Lothar in Rom die Kaiserkrone empfing) entstanden sein.Nach Kuno's Tod aber (er starb am 19. Mai 1132)trat eine Zeit heftiger Kämpfe zwischen dem bayrischenHerzog und Kuno's Nachfolger Heinrich, Graf von Wolf-ratshausen , ein, welche einer solchen Dichtung nicht för-derlich war. Demnach werden wir die Entstehung der-selben wohl noch vor Kuno's Tod (um's Jahr 1130)anzusetzen haben.
Für Kuno b) spricht auch die Anspielung auf denMarkgraf Diepold, da letzterer der Gönner seines FreundesGerwig war — der Kuno von Siegberg nach Negens-burg begleitet hatte — und diesen bei der GründungdeS Klosters Waldsassen kräftigst unterstützte (1130).
Endlich fehlt es dem deutschen Nolandslied nicht anAnklängen an das Annolied. In V. 7979—81 kehrendie Verse des Annolieds 443—446 fast wörtlich wieder.Der Ausdruck insr-Zurta (für Welt) findet sich Nolands-lied V. 2942, der Ausdruck volarvia (für Schlacht)ebenda V. 699, 2073, 3847; vgl. auch noch V. 4370mit Annolied V. 455 und 456.
Aber auch die Kaiserchronik ist, wie längst H.Wclzhofer (Untersuchungen über die deutsche Kaiserchronikdes 12. Jahrhunderts, München 1874) und W. v. Giese-brecht (Geschichte der deutschen Kaiserzeit 4. Bd. Braun-schweig 1875 S. 399 f.) dargethan haben, in Negens-burg gedichtet. Die Anhaltspunkte, welche wir hiefür be-sitzen, sind folgende (s. E. Schröder a. a. O. Einleitung:„Die Kaiserchronik eines Negeusburger Geistlichen"S. 46 f.):
1. Keine Stadt ist darin so häufig genannt alsNegensburg. Schon zu Anfang des Werks wird es alsGründung des Kaisers Tiberius aufgeführt, von dem eSden Namen Tiburnia habe, s. V. 683 f.r
„Da er (Tiberiuö) die Heiden alle bezwäng,
Da fuhr er in deutsches Land.
Er kam zu einem Wasser, heißet Donau .
Da griff er wohl zum Bau,
Eine Stadt baute er da,
Geheißen Tiburnia,
Nun heißet sie aber NatiSbona." °)
2. An anderer Stelle wird Negensburg kurzweg alsdie „Hauptstadt" bezeichnet, wie außerdem nur noch Nom,s. V. 16822 und 14327.
3. Mit Vorliebe gedenkt der Autor der Einfälle derUngarn und Böhmen/") durch welche auch Bayerns Hauptstadt bedroht war, und der in Negensburg abge-haltenen Hoftage.
4. Vers 7044 macht er einen Burggraf Wirnt
°) Dr. Wilhelm Wald („Ueber Konrad, den Dichter desdeutschen Nolanvslicdes", Programm des Gymnasiums zuWandSbeck 1879) denkt an Abt Konrad von Tegernsee(1131-55).
°) Diese Nachricht taucht zuerst in der Nranslalio s. vio-nxsü trsoxagitae (Llon. 6orm. biet. 88. IX z>. 353) und inemer ebenfalls ,m 11. Jaln hundert gefälschten Urkunde desKlosters St. Emmeram in RcgenSburg aus (s. F. Jänner, Ge-schichte der Bischöfe von R. I S. 117: »iuxta muros eivitatns'Izchuiinae, gnas a I'z'dsrio Oaesaro LuAuslo aoäiüeata. est,guas moüo vuloo axgellata e3t UkK'anioxureb-) und dürfteaußerhalb Negensbnrgs nur geringe Verbreitung gesunden haben,vgl. noch die Annalen des Negeusburger Kanonikus Hugo vonLcrchcnfcld z. I. 783: »kriiuum apuci LeZsinoiiolim, guas etLatisbona. äioitur sl Liatosxolis st Iinbripolis et Niburnia,Iraereais b'olieiana. äsvinoiturr, und vita Lltwanni oap. 28.
") Bei einem derselben läßt er den Böbmcnkönig bisSallern bei Negensburg vordringen, s. V. 7034. Im Uebrigenist er über Böbmen gut unterrichtet und kennt sogar den Titelder böhmischen Großen (Suppane). Er bezeichnet den Böbmer-wald einfach als den „Wald" und ist aus das Volk der Böhmen als Nachbar schlecht zu sprechen >
namhaft, wobei er offenbar einen Burggraf von Negens-burg im Auge hat.
5. Bet der Schilderung der Heldenthaten, welcheHeinrich der Stolze auf dem zweiten italienischen Feld-zug König Lothars vollbrachte (1137), weiß er von einerkühnen List der „Abensäre" zu berichten, unter welchennur die Abensberger verstanden sein können (sie ver-kleideten sich als Wallfahrer, verbargen aber Schwerterunter dem Pilgergewand und überrumpelten auf dieseWeise das Kloster Montecassino ).
Endlich hebt er mit auffallender Betonung hervor,daß Graf Friedrich von Falkenstein (-Bogen), der Ne-gensburger Domvogt, im Jahre 1128 den PrätendentKonrad nach Italien begleitet und Bischof Heinrich vonNegensburg im Jahre 1138 im Bunde mit dem Böhmen die Wahl dieses Konrad — der „ehe wider dem Reichewas" — zum deutschen Könige den Welsen zum Leidedurchgesetzt habe.
Alles dies beweist, daß der Verfasser der Kaiser-chronik mit den Negensburger Verhältnissen wohlvertrautund ein eifriger Anhänger der wclfischen Sache war,weshalb er auch dem Herzoge Heinrich d. St. und dessenSchwiegereltern Lothar und Nichenza, deren Negenten-tugenden er in den wärmsten Worten preist (V. 17169 f.),ein Gebet in's Grab nachsendet. Damit gibt er sich zu-gleich als Zeitgenossen dieser Fürsten zu erkennen, undwenn er daher einige Zeilen später (V. 17283) nachErwähnung der Kreuzzugspredigt des hl. Bernhard zuSpcyer, welche Konrad bestimmte, das Kreuz zu nehmen(27. Dezember 1146), mitten im Satze abbricht, so liegtdie Vermuthung nahe, daß ihn der Tod bei der Arbeitüberrascht habe." ")
Wie dem auch sei, jedenfalls sind die letzten tausendVerse nicht vor dem Jahre 1147 gedichtet (schon V. 16253wird K. Heinrich II. als Heiliger angerufen, die Kanoni-sation Heinrichs II. erfolgte aber erst durch Bulle deSPapstes Eugen III. vom 14. März 1146). Andrerseitsunterliegt es keinem Zweifel, daß der Verfasser noch zuLebzeiten Konrads III. (gest. 15. Februar 1152) seinWerk abschloß, denn wie sollten wir es sonst erklären,daß er weder Heinrichs des Löwen, noch Friedrich Barba-roffa's mit einer Silbe gedenkt! Wahrscheinlich hatteer, als er die Schlußverse schrieb, sogar noch keine Ahnungvon dem schlimmen Ausgang des zweiten Kreuzzugs, dennandernfalls würde er wohl kaum die Predigt des heil.Bernhard, der nach demselben mit Vorwürfen überschüttetwurde, als „süße Lehre" bezeichnet haben. Es dürftedaher das Jahr 1149 als spätester Termin der Voll-endung des Werkes zu betrachten sein. Hier aber erhebtsich eine neue Frage: Wer ist der Verfasser der Kaiser-chronik? Die Antwort lautet: Ohne Zweifel ein Mönchvon St. Emmeram in Negensburg, und zwar aus fol-genden Gründen:
n) Nur einem St. Emmeramer Mönche konnte eSbeifallen, bei der Erwähnung des Kaisers Arnulf inanachronistischer Weise die Emmeramslegende einzuschalten(V. 15556 f>), da nur ein Mönch dieses Klosters daraufWerth legen mochte, daß Kaiser Arnulf das Stift St.Emmeram vor Zeiten reich bedachte (Ooäax aursus,usäiLuIa turritu).
b) Gerade in der Bibliothek von St. Emmeram
") Erst hundert Jahre später wurde die Dichtung in Nc-gcnöburg fortgesetzt (bis auf den Tod Friedrichs II.), und eineeinzige Handschrift führt die Geschichte bis in's Jahr 1274(um 1281).