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Anfang der dreißiger Jahre des 16. Jahrhunderts alsSchiffer zu Stockholm . Um 1550 findet man ihn inUlfsby; vier Jahre später war er Untervogt in Helstng-fors. Zwischen 1559—1566 läßt er sich in Björneborgnachweisen. Seine Frau hieß Karin.
Der circa 1551 geborne Sohn OlauS wurde luther-ischer Prediger und ein erbitterter Feind der katholischenKirche . Doch änderte er bald seine Anficht und fand28 Jahre alt Aufnahme im Colleg zu Olmütz , wo erden 12. Oktober 1579 als „Physiker« inscribirt wurde.Nach Abschluß seiner philosophischen Studien wünschte erTheologie zu hören, was jedoch damals in Olmütz Um-stände halber nicht möglich war. Dagegen erhielt er denAuftrag, eine finnische Grammatik abzufassen, damitder römische Katechismus tn seine Muttersprache über-setzt werden könne, während sein Studiengenosse, der vierJahre ältere Schwede Petrus Cuprimontanus, mit Re-vision einer schwedischen Grammatik betraut wurde,die Possevino in Schweden ausarbeiten ließ (vergl.H. 0-. rüst „LnleekiünZku- om 6Q svenslrLprairlära uiräor 16. seklst" in „Ilistoriskt Liblio-tlwlr» VI. Seite 258—269).
Im Oktober 1560 von der Schule freigesprochen(„mors ^.caäcvrico cslckrata 68b clcposrtüo" berichtetdarüber die „Natricula ^.caäcnaias Olmucsirsis") er-hielt Sundergclt bald auch die Würde eines BaccalaureuSder Philosophie und begab sich dann (1584) ins Kol-legium zu Braunsberg, wo damals außer ihm noch dreiFinnen und eine Anzahl Schweden lebten. Im Jahre1590 kehrte er in sein Vaterland zurück.
Später erscheint er als Pfarrer von Alt-Pernau(Livland ). Von dort hat er unterm 15. Juni 1596einem aus Schweden vertriebenen Katholiken, MagisterSamuel Holger, einen Reisepaß ausgestellt, dessen Originalim finnischen Staatsarchive hinterliegt?) Sundergeltsspätere Lebensumstände sind z. Z. unbekannt.
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ValentinusThomä, aus Finland , trat am20. Juni 1580 in's Kollegium zu Braunsberg ein, be-zog sodann (10. März 1587) die Akademie Wilna, begabsich nachmals an den polnischen Hof und wurde dort desKönigs Panegyriker.
Schon frühzeitig bewies er dichterisches Talent. Dafürzeugt das lateinische Trauercarmen, welches er anläßlichdes Todes der Königin Katharina von Schweden (16. Sept.1583) als Beitrag zu eine: Sammlung „Lxicsäia" rc.lieferte. Auch in griechischer Verskirnst versuchte er sich(TeirZströlli „Oiss. cio viri8 in I'einria xcritia lit-teraruw. graccarnna claris" pa§. 6).
In der Folge (1589) bot ihm die AnwesenheitKönig Sigismunds III. zu Wilna Gelegenheit, in dieHarfe zu greifen. Er besang den Fürsten in lateinischerwie finnischer Sprache ^) und scheint sich hiedurch den Wegnach oben gebahnt zu haben.
8 4-7.
Wie die „Natricula oirurium aluranoruin abarmo Oomini 1578 ustzue aä annum 1798" berichtet,wurden zu Braunsberg auch drei Finnen mit dem Ge-schlechtsnamen Jussoila, offenbar Brüder, aufgenom-men, nämlich ein Michael, Joseph und Lorenz.Der erstgenannte starb bereits als Zögling in der An-
*) Leinbcrg gibt den Wortlaut desselben nach einer Ab-schrift des „Schwedischen ReichSarchivcS« a. a. O. S. 21 fs.
6) Beide Gedichte sind abgedruckt bei Leinberg a. a. OS. 24 u. 25.
statt, während den beiden anderen längere Wirksamkeitbeschieden war. Die in der „Matrikel« enthaltenen An-gaben über diese Personen lauten: „Mcbael llussoila,15. bloveinbris 1559. Luccus. 18. Rovcrabris 1582xic mortuus in Sduinario; l-aurentius llussoila,25. AxiMs 1586. Luecus; äiscessib Varsaviam 1588,ibi<iu6 mortuus 68b. Foscxttrrs llussoila, 1. Llaii1586. Luccus. k'actus aluuuius IlcZius 1588. Iloinaadsolvit tbcoloziarü, nunc revocatur a sersir. rege;versatnr in aula, nonäum saesräos."
Ein älterer Bruder derselben war wohl auch:Johannes Jussoila, von dem ein vermuthlich demOollsZiuw. Ocrrrranicum entstammendes Verzeichniß be-richtet: „-lo. llusso^la, Luecus, an. 22 loZicus venit2. Oct. 1578, clisccssit 15. LIaii 1580. Ooircioiratorssrcir. regis Ligisnruncli", und den auch Theincr O)erwähnt?) Ueber seine Familien-Verhältniffe wissen wirnichts Sicheres. Man vermuthet aber, daß seine Elternvon Raums nach Stockholm übersiedelt sind.
Johannes Jussoila hatte zuerst das von Klosterlassegeleitete Colleg auf Niddarholmen besucht und war dann(1578) an das LoIIsZimv Ocrrnanicuvi in Rom trans-ferirt worden. Nachdem er dort mehr als anderthalbJahre sich aufgehalten, setzte er in Olmütz und Brauns-berg seine Studien fort und erhielt zu Prag die Priester-weihe. Herzog Sigismund ernannte ihn in der Folgezum Hofprediger. In dieser Eigenschaft erregte er denZorn der lutherischen Prädikanten, welche sich auch mitBeschwerde an die Krone wandten. Was darauf erfolgte,wissen wir nicht. Nach einer Angabe des Mcsseuiusb)soll Jussoila eine Zeit lang im Kloster Vadstena alsHilfsgeistlicher sungirt haben.
AIs Herzog Sigmund 1587 König von Polen wurde, folgte ihm Jussoila dorthin und blieb mehrereJahre am Hofe, wie aus gleichzeitigen Briefen hervor-geht;°) auch wurde er Domcapitular in Wilna . Spätererhielt er das Pastorat Pernau in Livland . Als HerzogKarl im Herbst des Jahres 1600 die Belagerung derStadt begann und diese sich ergeben mußte, geriethJussoila in Gefangenschaft, wurde nach Neval geschlepptund dort bis zum Juli des folgenden Jahres gefangengehalten. Herzog Karl überließ ihn dann seinem Leib-arzt LI. Hans Raab, der ein Lösegeld von 1000 Thalernverlangte. Um dieses aufzubringen, begab sich der Priestermit Erlaubniß seines Herrn nach Pernau . Doch gelanges ihm nicht, die nöthige Summe beizutreiben. Er solltedeßhalb mittelst Schiffs nach Neval znrückverbracht werden;widrige Winde verschlugen dasselbe gegen Westen, und erstam 26. Oktober 1601 konnten bei Stockholm die Ankergeworfen werden. Hier harrte unseres Jussoila einelauge Gefangenschaft; alle Versuche, durch Beihilfe vonFreunden und Gönnern sich frei zu machen, *°) schlugen fehl.
°) A. a. O. II, S. 327.
') Wenn Leinberg inner Berufung auf einen in der SlickS-bibliothck zu Linköping befindlichen Sammelbaud des 1008verstorbenen Pastors Joh. Petri Klinr Jnssohla einenBrief ds cko. Nom 25. Dezbr. 1578 (nebst Zettel) zuschreibt, iobefindet er sich in einem bedauerlichen Irrthum. Das Schrift-stück ist eine offenbare Fälschung, wie jeder gebildete Katholikaus Jnbalt und Form sofort erkennen wird. Klint's Uirzu-vcrlässtgkeit wird übrigens auch von competenter schwedischerSeite — dem Literarhistoriker Schück rc. — rückbaltSloS zu-gegeben.
°) -Loomlia. illnst.ra.tg.« VII, xgA. 60.
°) Ilist. rVrtcisto V, pgg-. 59.,
Lergl. seine Briete im schweb. ReichSarchiV: srrb rnbro:»Hamllingar rörnmlo kolsks. Irrigot 1600—1611«, abgebt', beiLcinbcrg ei. a. O. S. 36 ff.