alle Mitbrüder davon überzeugt waren, daß Maria anBruder Nas ein Werk der Barmherzigkeit gethan, dervor demselben soviel betete und studirte. Nachdem aberdas alte Franziskanerkloster in Jngolstadt aufgehobenwurde, brachte man dasselbe in die jetzige Franziskaner-kirche, in der es den Altar des hl. Augustinus ziert,und ist es zugleich das Titularbild des großen, überallverbreiteten sogen. Lngolstädter Meßbandes geworden.
Nas konnte nach Erlernung der Grammatik baldzur Lektüre der Klassiker übergehen und gab, als er sichseinen Obern offenbarte, ihnen zum größten Erstaunensolche Beweise selbsterworbener Kenntnisse, daß er vonihnen für würdig und fähig befunden wurde, in die Zahlder Kleriker aufgenommen zu werden, und schon im Herbste1557 empfing er in Freistng die Priesterweihe. Seit 1559verweilte er wieder in Jngolstadt, und zwar als Hörer ander Universität, welche damals der Mittelpunkt katholischerWissenschaft und Polemik im südlichen Deutschland war;er beschäftigte sich vorzugsweise mit dem Studium der hl.Schrift und der Väter und erlernte noch nachträglich diegriechische und hebräische Sprache. In seinen Schriftennennt er die Professoren Staphylus, Eisengrein, Frank— sämmtliche Convertiten — mit besonderem Dank alsseine Lehrer und Freunde. Am 14. September 1560wurde er auf dem Ordenskapitel zu Sefflingen zumConventprediger in Jngolstadt ernannt, was ihn jedochnicht hinderte, seine Studien eifrigst fortzusetzen undunter- Leitung der Jesuiten sich in Disputationenzu üben.
k. Johannes wurde bald ein berühmter Prediger.Seine Reden erweisen ihn als einen Mann von großerSprachgewalt und volksthümlicher Beredsamkeit, der ausdem Born des Volkes schöpfte, wenn auch seine Rede-weise der Jetztzeit nicht mehr zusagt. Der unerschrockeneMuth und die volkstümliche Kraft seiner inhaltreichenReden thaten mächtige Wirkung nicht nur bei den Katho-liken, sondern auch den Lutherischen; die neue Lehre warbereits bis fast an die Thore Jngolstadts vorgedrungen.Und nicht bloß auf der Kanzel seiner Klosterkirche trater gegen dieselbe auf, sondern er predigte auf seinenSammelreisen, die er als Sohn des hl. Franzisknsunternahm, um den Lebensunterhalt durch Almosen zuerhalten, auch auf dem Lande gegen dieselbe, wobei ermanche betrübende Erfahrungen über das Glück desbethörten Volkes „unter dem reinen, unverfälschten Wort"zu machen Gelegenheit hatte. In dem Maße seiner Er-folge stiegen aber auch die heimlichen Ränke und Ver-folgungen wie auch die offenen Verunglimpfungen, under wurde mit Titeln wie „Schneiderknecht" u. a. belegt;wenn er sogar von Meuchelmörderischen Anschlägen gegensein Leben erzählt, so darf man dies bei der zügellosenParteiwuth jener Zeit durchaus nicht für Uebertreibunghalten; um so einen „tollen Mönch" aus dem Wege zuräumen, war in der That jedes Mittel recht.
Durch seine Predigten wurde er überall bekannt,und der Cardinal Bischof Otto von Augsburg lud denFranziskaner zur Provinzialsynode nach Dillingen ein,wo ihn wiederum der Bischof von Würzbnrg kennenlernte, der ihn zu einer Missionsreise nach Franken be-wog. ?. Nas erzählt selbst, welche Freude er empfunden,als er am 29. Juni 1569 auf dem Frauenberge zuWürzburg die hl. Messe las und predigte. Bei einemBesuche in seiner Heimath, den er bei dieser GelegenheitWachte, erlebte er den Schmerz, das Lutherthum in-zwischen dort eingerisscn zu sehen. Schon vorher hatte
er übrigens in Ulm, Bruck und München längere Zeitals Missionär gewirkt und zu diesem Zwecke auch eineigenes katholisches Handbüchlein drucken lassen.
Doch noch bekannter wie als Prediger ist ?. Jo-hannes als Polemiker. Als solcher aufzutreten war ur-sprünglich keineswegs seine Absicht gewesen. „Ich wolltewohl am liebsten, äußerte er sich, einfältiglich das Volkden katholischen Glauben zu jeder Zeit gelehrt haben aufdem Predigtstuhl und im Jugendunterricht und ihm ge-dient haben im Beichtstuhl und in den Siechhäusern,aber die unzähligen, unsäglichen Lästerschriftcn der Pcädi-kanten haben mich in's Feld geführt, und ich muß michnun mit ihnen hauen und fechten mit gleichen Waffenund ihnen die Sprache reden, so sie selbst führen, da siedoch keine andere verstehen und hören wollen." „Freudigzu Muthe" war es ihm als Streitschriftstcller keines-wegs. „Welcher Leser wird frömmer, wenn er andererLeute Büberei gleich wohl und oft liest und hört?" „Aberwas soll man machen, wenn, man mög' wohl sagen Tagum Tag immer neue Famos- und Lästerbücher erscheinenund unsere Widersacher gleich wie Wölfe in die kathol-ische Hürde dringen und den Weinberg des Herrn ver-wüsten, alle Zucht und Ehrbarkeit zu Nichte machen",„unfläthigste Phrases am liebsten gebrauchen, unzüchtigeBilder, Gemälde ausstreuen, sollte man da geruhig bleibenkönnen und nicht den Wölfen wehren?" Jcmssen364 ff. (Schluß folgt.)
Adam Weishanpt.
Von Adam Hirsch mann.
(Fortsetzung.)
Am 11. Juli 1773 hatte sich Adam v. Weishanptin Eichstätt mit Afra Sausenhofcr, Tochter des fürst-bischöflichen Kastners und Hofkammerrathes Sausenhofcr,vermählt;^) doch schon am 8. Februar 1780 wurdediese Verbindung durch den Tod der Frau gelöst, welcheseit 1777 krank darniedergelegen.^) Zur Besorgung der
^) Maria Afra Johanna Walburga Sausenhofcr war am3. August 1716 zu Wolferstadt (in der Nahe von Wemdinz)geboren, wo der Vater domkapitlischer Kastner (granariusl war.Er scheint gegen daö Jahr 1760 nach Eichstätt versetzt wordenzu sein, woselbst ihm am 22. Mai 1766 eine Tochter Mariageboren wnrde. In Wolferstadt war ihm am 7. Nov. 1747ein Sohn geschenkt worden: Wolfgang Damianus KarpophorusJoscphuS, welcher in den geistlichen Stand eintrat und mir Er-laubniß des Pfarrers von Sk. Moritz in Jngolstadt die Kopu-lation seiner Schwester Afra mit Weishanpt vornahm. Späterwnrde er Pfarrer in Kirchanhausen bei Bcilngries und starbam 12. Januar 1801 in Eichstätt . Der Hoikastncr WolfgangWillibald Jakob Sansenhoser selbst war geboren den 7. Juli1718 und starb in Eichstätt am 17. Nov. 1792, nachdem er,wie seine Grabschrist an der westlichen Wand der Gottesacker-kapelle daselbst besagt, dem hohen Stifte über 47 Jahre getreueDienste geleistet. Öb Wolfgang Sansenhoser und sein SobnWolfgang Nahmnnd, geb. zu Wolferstadt den 23. Juli 1754.gest. in Eichstätt am 9. Nov. 1801 als Hoch-Biscböfl. Eichst. Hof- und Rcgicrnngsrath, dann Lchcnpropst, dem Illuminaten-orden angclwrt babcn, ist nicht zu erweisen. I» Innsbruck (SamoS ) suchte Hanmbal (Baron Bassns) Professor 8 — — ,künftigen Schwager deß Spartakus, iür die Jllnininatcn zu ge-winnen. (Nachtrag v. Originalschr. I, 136.)
2 °) Die Mutter Weishanpt'S, Anna Katharina Apollonia,eine Tochter des Vogtes Valentin Kicsner des wnrzburgischenJulinöspitales zu Hciligentbal, starb 1783. (Nachtrag vonOriginalschr. S. 21.) Dieselbe hatte sich am 6. Oktober 1746mit Johann Georg Weishanpt vermählt. Nach freundlicherMittheilung des hochw. Herrn Pfarrers Fuchs zu Schwamcld„ist in der Filialkirche zu Heiligenthal der Grabstein des Joh.Georg Weishanpt noch gut erhalten. Die Inschrift lautet:Lnno Oowtlli 1753 äts 20. LextLiybrrs tu Domino obüt xras-