Ausgabe 
(10.4.1896) 15
 
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häuslichen Geschäfte wurde die Schwester herbeigerufen,welcher auf Drängen der kranken Gattin Weishaupt imOktober 1779 versprach, seinerseits nach Kräften bestrebtzu sein, die Erlaubniß zur Heirath zu erwirken.Selbstden Tag vor ihrem Tod habe ich dieses Versprechen wieder-holt, bestätigt Weishaupt . Sie war darüber ruhig undstarb, und meine Schwägerin blieb bei mir, um meineWirthschaft zu führen." (Kurze Rechtfertigung meinerAbsichten 1787 S. 56.)

Nachdem die Trauerzeit vorüber war, ersuchteWeishaupt feinen geistlichen Schwager, er möchte durchdie Franziskaner in Nenburg sich in Rom erkundigenlassen, welche Hoffnung er hatte, sein Versprechen zu er-füllen. Die Antwort war nicht besonders günstig. Dannwandte sich Weishaupt durch seinen Schwager (jedenfallsWolfgang Sansenhofer), welcher sich in Wien befand,an die dortige Nuntiatur. Doch die Sache ging nichtvorwärts.Und schon damals im Jahr 1782 ver-sicherten mich viele angesehene Männer, erzählt Weis-haupt, welche die prux in onrino besser verstanden, daßeine Schwängerung das kräftigste Beförderungsmittel beiähnlichen Gesuchen sei." (Kurze Rechtfertigung S. 58.)Das bischöfliche Ehegericht in Eichstätt , dem die Dispense-angclegenheit nunmehr übertragen wurde, erholte sich daSGutachten der theologischen Fakultät in Jngolstadt, welcheam 3. Februar 1783 auf Antrag Fröhlichs zu Gunstendes Petenten sich aussprach. Ueber Wien ging dann dieSache nach Rom. Nach einer ziemlichen Zwischenzeitkam desselben Weges die Nachricht, daß man von Seitendes Vikariats (Eichstätt ) unterlassen habe, die nöthigenProdukte beizulegen, und daß überhaupt das Vorschreibennicht in der nöthigen Form abgefaßt sei. Weishaupterhielt zwar die noch abgängigen Produkte, indessen warseine Schwägerin schon gegen das Ende des drittenMonats in ihrer Schwangerschaft vorgerückt. (KurzeRechtfertigung S. 61.) Der Ordensstifter kam nun ineine sehr ungemüthltche Lage und schob alle Schuld aufden Eichstätter Generalvikar Martin Lehenbauer, derdurchAnempfehlung der Jesuiten sein abgesagtesterFeind" war. (Kurze Rechtfertigung S. 59.) Aber alsProfessor des kanonischen Rechtes hätte Weishaupt dochwenigstens wissen müssen, daß er sein Dispensgesuch bei

nodilis magmitieus ao oonsultissiunw D. Isannes OeorZiusIVsisImupi, utri. g. j. äostor, sereuissimi üueis ao sieotorisilavuiias oonsiliarius aotualis, juiiicii provinoiaiis oassarsiHirscbbei-F assossor, in aiwa ob oisotor. univsrsit. luZolstalltimi>. p. p. Institut. praxeos orim. st bist. juris Professorpubiicus st orüinarius nso von p. 1. Lsetor waAnilieus, ouimaostissiiua ejus uxor Latimrina nata Xissnsr tristo booeoujuAaiis piotatis st amoris posuit monumentnm.

Lax vivis, reguiss clskunotis.

Unmittelbar an der Grabstätte Joh . G. Weishaupt's be-findet sich jene seines Schwiegervaters Joh. Valentin Kiesner,mit der Antichrist:

^»no 1746 eiis 8. Xovembris circa borain XI msriä. omnibnsinoribnmiorum saoramsntis watnro prasmunitus pis in Do-mino obiit praenobiiis st strsnnnns D. Isannss ValsntiuusLiosner, gui in bospitali luliano annos 12 oklieial. st kao insacra vaiis per 28 annos praeksoruram sollioits st üüeiiter ...aetaris snae 65 aun.

Heiligenthal war von 12341561 eine Cistcrzicnscrinnen-Abtei; im letztgenannten Jahre wurde dieselbe ausgelöst undderen Güter 1577 mit dem ncnerrichteten JnliuSspitale zuWürzburg vereinigt, welche bis 1789 von einem juliusspital-ischen Vogte verwaltet wurden.. Bis 1789 gehörte Heiligcnthalzur Psarrei Wipfcld, nunmehr zu Schwanfeld . DaS Schiff dcrgothischen Kirche zu Heiligenthal dient dermalen als Scheune,dcr Chor wird als Kapelle benutzt; die Güter gehören demProtest. Fürsten Leiningen in Amorbach ." H. Pfarrer Fuchsunseren besten Dankt

dem zuständigen Bischöfe von Eichstätt in Vorlage zubringen habe. Ucbrigens scheint Weishaupt in seinerNechtfertigungsschrift vor dem großen Publikum nichtganz aufrichtig gesprochen zu haben. Denn wenn erschon 1779 seiner Schwägerin die Heirath in Aussichtgestellt hat, warum wollte er doch Zwack's Schwager-werden? In einem Briefe an Cato (RcgieruugsrathZwack in Landshut ) wahrscheinlich aus dem Jahre 1782bemerkt der Ordensgründer:Noch eines! wäre es ihnenwohl recht, wenn ich dereinst ihr Schwager würde?Wenn es ihnen recht ist, wenn es unbeschadet meinerEhrlichkeit geschehen kann, wie die Hoffnung dazu an-scheint, so hoffe ich, soll es auch geschehen, aber schweigensie dermal noch." (Nachtrag von Originalschr. I, 77.)

Im Briefe an Marius (Benefiziat Hertel in München )gesteht er:

Und nun im engsten Vertrauen eine Angelegenheit meinesHerzens, die mir alle Ruhe raubt, mich zu allein unfähig machtund mich bis zur Verzweiflung treibt. Ich stehe in Gefahr,meine Ehre und Reputation, durch welche ich auf unsere Leuteso vieles vermochte, zu verlieren. Denken sie, meine 18. 1V. 5.21. 12. 6. 8. 17. 4. 13. ist 18. 10. 5. 21. 12. 13. 6. 8. 17.(d. h. meine Schwägerin ist schwanger).

Ich habe diese zu diesem Ende nach Athen (München ) zuEuriphon geschickt, um die Heirats-Liccnz und Promotoralicnnach Rom zu sollicilieren. Sie sehen, wie viel daran liegt, daßsie reussiren und keine Zeit versäumt werde: jede Minute isttheuer. Aber, wenn nun die Diipensation nicht erfolgt, wasmache ich sodann? wie ersetze ich dieses einer Person, der ichalles schuldig bin? Wir haben schon verschiedenes tentirt, umdas 3. 4. 13. 9. 12. 11. 24. 20. 19. 17. 8. 4. 11. 8. 13.(Kind abzutreiben). 2 °) Sie selbst war zu allen entschlossen. AberEnripbon ist zu timid und doch sehe ich beinahe kein anderes Ex-pedicnS. Wenn ich des Stillschweigens des Celsus (Professorund LcibmediknS Baadcr) versichert wäre, dcr könnte mir wohlhelfen und hat es mir auch schon vor 3 Jabrcn versprochen.Reden Sie mit ibme, wenn Sie glauben, was hier zu thun sei?Caro mag ich nicht gerne etwas davon wissen lassen, weil essonst seine ganze Freundschaft erfährt. Wenn Sie mir ausdieser Verlegenheit helfen, so geben Sie mir Leben, Ehre, Ruheund Macht zu wirken wieder. Wo nicht, so sage ich Ihnen,

2 °) Zur Entschuldigung und Beschönigung dieses Ver-brechens beruft sich Weishaupt auf dasAnsehen und die sobernffene Moral der Jesuiten " (Kurze Rechtfertigung S. 52),indem er in der Anmerkung kühn behauptet:Hundert Zeug-nisse könnte ich anführen, wenn cS nöthig wäre. was diesefrommen Väter, welche in Bahern so sehr für Sitten. Tugendund Religion besorgt sind, über diesen Gegenstand öffentlichgelehrt und geschrieben haben. Wir wollen einen einzigenhören. Dieser ist der k. Morinus und dieser schreibt in seinertboolvAia spsouiativa st woraii M 3 1'r. 25. üs matrimonioDisp. 8. 8sst. 5 u. 63, 64, 66, 67 und beruft sich Nr. 75 aufandere Väter feines Ordens, einen Navarra , Banne;, Henriguez,, Castro Palolo, Sanchez." ES gab nun wohl einen ge-lehrten Theologen mit Rauten Johann MorinuS, gest.

16. Febr. 1659 in Paris , aber dieser war Oratoriancr (K.-L.VIII, 1917); einen Jesuiten Worin, der das von Weishauptcitirte Werk geschrieben, konnte ich weder bei Sommervogel,Libliotkegus äs ia oompaZnis äs Issus t. V p. 1323 26,nock bei Hurter, Xomsuol. I, 480, noch in Zedlers Uuivcrsal-lcxikon Bd. 21, noch bei Jöckier (Gclchrtenlexckon) und Adeluugfinden. Entweder hat Weishaupt sich im Namen geirrt, oderer hat aus einem anderen Autor bona tiüs das Citat herüber-genommcn, oder er bat absichtlich den Oratoriancr Morin, derübrigens kein Moralwerk geschrieben, in einen Jesuiten umge-wandelt. Eine Entschuldigung kann ich nicht treffen. AuchNavarra und Banne; waren keine Jesuiten, sondern Domini-kaner ; der Jesuit Castro Palolo hieß Castro Palao (K.-L. II,2035). Daß ?. Girard, Rektor des'Collcgiums zu Toulouse ,in Behandlung der hysterischen Maria Kalb. Cardicre als Ge-wissensführcr zu leichtgläubig war, läßt sich nicht bestreiten;daß er aber Abortivmittel angewendet habe, wie Weishaupt be-hauptet, ist durch das freisprechende Urtheil des Gerichtshofeszu Aix (Oktober 1731) widerlegt. S. Critische Jesuiler-Ge-schichte, Frankfurt u. Maynz 1765, S. 53 u. 561. Duhr,Jesuitenfabeln S. 495.