Ausgabe 
(29.5.1896) 22
 
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Berühmtheit verschaffte, war seine erprobte Hilfe inWassergefahren. Von jeher hatte Verona durch die Ueber-schwemmungen der mitten durch die Stadt fließendenEtsch arg zu leiden. Einstmals, so erzählt Vaul Warne-fried (Geschichtsschreiber der Langobarden III, 23), warin Folge lange andauernden Regens die Etsch derart an-geschwollen, daß für die Stadt das Schlimmste zu be-fürchten stand. Ganze Besitzungen und Landgüter gingenzu Grunde, Menschen und Thiere fanden ihren Tod durchdie Wasserflächen und wurden dahergeschwemmt. Nichtdas mindeste Wasser aber drang in die tiefgclegene St.Zeno-Basilika ein, und das darin versammelte Volk bliebgänzlich unversehrt. Allgemein schrieb man diese wunder-bare Rettung der Fürbitte des hl. Zeno zu. PapstGregor der Große , selbst ein Zeitgenosse dieser Begeben-heit, erwähnt dieselbe in seinen Dialogen, III. Band,19. C., und führt nebst der ganzen Einwohnerschaft alsAugenzeugen namentlich auf: den König Autharis, denComes Pronulphus und den Patrizier Johannes, der ihmdie Nachricht hierüber überbrachte. Nach Paul Diakontrug sich dieses am 17. Oktober 589 zu. Der Ver-ehrung St. Zeno's als Wasserpatron verdankten alsbald,namentlich der Etsch und ihren Nebenflüssen entlang,eine übergroße Anzahl St. Zeno-Kirchen und -Kapellenihr Entstehen.

Die meisten derselben haben sich so ziemlich in ihrerursprünglichen Anlage bis auf die Gegenwart erhaltenund haben mit Recht die Aufmerksamkeit der Kunstfreundeauf sich gelenkt, wie z. B. Ph. Neeb in den Mittheilungender k. k. Commission zur Erhaltung und Erforschung derBaudenkmale, Wien 1859, IV. Bd., sich damit befaßtund neuerdings in den Jahrgängen 1865 und 1870denselben eingehende Beschreibung zu Theil wird.

Zu den eifrigsten Verehrern St. Zeno's gehörte dererste Bischof von Freising, St. Corbinian , ch 730. Aufseinen Nomreisen führte ihn der Weg durch Verona , undhier mag er am Grabe St. Zeno's jene Vorliebe zu demHeiligen geschöpft haben, die ihn zeitlebens nicht mehrverließ. Bei einem erstmaligen längeren Aufenthalt inder Gegend Merans , des alten Majas, sprach ihm beiseinem Hange zum Einsiedlerleben ein Strich Landes,Canina" genannt, das heutige Kuens , zwischen denBächenFinalis" undTimone" lieblich gelegen, be-sonders an. Als ihm Herzog Grimoald zur Erwerbungdesselben behilflich war, baute er daselbst nebst seinerZelle ein Bcthaus, welches er zu Ehren der HeiligenValentin und Zeno 726 einweihte, nachdem er derenReliquien dort hinterlegt hatte.

Sonderbarer Weise ist der gegenwärtigen Kirche inKuens , welche bis zum Anfange dieses Jahrhnndertcs imBesitzthume Freisings verblieb, das ursprüngliche Katro-cinium gänzlich abhanden gekommen und seit dem Jahre1291 der HI. Mauritius Patron derselben. Hingegentrügt eine alte Burgruine am Wege von Meran nachKuenL den NamenZenobnrg". Man wird kaum irregehen, in derselben das alte Oustruin Nazanso zu suchen:denn sie beherrschte den Eingang in's Passeierthal und denUcbergang über den Jausen nach Sterzing und zumBrenner, welche in frühester Zeit mehr und bequemerdem Verkehr dienten, als heutigen Tages. Aus dem Be-sitz der Römer ging sie in den der neuen bayerischen Landesherren über. Diese hielten den wichtigen Paß be-setzt, und hier mag der Auftrag Grimoalds, Corbinian zurückzuhalten, bis weitere herzogliche Befehle eintrafen,ausgeführt worden sein. Auf diese Weise kam St. Cor-

binian zuerst in nahe und ehrenvollste Beziehung zu derBesatzung des Kastelles, und auch späier führte ihn derWeg von Kuens zum Grabe des HI. Valentin in Maisjedesmal an demselben vorüber. Es läßt sich nicht andersdenken, als daß er in der Burg seines Amtes als Bischofund Missionär gewaltet und eine Capelle, wenn nichtschon von früher eine solche hier bestand, zu Ehren deshl. Zeno einweihte.

Diese Schloßcapelle scheint im Laufe der Zeiten einegroße Rolle gespielt zu haben. Zeitweise mögen die zuerstin der St. Stephanskirche zu Mais beigesetzten Leiberder hl. Bischöfe Valentin und Corbinian hieher in Sicher-heit gebracht worden sein, wenn feindliche Unruhen dieserforderten; jedenfalls aber diente sie als Station, alsder Leichnam St. Corbinians von Freising her, überSterzing durch das Passeierthal, nach Mais und hin-wieder von da zurück nach Freising transferirt wurde.Gerade an dieser schmalen Stelle zwischen Zenoburgund Passer kam ja im Gedränge beim Transporte derKnabe Arbeo in Lebensgefahr, indem er den jähen Felsen-abhang hinabstürzte, wie er selbst als späterer Bischofvon Freising und Lebensbeschreiber St. Corbinians eSso anschaulich erzählt. Das von Alterthums- und Kunst-freunden vielbcwunderte und wiederholt abgebildete Portalder Capelle läßt heutigen Tages noch darauf schließen,daß sie unter allen Kirchen MeranS einst den erstenRang einnahm.

(Schluß folgt.)

Der Bilderzauber und die modernen Zaubererin Frankreich .

Von Charles Saint-Paul.

I. Zur Geschichte des Bilderzaubers.

Unter den Berichten über die verschiedenen Arten derZauberei, welche wir bei den meisten Völkern finden, sindbesonders diejenigen über den sogenannten Bilderzaubersehr zahlreich.

Derselbe soll darin bestehen, daß man eine Puppeaus Wachs oder aus einer andern Substanz möglichstnach der Form einer Person, die man schädigen will,anfertigt und ihr dann alles zufügt, was man letztereerleiden lassen möchte. Der Erfolg soll, wie behauptetwird, nur selten ausbleiben, selbst wenn die Person weitvon dem Orte, an dem der Zauberer sich befindet, ent-fernt ist.

Schon im Alterthume erscheint wiederholt der Volks-glaube an diese Art der Beeinflussung.

Lenormand, der Verfasser eines Werkes über dieMagie der Chaldäer, hat eine diesbezügliche Andeutungauf einer großen Tafel gesunden, welche aus der Biblio-thek des königlichen Palastes von Ninive stammt und aufder achtundzwanzig Gebetsanrusnngen gegen die Wirkungder bösen Geister, gegen Unglück und Krankheiten wieder-gegeben sind. Eine dieser Anrufungen lautet:Dessen,der ein Bild macht, um zu zaubern, gedenke, o Geistdes Himmels, gedenke, o Geist der Erde."

Nähere Kunde über den Bilderzauber finden wirauch wiederholt bei den Griechen und Römern.

So bemerkt Plato :Es gibt unter den Menschenzwei Arten von Zauberei, deren Unterscheidung schwierigist. Die eine ist diejenige, welche wir eben erklärt haben,wodurch der Körper den Körper durch die natürlichenMittel schädigt. WaS die andere anbelangt, so glaubendie Menschen, welche andere schädigen wollen, daß sie