Ausgabe 
(10.3.1896) 11
 
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darin befindliche architektonisch wie monumental wichtigeenxella, 6reou", eine Grabkammer, die eine kleineBasilika mit drei Nischen (einem Tonnengewölbe undzwei Abfiden) bildet und deren Bilderschmuck bis auf diepoch nicht untersuchten Wand flächen über den Bögenarchäologisch bekannt war. Hier setzte Wilperts Arbeitein: und wie schwierig, ja gefährlich diese Arbeit war,wie sie an sich schon eine geniale That bedeutet, läßtuns der bescheidene Forscher ahnen. Das Resultat waraber auch des Schweißes werth: neben anderen Fundenwar dieBrodbrechung" entdeckt, deren Werth Wilpertkurz also bezeichnet: wir haben ein liturgischesGemälde vor uns, das in der gesammtenaltchristlichen Kunst einzig in feiner Artdasteht.

Wilpert gibt das Bild mit folgenden Worten wieder:Die Mahlgenossen, sechs an der Zahl, sind auf einemhalbrunden Speisesopha (signaa, stibaüiuw, neLubi-torturo), welches etwas über dem Erdboden erhöht ist,gelagert. Der bärtige Mann dagegen, der das Brodbricht, sitzt auf einem niedrigen Gegenstand, der sich, weilnur oberflächlich angedeutet, nicht genauer bestimmenläßt. Er befindet sich am rechten Ende desApeisesophas, also vor demjenigen, der den erstenPlatz (in äextro cornu) einnimmt; er ist der Vor-sitzendeyui xraosiäot", welcher den Sechs dieSpeise reichen wird. Als die Hauptperson wurdeer von dem Maler dadurch ausgezeichnet, daß erallein den Bart trügt, was ihm ein gewissesAlter und eine gewisse Würde verleihen soll.Zu seinen Füßen steht zunächst der Kelch, dann diebeiden Teller mit zwei Fischen und fünf Broden undzu äußerst auf beiden Seiten, links vier, rechts drei,bis an den Rand mit Brod gefüllte Körbe. Seineganze Haltung beweist, daß er das Brodwirklich bricht und es nicht etwa bloß in die Höhehebt, um es zu zeigen: die Arme sind nicht eingebogen,sondern nach vorn, fast wagsrecht, ausgestreckt; der Ober-körper ist gleichfalls nach vorn geneigt, nur der Kopflegt sich etwas zurück. Hierdurch hat der Künstler dieihm vorschwebende Idee, den Augenblick, den Akt derBrodbrechung darzustellen, in meisterhafter Weise zumAusdruck gebracht.

Es ist unschwer zu erkennen, daß hier eine Mischungmehrerer liturgischer und biblischer Momente vorliegt:wir finden das Speisewunder allegorisirt unddas Wesen der Eucharistie dargestellt in Fisch,Brod und Wein; Wein und Brod sind nach der Kon-sekration der Fisch, d. i. Christus, der Herr; aber wirHaben auch eine der allerwichtigsten liturgischen Hand-lungen vor uns, die Brechung des Brodes durch dencelebrirenden Bischof, der den Gläubigen die Com-Munion zu spenden im Begriffe steht.

Wir stehen hier nicht vor einer bloßen Nummerpon Gemälden, die uns hin und wieder das unchrist-liche Liebesmahl, die Agape, darstellen. Hier sagenMs die Gläubigen, die Brode, die cucharistische Vase,^ie Fische und vorab der mit Aplomb gekenn-zeichnete Celebrant etwas anderes: wir werden^Mitten in die Opferhandlung hinein versetzt, wir sehendie Liturgie der Messe.

Diesem Beweismoment gibt Wilpert natürlich ent-sprechenden Ausdruck. Gleichwohl möchte ich noch einAnderes betonen, was nicht minder wichtig erscheint: ich er-blicke in der von Wilpert entdeckten

xavis" den evidentesten Monumentalbeweisfür den geschichtlichen Urcharakter deS beson-deren Prtesterthums, des oräc» sxeoiulis,und in dieser Richtung liegt für mich die wirkliche, groß-artige Bedeutung der Entdeckung, die dazu angethan ist,die Wissenden im Glauben zu stärken!

Johann Carl August Lewald.

Biographie zu seinem 25. Todestag (10. März) von A. G.

Der schriftstellerisch ungemein thätige Lewald, derauch in unserem engeren Vaterlande eine Rolle spielte,wurde geboren am 14. Oktober 1792 in der preußischenStadt Königsberg als der Sohn eines vermöglichen Kauf-manns. Da sein Vater bald mit Tod abging, mußte erzu seinem größten Leidwesen seine Studien, die er amGymnasium seiner Vaterstadt betrieb, verlassen und gegenseinen Willen an die Stelle des verstorbenen Vaters imelterlichen Hause als Kaufmann eintreten, nachdem ervorher noch im Handelsfach sich etwas ausgebildet hatte. Erfand aber an dem Kaufmannsfach so wenig Gefallen,daß er kränkelte; die Liebe zum Studium war stärker,als die Liebe zur Fortführung des elterlichen Geschäftes,er kehrte wieder zu dem unfreiwillig verlassenen Studiumzurück und warf sich in erster Linie auf die Erlernungder modernen Sprachen. Später wollte er die Kunstzu seinem Lebensberuf erwählen und zu diesem Zweck,da ihm reiche Mittel zu Gebote standen, eine Studien-reise nach Italien antreten, um dort, wie jeder Kunst-jünger, sich auszubilden, als der ansprechende Krieg mitFrankreich ihm einen Strich durch die wohlüberlegteRechnung machte. Kein junger Mann blieb ja damalszu Hanse, als es galt, das Vaterland zu retten vor demKorsen und korsischer Unterdrückung; sie schaarten sichzusammen als freiwillige, als fliegende Korps, und wassie geleistet, ist mit glänzenden Buchstaben in das Buchder deutschen Geschichte eingetragen zu ihrem unvergeßlichenRuhme. Auch Lewald schloß sich den Freiwilligen an,mußte aber zu seinem größten Bedauern bald seinenAbschied nehmen, und zwar wegen Kränklichkeit. NachErlangung seiner Gesundheit hatte er im Auftrag einesVerwandten eine Geschäftsreise nach Warschau zu machen,wo ihn der russische General von Rosen kennen lernte,mit dem er auf seine Bitten hin als Sekretär seinerKanzlei den Feldzug nach Frankreich mitmachte, also dochSoldat, wenn auch nicht mit dem Gewehr, so doch mitder Feder.

Nach Beendigung des Feldzuges machte er Reisenfast durch ganz Deutschland , hielt sich nirgends längereZeit auf, bis er endlich Holtei und Schall kennen lernte,auf deren Veranlassung hin sich Lewald der Bühne zu-wandte. Nach einem kurzen Aufenthalt in der öster-reichischen Hauptstadt ging er nach Mähren , trat einer-seits als Schauspieler auf, andererseits war er gegenvier Jahre als Theaterdichter thätig, ohne indeß in dieserZeit besonders Bemerkenswerthes zu schaffen. Bekanntlichhaben die Schauspieler in der Regel keine bleibendeStätte, weil sie eine solche nur in einzelnen Fällenwünschen, sie wollen reisen und ihr Licht bald da, balddort leuchten oder auch nicht leuchten lassen. Lewald ginges auch so. Bald finden wir ihn als Sekretär beimberühmten Direktor Carl in Wien , dann als Regisseurdes Stadttheaters in Nürnberg und hier zugleich alszeitweiligen Redacteur desNürnberger Korrespondenten".Früher hatte er als Dichter unter dem Namen KurtWaller in dieAugsburger Abendzeitung", in ein