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schreiben, das wüßte ein Buch werden; aber jetzt ist'svorbei!" Es war vorbei, viel zu früh nach menschlicherMeinung, denn Möhler hatte das zweiundvierzigste Jahrnoch nicht zurückgelegt; jung an Jahren, reich an Ver-diensten starb er und wurde am Charsamstag dem 14. Aprilbestattet, tief betrauert von seinem König und beweint vonfeinen vielen Freunden. Im Jahre 1842 wurde ihm aufseinem Grabe ein sehr schönes Denkmal errichtet, ein Werkdes Meisters Josef Entres in München ; der Magistratder Stadt München schenkte den Grabplatz der theolog-ischen Fakultät. Die Grabschrift lautet folgendermaßen:
lloboiinso Läoimis Llillilor.
8Z. Ilisologlos voetor. st. llrokossor. I?: 0: in IlnivorsitatoI'neding-onsi. er. Llonoosvm. 6oM: 6o.tcksär: IViroebm'A:Oocanns. vLsig'ii: Oräiiu 8t,: illiodool: zwo. mvritis. lllgues.
diatns . Ig'orgbsmii. in IVnertonrberg'L.
xoiäio . dlon. lllojas . 1796.
Vskeusor. lkiäsi.
Illtorornm . Vsens . bloelosios Lolnmen.
Obiit. Ilonnobii. priäis. Iclns. Lxril. 1838.
Noch sei bemerkt, daß in der neuen Kirche seinesGeburtsortes dem frommen, gelehrten Sohne ein Denk-mal errichtet wurde.
Sofort nach dem Tode erschienen sehr viele, edelgehaltene Nekrologe von Freunden und Bekannten inZeitungen sowohl, als in Zeitschriften. So sagt u. a.ein am Tage nach der Beerdigung des Seligen erschienenerNekrolog in der „Allg. Zig.": „Möhler erwarb sich in kurzerZeit allgemeine Liebe und Verehrung; über den hohenWerth dieses Mannes war nur Eine Stimme. Tausendein Deutschland, ja in Europa , werden den Verlust einessolchen Mannes als einen unersetzlichen fühlen. Durchseine Werke steht sein Ruf als der eines der ersten ka-iholischen Theologen neuerer Zeit fest gegründet. Gewißist, daß die große, fieberhafte Aufregung, in welche ihndie kirchlichen Ereignisse der neuesten Zeit und ihre sotief greifenden Folgen versetzten, wesentlich — auch nachder Erklärung der Aerzte — mit zu seinem Tode bei-trugen." Der protestantische Dekan Kling in Marbachsagt in der Nealencyklopädie für protestantische Theologievon Herzog über den Verblichenen u. a.: „Möhler warein Epoche machender Geist und ein hellscheinendcs Lichtin der römisch-katholischen Kirche unserer Tage, und auchdie evangelische Kirche, von der er vieles empfangen hat,hat ihm einerseits viele Anregung und Belehrung zu ver-dankn, sowohl unmittelbar als mittelbar." Der Biographlobt sodann seine „aufrichtige Frömmigkeit, seinen hohenänlichen Ernst, sein zartes und feines Gemüth, seinenklaren, ausgezeichnet gebildeten Geist, seine feste und ent-schiedene Persönlichkeit" und schließt mit folgenden schönenWorten: „Wir aber, in fester Zuversicht, daß er jetzt inhrllrm Lichte schaut, was ihm hienieden dunkel geblieben,preisen ihn selig, daß er überwunden hat und, dem Kampfentrückt, des Friedens genießt, den seine Seele liebte undsuchte." Garns schließt sein Werk übe» Möhler mitfolgenden Worten: „Was Papst Gregor XVI. in seinerAllocution vom 21. November 1845 über den Tod desClemens August, Erzbischof von Köln , sagte, das dürfenwir auch zum Theil auf seinen Vorläufer (Möhler) be-ziehen: „Kraut illustris st slarus luit in tsrris, sisst in ovslis, orriu oranilru8 iis, rsui nci justitirrrrrerudiunt wnltos, cfnrrsi stelln. tulZsat in xsrxstrursrrstsrnitatss." Nur Einer wagte es, einen Stein ausMöhler zu werfen in seinen „Erinnerungen an Möhler",so dgß selbst ein Recensent in der „Allg. Ztg." gesteht,
daß ihn diese Erinnerungen „angewidert haben, und zwargründlich", und dieser Eine ist Dr. David FriedrichStrauß . Der Name genügt vollauf, um die Gesinnungzu erkennen! Vgl. hierüber Knöpfler, a. a. O. S. 94.
Der selige Möhler war groß von Statur, aberschmächtig und zart gebaut; seine äußere Haltung stetsedel, voll Würde und Anstand; seine Gesichtsbildung fein,regelmäßig und einnehmend; in seinem großen dunklenAuge ein sanftes Feuer, welches über das sonst leidendblasse Antlitz eine unbeschreibliche Anmuth ausgoß. Wieseine Körpercomplexion, so war auch seine Stimme zartund schwach, aber wohlklingend, sein Accent rein, ohnedas Widerliche einer besondern Mundart. Wer ihn daherauch nur das erstemal gesehen, fühlte den angenehmstenEindruck seiner Erscheinung. Er redete in der Regelwenig, aber was er sprach, war tief gedacht, der Ausdrucknicht gekünstelt, aber gewählt. Möhler war ein frommerPriester, sein Wandel stets tadel- und fleckenlos, auf-gebaut auf die Grundtugend der Demuth. Ueber dieGelehrsamkeit Möhlers braucht weiter kein Wort mehrgeschrieben zu werden, es gebührt ihm unstreitig einPlatz unter den Gelehrten ersten Ranges seiner Zeit,die Lehrgabe war ihm im vorzüglichsten Grade eigen, erhielt seine Vortrage in der Regel alle frei in einfacherSprache. Wir schließen mit den schönen Worten, dieeiner seiner Schüler, Josef Heß in München , ihm nach-gerufen:
„Wer fühlt nickt die Seele sick erheben,
Wenn ihm die Brust vom beil'gen Dränge schwoll,Wenn ihm der Mund von krastcrfülltcm LebenAus reinster Tiefe strömend übergärst?
Wer je au solchem Borne sich crguickct,
Der ging gestärkt im Herzen und beglücket,
Den trieb es immer wieder, und er gingZum Quell, wo er den ersten Trost empfing.
Und wenn der süße Wohllaut seiner RedeL>anit zitternd in die tiefste Seele klang,
Wenn Gottes Geist um seine Züge wehteUnd feinen wunderbaren Blick vurckdrang: —
Wer kann es sagen, was in jenen StundenMit ihm ein Jeder selig mitemvfundcn;
Was jeden wieder im geraden FlugZur Höhe seiner Christenwürde trug?"
Pfülf, 8. Cardinal von Geiste!.
Aus seinem handschriftlichen Nachlaß geschildert.*)
Spät schreibe ich über Pater Otto Pfülfs „Car-dinal von Geissel ", aber ich schreibe. Hätte ich demReize des pfälzischen Nationaljtolzes nachgegeben, so würdeich das Werk unseres Spcyerer Jesuiten über unserngrößten Pfälzer Landsmann von vornherein schon derganzen Welt empfohlen haben, nicht bloß zum Lesen,sondern auch zum Anschaffen, denn man muß die Bücherseiner Freunde, pflegte unser seliger Molitor zu sagen,nicht bewundern, sondern kaufen. Nachdem ich nundas Werk über Geissel kenne und zahlreiche Beurtheil-ungen desselben gelesen und gehört habe, kann ich esauch in der „Postzeitung" mit um so besserem Rechtezum Kaufe empfehlen. Wir wollen nicht darüber streiten,ob die zwei Bände eine biographische Documentensamm-lung genannt werden müssen, oder eine documentarischcBiographie; wir wollen uns vielmehr mit einem der ge-lehrtesten, aus den Zeiten Geissels noch überlebendenTheologen darüber freuen, daß wir eine solche Darstellungdes Lebens und Wirkens unseres großen Cardinals über-
*) Frciburg, Herder. 2 Bände ö. 9 M., geb. M. 11,50.