Ausgabe 
(5.6.1896) 23
 
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und Ludwig Josef von Weiden) zu Bischöfen von Freising empor; auch Kardinäle, wie Melchior Klesel und ErnstAlbert Graf von Harrach, hatten die Propstei Jsen inne.Unter dem Propste Damian Hugo Graf von Lehrbach(17931802) und dem Dechant Andreas Göttner wurdedas Collegiatstift Jsen, aus 9 Kanonikern bestehend, auf-gelöst, das Vermögen eingezogen, die Kirche zur Pfarr-kirche bestimmt. Ein herrlich gearbeiteter rothmarmornerTaufstein, eine reiche Anzahl alter Grabsteine, worunterbesonders der des Bischofes Josef, im Jahre 1473 durchden Decan Christian Stark gesetzt, sowie ein Oelberg sinddie einzigen Reliquien aus der Glanzzeit des Stiftes vonhohem künstlerischen Interesse, die sich erhalten haben.Vieles wurde bei der Säcularisation verschleudert, einsilbernes Standbild des Stiftspatrones St. Zeno kam erstvor Kurzem um hohen Preis in das Germanische Museum zu Nürnberg . Das ehrwürdigste und berühmteste, demhl. Zeno auf bayrischem Boden geweihte Baudenkmalindeß befindet sich zu Reichenhall .

Es verdankt sein Entstehen Kaiser Karl dem Großenund fand an Kaiser Friedrich Rothbart einen eifrigenGönner und Wohlthäter.

Gleich St. Corbinian war auch Kaiser Karl währendseines längeren Aufenthaltes in Südtirol und der Lom-bardei Zeuge des großen Ansehens und der innigen Ver-ehrung gewesen, die der Heilige in jenen Gegenden genoß.Bei seinem Kriegszuge durch das Rendenathal, aus demSulzberg kommend, hatte er nach Einnahme und Zer-störung einer Bergveste in Pelug bereits dem hl. Zenoein Gotteshaus gebaut. Nun verhalf er auch den Be-wohnern Neichenhalls zu einem solchen.

Während seines Aufenthaltes daselbst im Jahre 803fand wieder eine jener Ucberschwemmungen der Saale statt, unter denen die Stadt so häufig zu leiden hatte.Nun sollte durch Errichtung eines Tempels zu EhrenSt. Zenos, des bekannten Patrones in Wassernöthen,künftigen Gefahren vorgebeugt werden.

Im Jahre 1095 veranlaßte der Erzbischof Thiemovon Salzburg die Priester an dieser Kirche zu einem ge-meinschaftlichen Leben unter einem Vorstände. Sein Nach-folger, Erzbischof Konrad von Abcnsberg, ein großerEiferer für Klosterdisciplin, begründete sodann 1120das Augustiner-Chorherrenstift , welches bis zum Jahre1802 bestand. Lanzo wird als erster Propst genannt.

Aus jener Zeit stammt noch das gegenwärtig arglückenhafte, löwengeschmückte, romanische Portal, mit demBilde der Gottesmutter und zweier Bischöfe im Tym-panon. Beim großen Stadtbrande 1512 sank auch dasehrwürdige Münster von St. Zeno in Asche; aber derthatkräftige Propst Wolfgang Lueger (15151526) gingmuthig an den Wiederaufbau. Die noch gegenwärtigstehende 300 Fuß lange und 90 Fuß breite, 6000 Per-sonen fassende Kirche ist sein Werk. Anstatt der bis-herigen flachen Holzdecke erhielt dieselbe ein Gewölbe undM besondere Zierden die rothmarmorne Kanzel mit denSymbolen der vier Evangelisten, den Taufstein mit denMeliefbildern der 12 Apostel, sowie das herrliche gothischeMorgestühl von Eichenholz. Auch ließ er in der Vor-falle die zwei riesigen Steintafcln mit der Vatexunser--Md Decalog-Jnschrift herstellen.

Besondere Beachtung verdient der Kreuzgang vonSt. Zeno. Außer den zierlich gekuppelten Säulen mit.seltsam geformten Kapitalen enthält derselbe eine großeAnzahl hochinteressanter Grabsteine aus dem 13. und14- Jahrhundert und das Neliefhjld von Kaiser BgM-

rossa. Unter Propst Bernhard Elixhauser (1782 er-wählt) fand auch dieses allehrwürdige Stift 1802 seinegewaltsame Auflösung, doch wurde nach einigen Jahr-zehnten dem drohenden gänzlichen Verfalle der Stifts-gebäulichkeiten dadurch vorgebeugt, daß sie wieder ingeistliche Hände kamen, indem am 5. Juni 1853 dieenglischen Fräulein davon Besitz ergriffen. Mit großemKostenaufwande wurden die Bauschüden allenthalben, so-weit es noch möglich war, reparirt und auch das Gottes-haus einer Erneuerung unterzogen, so daß St. Zenonach wie vor seine Anziehungskraft ausübt, wenn auchvieles durch die Barbarei Anfang dieses Jahrhundertsunwiederbringlich verloren ist.

Beatus Adalbertus

ein Graf Zolle rn-Hohenberg-Haigerl och,Mönch, Priester und Prior in der nieder-bayerischen Benediktinerabtei Oberaltaich1261 1311von I. N. Seefried.

(Fortsetzung.)

Hl.

Graf Alberts Verehrung im Kloster Ober-altaich nach seinem Tode.

Dr. Schund in Tübingen hat die Verehrung, welcheder selige Graf Albert von Zollern-Haigerloch, den er denHeiligen mit Pez hat und als Sohn deS GrafenAlbert I. von Notenburg ausgegeben hat, in Oberaltaichgenossen, nicht weiter verfolgt,") weßhalb wir das Fehlendekurz nachtragen wollen.

Der im Jahre 1297 zum Abt von Oberaltaich ge-wählte Konrad III. war im Jahre 1311 nach seiner imgleichen Jahre erfolgten Resignation am 28. Dezembergestorben und vom Bischöfe Konrad zu NegensburgHeinrich II. , Propst zu Ninchnach und Profeß von Nieder-altaich, per Compromissum") an dessen Stelle zum Abternannt und am Feste des hl. Apostels Iambus (25.Juli) in Negensburg confirmirt und benedicirt w orden.

Als nun am 26. November 1311 Graf Albertheimgegangen war und die Brüder über den Ort seinerBeerdigung verschiedener Ansicht waren, hatte einer der-selben (Hartwig) eine Erscheinung, welche sagte, die Leichedes Seligen müsse neben dem Altare des heiligenBartholomäus auf der Südseite der Kirche be-erdigt werden, woselbst Gott zur Kundgabe seiner Heilig-keit vielfältig Wunder wirken werde.") Diese Angabeund Ansicht drang im Hinblick auf eine dem Abteselbst zu Theil gewordene Vision (Sonnenkugelerscheinungam Begräbnißplatze) durch und veranlaßte Heinrich II.,den seligen Albertus neben dem Bartholomüus-Altare, welcher auch hl. Kreuzaltar genanntwird, zu bestatten.")

") Geschichte der Grafen von Zvllern - Hohenbcrg S. 17und 327.

") Die Chronik bemerkt hiezu S. 194 u. 195. Ein ganzerConvent, in dessen Gewalt stand, sich einen Abt seines Ge-fallens zu wählen, übertrug diese Befngniß freiwillig demBischöfe Konrad von Lnppnrg durch ein öffentlich gefertigtesInstrument.

Vita cap. XXII. ubi Daus all llsclaranllam osusoanetitatsm mnttixliearo vult, llsvots xetentibus wirasuta,quae vivens et Immanam tauäem kuA'iens xauea kscit-

") Vita i. o. Lbbas praelliotas <Io 8ols Visiouis msmor,»exslivit Luw in merillionali laters üeelssias juxta Lltars8. Lartb olowaoi, quoll st 8. Oruois llidtur.