Ausgabe 
(29.5.1896) 22
 
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Die substantielle Form mid der Begriff der Seelebei Aristoteles . Von Dr. E. Nolfcs. Padcrborn1896, Fcrd. Schöningh. 8". S. IV, 141.

P: Der als eifriger AristotclcS-Forschcr wobl bekanntc Ver-fasser schenkt nnS mit dem vorliegenden 3. ErgäuzungSheste desCcmmcr'schcn Jahrbuchs sür Philosophie und spekulative Theo-logie einen neuen wcrthvollcn Bci:rag zur Aristoteles -Literatur.Die Arbeit bildet eine Ergänzung zweier andern Abhandlungenüber Fragen der aristotelischen Psychologie; die eine über dieUnsterblichkeit der Seele bei Aristoteles (Commcr, Jahrbuch1894/95, Heft 2 und 3), die andere über die vorgebliche Prä-existenz des Geistes bei Aristoteles (Philos. Jahrbuch, Fulda 1895, Heft 1 und 3). In unserer Schrist handelt es sich umWisscnsgcgcnstände, welche unsere ganze Theilnahme in An-spruch nebmen. Die Vereinigung der Seele mit dem Leibe istein Problem, das von jeher die denkenden Geister wie kaumein zweites beschäftigt hat. Der Begriff der substantiellen Form,in welchen Aristoteles das Verhältnis der Seele zum Leibe fasst,führt seinerseits auf die fundamentalsten Fragen der Natur-philosophie. Für das Verständniß seines Scelenbegriffs weistnnS Aristoteles selbst auf seine Lehre von Materie und Form.Darum wird diese, oder vielmehr die Lehre von der snbstantialcnForm und die von der Materie nur soweit es das Verständnißder Form verlangt, im ersten Theil der Schrift erörtert.Zunächst kommt der Sinn und die Bedeutung, dann die Be-gründung der Lehre betreffs der unorganischen, wie der organ-ischen Wesen. In diesem Theile werden zu dem Ende über-setzt und erklärt das 1. Buch der Physik und der Ansangdes 2.. sowie die beiden Bücher vom Entstehen und Vergehen.Im zweiten Theile wird der Begriff der Seele nach den ibeiden ersten Kapiteln des 2. Buches von der Seele entwickelt >und begründet. Die Schwierigkeiten gegen den Formcharakterder menschlichen Seele werden im Sinne der Scholastiker undinsbesondere dcS bl. Tbomas von Aquin gelöst. Mit vollem !Rechte betont der Verfasser immer wieder, trotz aller etwaigen sphilologischen Mängcl, die h o he Phil os oph ische Bedeutungder Aristoteles -Commentare des Aguinateu. Auch auf unsererSeite verdienten sie noch weit mehr geschätzt und verwerthet zuwerden. Bei größerer Berücksichtigung dieser Leistungen wäresicher der Fleiß und Scharfsinn mancher neuerer Forscher zuweit reicheren Ergebnissen gelangt und manches Mißverstäudnißvermieden worden. Der Fluß der Darstellung gewinnt durchdie Verweisung der Anmerkungen an den Schluß dcS Heftes.Der Preis ist M. 3,20, für die Abonnenten des JahrbuchsM. 2,20.

6oät8 X. (o. ss. II.), Leopnli vivauti in xortraotanäagnaosttouo äs coiutitions ozMeum. 8° pp. IV -j- 336.Lruxellio, vsselös ob Vrcnnver. 1695. (II.)

S Dies Buch, in einem Zeitraum von wenigen Wochen be-reits in zweiter, bedeutend vermehrter und verbesserter Ausgabegedruckt, bandelt von denKlippen", die bei Erörterung dersocialen Frage unserer Tage zu vermeiden sind. Die höchstlehrreiche und praktische Schrift kann Jedem, der gezwungen ist,daS Getriebe des socialen Lebens in den Krciö seiner Studienoder seiner Thätigkeit zu ziehen, als ein unentbehrlicher undsicherer Führer auf so schlüpfrigem Boden dienen; sie ersetztgeradezu ganze Bibliotheken. Möchten sich die goldenen Wortedes Verfassers namentlich die jungen Theologen gehörig an-schauen, um sie vor der Gefahr zu bewahren, zu glauben, mankönne ausgerüstet mit flüchtigen socialen Studien und heiß-sporuigen Sermonen die ausgerenkten Thore zum Völkerglückwieder in die Angeln heben! Solche Mißgriffe, die nur zumSpott herausfordern, rächen sich bitter und bringen der eigenenSache den größten Schaden; ihnen soll das vorliegende Buchwirksam vorbeugen, indem cS vorzüglich die schöne und so weniggeübte Tugend der Prüfung und der weisen Mäßigung ein-dringlich aus Herz legt. Die päpstlichen Aktenstücke sind bisauf die neueste Zeit dem Werke zu Grunde gelegt und theit-weisc vollständig einverleibt. Der Stil des Buches weist einschlichtes, aber gutes, angenehm lesbares Latein auf. Dielateinische Sprache sollte Sprach- der Wissenschaft bleiben odervielmehr in ihr altes Recht wieder voll eingesetzt werden: hatsie ja doch die Feuerprobe bestanden; keine andere Spracheeignet sich dazu besser, und gerade dieseLeopnli" liefern denerneuten Beweis, daß selbst die modernsten Fragen in einem sehrgefälligen lateinischen Gewände geboten werden können, wasfreilich diejenigen in Abrede stellen, die selbst das Idiom nichtgenügend beherrschen und ihm darum so gern eine Unfähigkeit ,vorwerfen, die nur ihnen allein zur Last fällt. Der Verfasser der >

Soopuli" handhabt die lateinische Sprache mit größer Leichtig-keit und Gewandtheit und hat uns schon deswegen eine genuß-reiche Lektüre geboten. Die typographische Ausstattung des Buchesläßt nichts zu wünschen übrig. Möchten dieser neuen Auflagenoch weitere, immer aus dein Höhepunkt der Wissenschaft stehendefolgen und eifrige Leser finden l

Jahrbuch für Philosophie und spekulative Theo-logie. Herausgegeben unter Mitwirkung von Fach-gelehrten von Dr. Ernst Coinmcr, o. ö. Professor ander Universität BreSlau. Paderboru, Fcrd. Schöningh,1896. X. Jahrgang.

K Inhalt des 4. Heftes: I. Wege, Abwege, Irr-wege. Principielle Bemerkungen zur neuesten philosophicgeschicht-lichcn Lireratur. Von ? Thomas M. Wchofcr, Orä. Lraeii.,Dr. plstl., Professor am CoUegium 8. Thomas eis Urbs in Nom.

II. Bemerkungen zu dem Aufsätze von Professor vr. L.Schütz:Der hl. Thomas von Aguin und sein Verständniß dcSGriechischen." Von Dr. Eugen Nolfes, Ncctor in Frauenweiler.

III. Apologetische Tendenzen und Richtnngcn. 8.Dergöttliche Ursprung des Christenthums und der Evangelien. BonKanonikus vr. Mich. Gloßner in München , Mitglied der röm-ischen Akademie des heil. Thomas. IV. Zur mittelalter-lichen Coutrovcrse über die unbefleckte Empfäng-ni ß. Von l>r. Bernhard Dörbolt, Docent an der Akademiein Münster . V. Die Neu-Thomisten. 9. Das WissenGottes mit Bezug auf daS Zukünftige. Von k. Llas;. Tlrsol.Guudisalv Feldner, Orcl. krasä., Prior in Lcmberg. VI. P r o-babilistische Beweisführung. Von U. I. L. Jausen,6. 88. Reck., Professor in Wittem (Holland ). VII. Litcrar-ische Berichte. Vom Herausgeber. VIII. Zcitschriften-schau. IX. Neue Bücher und deren Besprechungen. MitteJuli beginnt der XI. Jahrgang; vierteljährlich ein Heft von8 Bogen. Der Preis des Jahrgangs 9 Mark. Abonnementsübernehmen alle Buchhandlungen.

Charitas. Zeitschrift für die Werke der Nächsten-liebe im katholischen Deutschland . Unter Mit-wirkung von Fachmännern herausgegeben vom CharitaS-Comits zu Freiburg im BrciSgau. Erster Jahrgang:1896. Erscheint 16 Seiten stark je am 1. des Monatsund kann durch die Post und den Buchhandel bezogenwerden. Abonnemcntspreis jährlich M. 3. Freiburg im Breisgau. Herdcr'sche VcrlagSbandlung.

Inhalt von Nr. 5: Armengesctz und christlich: Wohl-thätigkeit.Bilder aus der Hamburger Cbolcrazcit.Wohnungs-not!) und Vincentiusvercinc. Männer und Frauen derCharitas.(7. Msgr. Jos. Weis, ein wahrer Vater der Dienstmädchen.II. sSchluß.) 8. Maria Pelletier, Stickerin der Congregationvom guten Hirten. I.) Ueber Central-Heizuug für Kranken-häuser. Au die katholischen Frauen der Vincenz- und Elisabcthcn-vereine. Zum Kampf gegen den Alkohol. (1. Die katholischenBestrebungen.)Kleinere Mittheilungen, Fragckasten,Briefkasten.

Modern, wie daS Gelb der diesjährigen Sommer-toiletten. im freundlichen ginsicrfarbigen Umschlage, langt soebendas Juniheft derAlten und Neuen Welt" auf unsermRedactionstisch an. ES segelt unter guter Flagge. Ein herr-liches Bilvniß des Dichterfürsten Shakespeare zureden Umschlag.Außer dem Schluß des Romans von Josephs»- FlachAlSdie Rosen wieder blühten" sind an neuen Erzählungen darinenthalten:Vom Verlornen Bruder" von L. Martenscn undBriefe einer Emancipirten" von Reinsried. Der Urgewalt desechten, befreienden Humors und der ätzenden Satire in derReinfriedschen Humoreske wird sich kein Leser entziehen können.Dem Zeitereignis) der Zarenkrönung ist ein sehr frischer Artikelüber Moskau von N. Elsner gewidmet. Maximilian Schmidtgibt an der Hand reichen JllustrationSmatcrials eine ausge-zeichnete Schilderung der bayerischen Volkstrachten. Von derlieblichen Ophelia aus Shakespeares Hamlet handelt ein geist-voller, tiefempfundener Aussatz Fritz Lienhards. Zur Kenn-zeichnung der Reichhaltigkeit dcS HeftcS nennen wir noch dieAntsätze:Das Mahdireich im Sudan . Seine Entstehung undsein Fortbestand." Von Karl Muth .Die Darstellung derApostel in der christlichen Kunst." Von vr. Drcibach.Mäuse-ncster." Von E. Rüdiger.Die Erforschung des Himmels."Von K. M.Die Ausgewiesene." Ein Märchen von der Liebe.Von A. Bauer. Hierzu kommen ein Eommnnionlied mit Noten,die beliebte Frauen- u. Kiuderbcilage, die zeitgeschichtliche Rund-schau, eine Anzahl kleinerer Artikel, Gedichte und Mittheilungen.

Verantw. Redacteur) Ad. Haas in Augsburg. Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg .