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ist , so z . B . eine Genesis , eine Bearbeitung der biblischen
Geschichte bis zum Falle von Jericho , ein Lob Salomonis ,
die drei Jünglinge im Feuerofen , eine Judith , ein Lob¬
lied auf Johannes Baptist » , ein Loblied auf den heiligen
Geist und die Siebenzahl ( von Priester Arnold ) , eine
Luwwa tiisoloZius , ein Lied „ Die Wahrheit " betitelt
u . a . m . ( S . Mnllenhoff und SÄerer Denkmäler deutscher
Poesie und Prosa aus dem VIII . — XII . Jahrhundert
3 . Ausg . von E . Steinmeyer , Berlin 1892 ) .
Die erste größere Dichtung historischen Inhalts aber ,
von der wir wissen , ist das Annolied , d . i . ein Loblied
auf Erzbischof Anno von Köln ( gest . 1075 ) , welches zu
Zeiten des Abtes Kuno von Siegberg ( 1105 — 1126 ) von
einem Mönche dieses ( von Anno im Jahre 1064 ge¬
stifteten ) Klosters , der die im Jahre 1105 erschienene
vitu ^ nuonis benutzte , verfaßt wurde . Eine längere
Stelle dieses Liedes läßt keinen Zweifel darüber , daß
der Autor desselben von Geburt ein Bayer war . Denn
man höre nur , was er über die Bayern sagt ( V . 293 f . ) :
„ Da sich Bayernland wider ihn ( Cäsar ) vermaß ,
Die märe ( berühmte ) Regensburg er besaß ( belagerte ) .
Da raub er inne
Helme und Brünne ( Panzer ) ,
Manchen Held guotcn ,
Die der Burg Humen ( hüteten ) .
Welche Knechte ( Tapfere ) da waren ,
Das ist in heidnischen Büchern kund .
Da liest man - uorieus ausis -
DaS ( be ) demct „ ein Scbwerr bayrisch " ;
Want ( denn ) sie wollten wissen ,
Daß keine besser bissen ,
Die man dicke ( oft ) durch den Helm schlug .
Dem Volk was je ( immer ) diese Stärke gut ( eigen ) .
Ihr Geschleckt kam dahin vor Zeilen
Von Nrmenic der kehren ,
Wo Noe aus der Arche ging .
Da er den Oelzwcig von der Taube empfing .
Ihr Zeichen noch die Arche hat
Auf den Bergen Ararat .
Man lagt , daß in dieser Gegend noch sind
Die da deutsch sprechen
Gegen Judicu hin viel ferne .
Bayern fuhren je ( immer ) zum Kampfe gerne
Den Sieg , den Cäsar an ihnen gewann
Mit Blut mußte er ihn ( ent ) gelten . "
So konnte nur ein Mann sprechen , der mit der
bayerischen Stammsage auf ' s innigste vertraut war . Da
nun aber außer Abt Kuno selbst , der aus Regensburg
stammte , kaum ein geborner Bayer im Kloster Siegberg
lebte , so wird man wohl ihn als den Dichter des Anno -
licdes anzusehen haben ^ ) , zumal der Umstand , daß diese
Dichtung in Regensburg bereits um ' s Jahr 1130 be¬
kannt war ( s . u . ) , in diesem Falle eine leichte Erklärung
findet , weil eben dieser Kuno im Jahre 1126 Bischof
von Regensburg wurde .
Derselben Nachricht , daß die Bayern aus Armenien
gekommen seien , begegnen wir in der der Zeit nach zu -
uächststehenden deutschen Bearbeitung des Nolandsliedes ,
s . V . 7787 f . ( Worte Karls d . Gr . ) :
„ NaimeS ° ) der Weigand ( Kämpe )
Der zieret wohl Bciycrlaud .
Gott ( ge ) ruhte mich noch zu bedenken ,
Er sandte mir ihn zum Kämpen
° ) Vgl . LeherS Bayerland Jahrg . 169l S . 106 f . Wahr¬
scheinlich rührt auch die lateinische vita Lmwiiis von Kuuo her ,
denn in dieser werden ebenso wie im Annoliede hcivnische Au¬
toren ( Sallust ) citirt .
» ) Wie S . Niezler ( Sitzungöber . d . b . Akab . d . W . 1892 )
nachgewiesen hat . ist unter NaimeS jener unglückselige Griso ,
der Sohn der bayerischen Swanhilde , zu verstehen , der nach dem
Tode Odiles Anspruch aus das bayerische Herzogthum erhob
Bon den getreuen Armenien geboren .
Die Bayern hab ' ich selbst erkoren
Zu förderlicher ( außerordentlicher ) Kncchtheite ( Tapferkeit ) .
Zwanzigtausend er leite ( führte )
Mit ihren scharfen Schwerten
Solln sie den Sieg an ihnen ( den Sarazenen ) erhärten .
Sie kaufen ihn viel sehr ( theuer )
Kühner Volk ward nimmermehr . "
Also derselbe Preis der Tapferkeit der Bayern , wie
im Annolied . Aber noch mehr ! Auch das wunderbare
Schwert , das Neuntes führt , ist in Bayern und zwar
in Regensburg geschmiedet , s . V . 1597 f .
„ Naimes der Bayern Weigand
Führte es von Bayern .
Die Urkunde ( Beweis ) will ich euch zeigen :
Der Schmied hieß Madelger .
Dasselbe Sckwcrt worchte ( fertigte ) er
In der Stadt zu Regensburg
Es ward märe ( berühmt ) und gut . "
Durch diesen Lokalpatriotismus verräth der Dichter ,
daß er in Regensburg schrieb , auch wenn es niemals ge¬
lingen sollte , einen Waffenschmied des Namens Madelger
aus Regensburger Urkunden nachzuweisen . Auf dieselbe
Gegend werden wir verwiesen , wenn er V . 846 einen
Markgraf Thiepolt aufführt , wobei der zeitgenössische Leser
an den mächtigen Markgraf Diepold II . von Cham und
Bohburg ( j - 1146 ) gemahnt wurde , der seinen gleich¬
namigen Sohn mit einer Schwester Heinrichs des Stolzen ,
dem das Rolandslied gewidmet ist , vermählte . In gleicher
Weise wird man bei dem Namen Napoto V . 7766 an
den gleichzeitigen Napoto von Niedenburg erinnert , der
ebenso wie die in V . 127 und 4924 aufgeführten Edel¬
sitze Moringen und Dachsbnrg in Regensburger Urkunden
aus der Zeit des Bischofs Kuno vorkommt ( s . Ried I
n . 198 und o . 201 ) ? )
( Fortsetzung folgt . )
Finnische Studenten in Jesuitencollegien .
Von Dr . P . Wittmann in Müncher ,
( Fortsetzung . )
Nach den bezeichneten Gewährsmännern haben tm
Ganzen dreizehn Finnen an Jesuitencollegien
studirt :
8 1 .
In einem wahrscheinlich aus dem OoUsZIum 6 < ? r -
niunlouiu stammenden Verzeichnis ; kommt folgende An¬
merkung vor :
> 6ro § oriu3 Olomontis , ^ iiilmulensis , ruuwrum 22 ,
Ilnmuinsts . . Vonit 24 . lun . 1578 , Kuuumist » . viseossit
8 . LlkO 1583 Olmutium . Ikuit äeiuäs luckimugistor in
IVauckolis,, -
Es läßt sich daraus entnehmen , daß der Genannte
zu jenen ersten sechs Jünglingen zählte , welche im Jahre
1577 von Klosterlasse ( l - nureutius XorvaZus ) in ' s
OoUsgiura OarmLniauiu uach Rom gesandt wurden ,
und daß er dortselbst in einem Alter von 22 Jahren
anlangte . Wahrscheinlich gehörte er zuvor dem von
Klosterlasse geleiteten Colleg auf Niddar - ( damals Gra -
munke - ) Holmen an . Nach einem fünfjährigen Aufent¬
halt in Rom siedelte er in ' s Olmützer Jesuitencolleg
über und wurde später Lehrer tm Mecklenburgischen .
8 2 .
Olaus ( Marci ) Sundergelt scheint von
deutscher Herkunft zu sein . Sein Vater MarcuS lebte
' ) Vgl . Zeitschrift für deutsches Mcrthmn . 27 Bde - Berlin
1883 S . 70 f . Edw . Schröder „ Die Heimath des deutschen
Nolandslicds . "