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er Euck> Unterthan geworden ist und gezwungen, alles zu dulden,was Ihr wollt." (Cap. IX.)
So Paracelsns, der in letzterer Zeit wieder so häufigcitirte Vorgänger der modernen Hypnotiseure und Psycho-therapeuten. Alan konnte annehmen, daß die zahlreichenFernwirkungscyperimente der letzteren die Aufmerksamkeitschließlich auch noch auf die Frage nach der Möglichkeitder früher so häufig berichteten Bezauberung aus derFerne hinlenken würden. Dies geschah auch wirklich injüngster Zeit. Die Bilderznuberei sollte am Ende des19. Jahrhunderts gelegentlich der Versuche eines be-kannten Pariser Hypnotiseurs näher erörtert werden.
Dieselben und ihre Folgen, welche einen Einblickin das Treiben moderner Mystiker und „Occultisten"bieten, dürften von größerem Interesse sein, wenn sieauch in mancher Hinsicht bedenklich erscheinen müssen,und wir wollen deßhalb, zumal sie in Deutschland nochweniger bekannt sind, im Weiteren näher hierauf eingehen.
(Fortsetzung folgt.)
Beatus Adalöertus
ein Graf Z o l leru -H o h e n b er g-Haigerloch,Mönch, Priester und Prior in der nieder-bayerischen Benediktinerabtei Oberaltaich1261 — 1311von I. N. Secfried.
(Fortsetzung.)
II.
Einige Züge aus dem Leben des sel. GrafenAlbert. Sein Biograph.
Schmid hat sich in seinem neueren Werke über AlbertGrafen von Hohcnberg-Notenburg-Haygerloch, den Sängerund Helden, -5) und in der neuesten Schrift „Die Grafenvon Hohenberg zollerischen Stammes und das Minnesänger-Denkmal auf der Weilerburg" einfach auf seine früherenAngaben über den Prior Albert aus dem Jahre 1862 be-zogen, ohne etwas Neues beizubringen oder die früherenirrigen Aufstellungen zu berichtigen; ich sehe mich deß-halb veranlaßt, einige Unebenheiten und schiefe Anschau-ungen desselben richtig zu stellen.
Schmid hat den Autor der Vita ^Istsrti nicht seltenmißverstanden.
„Seinem Beichtvater, sagt er, beichtete er sieben-mal und noch öfters des Tages", während es incap. VI der Vita^) bloß heißt: „cnii (IlarinviZo)iubsrclum LLptiss vel pstrriss uno couütostatarlsto." Das „bisweilen" (intsrelnw) läßt Schmidweg, und auch darüber ist Stillschweigen beobachtet, daßes sich hier kaum um einen zu häufigen Gebrauch desSakraments der Buße handelt, sondern etwa nur umdie öftere Einholung des Rathes des vorn Abte speciellgewährten Beichtvaters von Seite des hier, wie mirscheint, zu überängstlich dargestellten Grafen.
Hier ist wohl im Auge zu behalten, daß AlbertsBiograph die Vita desselben erst 1339, sohin 28 Jahrenach dessen Heimgang, geschrieben und nur dasjenige be-richtet hat, was ihm zuverlässige Zeitgenossen des seligenGrafen erzählt haben. Die fragliche Stelle in cap. VIder Vita ist schon frühzeitig mißverstanden und über-trieben dargestellt worden, wie namentlich von dem
2 °) Ein Cyclus von cultnrhistor. Bildern aus dem 13. Jahr-hundert. Stuttgart 1879, Cotta.
2 °) Tübingen bei Franz Fncö 1892.
--) Chronik Vita ä. p. 593.- I'er Vita II. p. 541/2.
Schweizer Gabriel Bucelin.^) Wäre Graf Albert wirklichein so scrupulöser Mann gewesen, wie er von Bucelinund Schmid dargestellt wird, so hätte er sich kaum zumNovizenmeister des Klosters geeigenschaftet und wäre vomAbte Poppo sicher niemals hiezu und zum Pfarrer undPrior bestellt worden.
„Sein Nachtlager soll er nach Schmid ^) nahe bei dkKlosterkirche an einem schmutzigen Platze aufgeschlagenhaben"; das Original aber bezw. die Originalabschriftund die Ausgaben von s. Emmeram und Oberaltaichsprechen in cap. VI nur davon, daß Albert wegen derhäufigen Nachtwachen seine Lagerstätte nicht mehr imDormitori 'nm (dem gemeinschaftlichen Schlafsaale) habenwollte, sondern neben der Kirche iu locv Leisteststumist ct äespeeto, um unbemerkt und ohne Störungder übrigen Conventualen zur Kirche gelangen zu können.Weder stuwists noch elespeetus kann und darf mitschmutzig übertragen werden, es gestattet eine solcheUebersetzung schon die unmittelbare Nähe der Kirche undder gewöhnliche Anstand nicht, auf welchen wohl auchder gräfliche Conventuale Anspruch machen konnte undAnspruch gemacht haben wird.
Prior Aemilian Hemmauer sagt in der ChronikSeite 551 über die fragliche Stelle der Vita: „Albertushabe wegen seines Eifers im Gebete nahe bei derSakristei-Thüre ein Cellulein für sich zu errichtenErlaubniß erbeten, damit er desto freieren Zugangin die Kirche, zum hochwürdigen Gute hatte, beiwelchem er sich mehr als in seiner Zelle aufgehalten."
Vollständig verschwiegen hat Dr. Schmidjene merkwürdige Stelle der Vita, in welcherder Mönch gewordene Edelmann als fleißigerund überaus scharfsinniger Verbesserer undErklärer dunkler Stellen der Oberaltaich-ischen Bücherei (Bibliothek) gerühmt wird.^°)„Von irdischen Gegenständen, sagt sein Biograph, besaßer nur Federn und einen Stift von Schmelzglasfarbewegen Besserung und Erklärung von Schriftwerken, woriner überaus scharfsinnig gewesen, wie aus mehreren Büchernunserer Kirche erhellt." Auf die Frage, warum er sichum Bücher von so geringem Werthe kümmere und sie soeifrig und mühesam verbessere und mit Glossen versehe,antwortete er^): „es wird die Zeit kommen, da dieseund andere kleine Werke unserer Kirche mit Vorliebewerden begehrt und verlangt werden."
Wir könnten noch manches Mißverständniß undmanche Unterlassungssünde anführen, wollen uns jedochmöglichst beschränken und unter Uebergehung der vielenwundersamen Vorkommnisse im Leben Adalberts und amGrabe desselben nur bemerken, daß unser Ocdensmanndem Lobe der Menschen sich stets zu entziehen wußte und
°°) Den. läßt den Grafen Albert et sexies septiesvssoll xinries in äie xeoeatilla oonke88ario per8aer am enteis in äetegers eonkessiouem. Vergl.Hcminanerö Chronik S. 198.
2") Vita. cap. VI OL.. x. 592; §. (ker) p. 542. Vroptererebras ergo vigilias leotulnin suum nou alias amplius inclormitorio babero volnit nisi prope Leelvsiam in looosoiiioet llumili st äespeeto, unäs silenter.. aä eocie-siaur ambularet.
2 °) Vita eap. VII Chronik xag 593. Xiliil terrenarnmrermn liabnit nisi pennas et eneaustnin prop teroorreetionew librornm et glossationem, in <zni-bus sndtiIissimus erat, nt in plnribus xatet Leelesiasnostrae libris. Pez liest inebanstnm l. o. x. 542.
^') l. e. Veniet tsmpus, «pro baee et alia lüeelesiaenostrae opusenla emn iliiigentia ampleetsntur.