waren sLon frühzeitig (schon im 10. Jahrh.) mehrerejener Werke vorhanden, welche der Dichter der Kaiser»chronik in ausgedehnter Weise benutzte (s. d. Bücher»katalog, welchen Abt Namwold, der Zeitgenosse des heil.Wolfgang, anfertigen ließ, bei Jänner a. a. O. I.S. 417 f.), nämlich:
1. lüiiri II s. Lilvestri — Silvesterlegende (heuteoliv. 14540 der Münchener Staatsbibliothek Lw. K 43vadr. 3. IX toi. 177 8H.: Lotus 8. Lilvsslri exissoxiurbis Komas; vgl. ebenda olm. 14704 — Km. (1888. XI toi. 101 8^.: Vita et aotus 8. Lilvostri urstisKomas spiseoxi).
2. Kistsr I Olsmsntis — die sog. roooZnitiovssOlsmsvtis in zehn Büchern (heute «Im. 14253 d. M.St.-B. Km. 0 72 mstr. 8. IX toi. 5 8st.).^^)
3. Ein Kasmonals — Heiligenlegende (heute oliv.14418 d. M. St.-B. Lm. L 41 ivlir. 8. IX).
4. Oesta Xaroli I. — Llonaestus LanZallsvsis.
5. I-ibsr vliroviooruiv — Kisron^mi (Lussbii)olirovioov.
Der ersten Handschrift hat der Dichter außer derLegende der Siebenschläfer (toi. 226 8y.: Os8ta saoo-torniv VII riormisntium stui iv Lplioso äormiunt--- V. 6417—6442, V. 13491—13642) die Episodeüber Silvester V. 7806—10613, der zweiten Handschriftdie Episode von Faustintan V. 1219 - 4038, also beidenzusammen den Stoff zu 5800 Versen entnommen.
Dem Passionale entlehnte er die Legendendes SixtuS,FelicissimuS und Agapitus (s. tol. 37 sst. Do xassiovo8Lvotvrurv Lixti, Ksliewmmi, L^axiti), des Laurentius(tol. 38 8H. Ks passious sanoti Kaursntii), des Hippo-lytus (tol. 41 8<i- I)s xassiovo 8anoti Vxoliti), die bei ihmin derselben Reihenfolge behandelt werden, s. V. 6165bis 6364, sowie die des hl. Mauritius (tol. 56 sst. voxassiovo sausti LIaurieii st Looiorum sius) V. 6500bis 6587, also gegen 300 Verse.
Aus den g68ta Karoli des St. Galler Mönchs(I, 26 in der Zwiefaltner und Wiblinger Handschrift)stammt, was er über den Eid beim hl. Pankratius sagtV. 14663—14682.
Dem über oliroviooruiv endlich verdankt er wohlseine Angaben über die Negierungszeit der römischenKaiser u. a. m.
Gewiß waren in der Bibliothek von St. Emmeramim 12. Jahrhundert auch noch andere Werke vorhanden,welche der Dichter erwiesenermaßen zu Rathe zog (soz. B. die Chronik des Ekkehard von Aura nebst demelrroviooir IViiMlzrrrAonss, die summa des Honoriusvon Autun, ein den ülirastilia urlüs Komas verwandtesBuch und eine sagenhafte Geschichte von Trier , ") ebensosicher ist aber, daß in jener Zeit neben St. Emmeramkeine Zweite in gleicher Weise reichhaltige Bibliothek inRegensburg existirte.") Wir werden daher den Verfasserder Kaiserchronik in diesem Kloster zu suchen haben, vgl.noch was oben über den Namen Tiburnia gesagt ist.
Außer den angeführten lateinischen Quellen hatunser Autor auch die deutschen Dichtungen seiner Zeitstark ausgebeutet, so z. B. das Loblied des PriestersArnold auf den hl. Geist, das Annolied, dem er allein
'-) Nr. 1 und 2 schenkte der Presbyter Longanpertus demAbtbischof Tuto (894—930) von St. Emmeram.
") Man erinnere sich, daß Abt Namwold aus dem KlosterSt. Maximin in Trier berufen wurde.
") Die Staatsbibliothek in München verdankt St. Emmerammehr als 1000 Handschriften.
gegen 300 Verse entnahm, und das Nolanbslied, mitdem er viele Redewendungen gemein hat (s. W. Golther„Das Nolandslied des Pfaffen Konrad." München 1887,S. 150 f.). Dies brachte schon Welzhofer auf die Ver-muthung, daß der Herausgeber der Kaiserchronik mit demPfaffen Konrad , dem Verfasser des Nolandslieds, identischsei. Dagegen spricht aber sowohl der große Umfangbeider Werke (das Nolandslied hat 9094 Verse, dieKaiserchronik 17283 Verse), als auch der Zwischeuraumvon zwanzig Jahren, der zwischen der Abfassung der-selben liegt. Ebensowenig können wir uns mit der An-sicht Schröders befreunden, daß Komad nur eine ältereDichtung, die bis Vers 10613 reichte, überarbeitet habe.Denn wenn auch in der That am Schlüsse der Silvester»legende ein Absatz bemerkbar ist, so rechtfertigt sich der»selbe doch schon durch die Länge dieser Episode (sie zählt2800 Verse) und die dadurch hervorgerufene Ermüdungdes Verfassers, und die Bitte des Dichters, daß der hl.Silvester ihm, der diese Legende zum erstenmale in Versebrachte, und den Lesern, die ihm bisher gutwillig gefolgtsind, beistehen möge,^) ist eben nur einer jener Stoß-seufzer, denen wir bei mittelalterlichen Schreibern amEnde größerer Abschnitte oft begegnen. Wir haben mit-hin keine Ursache, an verschiedene Autoren zu denken,zumal das ganze Werk wie aus einem Gusse ist undeine genaue Prüfung der Verse auf ihre Reinheit keinewesentlichen Unterschiede in den Hauptepisoden der Dichtungergeben hat?°) Dazu kommt, daß die letzte Partie derChronik, welche die deutschen Könige schildert, mit großerOberflächlichkeit behandelt ist und grobe Verstöße gegendie geschichtliche Wahrheit ausweist,") die sich nur auseiner gewissen Flüchtigkeit des Verfassers, der zum Schlüsseeilte und dem am Ende Lust und Kraft ausgingen, be»greifen lassen. Ein neuer Bearbeiter hätte dagegen wohlmit frischen Kräften eingesetzt. Da der Dichter schon imProloge seine Absicht kundgibt, die Erzählung bis aufdie jüngste Gegenwart zu führen,^) so halten wir ander Einheit der Komposition fest und zweifeln nicht, daßdieselbe nur als Ganzes und nicht bruchstückweise ver-öffentlicht wurde.
(Schluß folgt.)
'-) In Vers 10626 „der (---St. Silvester) ist ihm (- demDichter) gnädiglich bei auto tlironnw äei" ist doch wohl stß(wie die Siraßburger Handsckrist hat) für ist herzustellen, dennder Satz üchr auf derselben Stufe wie der nachfolgende „undhelfe allen denen, die es gezogcntlich vernehmen". Woher sollteauch der Ucberarbeiter die Gewißheit erhalten haben, daß derhl. Silvester seinem „verstorbenen" Vorgänger vor Gottes Thronbehülilich sei, er konnte eS doch höchstens als Wunsch aussprechcn.Aendern wir aber ist in sts, so fällt auch jede Nöthigung, dieseWorte einem andern alS dem Dichter der Silvesterlcgende selbstin den Mund zu legen, hinweg. Erst nach seinem Tode wurdestß durch ist ersetzt, welche Variante schon die Voraucr Hand-schrift bietet.
F) Siehe F. Dcbo „Ueber die Einheit der Kaiserchronik"Graz 1877, der höchstens die Episode von der ErcSceiitiaV. 11352—12308 nuSnimmt. Aber gerade diese Dichtung be-trachte! Schröder (a. a. O. Einleitung S. 58) als ein „selbst-ständigeS, hier nur gewaltsam eingeschaltetes Werk" einesanderen Dichters.
") So z. B. VerS 15612 f., wo er be» Babcnbcrgcr Abal»bert, den Ludwig das Kind hinrichten ließ, als „Bischof" be-zeichnet. Und doch weiß er im Vers 16194 recht wohl, daßerst Heinrich II. das Bisthum Bamberg stiftete.
'/I Jrrthümlich behauptet Schröder, daß die Verse 15—26erst später eingeschaltet worden seien. In der Trierer Hand-schrift der Silvesterlcgende mußten sie selbstverständlich weg-gelassen werden, da ja der Schreiber derselben nur einen Ab-schnitt aus der Chronik bieten und nicht die Kaisergeschichte biSaus die Gegenwart herabführcn wollte.