Ausgabe 
(3.4.1896) 14
 
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mit jenen Leuten, die ich aufgenommen, über mich wie übereinen Novizen raisonirte. . . . Ich arbeitete den Presbyter undPriuccpS aus und zwar nach folgenden Grundsätzen: Jesus bat keine neue Religion einführen, sondern nur die natürlicheReligion und die Vernunft in ihre alten Neckte einsetzenwollen. ... So war der geheime Sinn seiner Lehre: allge-meine Freiheit und Gleichheit unter den Menschen wieder ohnealle Revolution einzuführen. Es lassen sich alle Stellen derBibel darauf anwenden und erklären und dadurch hört allerZank unter den Sekten auf, wenn jeder einen vernünftigenSinn in der Lehre Jesu findet (eS sei nun wahr oder nicht)!!. . . Alle frcimaurerischcn Hieroglyphen lassen sich auf diesenZweck erklären. Spartakus hat sehr viel gute Data dazu gc-gesammclt, ich habe daS mcinige hinzugethan und so habe ichdie beiden Grade verfertiget und darin» lauter Ceremonien ausden ersten Gemeinen genommen. Da nun hier die Leute sehen,daß wir die einzigen ächten wahren Christen sind, so dürfenwir dagegen ein Wort mehr gegen Pfaffen und Fürsten reden,doch habe ich dieß so gethan, daß ich Päbste (oho!) und Königenach vorhergegangener Prüfung in diese Grade aufnehmenwollte.

Nachdem der Presbyter und PriucepS fertig waren, schickteich das Concept an Spartakus mit der Bitte, eS an alle Areo-pagitcn herumzuseudcn; ich bekam aber in langer Zeit keineAntwort, meine Papiere nicht zurück. . . . Endlich schrieb nurSpartakus, Mahomct (Baron Schröckenstein in Eichstätt ) habezwar manches zu erinnern, doch wolle er schon sorgen, daß dieGrade also angenommen würden. Da ich nun Eile bade, sosolle ich die Grade nur nach meiner Art austheilen. Auf ein-mal schickte mir Mahomet nicht etwa Anmerkungen zu diesenGraden, sondern ganz verändertes verstümmeltes Zeug. Manverlangte, ick sollte meine (an die Ordcuömitgliedcr vertheilten)Hefte zurückfordern und als ich mich weigerte, bestand wenigstensSpartakus darauf, alle Abschriften selbst zu revidircn, den Leutenzu sagen, es hätten sich unächte Zusätze cingeschlichcn, um da-durch mich zum Lügner zu machen. Obgleich ich nun gewißnickt hcrrschsnchtig bin, so konnte ich doch eine solche Beschimpfungnicht ertragen, und da Spartakus noch dazu grob wird, so seheick gar nicht ein, warum ick mich von einem Professor in Jn-golstadt wie ein Student soll behandeln lassen. Also habe ichihm allen Gehorsam ausgcküudigt." (Nachtrag v. Origiualschr.I. 100-107.)

Weishaupt schob die Schuld auf den Eigensinn deöFreiherrn von Knigge. So schreibt er unterm 28. Jan.1783 an Caio:Hier folgt abermal ein insolenterBrief von Philo: lesen sie, wie er groß spricht und alleWelt trotzen kann. Das konnte doch Cäsar (BaronSlreitt, Haupiniann unter den Trabanten) und Alexander(Graf Pappenheim) nicht. . . Kurz ich schreibe nichtmehr an ihn, das ist das Beßte. Es hilft auch nichts,denn er ist unbeugsam und gute Worte kann ich ihmnicht geben, weil er sodann noch unvorsichtiger und in-solenter wird. Lrgo tnoodo, um so mehr, als er sichmeine Correspondenz verketten." (Nachtrag v. Originalschr.I, 92.)

Unterm 7. Februar 1783 äußert sich Weishaupt:Philo steckt voll solcher Narrheiten (über die äußerenAbzeichen der Priester), welche seinen kleinen Geist ver-rathen. . . . Wenn Philo sich selbst wieder, wie vordem,an mich wendet, und sein Unrecht erkennt, so werde ichmit ihm wieder der alte sein, aber suchen werde ich ihnauf keine Art: ich muß ihm beweisen, daß er mir nichtwesentlich ist, daß er dadurch, daß er beim Orden ist,nicht mir, sondern der Menschheit dient, daß ich nichtsvon ihm habe, ich auch durch ihn um nichts klüger ge-worden bin und daß er durch seinen Umgang und Kor-respondenz mit mir keinen Schaden gehabt. Man mußseine ihm und uns so schädliche Eitelkeit nicht ernähren;

im Verdacht, daß er hinter unser arbeitet und etwas anderserrichtet; denn alle, an die er sonst geschrieben, klagen, daß siegar nichts von ihm hören: nehmen sie sich also mit ihm inAcht, muß sich bald zeigen. Aber da darf er trübe anfstehcu,wenn er mir Herr werden will." (Nachtrag v. Originalschr.I, 81.)

eben weck er gebetten sein will, muß vian ihn nicht bitten;ich am allerwenigsten, denn mich yat er schlecht be-handelt. .. . Mit dem allen werde ich ihm das Zeugnißallzeit geben, daß er durch Anwerbung wichtiger Leuteum den Orden große Verdienste hat; aber außerdem hater mir wenig genutzt, hat mir oft manches verdorben, dieEinheit meines Planes durch elende Einschaltungen vonunbedeutenden Graden sehr stark verdorben; ich hab ihmgewiß lang nachgegeben, aber nunmehr» macht er es zuarg." (Nachtrag v. Originalschr. I, 95.)

Knigge seinerseits charakterisirt die Herrschsucht deSmißtrauischen Ordensstifters folgendermaßen:Ein Orden,der auf diese Art die Menschen mißbraucht und tyramüsirt,als Spartakus die Absicht hat, der würde die armenMenschen in ein ärgeres Joch bringen, als die Jesuiten .Ich habe mich zu einer Maschine der Tyrannei brauchenlasten; alle sollen es wissen, daß auch ich betrogenworden und mit dem besten Herzen betrogen wordenbin." (Ebendas. I, 117.)Eine subalterne Rolle, be-tonte Knigge weiterhin, blinde Befehle von einem Jesuiten-general anzunehmen, dazu bin ich nicht gemacht." (Eben-daselbst I, 125.)Ich fange an zu argwöhnen sollteselbst Spartakus ein verlarvter Jesuit sein danu binich der Mann, der ihn zu Boden schlagen kann. Gott !welch ein Mensch! Wohin führen ihn seine unbänd-igen Leidenschaften? Hätte ich je den Mann einer solchenniedrigen und undankbaren Verfahrungsart fähig geglaubt! Und unter seiner Fahne sollte ich für die Menschheitarbeiten, sie unter das Joch eines solchen Starrkopfesbringen! Nimmermehr! lieber gar nichts gethan, undalles geschehene zerstört." (Ebendas. I, 129.)

Der Riß zwischen Weishaupt und Knigge welcherin den Logen zu Frankfurt und Wetzlar das eklektischeSystem eingeführt und dem Jlluminaienthum Thür undThor geöffnet hatte (Stark, 1. v. 330, Kluckhohn, Beil.zur Augsb. Allgem. Zeitung 1874 Nr. 185), so daß inThüringen, in Niedersachsen sowie am Rhein Fürsten undPrinzen, Gelehrte und Dichter in wachsender Zahl demGeheimbunde sich anschlössen, auch Göthe und Herder ge-hörten dazu war zu tief, die Gegensätze zu groß, alsdaß durch die Vermittelung der Ordensbrüder ein dauernderAusgleich hätte herbeigeführt werden können; um dieMitte des Jahres 1784 wurde der eifrige Hannoveraner,der selbst den Herzog Ferdinand von Braunschweig undden Prinzen Karl von Hesscn-Kasscl für den Illuminaten-bund zu gewinnen wußte, mit einem Belobigungsdekretwegen geleisteter Dienste entlassen;^) doch wirkte der-selbe auch fernerhin für die Verbreitung der deistischenAnschauungen des Jngolstädter Ordens, ebenso der alsUebersetzer englischer Schriften bekannte Bode und Wil-helm von dem Bussche, einer angesehenen hannoveranischeuAdelsfamilie entsprossen. (Stark 1. o. 332333.)

(Fortsetzung folgt.)

"2) DaS Allgem. Handbuch der Freimaurerei H, 25 sagihierüber:Weishaupt, der mit seinen Ideen nie fertig werdenkonnte und der Hilfe eines organisatorischen Talentes bedurfte,war viclzusehr Pedant und ein zu nüchterner (?) Gelehrter (Weis-haupt War ein großartiger Phrasenheld), um Geschmack a» demvielen bunten Flitterwcrk zu finden, mit dem Knigge seine nieder-gelegten Gedanken ausgeputzt hatte. Sein Eigensinn und recht-haberisches Wesen traten erst dann auffallend hervor, als er zufühlen begann, daß Knigge ibn in seinem eigene» Bunde über-flügele. Weishaupt schadete sich um so mehr, je einseitiger undwankelmüthigcr er auftrat; da er kein Menschenkenner war.glaubte er jedem Schmeichler und zog ihn vor, »rührend erverdienstvolle Mitglieder zurückstieß."