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15. Mas 1896.
Johann Adam Mähler.
Ein Gedenkblatt zu seinem hundertjährigenGeburtstag (6. Mai)von A. G.
(Schluß.)*)
Mähler stand jetzt auf der Hohe seines Ruhmes,Kirchenfürsten, Gelehrte — selbst Protestanten — wareneinig über seinen Nuhm. Freilich erschienen, wie diesals selbstverständlich vorausgesehen werden mußte, baldauch kleinere und größere Streitschriften gegen die Sym-bolik seitens der Protestanten, doch sei es mit Freudeerwähnt, allermeist in ganz anständigem Tone gehalten,nicht in's Blinde hineinschreiend, krakehlend und schimpfend,wie dies in unserer Zeit mitunter sehr oft der Fall ist.Auf eine Gegenschrift sei hingewiesen aus dem Grunde,weil Möhler durch dieselbe zu einer zweiten Schrift diesesInhalts veranlaßt wurde. Es ist die Schrift des Pro-fessors Dr. Baur in Tübingen mit dem Titel: „DerGegensatz des Katholicismus und Protestantismus nachden Principien und Hauptdogmen der beiden Lehrbegriffemit besonderer Rücksicht auf Möhler's Symbolik." Möhlererwiderte auf diese Schrift mit seinen „Neuen Unter-suchungen der Lehrgegensätze zwischen den Katholiken undProtestanten :c." Es ist dieses Werk eine Bereicherungder Symbolik, würdevoll sind die wissenschaftlichen undpersönlichen Angriffe des Gegners zurückgewiesen.
Die Biographie, welche seiner Symbolik vorgedrucktist, sagt: „Von dieser Zeit an änderte sich die StellungMöhlers an der Universität Tübingen . Es hatte denAnschein, daß man mit wissenschaftlichen Argumenten dieBlöße nicht genug verdecken zu können meinte, und glaubtesich bemüßigt, eine Polemik zu ergreifen, welche ihm denlängeren Aufenthalt in Tübingen verleidete und denWunsch in ihm erzeugte, einen andern ruhigeren Ort fürseine Lehrthütigkeit aufzusuchen." Einen solchen fand erdurch das Entgegenkommen Döllingers an der Ludwig-Maximilians-Universität zu München , wohin er durchKönig Ludwig I. von Bayern berufen wurde. Einengleichzeitigen Versuch Preußens, Möhler für Bonn zugewinnen, wies dieser, mißstimmt durch frühere Erfahr-ungen, kurzerhand zurück.
So übersiedelte Möhler im Frühjahr 1835 nachMünchen , von seinen Freunden und den Studireudenfreudig empfangen. Er hielt exegetische Vorlesungen,dann las er Kirchengeschichte und Patrologie, und fühltesich, wie aus Briefen hervorgeht, glücklich und zufriedenin seinem neuen Vaterlande. Leider sollte das Glücknur ganz kurz dauern. Nie recht gesund, wurde er zuallem hin im Anfang des Wintersemesters von einemCholera-Anfall betroffen, später zwei Monate lang vonder Grippe, so daß er auf den Rath der Aerzte nacheingetretener Besserung nach Meran ging, um seine zer-rüttete Gesundheit herzustellen, von wo er auch anscheinendneugestärkt an seinen Wirkungskreis zurückkehrte. Gesundsollte der junge Gelehrte nicht mehr werden, die Lungen-schwindsucht hatte ihn erfaßt und hielt ihn fest mit eisernenKrallen. Auch sein Gemüth litt in Folge der bekanntenEreignisse in Köln und der gewaltthätigen Hinwegführung
*) Betreffs einiger unrichtiger Angaben im ersten Artikelvgl. Kuöpfler, Jobann Adam Möhler, ein Gedenkblatt zudessen hundertstem Geburtstag. (Mit einem Bilde MöhlcrS.)München , 1896. Wirwerden auf diese Schuitzurückkommrn. D. N.
des Erzbischofs Droste-Vischering. Noch einmal wolltedie preußische Regierung ihn an eine Universität berufen,Möhler nahm wieder nicht an — es war auch zu spät.König Ludwig, Bayerns erhabener Fürst, würdigte dieVerdienste des Gelehrten des oftern, so besonders aucham Neujahrstag 1838 durch Verleihung des Verdienst-ordens vom hl. Michael.
Am 8. Januar des genannten Jahres raffte sichMöhler noch einmal auf, begann seine Vorlesungen auf'Sneue, schrieb noch einen Aufsatz über „die neue Be-kämpfung der katholischen Kirche " unter schweren Leiden— es war seine letzte geistreiche Arbeit, sein Körper warsiech geworden, das Klima setzte ihm bedeutend zu. Dagab der König ihm einen neuen Beweis seiner Huld undGnade, er wollte das theure Leben seinem Lande undder Kirche erhalten und war der festen Meinung, einmilderes Klima werde Möhler stärken, weßhalb er ihmdie erledigte Domdecanstelle in Würzburg alsbald nachdem Tode des seitherigen Inhabers verlieh. Möhler warüber diesen Beweis zarter Aufmerksamkeit und Fürsorgeseines Monarchen tief und innigst gerührt und schriebnach dem Nekrolog seines Schülers und Kollegen Kühnan einen seiner Freunde am 25. März vom Kranken-bett aus folgendes: „Die Gnade meines KonigS hat michvor wenigen Tagen zum Domdechant in Würzburg er-nannt. Der König hat mich in ganz besondere Affectiongenommen, wie es scheint, denn sobald der Tod meinesVorgängers ihm bekannt war, gedachte er meiner, weilich mich in dem besseren Klima am Main und ohne dieLast öffentlicher Vortrage am besten erholen könne, woranihm gelegen sei. Daher wußte ich von der ganzen Sachenichts, bis man mich nach bereits unterzeichnetem De-krete durch eine Botschaft au§ dem Ministerium desInnern wohl nur zum Schein noch fragen ließ, ob ichdie Stelle auch annehmen würde.*
So gut gemeint und so ehrenvoll diese Berufungwar, so hat sie sicher Möhler nicht mit ganz ungemischterFreude aufnehmen können. Er erfaßte ja sein Lehramt,zu dem ihn der Himmel berufen, für welches Gott ihnmit so reichlichen Talenten ausgestattet hatte, in dem erbisher so herrliche Erfolge erzielte, mit einer Liebe undeiner Begeisterung, wie selten ein Zweiter, die Trennungvon diesem seinem Amte mußte also ihn sicher auch weh-müthig stimmen. Er ahnte aber noch mehr als dies.Nach Kühn äußerte er einem Freunde gegenüber, der ihnzur neuen Würde beglückwünschte, merkwürdiger WeiseFolgendes: Er habe oft in der Geschichte die Bemerkunggemacht, daß Gott Personen, die er im Leben oft be-gnadigt hatte, am Ende, zur Trennung von dieser Welt,noch mit dem Schimmer einer zeitlichen Würde über-kleidet habe. Er könne es, ohne undankbar zu sein,nicht verhehlen, daß Gott ihn mit vielen Gnaden über-häuft habe, aber nun möge wohl auch an ihm sich jenesVorzeichen erwahren. Seine Ahnung wurde leider nurallzubald zur vollsten Wahrheit. Katarrh und Heiserkeitnahmen zu, die Fieber zehrten die letzten schwachen Kräfteauf, in der Charwoche empfing er die heiligen Sterbsakra-mente und ordnete seine zeitlichen Angelegenheiten. AmGründonnerstag dem 12. April entschlief er ruhig imHerrn im Beisein seines Beichtvaters Dr. Alois Büchner,der nicht von seiner Seite wich. Kurz vor seinem Todesagte er, vom Schlummer erwachend: „Ach! jetzt hab'ich's gesehen, jetzt weiß ich's, jetzt wollte ich ein BuÄ