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durch solche Beobachtungen nur die Nothwendigkeit des„Rapportes", der psychomaguetischen Beziehung zwischenHypnotistrtem und Hypnotiseur, erwiesen, man könne darausaber keineswegs folgern, daß sie nur auf Suggestion oderGedankenübertragung zurückzuführen seien. Ihm selbstsei niemals ein Experiment der Gedankenübertragung ge-glückt. Die Versuchsperson habe nie wissen können, wo-hin er stach, und doch den Schmerz an der Körperstellegefühlt, die der Stelle des Bildes, in die gestochen wurde,entsprach.
Es ist im Allgemeinen zu dieser Frage zu bemerken,daß die Experimente des Obersten Rochas viele Aehnlich-keit mit denen haben, die Dr. Luys, Mitglied der fran-zösischen Akademie und Chef der Salpotriöre, sowie Dr.Garard Encausse, Chef des hypnotherapeutischen Labora-toriums der CharitZ anstellten?) Aus denselben könntedie Folgerung gezogen werden, daß eine magnetischeUebertragung nicht nur von Schmerzgefühlen, sondernauch von Ideen ohne Verbal- oder Mentalsuggestionmöglich ist.
So wurde z. B. von den genannten Experimentatoreneinem Hypnotisirten ein magnetisirter Eiscnreif auf denKopf gesetzt, den vorher ein an Verfolgungswahn Leidendergetragen hatte, was er nicht wußte.
Obwohl er nun bis zu diesem Augenblicke ganzglücklich und vernünftig zu sein schien, wurde er plötzlichtraurig und ängstlich und schrie, er werde verfolgt undgequält; kaum aber war ihm der Eiscnreif abgenommen,so wurde er wieder vollkommen ruhig.
In diesem Falle kann wohl keine Suggestion statt-gefunden haben. Es wird sich also eher durch eineKraft erklären lassen, die wir noch nicht genügend kennen.Bei Rochas' Experimenten nun ist allerdings die suggestiveBeeinflussung nicht ganz ausgeschlossen. Da aber dieSuggestion allein nicht zur Erklärung ausreichte, wieaus den Berichten ersichtlich ist/) war es für ihn nahe-liegend, die Verbindung durch die „psychomagnetische Kraft"anzunehmen?)
(Fortsetzung folgt.)
') l>u transksrt L ätstanes L l'aiäo äos oouronnssaimaiitees gar Oörarcl Lneausss. bw eoUaboratiou avev lsDr. IniZ's. ?aris, 1893.
Rochas will ferner noch beobachtet haben, baß nach demErwachen der Hypnotisirten auch meist das „sensible Ob" aus derFlüssigkeit oder aus dein Stoffe, von dein es aufgesogen war,entschwand. Einigemale soll es ihm allerdings gelungen sein,dasselbe längere Zeit hindurch aufzubewahren. So hatte er.wie er in seiner Schrift »I/blnvorrtsinsnt« (Paris, Chamuel)bemerkt, einmal eine starke Lösung von untcrschwefligsaurcmNatron „empfindlich gemacht", indem er sie in die Nähe derHand einer Hypnotisirten hielt. Diese wurde wieder geweckt.Kurze Zeit darauf machte sich ein Gehilfe, ohne ihr Wissen,daran, die Flüssigkeit zu krystallisiren. Kaum war dies ge-schehen, so zog sich der Arm der Versuchsperson zusammen, undsie erlitt heftige Schmerzen. Etwa zwöls Tage darauf nahmNochas die krystallisirtc Flüssigkeit wieder und stieß mit einemMesser in dieselbe. Die Frau, mit der er die früheren Ex-perimente vorgenommen hatte, befand sich im Nebenzimmer undunterhielt sich dort, ohne zu wissen, was geschah, mit einigenPersonen. Da schrie sie plötzlich laut auf und fiel in Ohn-nacht. sie sagte später, sie habe den Messerstich gefühlt, undbestimmte den Experimentator, das Experiment nie mehr zuwiederholen-
Baron Dr. du Prek, der bekannte deutsche Vorkämpferdes OccultismuS und Spiritismus bat in der Zeitschrift „Sphinx"(1893) eine längere Abhandlung über diese „PsychomagnetischeKraft" publizirt, in welcher er umfassendes Material ausder Geschichte des Hypnotismns und Magnetismus sammelte,um dieselbe nachzuweisen und ihre Eigenschaften genauer fest-zustellen.
St. Zenv.
(Schluß.)
In der That finden wir die Zenoburg alsResidenz der Landesfürsten urkundlich wiederholt be-glaubigt. Vorzüglich war es König Heinrich von Böhmen,der sie zu seinem Lieblingsaufenthalte machte. Zwei seinerKinder, Luiipold und Adelheid, fanden in der Kapelle1341—1359 ihr Begräbniß. Im Jahre 1347 wurdediese Burg von König Karl von Böhmen aus Rachegegen die Gräfin Margarethe Maultasch beranut undverbrannt; im Jahre 1486 aber die Ruine dem Bertholt»Feierabend mit der Verbindlichkeit, sie wieder aufzubauen,zum Lehen verliehen. Der Aufbau unterblieb, so daßvon der einst so berühmten Burg heute nichts mehr übrig,als die Thürme und Capelle. Zenoburgs Ruinen ge-hören derzeit der Familie von Braitenberg in Bozen,welche wenigstens die Kapelle vor gänzlichem Verfalle zubewahren sucht. Eingehend findet sich dieselbe beschriebenund abgebildet (Portale) bei Atz, Kunstgeschichte Tirols ,Bozen 1885, sowie in dessen „Kunstfreund von Tirol"8. Jahrgang 1892, Nr. 7 u. 8. a
Inwieweit eine andere uralte Schloßkapelle, nämlichSt. Zeno auf Reifeustein, beim Uebergcmge über denJaufen von Sterzing (dem römischen Vipitcnum) aus,oder das eine und andere St. Zcnno-Kirchlein im Vintsch-gau (Naturns , Burgcis, Täufers), ferner zu Servaus imOberinnthale zu St. Corbinian in Bezug steht, mag dahin-gestellt bleiben. Auffallend an diesen ist, daß sie zumeistan römischen Straßenzügen und ehemaligen römischenKastellen sich finden.
In Freising selbst sind noch heutigen Tages St. Zenonebst St. Valentin aus der Zeit Corbinians her Patronedes dortigen Domes. Gleich Corbinian ließ sich dessenzweiter Nachfolger auf dem bischöflichen Stuhle in Frcising,Josef (749 — 764), die Ausbreitung des St. Zeno-Cultesangelegen sein. Aus diesem Grunde — da über seineHerkunft nichts Näheres bekannt ist — wurde er hin undwieder für einen Veroneser oder Etschländer gehalten.Ihm verdankt die St. Zeno-Kirche in Jsen ihre Be-gründung und Ausstattung, in dieser seiner Lieblings-stiftung liegt er auch begraben. Ueber das seltsameromanische Portal mit seinen hochinteressanten Scnlpturenhat seinerzeit Dr. I. Sighart (Mittelalterliche Kunst inder Erzdiözese München -Frcising) eingehend berichtet.Das Tympauon zeigt Christum als Weltrichter mit auf-geschlagenem Buche in der Linken, unter seinen FüßenSchlange und Basilisk. DaS Münster selbst, in ver-kleinertem Maßstabe ein Nachbild des Domes zu Freising ,ist eine dreischiffige Pfeilerbasilika mit hochliegendem Chöreund drei Abfiden, einer Krypta, deren Gewölbe auf zwölfstumpfen Würfclsäulen ruhen. Um die Erbauung des-selben erwarb sich der zweite Augustiner-Chorherren -PropstUlrich (1180 bis circa 1210) unsterbliche Verdienste.Das Stift konnte noch vom 31. August bis 15. Sep-tember 1760 das tausendjährige Jubiläum seines Be-stehens feiern und bei diesem Anlasse auf gloriose Namensich berufen, die zum Stifte in innigster Beziehung ge-standen. So sollen hier nicht nur der spätere ErzbtschofArno von Salzburg und ebenso die aus Schwindkirchen gebürtigen Bischöfe von Vizenza Andreas (st circa 820)und Franko (st circa 848) ihre Bildung erhalten haben,sondern auch die heilige Chunigundis einige Zeit in Jsensich aufgehalten haben.
Unter den Pröpsten stiegen sechs (Gerald, Konrad II. ,Johann Grünwalder , SixtuS von Tannenberg, Leo Lösch