Ausgabe 
(29.5.1896) 22
 
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1. Kolumne: hebr. Text mit griech. Lettern,

2. Aquila,

3. Symmachus ,

4. Septuaginta,

I^sdraens litterts ^

Kraeeis oxxressus

rcur ^ixoTroiüir r/rir'/xror'

Won welcher Tragweite diese Entdeckung ist, läßtsich noch nicht vollständig absehen. Aber soviel kaunmau schon heute sagen: Die Philologie und die Text-kritik und damit die Exegese werden daraus großenNutzen ziehen. Haben wir doch hier in griechischer Trans-scription den hebräischen Text von 11 Psalmen und

damit die Aussprache des Hebräischen im 2. und 3. Jahr-hundert nach Christus, also circa 400 Jahre vor derMasora.

Wer weiß, wie sehr die Punktation der Ma-soreteu angefochten ist, wird die Wichtigkeit dieses Textesermessen können. Ferner wird der Palimpscst dienlichsein, die bisher bekannt gewordenen hexaplarischen Frag-mente dieser 11 Psalmen zu controlliren und daraus auf dieübrigen Schlüsse zu ziehen. Wir bekommen zum ersten-male zusammenhängende Texte der drei griechischen Inter-preten, von welchen bisher nur Fragmente (ausgenommendie Danielübcrsetzung des Thcodotion) bekannt waren, zuGesichte, und es läßt sich dadurch die Nebcrsetzungsweiseder einzelnen deutlicher erkennen und gründlicher stu-dieren. Dieses Studium kann zu weiteren Entdeckungenführen.

Ist die Wiederauffindung dieses Hexaplafragmentesschon von so großer Wichtigkeit, so ist die zweite Ent-deckung ebenfalls von nicht geringer Bedeutung, undzwar besonders für die Patristik.

Mercati erkannte, wie schon erwähnt, in dem Codex0. 301 iuk. die lateinische Uebsrsetzung des Psalmen-commentars des Theodor von Mopsvestia. Bisher be-saßen wir von Theodor nur einige Fragmente in denCatenen von Barbaro und Corderio; ferner wurdenBruchstücke von Mai und Bäthgen (in syrischer Sprache)gesunden und veröffentlicht. Mercati studierte den la-teinischen Kommentar des citirten irischen Codex, und ausden eigenthümlichen Ansichten über die mesfianischenPsalmen schloß er auf Theodor. Ceriani hält dieseAutorschaft für sicher. Im Commentar begegnet man denvon Papst Vigilius und von dem 5. ökumenischen Concilverurteilten Sätzen, ferner zahlreichen anderen Sätzen,von welchen das griechische Original vorhanden ist. Ganzcharakteristisch für Theodor sind die Aufstellungen desCommentars über die messianischen und makkabäischenPsalmen, sowie über die Person Christi.

Der Commentar ist nicht vollständig, sondern ab-gekürzt. Bon diesem Commentar existiren noch zweiweitere, noch unveröffentlichte Auszüge. Der eine stehtin demselben irischen Codex (6. 301 int.), und derandere ist im Besitze der Universitätsbibliothek zu Turin und umfaßt zwei Fascikel. Beide Handschriften (dieturinische und die ambrosianische) stammen aus Bobio.

Giovanni Mercati arbeitet noch emsig an derHerausgabe seiner literarischen Funde. Wir müssen alsoeinstweilen unsere begreifliche Neugierde zügeln und mitdem zufrieden sein, was uns Ceriani verrathen hat.Aus diesem geht aber hervor, daß wir allen GrundLaben, uns über den glücklichen Fund zu freuen und

5. Columne : Theodotkon,

6. Varias leotiones.

Also z. B. das erste Wort des Psalmes ist ge-geben:

I.XX o ViU'iav loetionos

dem fleißigen Forscher zu seinen epochemachenden Ent-deckungen zu gratnliren.

Ottmars Hausen, am Pfingstmontag 1896.

vr. Seb. Euringer,Pfarrer.

St. Zeno.

M Aus der Zeit, in welcher Bayern und Lango-barden noch Nachbarvölker waren und der wilde Etsch -strom theilweisr deren Grenzgebiete durchstoß, haben sichim Volke nur wenige Erinnerungen erhalten. Zu diesengehören an erster Stelle die zahlreichen St. Zeno-Kirchen auf urbayerischem Boden.

St. Zeno zählt in Bayern neben den HeiligenMartin und Dionysins, deren Cult dem Wechsclverkehremit dem Frankenvolke entstammte, zu den frühesten Landes-heiligen.

In Verona , das in der deutschen Heldensage unterDietrich vonBern" eine so hervorragende Rolle spielte,steht noch heutigen Tages am nordwestlichen Ende derStadt eine großartige, künstlerisch reich ausgestattete Ba-silika über dem Grabe des Heiligen. Es gibt nichtwenige Fremde, die gerade wegen dieses einzigartigenKunsttempels Verona gerne besuchen oder länger daselbstverweilen. Im Verlaufe von mehr als tausend Jahrenhaben unzählige Pilgerschaaren das Grab des Heiligengeehrt, allen voran aber die Veroneser selbst. Den ältestenUeberlieferungen zufolge verdankte Verona den Predigtenund Wunderwerken St. Zenos das Licht des katholischenGlaubens.

Kaiser Gallienus selbst, sonst bekannt als Christen»Verfolger, soll dem Heiligen gestattet haben, ungehindertdas Evangelium zu predigen, nachdem er seine Tochtervom bösen Geiste befreit hatte. Die Legende erzähltweiter, daß dieser Kaiser dem Heiligen eine goldene Ketteschenkte, welche derselbe sofort zerbrach und stückweise andie Armen verschenkte. Noch erinnern die Sculpturenam Glockenthurm der alten Basilika in Verona , den Em-pfang einer kaiserlichen Gesandtschaft seitens des Bischofesdarstellend, an dieses Ereigniß. Dieselbe Basilika ver-wahrt auch eine alte hölzerne Statue: St. Zeno aufdem bischöflichen Stuhle sitzend, mit einer Fischangel inder Hand, woran ein Fisch hängt, vielleicht als Zeichenseines früheren Gewerbes oder aber in Bezugnahme aufein Fischwunder, wie ja auch im Leben St. Ulrichs vonAugsburg und St. Benno's von Meißen ein solches vor-kommt. Auch in andern Darstellungen, namentlich aufden alten Veroneser Münzen, findet sich Zeno mit einemFische an der Krümmung seines Bischofstabcs abgebildet.St. Zeno endete sein thaten- und segensreiches Lebennach Einigen um 360, nach Andern erst am 12. April380. Unter Bischof Notaldus fand im Jahre 865 eineErhebung der Reliquien des Heiligen statt, um sie inder Krypta der neuerbauten zweiten St. Zeno-Kirche bei-zusetzen, wo sie noch heutigen Tages ruhen. Was denHeiligen weit über das Weichbild Veronas hinaus große