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Bei diesem Experiment handelt eS sich um einen kataleptischenoder vielleicht auch nur narkotischen (mit Haschisch hervor-gerufenen) Schlaf, während dessen die Lebensfunktionen starkherabgesetzt sind. Luft kann bei allen derartigen Experimentenzutreten, wenn auch in geringem Matze. Es ist mehr oderweniger eine Hungerkur. Die Vorbereitungen, die in den Be-richten erwähnt werden, sind auf eine Täuschung des Publi-kums berechnet. Pros. vr, Nüdinger erinnert gerave hinsichtlichder Täuschung an den Fakir, der sich vor einiger Zeit inMünchen produzirte. Da er in Zunge und Backen präformirteKanäle hatte, konnte er leicht ohne Blutung eine Nadel bindurch-stecken u. s. w. Ueber künstliche Herabsetzung der Pulstbätig-keit berichten russische Aerzte bei Rekruten, welche vom Militär-dienst frei werden wollten. Der Vorsitzende erinnert daran,dah man durch Athembcwegungen bei verschlossenem Mundund Nase eine ähnliche Wirkung erzielt. Damit schloß dieSitzung.
Recensionen und Notizen.
Die centrale Leitung der Freimaurerei und ihrderzeitiges Oberhaupt. Auszug aus dem fran-zösischen Werke: „Erinnerungen eines Drciunddreißigsten.Adriano Lemmi, oberstes Haupt der Freimaurerei . VonDomenico Margiotta." Verlag von Ferd. Schöningh inPaderborn . Preis 1 M.
?. Seit dein Erscheinen des Werkes von Eckert am Anfangder fünfziger Jahre sind in immer rascherem Laufe eine Reihehervorragender Arbeiten über die Freimaurerei, wie die vonDcScbamp und Claudia Janet, von Pachtler 8. ll., Leo Taxil ,De la Rine, dem Bischöfe Mcurin und anderen, geschriebenworden. Aber keines dieser Werke hat solch wichtige Enthüll-ungen über diesen merkwürdigen Bund, dem sovicle politischeMorde, selbst Fürstenmorde, zur Last gelegt werden, über seineOrganisation und seine Endziele gebracht, wie die Schrift Mar-giotta'S. Man ersieht aus diesem Bücke, wie die Freimaurerei,die das Volk glauben macht, daß sie keine politischen, sondernnur Zwecke der Wohlthätigkeit und des Friedens verfolge,systematisch vorgeht, die christliche Weltorduung zu zerstören,den christlichen Glauben auszurotten und an dessen Stelle denSatauscult zu setzen. Das Buch zeigt ferner, wie das neue,so unglückliche Italien entstanden, wie sein armes Volk mittelseines falschen Patriotismus betrogen wurde, wie die nationaleEinheit für die treibenden Kräite nur Vorwand und Mittelwar zur Bekämpfung des Stellvertreters Christi und wie dieganze Revolution nur ein Werk der Freimaurerei war. DieSchrift ist um so interessanter, als gerade heutzutage in denmeisten Culturstaaten und namentlich bei uns die Trennungvon Kirche und Staat, Staatsmvuopol des Unterrichts, kon-fessionsloser Staat und konfessionslose Schule, Verwestlichungder Ebc, Civilehe, Civilbegräbmß, Feuerbestattung und all dieschrankenlosen, den Wohlstand deS Volkes untergrabenden Frei-heiten, die stets von der Loge gepflegt und als Postulate auf-gestellt wurden, mehr und mehr an Boden gewinnen, als ge-rade heutzutage der Freimaurerorden die Zeit für gekommen er-achtet hak, an die Ocfsentlichkcit zu treten, wie er sich ja osten-tativ als den Beherrscher Frankreichs im Besitze der Präsident-schaft, des Ministeriums und der Majorität des Parlamentsdem In- und AuSlaude vorgestellt hat, als gerade heutzutagedie Freimaurerei bereit ist, in den offenen Kamps mit derchristlichen Weltordnung einzutreten. Der billige Preis diesernicht genug zu empfehlenden Schrift ermöglicht es, daß sie indie weitesten Kreise dringe.
Arnold, Hugo. Unter General von der Tann. Fcld-zugserinnerungen 1870/71. Zweites Bändchen: Der Feld-zug an der Loire. Vor Paris . Heimmarsch und Einzugin München. München , C. H. Beck. 1896. (268 S.)
L. Vor Weihnachten 1895 habe ich in diesen Blättern aufdas erste Bändchen der vorgenannten Arbeit eines verdientenMilitärschriststellers aufmerksam gemacht. Jetzt liegt auch dasScklutzbändchen dieser Arbeit vor, das ich den Lesern dieserBlätter ebenso empfehlen kann, wie daö erste. Die Vorzüge deöersten Bündchens sind auch dem zweiten in hohem Matze eigen:Klarheit der Darstellung, NechtSsinn, der auch dem Feinde An-erkennung widerfahren läßt und die Fehler im eigenen Lagernicht vertuscht, Liebe zu den Kameraden und zum Vaterlandeund gesunder Humor. Die Darstellung der im zweiten Bündchenbesprochenen Ereignisse während des furchtbaren Winterfeldzugsan der Loire war keine leichte Aufgabe, denn diese scheinbarwirren Märsche dem Leser in ihrem Zusammenhange klar zumachen, erfordert besonderes Talent. Gerade diese Aufgabe
aber hat Arnold vortrefflich gelöst; wer seiner Darstellung diesesWinterfeldzugs an der Hand einer Karte des Landes zwischenParis und der Loire folgt, wird die Operationen der deutschenHeere in der Beauce und am Perche verstehen und mit Be-wunderung und Stolz die Großthaten des ersten bayerischen Armeekorps in diesen Landen vernehmen. Zu bedauern ist es,daß Arnold seine Erlebnisse vor Pariö zur Zeit der Communenickt eingehender erzählt; er handelte also, um seine Arbeitnicht zu sehr anschwellen zu lassen. Ich glaube aber nickt, daßseine Leser unzufrieden wären, wenn er diesen Erlebnisseneinige Bogen mehr gewidmet hätte; er schreibt ja so anziehend,daß man am Schlüsse seines Werkes geradezu bedauert, schon amEnde zu sein. Interessant ist Arnolds Beurtheilung des BischofsDupanloup , den er mit Döllingcr vergleicht; ob dieselbe aberallgemeinen Anklang finden wird, möchte ick anzweifeln. Auchseine Bemerkung über den Fanatismus der Priestex in OrleanS wird kaum unbeanstandet bleiben; warum sollten nickt auchdiese Patrioten gewesen sein? Möge Arnold's Büchlein nachVerdienst weite Verbreitung und Anerkennung finden!
Eugen Ankelcn, Markus Heller. Eine Malergeschichte.
München . Verlag von Seitz und Schauer. 126 Seiten.
Preis M. 1,50.
Dr. Eine Malergcschickte — von einem feinsinnigen Maletgeschrieben, der über allem Realismus des Lebens die leuchten-den Ideale des Herzens hocbbält. Die Novelle, ein Stück ge-waltigen Seelen- und LiebcSlcbens eines ringenden Künstlersin intimen Strichen zeicknenv, ist hock erhaben über der be-liebten Dutzendwaare des Alltags — sie ist Herzblut einesechten Menschen unserer Zeit. Ankclen, der prächtige Feuille-tonist und hochgebildete Künstler, bat eine überaus edle Sprache.Ihm ist ferner die große Kunst eigen, lebenswahre, typischeund dabei doch außergewöhnliche Charaktere darzustellen: diebeiden Mädchengcstalien, Mathilde und Hedwig, sind Schöpf-ungen von majestätischer, raffinirter Wahrheit. Ich will nichtmehr verrathen. Ich habe seit Jahren kein solches Buch mehrgelesen. Bei aller Ungeschminkthcit ist es decent, echt künstlerisch.Markus Heller ist ein gutes Buch.
Ludwig K. , Die Schulregcln der.hebräischen Grammatik nachden Ergebnissen der neueren Sprachwissenschaft zumMcmoriren und Nepetiren. 8°, SS. VI -s- 78. Gießen,I. Nicker. 1895. M. 2,00 geb.
Vosen - Kaulen, Kurze Anleitung zum Erlernen der hebräischenSprache. 8°, SS. IV -s- 149. Freiburg i. Br., Herder,1895. (XVII.) M. 1,30.
L Trotz des Ucbcrflusses an hebräischen Grammatiken fürden Unterricht an Mittelschulen und trotz des unübertrefflichenLehrbuches von Strack erscheinen fortwährend neue Bücher dieserArt, als ob die Verfasser gar nicht wüßten, daß der moderneDurchschnitts-Gymnasiast im Allgemeinen jeder Geistesthätigkeitabhold ist und kaum das schleckst genug lernt, wozu er gezwungenist, geschweige denn etwas, dessen Inangriffnahme Ernst undideales Interesse voraussetzt. Da helfen auch die besten Lehr-mittel nichts. — Die „Schulregcln" können auch neben Strack sehrgut Verwendung finden; die eigenthümliche Austastung, die klareAirordnung des Stoffes, das Altlehnen an die grundlegende,alte Traditionen über den Haufen werfende Grammatik von Stade machen das Büchlein auch noch für den interessant, der es nicht mehrnöthig hat, gerade grammatischeRegeln daraus zu lernen. Bedenkengegen die Einführung des Buches an Mittelschulen veranlassenuns nur einige Bemerkungen des Verfassers, worin er in garzu großem Vertrauen auf die „Ergebnisse" der Bibelkritik dieBerichte unseres Offcnbarungs-Codex anzweifelt. Solche Dingehätte er besser für sich behalten: für unreife Schüler passensie nicht. Sonst ist das Buch alles Lobes werth; es läßt be-kannte Dinge unter neuen, wissenschaftlichen Gesichtspunktenhervortrercn und verräth auf jeder Seite den gründlichen Kennerund tüchtigen Lehrer. — Auch über Voscns „Anleitung" sindunS schon günstige Recensionen zu Gesicht gekommen. Nur dieGedankenlosigkeit und der verführerische, billige Preis konntediese unbrauchbare und jetzt gänzlich wertblose „Anleitung" zurerstaunlichen Höhe von 17 Auflagen bringen. Es wäre besser,dieses Lehrbuch endlich einmal der verdienten Vergessenheit an-heimfallen und von der Bildfläche verschwinden zu lassen, an-statt einem unserer besten Gelehrten, Dr. Kaulen, die undankbareLast aufzubürden, ein Opus stets neu herauszugeben, an demjede Liebesmühe verschwendet ist und das in der Gestalt, wie eSist, kaum je so verbessert werden kaun, daß es sich neben anderenLehrbüchern wenigstens mit Anstand sehen lassen darf. AusEinzelnes können wir nicht eingehen, wir müßten die meisten