Ausgabe 
(10.4.1896) 15
 
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Ergebung, und der geistige Blick wird nicht umflort donder Erdenhaftigkeit unserer menschlichen Natur, sondernbleibt aufwärts zu den Sternen gerichtet.

Und so klingen auch diese trauernden Lieder nichtmit der grellen Dissonanz der Hoffnungslosigkeit aus,sondern am Schluß schwingt auch der Dichter sich zumGedanken der Unsterblichkeit und des Wieder-sehens auf.

Seit ich zu Grabe Dir, o Muiter, gab GeleitVor langer, trüber Zeit,

Klingt stets in meiner Seele nach das WortUnsterblichkeit!"Wir müssen Beide aufersteh'»,

In Himmelsauen selig wallen.

Ich werk' Dich einstens wiederseh'n,

Wenn Lebenshauch am großen Tag in's Grab wird nieder-weh'»

Und auflebt, was im Staub zerfallen.

Und wär' kein ewig Leben mehr,

Wie könnt' ein Muttcrberz denn brechen?

Es setzte sich dem Tode kühn zur Wehr,

Gab' er nickt schmeichelnd das VersprechenVon ew'ger Liebe Wonnemeer!

Aus demBuch der Geschichten" erwähnen wir be-sonders die naiv innigeLegende von der heiligenCücilia" und das bewegt dramatisch durchgeführteGedichtPriestertod".

Wie der Dichter auch den Volkston zu treffen weiß,mag die BalladeGeistergruß" illustriren:

Zu Magdeburg im GrabenDie Trommel ward gerührt,

Zum frühen Tod sie habenDen Deserteur geführt.

Und fern im HeimaththaleBei Wetterwilder NachtKlopft's heimlich an das Fenster,

Wo noch die Mutter wacht.

Sie kennt wohl gleich die Stimme,

Doch klingt der Gruß so hohl

Sie weiß nicht, war'sWillkommen!"

War'S gar einLebewohl!"

Rasch reißt sie auf das Fenster:

Mein Sohn, mein jüngstes Kind!"

Still, Mutter, sprich doch leiser,

Sonst hört's der falsche Wind."

Und bist Du nickt gekommenAuf Urlaub, liebster Sohn?"

Still, still, ein ew'ger UrlaubWard mir als Erdenlohn I"

Wie werden all' sich freuen

Die Brüder und Schwestern Dein . .

Laß, Mutter, laß die Leute,

Denk' Du der Seele mein!"

Und zittern nicht die Scheiben,

Dröhnt's nicht wie Schuß auf Schuß?

Fühlt's nicht die arme MutterWie kalten Geistcrkuß?

Sie breitet aus die Arme,

Sie ruft umsonst ihr Kind,

Sie steht allein am Fenster,

Und klagend geht der Wind.

Und bald mit schwarzem SiegelEin Brief ward wohl gebracht,

Da wußte die arme Mutter,

Wer sie gegrüßt zur Nacht.

Es ist eine Eigenthümlichkeit, aber auch ein hoherVorzug der Kreiten'schen Gedichte, daß sie sich nur schwerbruchstückweise anführen lassen. Alles ist da so prägnant,alles so wohlbegründet und eilt in so rascher, fester Folgedem pointirten Schlüsse zu, daß nirgends das Blätter-werk der Form den festen Stamm des Gedankens zu

überwuchern vermag. Kretten ist eben zugleich auch eingroßer Kritiker, der zuerst an sich selbst die sorgfältigsteFeile legt.

Also nochmals: tolls st Isgs! Und da die Verlags-handlung dem Werke eine so schöne Ausstattung gegeben,können wir es wärmstens auch für den Geschenktisch em-pfehlen. Wir brauchen unsere Kinder nicht mehr an derForm der inhaltsleerenModedichter" L In, Baumbach w.sich bilden zu lassen, das haben wir alles vortrefflicherbet unseren katholischen Dichtern und Schriftstellern, dieobendrein Gesundes für Herz und Gemüth bieten.

Ziehen wir nun einen Schluß aus dem oben Ge-sagten, so ergibt sich, daß k. Kreiten nicht nur einerunserer ersten und geschultesten Kritiker und Literar-historiker ist, sondern daß ihm auch ein vornehmer Platzin den Reihen unserer deutschen Lyriker gebührt.

Strebt die katholische Dichtung unter solchen Sternenund Zeichen vorwärts, dann wird es ihr sicher beschießensein, noch vor Schluß des neunzehnten Jahrhunderts das-jenige Werk erheblich weiter zu führen, das zu Beginndes Jahrhunderts die Romantik vergeblich begonnenhatte nämlich den Dom der christlichenDichtung.

Recensionen und Notizen.

Iloblosss oblixs, Worte an den Adel deutscher Nation-

Verlag von Borgmeycr in Hannover . 72 Seiten Oct.

Preis 1 M.

Diese Schrift zeichnet sich aus durch hohen sittlichenErnst der Weltanschauung eines überzeugten Katholiken, so daßman bei dem scharfen Gepräge der Ansichten des Verfassersseinen Antisemitismus gerne mit in den Kauf nimmt, zumaler aus edler Gesinnung entspringt. Am sympathischsten berührtden Katholiken die ideale Auffassung des Christenthums unddie Begeisterung für sittliche Ideale. Streng auf dem Bodendes historischen Rechtes stehend, verurtbeilt der Autor dieitalienische und deutsche Politik des Fürsten Bismarck als einerevolutionäre und betont das Recht der Monarchie von GottesGnaden. Den religiösen, politischen und wirthschaftlichcn Libera-lismus verurthcilt er mit scharfer Logik, wobei ihm interessantesgeschichtliches und literariickes Material zu Gebote steht. Diechristliche Ehe und das christliche Familienleben sind Dinge,welche er scharf betont. Mit den Waffen feiner Ironie undtreffenden Witzes geht er den Mißsländen zu Leibe, welche inden Reihen deS Adels zu Tage treten: Verschwendung, Luxus,Verweichlichung, Sport, Gigerlthum, Schulden und die Be-ziehungen zu der jüdischen Finanz, sowie Duell und F-reimaurer-thum. Wenn der Geist des Autors überall in dem deutschenAdel lebendig wird, dann kann man mit Recht von den Edelstender Nation reden, und das wcrkthätige Volk würde in demnationalen Adel eine kräftige Stütze finden. Die Lectürc dieserSchrift kann nicht nur dem Adel, sondern allen Ständen em-pfohlen werden.

Mette nleiter Bernhard, Llissa in bonorow 8s. NominisL. lllarias V., für Sopran, Alt, Tenor und Baß,Op. 46, Düsseldorf bei Schwärm, Preis 1 M. 20 Pf.,1 Stimme 29 Pf.

Vorliegende Messe weist alle Eigenarten der bisherigenWerke des verdienten Kirchencomponisten in Melodieführungund Harmonisirung auf, nur ist sie in der Struktur noch ein-facher gehalten, als alle früheren. Vollständig homophon miteingestreuten, Abwechslung bringenden zweistimmigen Sätzencomponirt, bietet sie für eine gute Aufführung von Seite einesmittelguten Chores nicht die geringste Schwierigkeit. Da manauch auf dcni Lande und unter den einfachsten Verhältnissenwürdige, correcte kirchliche Kompositionen nothwendig hat undhier nicht alles der subjektiven Willkür überlassen kann, so wirdman dem fruchtbaren Autor für sein Op. 46, welches sich fürbescheidene Kreise vollständig eignet, dankbar sein müssen,v. vr

Kerantw, Redacteur: Ad. Haas in Augsburg. Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg .