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versawmlustg unter dem Super, des Jll. Musäus (Hof-rath MoutgelaS, später Siaatsminister) in den engenfreundschaftlichen Zirkel des Demonax (Schieß!, Pfister-meister) zurückgezogen hat" . . . Darum erbittet er sich„von Seite erl. Oberer eine gefällignamentliche Weisungüber das dermalige Personale unter der Leitung desDemonax, um hienach sich richten und die allenfallsigenAusstände rechnungsformig vortragen zu können." (Nach-trag v. Originalschr. I, 234—236.) Auch in Korinth(Negensburg) wurden vorn 1. Sept. bis 31. Dez. 1784an monatlichen Beiträgen 15 fl. 15 kr. eingenommen.(Ebendas. I, 239.) Der Quästor Armidorus (LieutenantEval) legte Rechnung ab über die Einnahmen und Aus-gaben bei der Minervalversammlung zu Nemea ^) unterdem Superiorate des Sulla (Baron Meggenhofen) vor»1. Januar bis 28. Februar 1785. (Ebend. I, 245.)
Da erfolgte am 2. März 1785 ein namentlichesVerbot der Freimaurerei und des Illuminaten-ordens seitens des Kurfürsten Karl Theodor , welcherdurch eine Denkschrift Utzschneiders über die Ziele unddie Ausbreitung des Jugolstädter Geheimbundes aufge-klärt worden war??)
Wie benahm sich Weishaupt in dieser kritischenPeriode?
Noch im Februar 1783 trug er sich mit dem naivenGedanken, dem Kurfürsten durch eine Deputation dasProtektorat der B— eklektischen Loge antragen zu lassen,um sich recht fest zu setzen, wie er wähnte. (Nachtrag v.Originalschr. I, 98.) Freilich sollte der Landesherr nichtalles erfahren, was in den Statuten der einzelnen Gradeenthalten war; so sollte gemäß Anweisung des Ordens-stifters vom 2. Februar 1785 beim Illunnnutrw Nujorder Satz gestrichen werden: „Pfaffen und böse Fürstenstehen uns im Wege." Vom Illuminatus äiriAens(Negentengrad) sollten nur die Ceremonien der Aufnahmeund Weishaupts Anrede hiebet übergeben werden; vomPriestergrad gar nichts, als die ilwtruotio in soiantitiaw,Unterricht über die Pflege der Wissenschaft; aber, fügteder betrügerische Ordensgeneral ernst bei, wohl durch-gegangen, damit sie keine beziehende (anzügliche) Stelleenthalte. Wenn Sie, instruirie er weiterhin die Depu-tirten der Münchener Loge, die Instruktion von demPriestergrad mit übergeben, so sorgen Sie bei der In-struktion im historischen Fach, daß keine Stelle darin,welche das Archiv-Bestehlen bestätigt. (Nachtrag vonOriginalschr. I, 227; Einige Originalschr. S. 330.)
Diese Rathschläge des Jugolstädter Professors, welcherdurch seinen Geheimbund die Menschheit sittlich hebenwollte, find doch ganz genau nach dem Recepte formulirt:Der Zweck heiligt die Mittel, wie auch Knigge richtig
s') Nach den Namen der Bruder und Novizen eine Logezu München .
2-) Das Kircheiilexikon VI, 716 hat irrthüinlicher WeisedaS Jahr 1736 angenommen. Kurz (Litcraturacsch. III, 4),welcher vom Jesuiten - und seinem Gegenstücke, dem Illuminaten-orden ganz wunderliche Anschauungen zu Markte trägt: „Dieser(nämlich der Jugolstädter Geheimbund) nahm rasch zu, aber erkonnte den geheimen Umtrieben der Jesuiten nicht widerstehen,die in ihm den gefährlichsten Feind schon darum erkannten,weil er sich, was sein Hauptfehler war, ihrer eigenenMittel bediente," läßt denselben schon im Jahre 1784 durchden Kurfürsten von Bayern aufgehoben werden, „der auch denedlen WeiShaupt absetzte und verbannte". Anfänglich war überWeishaupt nicht die Strafe der Verbannung ausgesprochenworden, sondern er ging freiwillig auS Bayern fort und er-klärte selbst: „Ich habe im Sinne, auch unter den vortheil-haftestcn Bedingungen nie wieder zurückzukehren." (EinigeOriginalschr. S. 40ö.)
erkannte, wenn er bemerkt: Was ist der Priestergradgegen ihre Mittel zu guten Zwecken? (Nachtrag vonOriginalschr. I, 124.) Den Jesuiten warf Weishaupthöhnend laxe Moral vor, die seinige war jedoch dielaxeste!
Inzwischen fürchtete er schon, daß die kurfürstlicheRegierung eine Untersuchung einleiten könnte. In diesemFalle sollten die Häupter des Bundes auf Einzelheitensich nicht einlassen, sondern die Erklärung abgeben, daßsie nur dem Kurfürsten selbst die nöthigen Eröffnungenmachen würden. Diesem soll man sodann die zwei Gradevon den höchsten Mysterien zu lesen geben. Auf dieseWeise hoffte Weishaupt für seine Sache eine günstige,unerwartete Wendung zu erzielen, wie er von Jngolstadtaus am 18. Dez. 1784 schrieb. Unterm 2. Febr. 1785ertheilte er den Rath: „Wenn Personal-Inquisitionen vor-kommen, so lassen sie sich in Personalverbrechen auf eineVerantwortung ein; soviel aber die Grade und die innereVerfassung des Ordens, hiemtt Nealia betrifft, so pro-vociren sie darauf, daß sie solche Niemand als Sr. Durch-laucht in höchst eigener Person eröffnen würden unddiesem sagen sie ungescheut, dieser Orden sei ein Landes-produkt und ich der Verfasser; dann wird die Rede schonan mich kommen." (Nachtrag v. Originalschr. 1, 226.)
Wirklich kam schon wenige Tage hernach die Redean Weishaupt: am 11. Februar 1785 wurde er seinerLehrtätigkeit an der Universität Jngolstadt enthoben,nachdem er kurz zuvor auf Betreiben Lipperts vor ver-sammeltem Senate wegen des Antrages: für die Uni-versitätsbibliothek Pierre Bayle's Werk OiotionnairsstistMiqns ob eritiqua und das Werk des RichardSimon (Prantl, Gesch. der Univ . Jngolstadt I, 641)anzuschaffen, das tridentinische Glaubensbekenntnis hatteerneuern müssen, und bis zu einer anderweitigen Ver-wendung von Schluß des Schuljahres ab mit 400 fl.pensionirt. Da er jedoch eine Personal-Untersuchung nichtohne Grund fürchtete, indem er schon früher den Ge-danken ausgesprochen hatte, daß er sich „durch all' seinWohlwollen, Denken und Arbeiten zum Lohn einenGalgen baue" (Nachtrag v. Originalschr. I, 52), daß er„dereinst durch die Unvorsichtigkeit seiner Leute den Kopsverlieren könnte" (ebendas. I, 89), so schlug er diePension aus und bat um seinen Abschied. Diesen erhielter durch kurfürstliches Neskript vom 19. Februar 1785,worin er ein „hochmüthiger und renommirter Logen-meister" genannt wurde. (Stark, Triumph d. PhilosophieS. 339.) Der vaterländische Boden scheint dem schuld-bewußten Ordensstifter zu heiß geworden zu sein; dennschon am 25. Februar 1785 schrieb er von Nürnberg aus an Zwack, die Worte Cicero's von Catilina auf sichbeziehend: Lxesssit, eruxit, avusib — Auf und davonist er! Mit Schulden war Weishaupt aus Jngolstadtentflohen und bat daher den genannten Ordensgenossenseiner Frau, welche mit den Kindern noch bis EndeApril dortselbst bleiben sollte, etwas Geld aus der Logen-kasse zu überschicken. Von Nürnberg aus besuchte derFlüchtling Erlangen , Altdorf und gedachte mit Eintrittgelinderer Witterung weiter zu reisen. (Einige Original-schriften S. 403.) An Herzog Ernst von Gotha, Br.„Timoleon", fand er gar bald einen wohlwollendenGönner und Beschützer, an dessen Hofe er fortab lebte,ausgezeichnet durch den Hofrathstitel.
(Schluß folgt.)