als Wundertäter schon gar nicht betrachtet werden wollte,weßhalb sein Biograph viele der ihm erzählten Visionenund Wunder vorsichtig lieber mit Stillschweigen über-gehen, als in anmaßender Weise nacherzählen wollte??)
„Wunder zeigen den Heiligen an. sie machen ihnnicht." ??) Die Heiligen selbst wirken keine Wunder, dieKraft Gottes ist es, die in ihnen Wunder wirkt. Inunsern Tagen unterscheidet man zwischen eigentlichenWundern und wunderbaren Ereignissen viel genauer, alsdieses im hohen Mittelalter und noch im 14. Jahrhundertder Fall gewesen zu sein scheint,^) wir müssen deßhalbAlles, was in der Vita, cVItwrti hierüber vorkommt, demAutor selbst und seinen Gewährsmännern znr Verant-wortung überlassen, halten uns aber verpflichtet, überdie Entstehungszeit und den Autor der Vita nähereNachweise zu liefern, weil solches bisher unterlassenworden ist und die Zeitumstände und Zeitverhnltnissezur richtigen Erklärung eines Schriftstellers nicht ohneEinfluß sind.
Als Poppo 1282 Abt von Niederaltaich ge-worden und Abt Konrad II. mit dem Beinamen Piperam 24. oder 26. Juli 1297 gestorben war, wurde zueiner neuen Abtwahl geschritten. Albert, der damalsschon Prior war, sollte seine Stimme zuerst abgeben.Er that dieses aber nicht und antwortete auf Drängenund Beschwüren der Scrutatoren im Hinblick auf ein Ge-sicht, demzufolge die Patrone s. Peter, Paul und Benediktdie Kirche zu Oberaltaich verlassen hatten, in bewegterWeise Folgendes??): „Der Ort, über welchen GottesNathschluß ergangen ist, kann weder von einem Greise,noch von einem Jünglinge in lobenswerther Weiseregiert werden." Die Wahlleiter, welche über seine Ant-wort sehr erstaunt waren, verlangten hierauf von ihm nur dasEine, daß er seine Stimme demjenigen nicht vorenthalte,den die Gesammtheit gewählt habe. Wie richtig AlbertsWorte (Warnung) gewesen, fügt der Biograph bei, er-fahren wir in den täglichen Trübsalen seit mehrals 40 Jahren.??)
Die Abtwahl Konrads III. (1297-1311) fand inder zweiten Hälfte des Jahres 1297 statt; rechnet mannun die 40 Jahre der folgenden Trübsal zu diesem Jahrehinzu, so ergibt sich, daß Prior Albert die Vita, desseligen Grafen entweder noch im Jahre 1338 oder An-fang des Jahres 1339 vollendet hat, sohin noch unterKaiser Ludwig dem Bayer und gerade 100 Jahre nachAlberts Geburt.
2 ?) Vita eap. XVI pa§. 599 u. 600; Dos I. s. xa§. 546n. 547. Vir bsatus omuibus moäis bumauam tuZisbatlaustem... ljuouiam ipse dass (visioues st wiraeula) oeeul-tans supprimebat, D§o osusuitalia, guamvis vera ucmäubitom, potius saute rstiesrs guam prassum-tuoss rsoitars.
^) Vita cap> XVI I. o. Iliraeula sanetum uou laeinutsei ostsustuut.
Ein anderes sind Wunder, die ich mit eigenen Augenselie und selbst zu prüfen Gelegenheit habe; ein anderes sindWunder, von denen ich nur historisch weiß, daß sie anderewollen gesehen und geprüft haben. (Lessing über den Beweisdes Geistes und der Kraft 1777.)
^) Vita cap. XIV, Chronik I. o. S. 598; 4?ex I. o. pa§.545 n. 546.
?°) I. o. eap. XIV. (Zuain antsm dass 8na verba voratueriut, sxpsrti 8NMN3 plus guam XI, aunis stgnotistiauis tribnlationibno sxporimur. DieNltaich-Bogen-Melkcr Abschrift (bei Pez I. e.) hat ssxaZüuta(IX) auuis; es dürfte jedoch hier nur ein Schreibfehler vor-liegen. weil die DruckauSgabcn der Vira nach Heimnancr undPez übereinstimmend gnastraginta aunis ausweisen.
Ueber den neugewählten Abt Konrad 141. hat sichweder der Biograph Alberts, noch Hemmauer günstig ge-äußert. Der letztere sagt von ihm ??): „was von unseremOcmraäo, welcher OaxLlianus betitlet worden (warum?wird nirgends gefunden), zu halten, lassen wir williganderen auf der Waagschale der Vernunft zu erwägenüber, wir inzwischen halten unsere Meinung in susxsnso."Ob demnach den herzoglichen Hof zu Straubing , welchermit der Grafschaft Bogen 1242 die Vogtei über Ober-altaich geerbt hatte, politische oder vogteiliche Erwägungenveranlaßt haben, den Hofkaplan Konrad etwa gegenden Prior Albert von Hohenberg-Haigerloch zu protegiren,müssen wir in Ermanglung positiver Nachrichten dahin-gestellt sein lassen; gewiß dagegen ist es, daß dieVita, Hldsrti erst 40 Jahre nach der von den bayer-ischen Herzogen wahrscheinlich beeinflußten Wahl von1297 und 27—28 Jahre nach dem Ableben Albertsverfaßt und zunächst nicht von den Siebten Heinrich III. (1316—1330) oder Ulrich III. (1330—1338), sondernvon dem Benediktiner Gebhard zu s. Emmeram in Ne-gensburg veranlaßt worden ist.??) Mit Recht hat sichdeßhalb Prior Albert 1338/39 entschuldigt, daß er dieBiographie zu schreiben verschoben und bis jetzt verzögerthabe, weil er sich zur Abfassung derselben für unwürdigund ungeeignet gehalten habe??) „Ihr sollt aber wissen,fügt er seinem Briefe an Gebhard bei, daß ich denMann Gottes niemals gesehen, sondern dessen Leben ge-schrieben habe, wie ich es von meinen Aelteren (Mit-brüdern), seinen Zeitgenossen, vernommen, von HerrnHartwig nämlich, der mehr als 20 Jahre (sohin von1290—1311) sein Beichtvater gewesen??) von HerrnChuorad, genannt Cantor, und Herrn Ehunrad vonDingolfing, sowie von Herrn Bernhard (Pez Wernhard )mit dem Beinamen Gundakher und von anderen glaub-würdigen Personen, von denen viele noch am Leben sindund deren Namen ich nicht anzuführen brauche, da dieälteren Mitglieder eueres Klosters (s. Emmeram) unddes Klosters Niederaltaich , sowie der Klöster Neichenbachund Metten") und viele Bruder anderer Kirchen, auchMönche vom Prediger- und Minoriten-Orden seine Heilig-keit und sein bewundernswerthes Leben mit den Söhnenunserer Kirche gleichmäßig bezeugen und hoch in Ehre»halten."
Dreihundert und sechzig Jahre nach dem BiographenAlbert hat Prior ?. Matthäus Huefnagl von Oberaltaich in seinem Leben Alberti in deutscher Sprache den Beicht-vater Alberts, den 78jährigen ?. Hartwig, fürden Autor der lateinisch geschriebenen Vita
^) Chronik S. 189 u. 190. Von 118 Religiösen warenim Jahre 1300 die meisten von adeliger Abkunft. I. e. S. 54(meistens alle. sagt Hemmauer).
2 °) Vcrgl. Ipistola Llberti 1?riori8 Obsraltaebensis ackCsbliarstum Ooeuobitam lümmsramsussin äs Vita L. Ll-berti ssu Hstalberti. Chronik Hemmaucrs p. 585; De 2 1. o.p. 537 u. 538.
2 °) I e. Dis tnli ot usgus imno protraxi, iustiFuum msst minus icloneuw sousistsraus.
") I. o. gni ejus Oouksssor plus guam 20 auuis luit undProlog: Dominos autem Ilarluvious 8suioruostsr, virplusguam ssptuaZuuta auuorum ooto, gui L. H.4-berti Loulsssor plus guam 20 aunis luit, Ori-xinoin, Oouvsrsiousm st vitam eum pluribns mira-oulis Djus miiii listoliter suaravit, pstsus a ms^saopius, nt seksstnlis auuotarsm. Chronik x. 588;^Pez I. o. p. 533 u. 539.
") Beuediktiucrabteicn, beide 1803 aufgehoben, Metten vonKönig Ludwig I. 1830 als Priorat und 1840 als Abtei wiederins Leben gerufen.