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bareS — Träume, Engelerschetnungen — hineinmischt". !In Düsseldorf wurde fleißig weitergearbeitet, soweit nichtdie ihm nachziehende „Freundin" Gräfin Ahlefeldt ihn daranhinderte. Sein erstes Musenkind war das Lustspiel „DieVerkleidungen",' das der Verfasser aber für sich höherschätzte, als es in That und Wahrheit zu schätzen ist;das Stück wurde auch, soweit bekannt, nur allein inHamburg aufgeführt. Es folgte „Friedrich der Zweite",dessen Composition aber wiederum ziemlich bedeutendeMängel zeigt; trotzdem erlebte es Aufführungen an be-deutenden Theatern Deutschlands zum größten Stolzedes Verfassers.
In dieser Zeit war es, als gegen Jmmermann derDichter Graf Platen in die Schranken trat, und zwarunbarmherzig, so daß er sogar den Namen des Gegnersin Nimmermann umsetzte. Er wählte im „RomantischenOcdipuS" sich Jmmermann zur Zielscheibe, in dessenPerson er zugleich die gesammten Verirrungen der Ro-mantik verhöhnen wollte. Veranlassung gab ihm dazuein boshaftes Penion, das Jmmermann in Heine's Reise-bildern" gegen Platens „Gaselen" losgelassen hatte:
„Von den Früchten, die sie aus dem Gartenhain von SchiraS
stehlen,
Essen sie zu viel, die Armen, und vomiren dann Gaselcn."^)
Die scharfe Antwort auf den auch nicht zarten An-griff war der Held des „Romantischen Oedipus", der„schwulst - einpöklerische Musensohn", der Romantiker„Nimmermann", von dem es unter anderm heißt:
„— gesalbt zum Stellvertreter hab' ich DichDer ganzen tollen Dicbterlinasgenossenschast.
Die auf dem Hackbrett Fieberträume phantasirtUnd unsere deutsche Hcldensprache ganz entweiht."
Das Ganze ist geistreich durchgeführt, die Form istvollendet, aber die persönliche große Abneigung und dasübermüthige Gebühren Platens berühren ungemein pein-lich. Zur Ehre Jmmermanns, der natürlich auch wiedernach Platen schoß, muß gesagt werden, daß er Platenspäter alles verzieh und ihm als Dichter stets Anerkennungzollte. So sagte er, als er Platens Tod erfuhr: „DerGraf von Platen kommt in die Walhalla , und er gehörtauch hinein trotz aller seiner Thorheiten und Mißgriffe".Die beiden Hanptgegenschriften gegen Platen: „Der imIrrgarten der Metrik umhertaumelnde Kavalier" und„Tulifäntchen", wurden weder von Platen noch vomPublikum beachtet, da sie wett über das Ziel hinaus-schössen und so in erster Linie ihren eigentlichen Zweckverfehlten.
(Schluß folgt.)
FimrischL Studenten in Jesuitencollegien.* *)
Von Dr. P. Wittmann in München .
Die Verdienste, welche sich die „Gesellschaft Jesu "um Wiederbelebung katholischen Geistes bei germanischenund romanischen Nationen erwarb, sind unbestritten.Selbst Protestanten und Ungläubige gestehen zu, daß dieJünger Loyola's insbesondere auf dem Gebiet der Er-ziehung Großartiges geleistet haben. Ihre pädagogischeThätigkeit beschränkte sich auch keineswegs auf rein ka-
'"*) Die Gaselen sind eine aus dem Persischen stammendeDichtungform, die bei manchem damaligen Dichter sehr be-liebt war.
*) In der Hauptsache Auszug aus dem also (Om Lnsllsstlläoramls oto.) betitelten, zunächst in -HiZtorialliiwu Lrdisto-H., dann auch im Sonderdruck (1890) erschienenen Abhand-lung des Historikers K. G. Lcinberg, die ihrer Sprache halberuur wenige Leser in Deutschland gefunden haben dürfte.
tholische Gebiete, sondern bezweckte zugleich die von derkirchlichen Einheit Getrennten wiederzugewinnen. Zudiesem Behufe gründeten sie zunächst in Rom die soge-nannten „National-Collegien", d. h. Lehranstalten, worinbegabte Jünglinge verschiedener Zungen Unterricht imGlauben und Wissen erhielten, um später in ihre Hei-math zurückgesendet und dort zur Wiederherstellung desKatholicismus verwandt zu werden. Die erste Schöpfungdieser Art, zugleich Muster aller späteren, war das Ool-laginin Osriauiuauia zu NoM.
Mit König Johanns III. Regierungsantritt begannin der schwedischen Reformarionsgeschichte eine rückläufigeBewegung. Durch Studium der Schriften der Kirchen-väter gelangte er zur Ansicht, daß sich Verfassung, Lehreund Gebräuche der schwedischen Kirche am besten mitRücksicht aus jene alten Quellenschriften regeln ließen.Dieser Umstand erweckte bei seiner Umgebung, soweit siezum Katholicismus hinneigte, zumal er mit einer Prin-zessin dieses Bekenntnisses verheirathet war, Hoffnung,die schwedische Nation wieder für das Papstthum ge-winnen zu können. Katholische Autoritäten, welchenhierüber Mittheilung zu Ohren kam, versäumten nicht,die scheinbar günstige Gelegenheit zu benützen, um derkatholischen Kirche ein bedeutendes, aber bereits als ver-loren betrachtetes Gebiet wieder zurückzuerobern. DieVerbindungen der Königin Katharina, der GemahlinJohanns, mit ihrem Heimathlande Polen bildeten einenatürliche Brücke, auf der der Katholicismus neuerdingsin Schweden einzudringen suchte. Da die Ausführungdes Planes gewandten und erfahrenen Patres der Ge-sellschaft Jesu anvertraut wurde, darf man sich nichtwundern, wenn die katholische Propaganda mehrere Jahrelang mit vielem Erfolg arbeitete. Ihre Thätigkeit be-gann Anfang der Siebenziger - Jahre des 16. Jahr-hunderts, und drei Ausländer spielten Hiebei eine be-sonders einflußreiche Rolle.
Vor Allen verdient der warme JesuiienfreundStanislauS Hosius (ch 1579) Erwähnung, der erstBischof von Ermeland , dann 1561 Cardinal gewordenwar. Ob seiner Frömmigkeit und Gelehrsamkeit hoch-gepriesen, hatte dieser Prälat auf's Eifrigste für Wieder-herstellung der römischen Kirche in dem von reformatorischenAnsichten berührten Polen gearbeitet. Er war auch derErste, welcher Jesuiten nach diesem Reiche und nachPreußen rief. Schon im Jahre 1557 dachte er daran,in seinem Stift ein Jefuitencolleg zu errichten, und einigeJahre später (1565) hatte er die Genugthuung, seinenPlan durch Stiftung des CollegS und Seminars inBraunsberg — einer zwischen Danzig und Königsberggelegenen Stadt — verwirklicht zu sehen. Er benützteseine vertraute Stellung zum Jagellonischen Königshauss,unterhielt von 1572 ab fleißigen Briefwechsel mitder schwedischen Königin Katharina und leitete auch dieVerhandlungen zwischen ihr und dem römischen Stuhleein. In einem vom 24. Januar 1574 datirten Briefetheilte er der Königin mit, der Papst wünsche, es möchtensechs junge schwedische Adelige nach Rom gesandtwerden, um dort eine wahrhaft christliche Erziehung zuempfangen.
Ein zweiter, im Hinblick auf seine katholisirendenBestrebungen üemerkenswerther, wenn auch späterhin inSchweden sehr verhaßter Mann war der Norweger Lau-rentius Nicolat. Während seiner Reisen im Auslande — ersoll in Löwen, Douay und Köln studirt haben — wurde erfür die Kirche und Gesellschaft Jesu gewonnen. Da er der