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schwedischen Sprache kundig war, sandte ihn der Jesuiten -general auf Befehl des Papstes nach Stockholm , woselbster im Frühjahre 1576 ankam, um „der Königin alsTröster zu dienen und in vorsichtiger Weise dem kathol-ischen Bekenntnisse den Pfad zu bahnen".
Im Anfang gelang es Nicolai das Vertrauender lutherischen Prediger zu gewinnen, welche, bestochenvon seinem Wissen und seiner Herrschaft über die la-teinische Sprache, ihn als Rektor des Gymnasiums vor-schlugen, daS König Johann statt der Akademie zuUpsala im früheren Franziskanerkloster auf Riddarholmeneinzurichten gedachte. Er ließ dort junge Geistliche undCandidaten zusammenbringen, welche theilweise freienUnterhalt genossen, theilweise auf andere Art unter-stützt wurden. Kirche wie Conventsgebäude wurden fürdie neue Schöpfung adaptirt; Laurentius aber erhielt dieWeisung, im Colleg Theologie zu lehren und in derKirche zu predigen.
Derselbe begann seine Thätigkeit mit großemBeifall, zog übrigens bald den Verdacht der eifrigenLutheraner auf sich. Doch gelang es ihm, sich beimKönig in Gunst zu setzen, und schon ein Jahr nachseiner Ankunft durfte er sich rühmen, 30 Bekehrungenerzielt zu haben. Um eine größere Anzahl passenderArbeiter für das anscheinend dankbare Ackerfeld zu ge-winnen, schickte er im Sommer 1577 sechs junge Schwe-den an das OolleAium Oorinarnoum nach Rom, damitsie dort Zu Priestern ausgebildet würden. König Johannselbst gab das Reisegeld.
Durch allerhand Vermittlungsvorschläge, deren Un-vereinbarkeit mit den Ansichten NomS sich später heraus-stellte, suchte Laurentius der kirchlichen Wiedervereinigungvorzuarbeiten. Er wußte dem Monarchen solches Ver-trauen zu dem regierenden Papste Gregor XIII. einzu-flößen, daß Johann um Entsendung eines Mannes bat,mit dem er persönlich unterhandeln könne. Im Jesuiten Antonio Possevino fand sich die geeignete Person. Nachseinem Erscheinen in Schweden trat „Klosterlasse ", wieNicolai benannt wurde, in den Hintergrund, fiel sogarallmählig beim König in Ungnade. Im Jahre 1580verließ er in Gesellschaft PosscvinoS Schweden fürimmer. Zuerst als Lehrer in Braunsberg angestellt,treffen wir ihn 1586 zu Prag ; hochbetagt starb er zuWilna (1622).
Antonio Possevino , geboren zu Mantua 1534, ge-storben 1611, hatte seine Studien in Rom vollendetund sich 1559 dem Jesuitenorden angeschlossen. Nach-dem er mehrere wichtige Aufträge zur Zufriedenheit derOberen erledigt und sich dabei durch Gelehrsamkeit undRedegewandtheit ausgezeichnet, erhielt er den Auftrag,Schweden zu bereisen und König Johann zum Ueber-tritt zu bewegen. Ende 1577 in Stockholm angelangt,wußte er den Fürsten durch umfassendes Wissen wiescharfsinnige Dialektik derart für sich einzunehmen und zuüberzeugen, daß er in einer Stunde der Begeisterungvor dem päpstlichen Gesandten Generalbeichte ablegte,von ihm die Lossprcchung und die Kommunion nachkatholischem RituS empfing. Dies geschah im Mai 1578?)
Die Bedeutung, welche Possevino dieser Handlungbeilegte, die er als Beweis des endgültigen Ueber-trittS des Königs zur katholischen Kirche auffaßte, wurde
') Vergl. die ausführliche Schilderung des Vorgangs beiThciner „Schweben und seine Slcttung znm hl. Stuhle" I,S. 485 ss.
jedoch bald durch das eigensinnige Festhalten des Letzter«an den von ihm für Wiedervereinigung der schwedischenund römischen Kirche aufgestellten Bedingungen, als Laien-kelch, Priesterehe, Beseitigung des Weihwassers und andererCeremonien, wesentlich reducirt. Da Possevino unter solchenUmständen am Erfolge seiner Sendung verzweifelte, ver-ließ er bald darauf (Ende Mai 1578) Schweden . Eineschwedische Kronyacht beförderte ihn nach Danzig . Vondort reiste er über Braunsberg nach Rom. Ihm folgtenfünf für das Kollegium darnramourn bestimmte jungeSchweden .
Ueber seine Erfahrungen an den Papst berichtend,äußerte sich Possevino zugleich über die Art, wie dieMissionstbätigkeit im Norden am besten Fortgang nehmendürfte. Als Hauptmittel brachte er Einrichtung vonUnterrichtsanstalten für die schwedische Jugend in Vor-schlag. Da sich das 6oIIe§ium Oorinamoum zusehr entfernt erwies, empfahl Possevino Erweiterung derJesuitencollcgien in Braunsberg und Olmütz . Ersteresschien noch geeigneter, weil es in der Nähe der damalsvon Schweden und Finnen zahlreich besuchten StadtDanzig lag; nur an zweiter Stelle sollte der mährischeBischofssitz in Betracht gezogen werden. PosscvinoS Vor-schläge fanden Billigung und Ausführung, und unterm10. Dezember erhielten die genannten Stifte im Namendes Papstes neue Satzungen.
Da, wie bereits erwähnt, König Johann auf seinenUnionsbedingungen beharrte, der römische Stuhl aber diemeisten derselben ablehnte, so wurde ersterer allmähliglauer in seinem Streben, die Verbindung mit Romwiederherzustellen. Noch einmal jedoch sollte ein letzterVersuch gemacht werden, den Monarchen umzustimmen,-und Possevino wurde neuerdings nach Schweden entsandt.Im Juli 1579 dort angelangt, erkannte der Nuntiusbald, daß seine Mühe vergeblich sei. Er blieb dieß-mal mehr als ein Jahr im Lande, theils um die Con-vertiten im Glauben zu festigen, theils auch, um diegrößtmögliche Zahl schwedischer Jünglinge für Jesuiten-seminare zu gewinnen und hiedurch die katholische Pro-paganda für die Zukunft sicher zu stellen. Der blühendeZustand dieser Anstalten veranlaßte viele Schweden ,ihre Söhne denselben anzuvertrauen. So brachte schonder Herbst l579 die stattliche Anzahl von zwanzig jungenLeuten. Die Nonnen des Klosters Wadstena, „desverschlossenen Gartens im Walde der Ketzerei", der einenGegenstand besonderer Sorge für Possevino bildete, wurdenvon ihm veranlaßt, vier bis sechs junge, frommeAdelige zum Eintritt in's Braunsberg'sche Seminar zubewegen. Allmählig wurden immer mehr entsandt, sodaß einschließlich der früher nach Rom Abgegangenenvon Possevino fünfzig Jünglinge theils ausgeschickt, theilsfortgeführt wurden. Bei seiner zweiten Abreise vonSchweden im August 1580 führte er dexen fünfzehnmit sich.
Viele von ihnen kamen wegen Krankheit oder anderenUrsachen bald wieder nach Hause. Andere folgten späternach und fügten sich willig in die mittlerweile einge-tretenen Verhältnisse. Manche kehrten niemals zurück,indem sie entweder während ihrer Studienzeit den heimath-lichen Verhältnissen fremd geworden waren oder auch trotzaller Sehnsucht durch äußere Umstünde sich daran ver-hindert sahen.
(Fortsetzung folgt.)