durch gewisse Sprüche und Bindemittel dies thun können,und durch diese Art von Zauberei sollen sie auch wirklichandern Schaden zufügen. Es ist sehr schwierig, zu sagen,was Wahres daran ist, und wenn man es wüßte, würdees auch nicht leicht sein, die andern zu überzeugen. Esist sogar vergeblich, gewissen ängstlichen Geistern beweisenzu wollen, daß sie sich nicht wegen der kleinen Wachs-figuren beunruhigen sollen, die man entweder an ihreSchwelle oder auf das Grab ihrer Vorfahren gelegt hat,und sie zu ermähnen, verächtlich davon zu denken, weilsie einen verworrenen Glauben an die Wahrheit dieser
Zauberkünste haben.Wer sich der Besprechungen
und irgend welcher anderer Zaubereien dieser Art be-dient, um damit zu schaden, der soll, wenn er Magieroder in der Knust der Zeichendeutung bewandert ist,sterben I Hat er keine Kenntniß von den geheimenKünsten, ist aber doch des Versuches der Zauberei über-führt worden, so soll der Gerichtshof entscheiden, was erau seiner Person oder an seinen Gütern zu leiden hat."(Gesetze. XI.)
Auch Ovid und Horaz sprechen von dem Glaubenan diese Art der Zauberei.
Ersterer dichtet:
»vovovet absentes simnlaeragns oeroa ÜKitLt misornw leuuss tu foeur urget aous.«
(8x. 6. Ilz-xsiMs. V, 91-92.)
Und Horaz sagt in seinen Satiren:
»Imnoa st oktiAies erat; altora cerea: majorImnoa, gnas xosuis rowiieseoret inkoriorow,
6sroa snpplieitsr stabat, ssrvilibus ut guaslam psrirura moäis.-
(I. 8at. 8. v. 30-34.)
Die Geschichte der christlichen Mystik ist voll vonErzählungen über Vilderzauber, der ganz besonders beiden Teufelsbündnern, von denen sie berichtet, beliebt ge-wesen sein soll.
Schon im Jahre 337 verdammte Kaiser Konstansdie zum Scheiterhaufen, welche „ihre Feinde aus derFerne tödten". In der byzantinischen Geschichte ist dieserZauber vielfach erwähnt. Tertullian äußert sich wieder-holt über denselben. (Da L^sotuo. oax. X xu§. 90;äs Hasurraaltona oup. XVI. puZ. 389.) Im Mittel-alter mehrten sich mit der Zunahme der Hexenprozesseauch die Berichte über diesen Zauber derart, daß manglauben könnte, er sei allen andern Maleficien vorge-zogen worden. In den Schriften von Delrio, vonAlphonse de Castro und Le Loyer z. B. finden sich vielediesbezügliche Erzählungen.
Bekanntlich glaubte sogar Papst Johann XXII. , ersei von seinen Feinden durch Vilderzauber beeinflußtworden. So schrieb er im Jahre 1317:
„Die Magier Jacques, genannt Brabantzon, undJean d'Amant, der Arzt, haben Tränke bereitet, umuns zu vergiften, uns und einige Kardinäle; und da sieuns dieselben nicht beibringen konnten, haben sie Wachs-figuren mit unserem Namen gemacht, um unser Lebendadurch anzugreifen, daß sie dieselben durchstachen. AberGott hat uns erhalten und hat drei dieser diabolischenBilder in unsere Hände gelangen lassen."*)
In der „christlichen Mystik" von Görres (IV. 497v. s. w.) kann man einige auf diese Art des Zaubersbezügliche Berichte finden. Er weist darauf hin, daß be-sonders die byzantinische Geschichte reich an Vorgängen
*) Libliotliequs areli. st bist. äs sparn st Oarouus, tom.IV. 2. triw. 1876.
dieser Art ist und auch die französische, besonders ZurZeit der Religionskriege, manche derselben zu erzählenweiß. Ebenso seien ähnliche von den Exorcisten ange-führt worden; Sprenger (Null. Älnloüa. ?. I. 6ä. I.oap. 12) und der Arzt Zacutns (Istux. LIscl. inira.I>.1^. III. oI>3. 139) hätten welche aufgezeichnet. Allediese Fälle seien aber nicht so recht ausgemittelt undrund und klar mit Fernhaltung aller Täuschung darge-stellt, daß man auf sie ein irgend verläßliches Urtheilbegründe» könnte. Dies gilt wohl auch von dem Vor-gänge, der in dem Akte der Inquisition von Carcassonevom Jahre 1328 gegen den Karmeliten Petrus Nikordierzählt ist, und den Döllinger in der Pariser Bibliothekfür Görres cxcerpirte. Zur Erläuterung des Bilder-zaubers bemerkt derselbe: „Das Bild soll eine Art vonSpiegel sein, der die bösartige Intention wie in einemBrennpunkte sammelt und sie dann auf das Vorgestellteselbst in ganzer Verderblichkeit hinüberleitet. Der Grund-gedanke ist also der eines Apparates, in dem die dämon-ischen Influenzen sich einigen; etwa wie das magnetischeBaquet die somnambulistischen Einflüsse concentrircn undweiter leiten sollte. Wie aber dies auf gewiesenem Wegezu allerlei Arten von CharlataniSm hingeführt, so warauch durch diese dämonischen Kondensatoren der Wegzu jeder Art des Betrugs und der Selbsttäuschung an-gebahnt."
Es dürfte vielleicht von Interesse sein, nach dieserErklärung auch einige auf den Bilderzauber bezüglicheStellen aus den Schriften des Arztes Paracelsus, derbekanntlich als Occultist in neuerer Zeit wieder vielfachgenannt wird, folgen zu lassen. Man kann dieselbenwohl als einen Beweis dafür betrachten, daß er diemystischen Fragen ebenso zu erklären versuchte, wie unseremodernen Hypnotiseure, Magnetiseure und Suggestionisten.Wir finden insbesondere in seinem Werke „Oo eirts8p>irituum" (über das Wesen der Geister) eine Be-sprechung des Bilderzaubers. Er schließt ausdrücklicheine dämonische „Wirkung oder Inspiration" aus undäußert sich folgendermaßen:
„Ihr wisset, daß nach dem Willen eines Geistes, der sichim Streit mit einem andern Geist befindet/ wenn man einWachsbild mit Erde und Steinen bedeckt, der, den es vorstellensoll, unruhig wird. Schmerz empfindet und nicht gekeilt wird.ehe das Bild wieder ausgcgraben ist; wenn dies geschehen, ister von seinen A engsten befreit.
Dann sollt Ihr auch daran denken, daß, wenn man diesemBilde ein Bein bricht, der Mensch, den cS darstellt, diesen Bruchsuhlt; dasselbe gilt auch von den Stichen und ähnlichen Ver-letzungen, die dem Bilde beigebracht werden. (Cap. VII.)
Es ist möglich, daß mein Geist einer andern Person eineVerletzung wie die von einem Schwerte beibringt, ohne Beihilfedes Körpers, durch mein glühendes Verlangen. Es kann auchnoch geschehen, daß ich durch meinen Willen den Geist meinesGegners in einem Bilde festhalte und baß ich so dazu komme,diesen Gegner mißgestaltet oder lahm zu machen, — nach meinemBelieben, durch das Mittel des Wachses. . . .
Ihr müßt es für gewiß halten, daß der Willensakt vongroßer Wichtigkeit in der Medizin, und ebenso, daß einer, dersich Uebles wünscht, alles Uebel fühlen kann, das er will, dadie Verwünschung im Gebiete des Geistes ist; ebenso kann esgeschehen, daß in Folge der Verwünschungen durch BilderKrankheiten wie Fieber, Epilepsie, Apoplexie und andere ähn-liche erzeugt werden, wenn die nöthigen Vorbereitungen ge-troffen sind. (Cap. 8.)
Wenn man an eine Wand das Bild eines Menschen malt,so ist es gewiß, daß alle Schläge und Verletzungen, die mandiesem Bilde beibringt, von dem, welchem das Bild gleicht, em-pfunden werden. Das rührt davon her, daß der Geist diesesMenschen durch den Willen eines andern Geistes in diese Figurhineinversetzt wird... So wird auch dieser Mensch jede Züchtigungerleiden, die Ihr wollt, wenn Ihr sie dem Bilde zufügt, daEuer Geist den des andern in diese Figur gebannt hat, so daß