Breslauer Blatt und tn das „Jahrbuch deutscher Nach»spiele" von Holtet geschrieben, in Wrnberg aber ver-faßte er sein erstes größeres Werk, seine „Geschichte derMusik" im Jahre 1826 und begann damit zugleich dieSchriftstellerlaufbahn. Kurze Zeit war Lewald Direktordes Theaters in Bamberg , dann vier Jahre Theater-dichter und Inspektor in Hamburg , in welcher Zeit erfünf Bände Novellen schrieb. DaS Theaterleben wollteihm nicht recht behagen, er fühlte sich als Schriftsteller,und um ganz diesem Fach sich widmen zu können, über-siedelte er nach Paris , wo er bleiben wollte. Doch einestärkere Gewalt vertrieb ihn aus der Seinestadt bereitsnach neun Monaten, nämlich die Cholera, und er über-siedelte nach der Geburtsstadt seiner Frau, nach München ,wo alsbald fünf Bände Novellen entstanden, von denen einerwegen des sonderbaren Titels erwähnt sei: „Gadsalünah,Erinnerungen aus Hamburg". Aber auch in München hielt es den Zugvogel nicht lange, nach nur drei Jahrenging er nach Stuttgart und gründete die Zeitschrift„Europa, Chronik der gebildeten Welt," mit der er späternach Karlsruhe übersiedelte und die er während zwölfJahren redigirte, noch welchen sie Gustav Kühne über-nahm. Trotz des etwas pompösen Titels scheint er mitder Chronik nicht die besten Geschäfte gemacht zu haben,und er schrieb deßwegen in dieser Zeit seine Erinner-ungen aus dem Leben unter dem Titel „Aquarellen",„Neue Aquarellen aus dem Leben" und „Ein Menschen-leben", welche nicht weniger als siebzehn Bände umfassen,gewiß ein Beweis von großer Emsigkeit und großemFleiß; allein ob hier nicht die Wahrheit desealten Satzesanzuwenden ist: „allzuviel ist ungesund", ist denn docheine andere Frage, die wir nicht verneinen möchten.
In den folgenden Jahren machte Lewald mehrfacheReisen, so an den Bodensee, nach Tirol, an den Rhein ,zu dem Zwecke, um Land und Leute und deren Sittenund Charakter in der Nähe kennen zu lernen, in sichaufzunehmen und sie in weiteren, mitunter interessantenWerken der Mit- und Nachwelt zu überliefern. Wieungemein thätig er schriftstellerisch war, beweist sicher derUmstand, daß in den nächsten elf Jahren nicht wenigerals vierzig Bände Novellen, Neiseschilderungen und Theater-erinnerungen im Buchhandel von ihm erschienen, mitunternatürlich auch Minderwerthiges, bisweilen auch unter bi-zarrem Titel, wie „Mörder und Gespenster" rc. Nach-dem er die Redaktion der „Europa " niedergelegt hatte,zog er nach Wien und von dort nach Frankfurt a. M.,wo er während der Revolutionszeit lebte. Ruhe fand erwiederum anf vierzehn Jahre in Stuttgart als Regisseurder Oper und des Hoftheaters, zugleich als Redacteur derkonservativen „Deutschen Chronik". Im Jahre 1860trat er in München zur katholischen Kirche über, undwir brauchen gar nicht weitere Worte zu verlieren, wennwir behaupten, daß dieser Schritt von bekannter Seiteihm Feinde über Feinde zuzog. Was er bisher geleistet,war selbstverständlich in den Augen dieser Menschenkinderwie gar nichts. Lewald aber ließ sich durch nichts ausdem Geleise bringen, er widmete jetzt seine Feder ganzund gar Schriften, die rein katholischen Charakter an sichtragen und wovon erwähnt sein sollen seine „Clarinette ",„Anna" und „Moderne Familiengeschichten". Viel In-teressantes bieten auch seine „Letzten Fahrten", feine,wenn wir nicht irren, letzte Publikation. Nachdem erpensionirt war, zog er nach Baden-Baden , von da nachMünchen , wo er am 10. März 1871 sein reichbewegtesirdisches Dasein beschloß im 79. Jahre seines Lebens.
Die Thümmelei in der „schönen" Literatur.
Ein gutes Wort zur rechten Zeit ist nach der hl.Schrift gleich goldenen Aepfeln auf silbernen Schalen.Ein gutes Buch, das zur rechten Zeit seine Stimme er-hebt, ist erst recht dieses ehrenvollen Vergleichs würdig,und so etwas Zeitgemäßes im strengsten Sinne desWortes ist eine Schrift von Heinrich Keiter , demtrefflichen Redacteur des Deutschen Hansschatzes, der miteiner unermüdlichen Wachsamkeit die moderne Literaturin ihren guten und schlechten Werken verfolgt.*) WennHerr v. Eynern und andere Thümmelfreunde im preuß-ischen Abgcordnetenhause ihre langathmige Beredsamkeiteinsetzen, um die Katholiken als die Trüber des kon-fessionellen Friedenswässerchens hinzustellen, so deckt diesesSchriftchen einen Riesensumpf von protestantisch-jüdischenVerleumdungen gegen die katholische Kirche auf, derbisher in dieser gründlichen und umfassenden Weise nochnicht beleuchtet worden ist. Mit Recht sagt Keiter, dieWirksamkeit der sog. populär-wissenschaftlichen Broschüren,"der politischen Tagesblätter und der Reden der Hetzapostelsei nicht so eindringlich und nachhaltig, als das Brunnen»gift, das durch die Kanäle der schönen Literatur, derUnterhaltungsliteratur, der Romane und Theaterstücke inalle Schichten und Kreise der Gesellschaft geleitet wird.Er findet die Ursache der konfessionellen Verbissenheit aufprotestantischer Seite zum weitaus größten Theil in derUnterhaltungsliteratur, und er gibt zum Beweise dessen einereichhaltige und höchst interessante Uebersicht über den confes»schnellen Gehalt der schönwissenschaftlichen Literatur. Damitman nicht die „Hitze des Culturkampfs" zur Entschuldigungheranziehen kann, hat Keiter fast nur Werke herangezogen,die nach 1880 erschienen sind. Das Verzeichniß der be-nutzten Werke zählt 800 Nummern; es sind dabei Schrift-steller betheiligt, die als große Geister ersten Ranges gelten:Paul Heyse und der jüngst gefeierte Jubilar KonradFerdinand Meyer, Franzos , Frenzel, Jensen, Hopfen,Voß rc. Sie alle arbeiten in ihren „Kunstwerken" ander confessionellen Brunnenvergiftung mit, indem sie vonder katholischen Kirche , den Oberhirten, den Geistlichenund Ordenslenten ein gehässiges Zerrbild entwerfen.
Die culturkämpferischen Schwadroneurs bedecken diegröbsten und perfidesten Hetzereien von protestantischerSeite mit dem Mantel der Liebe, aber jedes kräftigeWörtlein, das ein Katholik in der Nothwehr riskirt,brandmarken sie als einen himmelschreienden Fricdens-bruch. In ähnlicher Weise hantirt die „ästhetische Kritik",mit doppeltem Maß. Wenn Conrad von Bolanden ineinem Roman einen defensiven Vorstoß gegen ein pro-testantisches oder liberales „Ideal" macht, dann werden dieMücken geseiht und die Frösche zu Ochsen aufgeblasen.Aber wenn von der Gegenseite das tollste und wider-wärtigste Zeug über den Katholicismus zusammenge-schrieben wird, dann werden Kameele verschluckt. Dieniedere Kritik, sagt Keiter treffend, lobt ohne Ein-schränkung; die höhere aber hebt, wenn die Sache garzu arg ist, gegenüber „kleinen Mängeln" die „gesunde Ten-denz" hervor, die über alles andere hinwegsehen lasse. Ebensorichtig ist die Bemerkung Keiter's, daß die liberale Kritikalsbald gegen den „Tendenzroman" wettert, wenn in einerErzählung der katholische Verfasser ein Kreuzzeichen machenoder ein Ave beten läßt; aber Romane mit der leiden-
) Consessionelle Brunncnvcrgiftimg.des Jahrhunderts. Regcnsburg u. Leipzig Keiter. 120 S. 8°. Preis 1,20 M
Die wahre SchmachVerlag von Heinr.