Ausgabe 
(5.6.1896) 23
 
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Und ihres Jubels Schall tönt weit und weiter,DaS Ufer hallt davon, und rings im KreisErheben alle Völker siegesheiterSich zu der Gottesmutter Lob und Preis,

Vor allen Nom, wo schon der Kirche LeiterZum voraus seh erblüh'» des Sieges Reis,

Wo Pins schon das Wunder hat verkündet,

Das in derKriegesmächtigen" Hilfe gründet.

Seither nun ruhet vor des Halbmonds DräuenEuropa in des Friedens fich'rem Hort,

Es kann des heimischen Glaubens sich erfreuen.Soll mehr verkünden noch des Sängers Wort?Nein, Jungfrau, Deiner Hilfe Mäler reihenAllum sich durch die Welt wohl fort und fort,

Und eher wird das Erz wie Sand zerstieben,

Eh' Dir versagt die Christenheit ihr Lieben.

Auch jetzt erbau'n Dir fromme ChristenhändeEin Marwortempelhaus auf Patras ' Grund;

Dort sei Du Königin, und milde spendeVon Deiner Gnadenfülle Stund' um Stund';Begränzt mit Rosen schirme die Gelände,

Und Ruh' gebiete siegreich stets Dein Mund,

Wenn sturmgepeitscht die Mccreswogen schwellen:Du sprichst ein Wort, und stille ruh'n die Wellen!

Der Bilderzaulier und die modernen Zaubererin Frankreich .

Von Charles Saint-Paul.

(Fortsetzung.)

II. Die modernen Zauberer in Frankreich. *)

Die Pariser Gesellschaft für physiologische Psycho-logie beauftragte mit Fortsetzung der Studien über Hypno-ttsmus und verwandte Phänomene, die von der berühmtenLondoner Society for Psychical Research" eingeleitetwurden, eine Commission, die aus den Herren Sully-Prndhomme von der französischen Akademie, G. Ballet,Professor an der medizinischen Facultät in Paris , Beannis,Professor der Medizin in Nancy, Charles Nichet, Pro-fessor der Medizin in Paris, Oberstlieutenant Albert deRochas , Administrator der polytechnischen Schule, undMarillier, Professor an der Leola lsiraticfuo äss KautosLtuäes, bestand.

Von den Forschungen dieser Herren erregten nunbesonders die des Obersten de Rochas großes Aufsehen.Sie schienen in gewisser Hinsicht die Behauptungen desbekannten Experimentators Baron Neichcnbach bezüglicheines von ihm entdeckten verbindenden Fluidums, das erOd" nannte, zu bestätigen. Dieselben wurden bekannt-lich bisher vielfach bestritten.

Rochas bemerkte, wie er behauptet, daß Personenin der Hypnose die Berührungen der sie umgebendenLuft empfanden, wie wenn sie selbst berührt wordenwären.

Er nahm an, daß diese Beobachtung auf Aus-strahlungen eines flnidischen Stoffes während der Hyp-nose zurückzuführen wäre, und nannte diesen nach Neichen-bachOd".

') Zum Schlüsse des ersten Artikels ist noch folgende Notenachzutragen:Eine genauere Behandlung des Themas hatRochas in seiner Schrift »lUlünvoütemont- (Paris , Chamucl1895) geliefert. Die Experimente sind im Allgemeinen auch inder StudieAuslösung der Sensibilität und Bilderzauber" vonThomassin in den «Psychischen Studien" (Juli und AugustMS) besprochen.

Er will nun ferner entdeckt haben, daß diesesOd"von Flüssigkeiten nicht nur aufgehalten, sondern auchaufgesaugt werde. Wenn er z. B. ein Glas Wasser indie Nähe des Körpers der Versuchsperson hielt, so sbe-mcrkte dieselbe Berührungen der Luft hinter dem Glasenicht mehr, jedoch empfand sie jede Berührung desWassers. Je weiter man das Glas von der Versuchs-person entfernte, desto schwächer wurde die Empfindlich-keit seines Inhaltes. Die Berührung desselben empfanddie Hypnotisirte aber immer an der Körperstelle, die mitdem Orte, an welchem der Experimentator das Glas indas den Körper umgebende Fluidum gebracht hatte, ineiner Linie war.

Rochas erinnerte sich nun an die Berichte über denBilderzauber. Er machte, wie er behauptet, um sie zuprüfen, scherzweise eine Wachspuppe und hielt sie eineZeit lang in die Nähe der Hypnotisirten. Sodann stacher sie mit Nadeln. Und nun soll wirklich die Versuchs-person Schmerz gefühlt haben.

Er schnitt ihr ferner einmal während der HypnoseHaare ab und knetete dieselben in den Kopf der Wachs-figur ein. Einer der anwesenden Herren, Mitarbeiterder ZeitschriftKoZmos", verbarg letztere an einem Orte,wo weder Rochas noch die Versuchsperson sie sehen konnte.Diese wurde geweckt und unterhielt sich eine Zeit langmit den Anwesenden. Plötzlich griff sie an ihren Kopfund fragte, wer sie an den Haaren gezogen habe. Esstellte sich heraus, daß in demselben Momente die ver-borgene Puppe an den Haaren gezogen worden war.

Rochas machte sodann auch noch einen Versuch mitdem weichen Bromgelatineüberzng einer PhotographischenPlatte. Er hielt dieselbe in die Nähe der Hypnotisirten,brachte sie dann in den Apparat und nahm ein Bild auf.Seiner Behauptung zufolge empfand die Versuchsperson,falls dieses an irgend einem Punkte berührt wurde, aber-mals genau an dem diesem entsprechenden KörpertheileSchmerz. Dieses Experiment soll auch einige Tage spätermit dem gleichen Bilde gelungen sein. Einmal stachRochas heftig mit der Nadel in die rechte Hand deSBildes, worauf die Hypnotisirte laut aufschrie und, alssie erweckt wurde, sich auf ihrer Hand rothe Male zeigten.

Diese Experimente, die meist in Gegenwart einigerHerren von der polytechnischen Schule und einiger Ver-treter der Presse stattfanden, wurden selbstverständlichlebhaft erörtert. Man wußte nicht, wie man sich der-artige Behauptungen des bekannten Experimentators er-klären sollte.

In Brüssel wurden die Versuche von Herrn vonArsac wiederholt, der darüber im JournalParis-Bruxelles" berichtete. Dieser behauptete jedoch, ebensowie später ein Dr. Hart, dessen Experimente übrigens vonmehreren Psychologen als unwissenschaftlich bezeichnetwurden, 2) daß alles nur durch Suggestion zu erklärensei. Er habe gefunden, daß die Versuchsperson immernur dann Schmerz empfand, wenn der Hypnotiseur indas Bild stach. Wenn andere Personen die Versuchevornahmen, so war äußerst selten ein Erfolg zu ver-zeichnen, niemals aber, wenn dieselben die Nadel insBild einstachen, ohne dabei den Zweck, die Ucbertragungder Schmerzen, zu kennen.

Rochas erwiderte auf diese Behauptungen, es würde

-) Z. B. in einer Schrift: »vs l'Uxpßrimoneatiou äousI'Iktuäo äs l'II^Motiswo ä xrogos «los xrstsuäuss ex-Iwrieiiees äs oontrots üs Ll. Hark äs Lonärss- von GörardEneausse. >.' . . ' .