Ausgabe 
(5.6.1896) 23
 
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seligen Vaters Albert in das neue Grabmalin Anspruch genommen, welche auf den 25. Juli(Jakobi) angesetzt war und von dem Fürstbischof Albert IV. ,einem Freiherr« von Törring, und dem Weihbischofe OttoHeinrich vorgenommen worden ist. Der erlauchte Fürst-bischof verfügte sich unter Assistenz des Klerus an denAufbewahrungsort, wo die Reliquien des seligen Mannes3 Jahre geruht, entnahm sie dem alten, hölzernen Sargeund legte dieselben in einen andern, mit Zinn über-zogenen ehernen Sarg ehrerbietigst hinein unter Beigabeeiner Schrift, welche der Nachwelt die That- und Zeit-umstände verkünden sollte. Hierauf erfolgte die Pro-zession, und darnach legte der Fürstbischof unter Beihilfezweier Prälaten die verehrungswürdigen Reliquien desseligen Albertus eigenhändig i» das marmorne Grab-mal. . . .

Der damals regierende Abt Vitus (Föser vonKirchenlaibach bei Bayreuth , 1614 1634) war jedochauch damit noch nicht zufrieden. Er gab Befehl, diebeiden Erhebungs- und Uebertragungsaktein ein authentisches Codizill einzutragen und schickte dasrechtmäßig vollzogene Codizill nebst Anderem, was zurBetreibung der Seligsprechung diensam war, an denKirchenfürsten zur Absendung nach Rom. Aber ach!Als die Sache, schreibt Hemmauer, am Listigsten be-trieben wurde, hat leider! nicht nur die Niemand ver-schonende Parce dem Hochwürdigsten Fürsten und BischöfenAlberto die Lebeus-Gespunst verkürzet, sondern auch dieschwedische Bellona diesem hl. Werk den Faden dermassenabgeschnitten, daß er seither nicht mehr angeknüpfetworden.^)

Drei Jahre nachher (1633) war die Abtei in dieHände der Truppen Bernhards von Weimar gefallen.Nach der Ermordung des Friedländers jedoch (am Sams-tag den 26. Februar 1634) wurde der Feind am 21.März aus der Stadt Cham vertrieben, Deggendorf am 21. März und Straubing am 1. April wiedererobert?^) In Oberaltaich befanden sich noch 30 Sol-daten, von Herrn von Lichtenau, dem obersten Befehls-haber der Sneter'schen Legion, zur Bewachung desselbenbestimmt. Ueber die Gräuel der damaligen Verwüstungenthält der Bericht des k. Ambras unter AnderemFolgendes:

In unserer prachtvollen Kirche, die der Befehls-haber dieser Schweine, nicht Menschen, mit vieler Müheerhalten hat, man sagt, er sei Katholik gewesen, warenalle Altäre (25) verwüstet, erbrochen und die Reliquiender Heiligen weggeworfen, doch wurden sie von Anderngesammelt und wieder gebracht. Das Grab des seligenAlbert wurde geöffnet, die Gebeine zerstreut^,

°°) Chronik S. 584. Lb, nt (xrö äoior!) änm ros intermento 6556t, 6666! Inotno5o krcto Llai'3 6t Llor 8 II-In8tri88imi krinotxio taw bont Operis LInw oxeicwre.I. o. S. 580.

°°) B. d. h. V. f. N-ederbaycrn 22. Bd. S. 51 nach AbtVituS Höser. 2 Foliobändc Mannscripte desselben bewahrtdie k. Hof- und Staatsbibliothek in München . Ooä. bav. 325u. 326. I. o. S. 6 A. 1 nach StadlbaurDie letzten AebtedeS Klosters Oberaltaich".

I. o. S. 51 u. 52. Die jetzige Bemalnng der Wändeand Gewölbedeckcn criolgts 100 Jahre nach der Erbauung derKirwe unter Abt Doininikns II. (I. Bapt. Jgn. Pergcr vonMünchen ) zum 1000jährigen Gründungsfeste des Klosters 1731.Es sollte die Geschichte des Klosters und die Glorie des Bcne-diktinerordcns dargestellt werden (I. o. S. 76) nebst anderensinnreichen Concepten RovoroncliWimo äiotanto Dominica II.(Hemmauer S. 433). Künstler Josef Anton Mcrtz zu Ober-dorf in Schwaben und setz» Bruder Andreas Mcrtz in Cham .

und wir erhielten sie wieder, weil ein gottes-fürchtiger Soldat, was zu verwundern ist,sie gesammelt hat."

Noch ärger ging es auf dem Bogenberge zu. Dortblieb nichts von Holz in der ganzen Kirche unversehrt,nicht einmal die Stühle wurden geschont; Orgel undOratorium mußten das Feuer nähren. . . DaS Bild derseligsten Jungfrau wurde aufgefunden über den Berghinabgeworfen; k. Ambras fand den Rumpf am Berges-abhange, den Kopf Herr Pfarrer k. Hieronymus.

Zum letzienmale eröffnet wurde das Grab Adalberts(Werts), welches sich nunmehr auf der nördlichenSeite der Kirche vor dem Altare des hl. Josesbefindet, den 1. Mai aimv 1696. Hemmauer berichtethierüber (Chronik S. 584), wie folgt: Bei der Bene-diktion und Jnfulation des AbteS Benedikt II. vonAlberto Erucsto, Bischöfen zu Laodicea , Weihbischof zuRegensburg , des hl. römischen Reichs Grafen von Warten-berg rc., ist das Grab Adalberts wiederum eröffnet unddarin die Bestätigung der letzten Translation in denWorten ausgedrückt gefunden worden:

Laoras O. LIKerti Dxuvias trunsl8.ia.s sunt inIioo novuur muimorsum Oomlitorimn <") (Oun-ciitorium bei Hemmauer) sud HMads Vita annoOowiui ssl.OO.xxx. xxv, llulij.

(Die hl. Reliquien deS seligen Albertus sind indieses neue marmorcne Grabmal unter Abt Vitus im Jahre des Herrn 1630 am 25. Juli über-tragen worden.)

Das Haupt des Seligen, welches von den Kloster-frauen in Straubing schon 1627 mit schöner Stückarbeitgeschmückt worden war, wurde auf einem Postamenteaus Messing beim feierlichen Hochamte am 25. Julijeden Jahres bis zur Säcularisation des Klosters (1803)öffentlich ausgestellt, nachdem Weihbischof Graf von Warten-berg solches gestattet, die hl. Messe äs soäsm Osutollustuo ut kulina, hinfort zu lesen, auch das Olorig.in sxsslsis Oso st irr tsrra. xax stowinibns solsiriritsrsammt dem Orsclo zu singen erlaubt hattet)

Nach der Aufhebung des Klosters wurde AdalbertsHaupt nicht mehr ausgestellt, es stand ganz unbeachtetund vergessen in einem alten Paramentenschranke in derEmporkirche, bis Herr Pfarrer Franz Xaver Leonhard ,Oukcl des derzeitigen Herrn Dekan Leonhard in Deggen-dorf , 1873 hiefür ein eigenes verschließbares Kästchenanfertigen ließ. Dasselbe ist jetzt noch in der oberenöstlichen runden Kapelle, dem früheren Chor, auf-bewahrt.^)

Wir sehen aus dieser kurzen Darstellung der Schritte,welche zur Erreichung der Seligsprechung deS verehrtenOrdensmannes unternommen worden sind, daß sie nichtzum Ziele d. h. zur öffentlichen AnerkennungAdalberts als seligen Diener Gottes geführthaben, deßungeachtet hat man sowohl in Oberaltaich

°') Matth. Hnefnagl Vita 8. Liberi! S. 89; OanäitorinmLei Hcmmciucr Chronik S. 594. Der Joseis-Altar bat diesenNamen nach Mittheilung des Herrn Lehrers Kajetan Schwert!erst in der neueren Zeit erhalten, wie ick nach der Beschreibungvermuthe an Stelle -Lalvaiorie wuruli oder clomiui uosirill65u 6bristi-.

°2) HemmanerS Chronik 1. o. S. 584. Noch kostbarer ge-faßt wurde Adalberts Haupt von den Ursulinerinncn in Strau-bing 1725. (Chronik S. 431.)

Nach einem Bricse des Herrn Lehrers Kajetan Schwert!vom 20. Dezbr. 1895. Leonhard kam am 15. April 1875 alsSLloßgcistlicher nach Vagen, wo er 1876 starb und dort be-graben liegt.