Ausgabe 
(22.5.1896) 21
 
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Diesem Versprechen nachkommend, will ich an derHand der besten, aus Oberaltaich stammenden Vita, desPriors Albert, Grafen von Haigerloch . zeigen, wie weitin chronologischer und sachlicher Beziehung die Angabenunseres Gegners von der glaubwürdig hinterlegten ge-schichtlichen Wahrheit abliegen und entfernt sind?)

I.

Geburt, Eintritt in das BenediktinerstiftOberaltaich und Ableben des Grafen Adal-bert (Albert) von Haigerloch .

Wenn man auf der bayerischen Ostbahn von Strau-bing , der einstigen Residenz niederbaycrischer Herzoge ^)aus dem Hause Wittelsbach, gegen Plattling (Pledelingenim Nibelungenliede) nach Passau herabsähet, sieht man,sobald die Doppelthürme von s. Peter zu Straubing(^uAustavis) verschwunden sind, links jenseits der Donau fast am Fuße des Bogenberges die doppelthürmige einstigeAbtei-, jetzt Pfarrkirche von Oberaltaich herüber-leuchten, jedoch hinter dunklen Fichten- und Tannen-wäldern bald wieder verschwinden.

Das Benediktinerkloster 8. Peter daselbst, welches imJahre 1731 das 1000jährige Jubiläum seines Bestandesgefeiert hattet und am Anfange unseres Jahrhundertsmit der Namensschwester Niederaltaich unterhalb Deggen-dorfs der Säkularisation zum Opfer gefallen ist, soll imJahre 731 von dem agitolfingischen Herzoge Odilo unterBeihilfe des Abtes Pirminius von Neichenau imBodensee erstmals errichtet und besieoelt worden sein.^)Allein Herzog Odilo kam erst nach dem Ableben HerzogHugberts am 1. November 736 zur Regierung, und diealte Eiche am Donanstrome war ohne Zweifel schon eineCultus- und Opferstätte des keltischen Heidenthums, undsind daselbst wohl Menschenopfer dargebracht worden, eherömische und christliche Cultur, von ver Beste und demBischofssitze ^uZustanis (Straubing ) ausgehend, die Zelles. Peter bet der alten Eiche und zahlreiche andere Zellendes bayerischen Waldes und Vorwaldes gegründet hat.

Auch der Agilolsinger Herzog Theodo I. wird alsGründer von Oberaltaich bezeichnet, und wenn der heil.Nupert, wie ich früher ausgeführt habe?) in Straubing wirklich seine dritte bischöfliche Kirche in Bayern in derMitte des 6. Jahrhunderts aufgerichtet hm, um dasHeidenthum der zurückgewanderten Bajonren zu bekämpfen,dann ist Oberaltaich, welches den gleichen Patron mitder bischöflichen Kirche zu t1ugu8taiu8 (8. Peter) hat,nicht erst im Jahre 731, sondern ebenfalls schon in derMitte des 6. Jahrhunderts entstanden und 731 unter

°) Geschichte der Grafen von Zollern-Hohenberg von Dr.Ludwig Schmid. Stuttgart , 1862, Gebrüder Schcillin, S. 17und 327.

2) straubing ist das keltische Sorvioäurum der Ga-bula LsutinAsrlan»,, UnAUstis des Itinorarii Lutomni undLug'nstaiiiL der ReicbSnoiiz. Siehe A. 0.

H Vgl. des Priors Aemilian Hemmauer historischenEntwurf, auch Chronik genannt, aus dein Jahre 1731,gedruckt zu Siranbing bei Cassian Betz (nack Adalbert Ebner wohl erst 1732, siehe Sanunclblätter zur Geschichte der StadtStraubing von Ed. Wimmer, k. Hauptinaun, S. 591).

°) Chronik I. o. S. 18. Hlmns kirmiuius sx ^n§ia ...iu8i§ns praotsr alia in viosessi Lattavisnsi eosuobiumLltaoba, Inksrius ttiotnm . . eouäictit . . atia, guogusOosnobia in oocksm Ouoatn.. .kirmiuii Xnsxioiisxartim sunt instructa, partim rskormata st re-staurata vüleliest Llt-Hsba Lnxsrins sto.

o) Die ece.tesia Lugustaua, zu s. Peter in Straubing ,Separatabdruck der Nttcukofer'schen Buchhandlung daselbst 1893aus dem Uuterhaltungsblatte zum Straubinger Tagblatt 1892Nr. 46-52 und 1893 Nr. 1-3.

Karl dem Hammer und dem Herzoge Hugbert (nichtOdilo) in Bayern von Neichenau aus nur neu besiedeltworden.

Nach der Zerstörung des Klosters durch die Ungarn im Jahre 907 (nl. 904) lag dasselbe in Asche, bis es1102 von Friedrich, Grafen von Bogen , dem Vogte derbischöflichen Kirche von Ncgensburg, wieder hergestelltworden ist. Woher jedoch der erste Abt des damalsrestaurirten Klosters Namens Egino berufen wurde,war im Jahre 1731 noch nicht ermittelt und ist bis jetztunermittelt geblieben?)

In diesem wiederhergestellten Kloster hat unter dem16. Abte Poppo (11601182), einem Schüler des be-rühmten Abtes Hermann von Niederaltaich ?) der jugend-liche Graf Albert von Haigerloch im Jahre 1261 Auf-nahme gefunden, °) und ist das Leben dieses hochgebornen,frommen und demüthigen Benediktiners, verfaßt von demgleichnamigen Prior Albert zu Oberaltaich , der Nachweltin zwei Editionen bekannt und zugänglich gemacht worden.

Eine sehr alte Abschrift der Oberaltaicher VitatMorti besaß das Kloster 3. Emmeram in Negensburg?")welche k. Bernhard Pez für das Original ge-halten zu haben scheint und in seinem Mw8anru8^liacclotormri novi88imu8 Pom. I o x. 535554 zumAbdruck gebracht hat?') Die 1721 edirte EmmcramerAbschrift schließt mit Lax. 34 ab, während die MelkerAbschrift, die Pez von dem Prior ?. Paulus auf demBogenberge zum Geschenk erhalten hatte, wie die Ober-altaicher Vita in eux. 35 den Epilog und am Schlüssedie Beglaubigung durch Abt Dominikus II. (erwählt1721) enthält, daß die Abschrift sx antoZi-axlrogenommen worden ist??)

Die jüngere Veröffentlichung der Vita durch denDruck unter Abt Dominikus II. und Prior AemilianHemmauer von Oberaltaich zum tausendjährigen Beständedes Klosters daselbst 1731 hat folgende Ueberschrift:Vita Lsati ^Ibarti, Älonaesti Olwraltaelrsiwm, aerixtaab Tlllierto, sjrwclsm LIona8tarii 0. 8. ?. L. inLojaria kriors. Lruta sx 6oä. lVl. 8. Obsraltaosteimiet oollata oniri 6oä. N. 8. Impsrialis Nona.8tsrii 8.Lrnmorami katiadonao, und entnehmen wir dieserVita?2) welche der 3. Emmeramer vorzuziehen ist, dienachstehenden theils chronologischen, theils thatsächlichenBerichtigungen älterer und neuerer Schriftsteller, ins-besondere aber Dr. Schmids in Tübingen , des Geschicht-schreibers der Grafen von Zollern-Hohenberg.

Nach Schmid, welcher die Ausgabe der Vita desk. Bernhard Pez aus 8. Emmeram benützt hat,") sollAbt Poppo den Grafen Albert von Haygerloch 1251im Alter von 22 Jahren aufgenommen haben, während

r) Chronik von Hemmauer S. 120 n. 122.b) Chronik S. 173. Povpo war ein Mann, Gott und denMenschen angenehm. Ein Eiferer der klösterlichen Disciplin.Ll. 6. 88. XVII. 402. S. A. 16!

Vita. Llbsrti oax. 1.

-°) OIm. der k. Hos- und Staatsbibliothek Nr. 14673 nach?. GallnS in Metten .

") Augsburg und Grätz 1721. vissertatio IsagoxieaxaZ'. lOXXXIX stsi is (Ooäsx hlmmsramsnsis) auto-Kraplius viclsrstur, onm reeenstori tamen axo§rs,MoObsraltalieiwi, guoä ab L. L. st 01. V. Lanlo, LoolssiasLvAsnborASllsis kriors, üono aceeximus, eoukorrs nonpraetermisimns.

ker I. o. x. 554.

Chronik HeminauerS S. 585.

Geschichte der Grafen von Zollern-Hohenberg 1862S. 327 A. 1. Schmid liest mit Pez RaAgsrlo; Hemmauerrichtig LrH'Lsrloell I. v. S. 588.