Ausgabe 
(10.4.1896) 15
 
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ich wage einen desperaten Streich?') denn ich will und kannmeine Ehre nicht verlieren. Ich weiß nickt, welcher Teufel michirre geführt, mich. der ich allzeit in diesem Falle die äußersteBehutsamkeit angewandt. Noch bis bero ist alles still. Nie-mand weiß etwas als Sie und Euripbon. Noch wär eS Zeitetwas zu unternehmen, denn cS ist erst im 4tcn Monate undnoch dazu, was das ärgste ist, ist dieser Fall sogar kriminalisch.Und eben dieses macht den äußersten Effort und die verwegensteEntschließung nothwendig." (Nachtrag von Originalschr. I,14-17.)

Wer ist nun dieser Euriphon, welcher dem Jngol-städter Professor, der die Aechtheit und Wahrheit vor-stehenden Briefes anerkannt hat (Kurze RechtfertigungS. 51), die Heirathslicenz in Rom erwirken sollte?Nach der Jlluminatenliste in den Hist.-pol. Bl. Bd. 103S. 938 war Euriphon, mit dem bürgerlichen NamenKanzler, Arzt in München , welcher wohl zu den FreundenHäffelins, des Vicepräsidenten des churfürstlichen geist-lichen Rathes, gezählt haben mochte. Denn der Stadt-pfarrer von St. Moritz in Jngolstadt, Joh. Paul Baur,berichtet am 19. Dez. 1783 dem Gencralvikare nachEichstätt :Der ärgste Feind vom Papste, der Weis-hanpt, ist sehr glücklich; denn seine Fräulein ist glücklichzu Sandersdorf entbunden worden^) und die päpstlicheDispensation, bewirket durch Häfelin und Steigenberger(Kanonikus deS Stiftes Polling) et yuiäsiu sud abodrextitia, ist auch angekommen. Zweifelsohne wird esein Bischof inspiciren dürfen; das gu8 eowinuira wirddoch der Papst dem Häfelin^) zu lieh nicht aufheben."(Past.-Bl. des Bisth. Eichstätt 1865, 215.)

Wenige Tage darnach, am 21. Dez. 1783, feierteWeishanpt zu Sandersdorf auf dem Schlosse des BaronBassus seine Vermählung mit Maria Anna Sausenhoferunter Assistenz des Stadipfarrers Wibmer von Jngol- lstadt: Nom hatte im ersten Grade der Schwägerschaft,Eichstätt von der geschlossenen Zeit und dem dreimaligenAufgebote Dispense ertheilt. Damit war für den welt-erneuenden Ordenssiifter eine schwere Krisis überstanden;in den Kreisen der Jlluminaten scheint man dem hoch-fahrenden Professor und strengen Sittenrichter dieseVerdemüthigung wohl gegönnt zu haben. Wenigstensbemerkt Manns (Hertel) in einem Briefe vom 3. Nov.

Weishanpt trug sich damals ernstlich mit Selbstmord-qcdaukeu. (Ewige Originalschr. S. 383.) :

'°) Nach dem Geburtsregister der oberen Stadipsarrei in ,Jngolstadt ist dieses Datum nickt richtig. Diesem zniolgc wurdeam 30. Januar 1784 dem Adam Weisbaupr und seiner Ehe-frau Maria Anna, geb. Sausenhvier, ein Solm geboren, welcherin der Taufe den Namen Wilhelm Damianus erdielt.

°°) Ueber den ehrgeizigen Häffelin, als Jllnminat küilobidlins benannt, entwirft der Geucralvikar von Eichstätt imJahre 1788 an den hl. Stubl eine sehr ungünstige Schilderung;er wird genannt: vir notas totsrrimao tnm ob Illuminatisinnmtnm vitas rationsm, astutiseiiuus Ii^gocrita et mlnlatorvakerrimns; vor Jahren habe er mir allen Kräften die Er-richtung eines ErzbistbumS in München versucht, um selbst mitDieser neuen Stelle bedacht zu werden Er schmeichle demNuntius in München in der ekelhaftesten Weise, durch ihn seier Titnlarbischof von Cberionncs geworden. Auch StadtpiarrcrBaur kennt die Pläne der Jlluminaten bezüglich der Errichtungneuer Bischofsstühle in Bayern; er schreibt:Wenn Gott nicktbald seiner Kirche zu Hilfe kommt, so scheint eo, als wollteGott das Licht des wahren Glaubens unserm Batcrlande ent-ziehen, wozu der (obere Stadtpfarrcr) Wibmer Alles beitragenwird. Nur Geduld I Er und Weishanpt schmieden schon anvielen Projekten, daß in München ein Bischof und andererOrten Weibbiscköfe verordnet werden. Wibmer soll Bn'ckof vonJngolstadt werden. Hernach webe der Religion!" (Past.-Bl.

I. o. p. 215.) Eine Biographie Häffelins, der das bayerischeKonkordat abschloß und hiefür zum Kardinalat erhoben werdenmußte, findet sich Binder, ConversationSlexikon V, 17, fehltaber anffallcndcrwcise im neuen Kirchenlexikon von Hergenröther-Kaulen Bd. V.

1783 an Cato (Zwack):Spartakus ist heute nachEphesus (Jngolstadt) gereiset; seine dicke Schwägerinließ er aber zurück. Auf das neue Jahr hofft er miteinem, der Königen und Fürsten vorgehen soll,erfreuet zu werden. Der Papst wird also doch Respekthaben und ihn vor der Zeit legitimiren." (Einige Ori-ginalschr. S. 387.)

Doch über Weishaupt zog sich gar bald ein neuesfolgenschweres Gewitter zusammen. Dem geheimen Sekre-tär der Herzogin Maria Anna von Bayern, Joseph Utz-schneider, wurde, wie Schreiber (Gesch. Bayerns II, 246)berichtet, von dem Jlluminaten Marquis von Costanza,Hofkammerrath, zugemuthet, angeblich um dessen Ergeben-heit gegen den Orden zu prüfen, jene Briefe auszuliefern,welche König Friedrich II. von Preußen und MinisterGraf Herzberg an die Herzogin hinsichtlich des Tausch-projektes des Kurfürsten Karl Theodor, Bayern gegendie österreichischen Niederlande an Oesterreich abzutreten,geschrieben hatten. Bei Joseph II. hofften die bayerischenJlluminaten Befriedigung all' ihrer Wünsche zu finden;darum wohl die geheime Sehnsucht, österreichische Unter-thanen zu werden. Doch Utzschneider weigerte sich, diesemAnsinnen nachzukommen, und schied aus dem Orden.Friedrich II. erfuhr seinerseits durch die Freimaurer ,welche Anforderungen an Utzschneider gestellt worden seien,und machte im Februar 1785 die Herzogin Maria Annaauf das staatsgefährliche Treiben der Jlluminaten auf-merksam. Nun entdeckte der Sekretär das ganze Ge-heimniß des Ordens?") Schon durch die Streitigkeitenzwischen Weishaupt und Knigge waren dunkle Gerüchteüber die neue Ordensstiftung in die Ocffentltchkett ge-drungen. Einzelne Mitglieder, wie Abbs Cossandey,Nenner, Professor Grünberger, HofkriegsrathssekretärZaupser, waren mit Utzschneider Anfang Dezember 1783ausgetreten. Am 22. Juni 1764 erließ die kurfürstlicheRegierung in München eine Verordnung, wornach allegeheimen Gesellschaften verboten wurden. DieJlluminaten, vertrauend auf den Einfluß zahlreicherBeamten, welche dem Geheimbunde angehörten, gehorchtenscheinbar, setzten aber im Geheimen an anderen Ortenihre Thätigkeit wieder fort. Noch am 4. August 1784stellte der Jurist Alois Bauer in Jngolstadt dem BaronFraueuberg einen Revers aus, seine Aufnahme in einegeheime Gesellschaft betreffend, wornach er als ehrlicherMann versprach,gegen keinen auch vertrautesten Freundund Anverwandten auf keine mögliche Weise, weder durchWorte, Zeichen, Blicke u. s. w., jemal das geringste zuoffenbaren, es mag nun solche Aufnahme zu Standekommen oder nicht, um so mehr als der Aufnehmer ver-sicherte, daß in dieser Gesellschaft nichts wider den Staat,die Religion und die guten Sitten unternommen werde."(Nachtrag von Originalschr. I, 231.)

Der Landschaftsvicekanzler von Kern, als JlluminatLykurgns benannt, schickt seiner Rechnung über die zweiletzten Quartale des Jahres 1784 die Bemerkung voraus:Warum für diese zwei Quartale keine förmliche Rech-nung abgelegt werden kann, ist aus der Lage der Um-stände von selbst bekannt. Da sich nemlich schon vonAnfang des Juli her ein Theil der ehemaligen Minerval-

-°) Stark (Triumph der Philosophie S. 337 A. 1) stelltdie Thätigkeit Friedrichs II. gegen die Jlluminatcn in Abrede;ihre eigene Unvorsichtigkeit, wodurch daö Publikum gereizt ward,wird in der Schrift: Große Absichten des Ordens der Jlluiui-naten, S. 37, als die wahre Ursache angegeben. Kluckhohn(AugSb. Allg. Zeitung 1874 Beil. 185) hält an der AnsichtSchreibers fest.