenz aus dem NamenStatuten der Perfekii-bilisten" erhellte.Diesen Namen, sagt Weishaupt, habeich bloß aus der Ursache geändert, weil das Wort zusonderbar klingt; indessen zeigt doch dieser Name, welcheAbsicht ich bei der Gründung der Gesellschaft hatte. Diesenahm mit dem 1. Mai 1776 ihren Anfang" ^) (Pyjha-goras S. 670). Der Zweck dieser geheimen Verbindung,welche Orden der Jlluminaten, Erleuchteten oder Bienen-orden, Bienengesellschaft (Einige Originalschriften S. 320)benannt wurde, war:dem Menschen die Vervollkomm-nung seines Verstandes und moralischen Charakters inter-essant zu machen, menschliche und gesellschaftliche Gesinn-ungen zu verbreiten, boshafte Absichten in der Welt zuhindern, der notleidenden und bedrängten Tugend gegendas Unrecht beizustehen, auf die Beförderung würdigerMänner zu gedenken und überhaupt die Mittel zur Er-kenntniß und Wissenschaften zu erleichtern. Man ver-sichert theuer und heilig, daß dieses der einzige und nichtcolorirte Endzweck der Gesellschaft sei" (Einige Original-schriften S. 27).

Ein andermal schreibt Weishaupt an Cato:Ichschwöre zu Gott, daß ich nichts weiter suche, als meinenZweck. Dieser ist für mich Hinterflucht und Zufluchtim Unglück, für die Welt aber Bildung guter Menschen,Verbreitung der Wissenschaften und Schwächung boshafterAbsichten" (Ebend. S. 280.) Als letztes Ziel des Ordensbetrachtete der Stifter die Aufgabe, alle Menschen zumDienste der Natur hinzuführen (o'sst sn rarasnanttoua 1s s storarnss au eults äs In naturs. VoilL 1säsrnisr Hut äs nron ouvraZs. (Ebend. S. 237.) Am10. März 1778 schrieb Weishaupt, der an den Statutenimmer änderte, an Cato:

Unterdessen will ich ihnen doch ev äktail meine damaligenGedanken schreiben, tllon bat est kairs valoir In raison. AlsNebenzweck betrachte ich unseren Schuh, Macht, sichern Nuckenvon UnMckSfällen, Erleichterung der Mittel zur Erkanntnußund Wissenschaft zu gelangen. Am meisten suche ich diejenigenWissenschaften zu betreiben, die auf unsere allgenuine oderOrdens Glückseligkeit oder auch Privatangelegenheiten Einflußhaben, und die entgegengesetzten aus dem Weg zu räumen. Siekönnen also wohl denken, daß wir es mit Pedantismo, mitöffentlichen Schulen. Erziehung, Intoleranz, Theologie undStaatsverfassung werden zu thun haben.

Dazu kann ich die Leute nicht brauchen, wie sie sind, son-dern ich muß mir sie erst bilden. Und jede vorhergehende Klassemuß die Prüfungsschule für die künftige sein... In der nächstenKlasse, dächte ich also, eine Art von gelehrter Akademie zu er-richten: in solcher wird gearbeitet, an Cbaraktcren, historischenund lebenden, Studium der Alten, Beobachtungsgeist, Abhand-lungen, Preisfragen, und in sxsois mache ick darinnen jedenzum Spion des andern und aller. Darauf werden dieFähigen zu den Mysterien herausgenommen, die in dieser Klasseetliche Grundsätze und Grundersordernisse zum menschlichenglückseligen Leben sind. Anbei wird gearbeitet an Erkenntnißund Ansreutung der Vorurtheile. Diese muß jeder anzeigenv. g. monatlich, welche er bei sich entdeckt? welches das herr-schende ist? wie weit er in Bestreitung derselben gekommen ist rc.Dieses ist bei uns ebensoviel, was bei den Jesuiten die Beicktwar. Aus diesen kann ich ersehen, welche geneigt sind, gewissesonderbare Staatslehren, Weckers hinauf Neligionsmeinungenanzunehmen.

°) Knöpf! er, Lehrbuch der Kirchengeschichte S. 616, hatsomit unrecht, wenn er die Gründung des Illuminatenordens in das Jahr 1775 verlegt.

Und am Ende folgt die totale Einsicht in die Politik undMaximen des Ordens. In diesem obersten Conseil werdendie Projekte entworfen, wie den Feinden der Vernunft undMenschlichkeit nach und nach auf den Leib zu gehen sei; Wiedie Sache unter den Ordens Mitgliedern einzuleiten, wemes anzuvertrauen? Wie ein jeder n, proxortions seiner Einsichtkönne dazu gebraucht werden; ebenso werde ich es auch mit derErziehung und andern: machen. . . Sie werden nach und nacheine eigene Moral, Erziehung. Statistik und Religion entstehensehen." (Ebend. S. 215-217.)

(Fortsetzung folgt.)

k'i'aotio xariis.

Eine wichtige Entdeckung aus den Katakomben.

Besprochen von Dr. G. A. Müller.

Wenn der geniale Schüler Battista de Nossis, Mon-fignor Josef Wilpert in Rom, unser deutscher Lands-mann, ein neues Werk publizirt, so ist das allemal einwichtiges Ereigniß. Wilpert scheint nun einmal Prä«desttnirt zu sein, auf der Arena der christlichen Alter-thumswissenschaft die gewaltige Rolle eines glückbegünstig-ten, fügen wir aber auch bei, tiefgelehrten Entdeckers zuspielen. Wir verdanken ihm die Klarstellung derPrin-zipienfragen der christlichen Archäologie" gegenüber dendestruktiven Theorieen moderner Skeptiker; wir verdankenihm die erstmalige mustergültige Herausgabe einesCycluSchristologischer Gemälde aus der Katakombe der heiligenPetrus und Marcellinus; wir verdanken ihm eine ikono-graphische Studie über die Katakombengemälde und ihre

> alten Copieen; wir verdanken ihm eine prächtige Mono-

> graphie überdie gottgeweihten Jungfrauen in den ersten

> Jahrhunderten der Kirche" alles Arbeiten, die jegliche

! für sich eine neue Entdeckung bedeuten.

! Und nun überrascht die gesammte wissenschaftliche

i Welt eine neue Arbeit, deren Inhalt der große Nosstvor seinem Tode als dieKrone der Ausgrab-ungen" bezeichnete. Wilpert hat in einer Dar-

> stellung der ersten christlichen Kunstepoche die

Wiedergabe der liturgischen Brodbrechung imeucharistischen Opfer entdeckt und dieser unab-sehbar wichtigen Entdeckung gilt die bei Herder er-schienene herrliche Monographie pg,uis".

(Preis M. 18..)

Die Bedeutung dieser Entdeckung für die katholischeApologetik liegt auf der Hand: wir stehen vor einem un-widerleglichen monumentalen Beweis für den apostol-ischen Charakter der sogenanntenMesse", für den ur-christlichen Sinn der Eucharistie als Opfer, für dieWahrheit, daß dasBrodbrechen" nichts anderes alsunser Meßopfer ist. Und dieser Beweis ist umso ver-<blüffender, als er bis fast in die Geburtstunde deSChristenthums hinaufreicht. Er widerlegt jeden nicht-katholischen Lchrbegriff über die Eucharistie in geschicht-,licher Beziehung und gibt den katholischen Kirchen deSErdenrunds ein tesiiiaoniunr vsritutis.

Man muß vorausschicken, daß die sogenanntenSakramentskapellen in den Katakomben des hl. Callistus,die jedem Nompilger bekannt sind, eine solch eviventeBeweiskraft in ihren Malereien nicht besitzen, als jeneist, die Wilperts Entdeckung bietet. Dort konnte, wennauch nur gezwungen, eine allegorisch-dogmatische Be-^deutung noch angetastet werden: hier tritt die Allegoriemit der geschichtlichen Darstellung in engen Bund.

Der Schauplatz der Entdeckung ist die wohlbekannteKatakombe der hl. Priscilla an der Via Salaria, diein das apostolische Zeitalter hinaufreicht, noch näher, die