Finnische Studenten in Jesnitencollegien.
Von Dr. P. Wittmann in München .
(Schluß.)
88 8-9.
Theiners (a. a. O. S. 327—329) „Aufzeichnungüber Zöglinge zu Braunsberg" — muthmaßlich äs uo.1585 — erwähnt außer Jussoila noch zwei Finnen,nämlich:
„Ic»a,v1iirau8, l^inlanäus, 1aotu8 xogtea, 8o-oietati8 (raeinfirum) ab xis ruortuuv üruiiLffergas",sowie: „NieUuel flu8tu6i, I'jn1uiiäu8."
Ueber den letzteren ist nichts Näheres bekannt;Joachim erneuerte am 10. Januar 1582 im CollegiumSt. Clemens zu Prag seine Ordensgelübde.") Vielleichtböten die Akten des genannten Collegs dem Forscher nochweitere Daten.
8 io.
Die weiter oben erwähnte Braunsberger Matrikelbringt auch folgende auf einen Finnen bezügliche Notiz:
n6a.3xa.ru3 fluten, 16. flununrü 1590, I'in-Iauäu8, exieeoxi InrUiöraui tiliue. . . OiseeZsit claii-ouluur 9. Xoverafiriz 1590. I'o8t6a LsrentssimasreZinaa uulieus 1aetu8, ruortuu8 (ut xutatur), oa-tlrolieuZ."
Dieser Justen war der dritte Sohn des am 28.August 1576 verstorbenen Paul Justen, der unter Luther und Mclanchthon in Wittenberg studirt hatte und unterdie „Reformatoren" Finnlands zählt. Er hatte zweiBrüder/4) die protestantisch blieben.
8 ii.
Eine Braunsberger Matrikel vom Jahre 1608 thutauch des „OrsZorluo §rieu8 I'iunv" Erwähnung,bezüglich dessen jedoch weitere Daten fehlen.
8 12.
Im nämlichen Katalog figurirt ferner: „?6tru8Lrioi, 8uec:u8, rseoxtrw aä corxrw 18. eal. 8ext.anno 97", der mit einem gewissen Petrosa oder Ro-manovitz identisch zu sein scheint.
Nach den bei Werwing ") über ihn gegebenen Nach-richten war Romanovitz in Osterbotten geboren, studirteerst in Stockholm und Upsala und begab sich hierauf insAusland. Ueber Braunsberg zog er nach Nom, trat dortzur katholischen Kirche über und erwarb (1604) den jurist-ischen Doktortitel. Nach Schweden zurückgekehrt, erhielter Anstellung als Beamter und wurde zu verschiedenenwichtigen Geschäften verwandt. Gelegentlich einer diplo-matischen Sendung nach Wien soll er nun mit dempolnischen Hofe Beziehungen angeknüpft haben. Ende1605 kam er in Begleitung zweier, convertirter Studentenin seine Heimath zurück. Letztere bezichtigten ihn hoch-verräterischer Pläne, und der Umstand, daß er nach Aus-sage seines Dieners und eines Kaufmanns in Polen ge-wesen, ließ diese Denunciation glaubhaft erscheinen. Manbeschuldigte ihn ferner, gelegentlich einer Privataudienz beiKönig Karl auf diesen ein Attentat versucht zu haben.Als Gefangener nach Örebro geschickt, wurde er vomReichstag verhört und als überführter Verräther zumRade verurtheilt. Die Strafe fand in rohester Form
") Vergl. hiezu das im Staatsarchiv zu Wien befindliche,Von Leinbcrg a. a. O. S. 47 im Auszug gegebene Protokoll!
") Sie hießen Hans und Peter. Vergl. Lagus »HwsLaaäölns Zoll voll ürter« S. 273 u. 547—548.
>°) -Xcmnug Ligisirnrucls oob Lon. 6arl IX. bistorler«II. S. 117-18, 134-190.
Vollstreckung, indem ihm bei lebendigem Leibe der Bütteldas Herz aus der Brust riß und vor den Mund warf.Sterbend soll er noch durch den Ruf „Jesus , Maria"seinen katholischen Glauben bekannt haben. In seinem„Lobgesang auf katholische Märtyrer" äußert sich Messenius(Leoncl. 111. IX. xass. 56) hierüber folgendermaßen:»Uormngns primus ketrns Xrioius,tzuä Ouiuxianus mortuus in üäsLostusguo ülazorum üäslis,
8s morisr guo^us oonütstur;
Perro rossotum xeetus is iuschcit,
6nm Nktrs llssum suavitsr iuvoeat;vuin 6oräs privutus, suprswamMarteret ex aaimo gaerstam.
Die Palmskiöld'sche Sammlung der Universitäts-bibliothek zu Upsala") enthält folgende auf Petrosa be-zügliche Notiz:
»Detrue Hoinaiiovits, HeZi8 6aroli noni aäOaesarera Uu-Iolluiu I-e§atu8, laetionis I'olouieasconvictus, corairr orc1ini5u8 OsreffroZius, lrorrenäouüksetue 8uxx1ioio. tzui anto martern 86 eatlrolieum6886 xulum 60 irt 68 tatus, xro 8ui UvAmuti8U8-86rtiori6 ta.irta.8 xrocluxit ratioirse, utäootor Ic>1rarrii68 Unumanirus xostrirliü illas xroLoireioire retutare rvZaretur."
Es wäre sehr zu wünschen, daß Nachforschungen inden schwedischen und polnischen Archiven gepflogen würden,um darüber Klarheit zu schaffen, ob Erici thatsächlich sichin Conspirationen gegen seinen Landesherrn eingelassenhabe, oder ob er lediglich als Opfer seiner Glaubenstreueunter dem Vorwand des Verraths den Martertod fürChristus und seine Kirche erlitten hat.
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Der letzte jener finnischen Jünglinge und Männer,welche in auswärtigen Jesuitencollegien studirten und da-durch veranlaßt wurden, mehr oder minder vollkommenzum Katholicismus überzugehen, war ein Sohn des pro-testantischen Bischofs von Abo, Erich Erici Sorolainen.Zum Unterschied von feinem Vater nannte sich derselbeLrieue lH> 06 U 8 i 8 flunior oder auch Lrierm UrioiUffosiwm. Bei seiner Geburt") bekleidete der Vaterwahrscheinlich die Stelle eines Rektors in Gefle. DieMutter, deren Familienname nicht feststeht, dürfte eineSchwester der Gattin des (prot.) Dompropstes von Vestcrasgewesen sein. Sie war 1607 bereits unter den Todten.Eine Schwester Erikssons hieß Birgitta.
Nachdem derselbe (vermuthlich) die Schule zu Abomit bestem Erfolg besucht hatte, begab er sich zunächstnach Schweden zu dem obengenannten Dompropst vonVesteras , Salomon Birgeri Wallcnsis, und knüpfte dortmit dessen Tochter Anna ein Liebesverhältniß an, dasnicht gerade platonisch gewesen oder wenigstens gebliebenzu sein scheint. Im Uebrigen war er darauf bedacht,sich einflußreiche Beziehungen zu schaffen. Im Jahre 1600bezog er die Universität Rostock , später wohl auch Jcsuiten-schulen und ging dann nach Krakau , wo er den Kaplandes Königs Sigmund, den durch seine „Viti8 Hgui-lonia," bekannten Johann Vastovius kennen lernte. Nacherfolgten: Ucbertritt zur katholischen Kirche verweilte erzwei volle Jahre im OolleZium Oermuuioum. SeineHoffnung, vom Vater Geld zur Heimreise zu bekommen,schlug fehl, zumal der junge Mann sich zum Schreckenfeiner Eltern die Priesterweihe ertheilen ließ. So mußte
-°) X. XIII. venealoA. 8v. 6otb. Pom. XUV. Lit. R.kars III. S. 185.
») Circa 1580 (?).