Ausgabe 
(24.4.1896) 17
 
Einzelbild herunterladen

136

nicht recht angezeigt, weil die Situation inJudasMakkabäus " sich viel mehr verändert; eher dürfte eineVergleichung mit demMessias" zutreffen, wenn nichtdie Person desMessias" so unendlich hoch über demJudas Makkabäus " stünde. Eine Hauptmacht desJudas Makkabäus " liegt in den Arien, wohingegendas genannte Osunr ganz wenig Arien hat. Aberinnerlich istJudas Makkabäus ", besonders seine Chor-partien, viel mehr als andere Werke Händels; wer dieMusik zum Texte betrachtet, dem wird die Wahrheitund Tiefe derselben immer mehr aufgehen und wohlthun.

Die Aufführung im Nathhaussaale in Nürnberg !Ich habe schon vor einigen Jahren in diesen Blätterngesagt, daß ich den Nathhaussaal nicht für sehr geeignethalte zum Konzertlokal. Häufige Konzertbesuche habenmich in dieser Meinung bestärkt: eS klingt etwas trocken.Aber groß und geräumig ist das Lokal; und sehr lobens-werth ist, daß die Nürnberger für ihre Aufführung jedes-mal eine Orgel aufstellen lassen; die große Frequenz derKonzerte mag ja das ermöglichen. Der Chor zählt etwa300 Köpfe; aber man kann kaum beweisen, daß dieWirkung von 300 Sängern doppelt so groß ist, als dievon 150 Sängern, selbst wenn man dieselbe Qualitäts-Einheit zu Grunde legt. Trügt mich meine Beobachtungnicht, so bliebe mancher Sänger und manche Sängerinbesser weg und machte dem Orchester Platz; denn das istimmer ein Vortheil, wenn Chor und Orchester beisammenvor dem Dirigenten aufgestellt sind. In München sindübrigens der Statisten unter den Sängern viel mehr alsin Nürnberg . Aber das muß man den Singenden inNürnberg und das sind weit mehr als diemanchen"anderen nachsagen: tüchtig und fleißig sind sie, undwackere Stimmführer haben sie; der Chorklang imJudasMakkabäus " war schön, die Textaussprache musterhaft.Das Orchester spielte sauber und korrekt zusammen. DieVerwendung von 2 Flügelhörnern (oder Pistons?) anstattder Waldhörner beim Zwischenspiele zumChor derJünglinge" wird wohl ihren guten Grund haben, denNamentlich wir Provinzler zu würdigen wissen. Bei denheutigen Trompeten für Händel'sche Sachen widert michimmer der kurze, kindische Stakkatoton an; das sollteviel länger, tubenmäßiger klingen. Der Organist hatbet aller Fertigkeit manches gesündiget, indem er zu vielbegleitete und zu stark begleitete; das lautete oft auf-dringlich. Ich erinnere nur an Eines: im Allegro derOuvertüre haben die Streicher ein Sechzehntelmotiv aufdemselben Tone. Hält nun das Orgelprinzipal diesenTon zu gleicher Zeit aus, so ist die Arbeit der Streicherparalysirt und damit das Thema verwischt. Die Solistenhatten alle große Vorzüge, und große Nachtheile, fürwelche letztere sie freilich zum Theile nicht verantwortlichgemacht werden können. Frau Meta Hieber - München vereinigt in der tiefern und mittleren Lage mit feinerSchulung eine gute, wohlklingende Stimme; die Auf-fassung war sehr gut. Leider aber fehlt der Stimmedie entsprechende Höhe: was über das gewöhnlicheSopran-1? hinaufgeht, ist nur auf künstlichem Wege zuerreichen. Die Altistin Frau Schmid-Allizar hat vielPathos, eignet sich für Händel'sche Recitative, in denArien sollte sie nicht soviel tremoliren! Herrn Krämerhat der Dirigent einigemal arg mitgespielt: die ArieWie eitel ist" wurde zu rasch begonnen, der Sängerkonnte sein Figurenwerk und seine Stimme nicht gehörigentfalten. Noch schlimmer war dies bei der früheren

, ArieBewaffne dich mit Muth". Recht frisch und ent-sprechend lebhaft war dagegen die Trompetenarie:Blas'tdie Trompet'". Herr Wunderlich, der Bassist, dessen Vor-trug uns immer so innerlich und contemplativ ernst an»murhet schade, daß er soviel mit Heiserkeit zu kämpfenhat; vielleicht sollte er sich besser schonen.

Nun endlich auch der Dirigent des Ganzen, HerrKapellmeister Ningler! Früher, bei modernen Werken,kam es uns immer vor, als nehme er die Tempi vielzu langsam; namentlich schien uns das in derSchöpfung "und imPaulus " der Fall zu sein; war ihm vonanderer Seite das bedeutet worden? oder war es dasBestreben, um jeden Preis bis zum Abgang des nächstenZuges fertig zu werden? Diesmal waren seine Tempiungewöhnlich flott, manchmal nur zu gehetzt; Pausenzwischen den einzelnen Sätzen existirten kaum, nur aitnoo»suffito! Das Eine wie das Andere schadet der Klarheitund trübt den Genuß; und genau das Nichtige zu finden,ist für den Dirigenten im betreffenden Augenblick oftso schwer!

Wir wären gewiß falsch verstanden, wenn man ausdem Vorstehenden schlösse, wir hätten bloß zu tadeln.Nein, gewiß nicht. Aber man schreibt viele so einseitiglobende und nur lobende Konzertberichte, die gar keinInteresse haben, weil daraus niemand etwas lernenkann. Ich habe mich angesichts der Thatsachen und derLeistungsfähigkeit eines Chores ich gehöre ja auchein bischen zu der Zunft der Chorregenten und konntean mir und am eigenen Chöre manche Erfahrungenmachen ich habe mich schon oft gefragt: Ist es über-haupt möglich, ein Oratorium, eine Masse von Chören,von Arien so einzustudiren und bei der Aufführung sowiederzugeben, daß man sich nicht stellenweise im bloßconventionellen taktfesten und treffsicheren Abwickeln be-wegt? Wie lange müßten da die Vorbereitungen brauchenfür den Dirigenten wie für die Ausführenden? Ich meine,unsere Kunst darf sich freuen, ein Konzertinstitut von derGröße und Güte des Nürnberger Chorvereins überhauptzu besitzen. Das darf uns aber nicht abhalten bei allerVerehrung und Hochachtung gegen dasselbe auch ge-legentlich auf dessenMenschlichkeit" hinzuweisen.

(Fortsetzung folgt.)

Literarilches.

Katechetischer Unterricht über die Firmung. Ver-lag von Wort in Würzburg . Preis 30 Pf.

Es läßt sich kaum in Abrede stellen, daß die Wichtig-keit und hohe Bedeutung der hl. Firmung vielfach nicht rechterkannt und gewürdigt wird. Ein Grund hiefür liegt in dembetreffenden Unterrichte. Wie dürftig und trocken ist unterAnderem, was unsere Katechismen über die bl. Firmung ent-halten! Die Hauptsache liegt darum in der mündlichen Er-klärung durch den Katecheten. Aber diese Erklärung mag nochso umfassend und erschöpfend sein, sie wird bei den Firmlingensich gar leicht verflüchtigen, weil so viele Umstände zusammen-wirken, um sie zu zerstreuen. So fällt der Firmungsunterrichtmeistens in die Zeit der Schulprüfungen; dazu kommt dieWahl der Firmpathcn, der Gedanke an die Firmungsgeschenke,die Aussicht auf die Reise zum Firmungsorte und noch manchesAndere. Viele Katecheten werden darum schon gewünscht haben,es möchte den Firmlingen ein Büchlein in die Hand gegebenwerden, welches einen erschöpfenden und dem kindlichen Ver-stände angepaßten Firmungöunterricht enthält. Ein solchesBüchlein hat Herr Dr. Frank erscheinen lassen, das in jeder Hin-sicht entspricht. Möchte nur dieses schöne Büchlein in die Händealler Firmlinge, und dadurch auch in die einzelnen Familienkommen, damit auch die Erwachsenen zum Nachdenken über dieFirmung und zur Benützung der Firmgnade angeregt werden.

Zach, ehem. Domprediger und Katechet.

Leranlw. Redacteur: Ad. Haaö in Augsburg. - Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg .