Ach nur eine kurze Frage,
Ach ein einzig kleines Wort:
Wird die Lieb', die ich Dir trage,
Währen bis zum Grabe fort?
Werd' iH, wie der Sturm mag treiben,
Lassen nie von Dir, wein Lickt?
Werd' ich immer treu Dir bleiben?
Herr, Du weißt es, schweige nicht!
Sage ja! und laß mich wandernTausend Jahr' im Elend noch.
Will nicht schauen auf die Andern,
Jauchzend tragen jedes Joch.
Ew'ger Treue Gnade senke,
Allerbarmer, in die Brust,
Daß ich nie vom Pfade lenke,
Deiner treuen Huld bewußt.
Sagten wir oben, im dritten Buche käme besondersdas ganze lyrische Talent des Dichters zur vollen Ent-faltung, so wollten wir damit durchaus nicht behaupten,daß dieses in den andern sich verleugne und am wenigstenim zweiten, dem „Buche der Natur". Im Gegentheil,diese sinnige, lebenSwarme, Alles, auch das scheinbarGeringfügigste wahrnehmende Auffassung, wie sie demechten Naturdichter eigen ist, finden wir in diesem Büch-lein vertreten. Hören wir nur einmal, wie der Dichterso prägnant und doch so gefühlvoll den „fremdenFrühling" malt:
Funkelnd auf dem fremden LandFriihlingshimmel blauet,
Lraumgcweckt die FelsenwandGrüßend um sich schauet.
Fremde Blumen seh'n mir sachtFragend in die Augen —
Wollten sie mit ihrer PrachtD'rauS die Thränen saugen?
Duftumhaucht im Thals steh'nWeiße Mandelbäume,
Meereslüste d'rnbcr weh'n,
Kühl wie Morgenträume.
Stille I welch ein Lied erklingtDort so hcimatheigen?
Waudermüd' die Schwalbe singtIn des Oelbaums Zweigen.
Weht nur weiter warmen Hauch,
^Linde Lenzeslüfte,
Weckt im Land der Heimath auchSang und Blumendüste.
Fort zum Haus am Haidegrund,
Möglcin, wollt euch schwingenUnd von mir zu jeder Stund '
Tausend Grüße bringen.
- Freilich schwirrt die Luft voll „Frühlingslieder",doch dieses ist keines von den landläufigen. Schon diePerson des Dichters selber, die da mitten drin steht unddem die fremden Blumen so facht und fragend in dieAugen sehen, gibt dem Ganzen ein individuelles, eigen-thümliches Gepräge und erweckt unsere innigste Theil-nahme. Ist doch der Frühling, den hier der Dichterbesingt, ein — „fremder", und ist er doch selber ausdem „Haus am Haidegrund", für das er den Vögleinseine Grüße aufträgt — verwiesen und verbannt!
Ebenso bietet das folgende Gedicht, „Der Lenz",eine eigene, frische, gemüthvolle Auffassung. Als „holderBlüthenknab'" zieht er ins Land und läutet dem Winter„hinunter ins grüne Grab". Alles sprießt und sproßt,wo er geschritten.
Dann kommt die Königin Nose,
Hält große BlumcuschauUno feiert Spiel und TourniereDes Nachts aus der Waloeöau.
Inzwischen hat Lenz, der Knappe,
Auch Rüstung angelegt,
Schwertblüthe und EisenblumeUnd Rittersporn er trägt.
Dann kommt Prinz Sommer gerittenUnd rennt den Frühling an.
Daß er zwischen Gras und Blume»
Sinkt sterbend aus den Plan.
Dem Sieger reicht die NoseZum Bunde dann stolz die Hand —
Und es jubelt, leuchtet und glühetIhr Brautlauf durch das Land.
Nur einsam still eine JungfrauIm weißen Schleier steht;
ES wacht beim Grabe des FrühlingsDie Lilie im treuen Gebet.
DaS eigene Todesahnen gab dem Dichter wohlauch das kurze, aber tief gefühlte Gedicht „DaS Förster-mal" ein:
Da drauß' im Walde stehen der schlanken Eichen so viel,
Deö Frühlings Säusclwchen treibt in den Kronen Spiel.
Die schwellen, knospen und grünen im goldenen Maienstrahl,WaS kümmert die stolzen Hünen am Stamme das kleine Mal?
Das hat der Förster gehauen mit seinem Gürtclbeil»
Von fern ist's kaum zu schauen, ein Jahr — dann ist es heil!
Ein Jahr? — du arme Eiche erlebst nicht so ferne Zeit!
Dich hat mit jenem Streiche der Förster dem Tode geweiht.
Bald werden die Hauer kommen und spähen nach jenem Mal,Da kann kein Knospen frommen, dich fället der Aexte Strahl.
Dann wieder diese herrlichen, stimmungsvollen Abend-bilder! Zu dem Besten in unserer gesäumten deutschenLyrik zählen wohl Lieder wie das folgende:
Auf Waldeswipscln funkeltDer Sonnen Flammenpracht,
Vom Berg im Osten dunkeltDie weite stille Nacht.
O sag'! zu dieser StundeWas engt die arme Brust,
Daß ich dasteh' im GrundeUnd klage von Verlust?
Mich zieht's mit StrahlenhänböNFort in die Muth hinein,
Ich kann den Blick nicht wendenVom milden Abendschein.
ES ist, als müßt' ich blutenMein Herz am Himmel seh'nUnd mit den AbendgluthcnAuf ewig untergeh'n.
(Schluß folgt.)
Recensionen nnd Notizen.
Förster I. M-, „Das gottselige München ". 6tBogen8° mit circa 140 Illustrationen. (III Theile, starkbrosch. M. 7.-.)
* Es ist ein erfreuliches Zeichen, daß die kirchlich-historischeLiteratur in neuerer Zeit immer mehr aufblüht, da hierin derbeste Beweis für die Antheilnahmc des Volkes liegt. Das vor-liegende Buch hat die geschichtliche Beschreibung aller Kirchenund Klöster, welche München je besessen hat, zum Gegenstände.Da der Verfasser aber in den meisten Fällen auch die Bau-geschichte, die Beschreibung der Altäre (selbst aus früherenZeiten), der Glocken, der etwa bestehenden Bruderschaftenbringt und verschiedentlich interessante Charakterzüge einsticht(wie z. B. daß bei Aufhebung des früheren Kapuzinerklostersin München Polizeidiener, nachts durch Fanghnnde verstärkt,vor demselben Wache hielten, damit keine Verschleppung erfolge;daß die Mitglieder unseres erhabenen RegcntenbauseS fleißigeKirchenbesncher sind u. s. w.), ist das Buch außerordentlich wcrth-voll und kann jeder katholischen Familie, namentlich der k. D.Geistlichkeit, bestens empfohlen werden. Neben dem Bezug in3 Theilen ist auch ciu solcher in (64) Heften L 10 Pf. durchjede Buchhandlung oder direkt beim,Herausgeber (München ,