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nehmende Studie mit dem Titel „I-'Lnvoütswsnt", inwelcher er bestätigend mittheilte, Huysmans , sein und desVerstorbenen Freund, habe ihm Folgendes gesagt: Essei nicht zu bestreiten, daß Gua'üa und sogar Sär Psladan(der katholische Rosenkreuzcrfürst, der alljährlich durchseine „Osstss Lstlisticsusg" in Paris Aufsehen zu er-regen sucht) täglich schwarze Magie trieben. Der armeBoullan sei beständig mit den bösen Geistern, die sie ihmsandten, im Streite gewesen. Zwei Jahre hindurch hättensie ihm solche von Paris nach Lyon gesandt, (!) und seinerAnsicht nach könnte ganz wohl auch der Abbe einer Be-zauberung erlegen sein. „Ich bin sicher", soll Huysmans weiter bemerkt haben, daß Psladan und Gua'üa allesgethan haben, was sie thun konnten, um mir zu schaden.Sehen Sie, jeden Abend, wenn ich einschlafen will, er-halte ich Schläge auf den Schädel und ins Gesicht, von
— wie sage ich doch — fluidischen Fäusten! Ich könnteglauben, daß es subjektive Gefühlshallucinationen seien,durch allzugroße Sensibilität meines Nervensystems ver-anlaßt. Jedoch bin ich geneigt, anzunehmen, daß es sichthatsächlich um Magie handelt. Zum Beweise sage ichIhnen, daß meine Katze, die gewiß keine Hallucinirte ist, (!)ebenfalls zu gleicher Zeit, wie ich, Schläge auf den Kopferhält. Und es ist für mich gewiß, daß Madame Thibaut,eine würdige Frau, die ich bei Abbs Boullan kennen lernte,mich bereits einmal von diesem Maleficium geheilt hat.Seit unser Freund gestorben ist, fühle ich jeden Abenddoppelte Schläge."
Dieser humoristisch anregende Bericht wurde aller-dings — zum tiefen Bedauern deS Berichterstatters vom„Figaro" theilweise wieder dementirt.
Die Behauptung jedoch, daß Boullan durch Bilder-zauber getödtet worden sei, wurde noch längere Zeit, be-sonders von Jules Bois, aufrecht erhalten.
Gua'üa nun verwahrte sich entschieden in einemBriefe an den Redacteur der „Gil Blas" gegen denVorwurf, Leute schwarzmagisch umgebracht zu haben.Wir glauben denselben zur Kennzeichnung der Eigenartmoderner französischer Occultisten mit einigen Kürzungenhier wiedergeben zu sollen.
Herr Redacteur des „Gil Blas"!
„Seit einigen Tagen verbreitet die Presse gegen mich gewisselächerliche Angriffe, die wahrlicb entehrender für die Böswilligenoder Naiven sind, welche diese Ente brachten, als für mich.
Jeder weiß, daß ich mich der häßlichsten Zauberei ergebe,
— daß ich an der Spitze eines Kollegiums von Roscnkreuzernbin, welche für den Satanismns glühende Begeisterung hegenund ihre freie Zeit der Beschwörung des Geistes der Finsternißgewidmet haben, — daß diejenigen, welche uns unbequem sind,einer nach dem andern unsern Zaubereien zum Opfer fallen,
— daß ich persönlich einigen meiner Feinde aus Entfernungzauberisch Schaden zugefügt habe und daß diese dann gestorbensind, indem sie mich als ihren Mörder bezeichneten (im klebrigenwisse jeder, daß seit den neueren Forschungen der DoktorenLnhs und Cbarcot und besonders des gelehrten Obersten deRochaS die Bezauberung aus der Ferne von der akademischenWissenschaft nicht mehr bcstritten werde).
Das ist nicht alles! Ich mische die schärfsten Gifte mitinfernalischer Kunst, das werde allgemein zugegeben; ich verbreitesie mit besonderem Glücke, um aus Hunderte von Meilen Ent-fernung den toxischen Dunst gegen die Nasen derjenigen, derenGesicht mir mißfällt, anwehen zu lassen.
Ich spiele den Gilles de Raiz (Marschall zur Zeit derJungfrau von Orleans, dem man als Tenfelsbündner denProceß machte) an der Schwelle des 20. Jahrhunderts; ichunterhalte, wie Pipelet mit Cabrion, freundschaftliche Beziehungenmit dem furchtbaren Docre, dem Kanonikus im Romane desHerrn HuysmanS . Sodann halte ich in einer Schachtel einenSpiritus tamiliaris gefangen, der aus derselben auf mein Gc-Wb sichtbar herauskommt,
Ist das genug? — Nein. Alle diese schönen Belehrungensind nur ein Vorwort. Die Sache, zu der man kommen will,ist die, daß der ExabbS Boullan, dieser Thaumaturg von Lyon ,dessen kürzlicher Tod einiges Aufsehen erregte, — nur meineninfamen Zaubereien erlegen ist, den vereinten Anstrengungenmeiner Persönlichkeit und meiner schwarzen Complicen, derBrüder Rosenkrcuzer.
Man geht sogar so weit, zu bemerken, daß es gut wäre,weitere Nachforschungen zu veranlassen, nachdem gewisse Briefedes früheren Mönches, die mit Zustimmung deS Herrn I. K.Huysmans, an den sie gerichtet waren, publicirt wurden, michpositiv als den Magier anschuldigen, welcher die Krankheit ver-ursachte, die dem Cultus vom Berge Carmel in Lyon seinenobersten Priester und der Welt der Dämonischen ihren Königder Exorcisten raubte. Man könnte wohl auch bemerken, daßHerr Boullan seit langer Zeit an einer Affection des Herzensund der Leber litt. Dieselbe hatte ihren natürlichen Verlauf,nahm zu und nahm ab. Bei jeder neuen Krisis jedoch schrieunser Obcrpriester, er sei von neuem bezaubert worden.
Herr Boullan ist todt: Friede seiner Asche! Ich habeanderswo erklärt, was ich bezüglich unserer Beziehungen undder Vorkommnisse, die ihnen folgten, sagen zu müssen glaubte.Ich habe die Wahrheit berichtet und werde nichts hinzufügen.Die, welche genauere Aufschlüsse und authentische Documentewollen, brauchen nur in meinem Werke »Iw Sergent äs Is,Ksnsss« (I. Tom. üs Tsmpts äs Latau, p»A. 423—500) die72 Seiten durchzusehen, die betitelt sind: -Im 6arms! äLuZönsViutras st 1s §rrmä kontiks rwtust äs la ssets.«
(Fortsetzung folgt.)
Veatus Adalbertus
ein Graf Z o llern -H o h en b er g-Haigerloch,Mönch, Priester und Prior in der nieder-bayerischen Venediktinerabtei Oberaltaich1261 — 1311von I. N. Seefried.
(Schluß.)
IV.
Die Vits, ^.Ibort! in genealogischer und dy-nastischer Beleuchtung.
Auffallend immerhin, aber sehr wohl erklärlich ist eS,daß wir in der Vita, iläMsrti von den Eltern desselbengar nichts erfahren. Die Biographie schweigt sich hier-über vollständig aus. Sehr wahrscheinlich hat Adalbertüber Eltern und Verwandtschaft absichtlich das tiefsteStillschweigen beobachtet. Er hatte Eltern und Erzieher(Lehrmeister) durch Ungehorsam und wüstes jugendlichesTreiben auf's tiefste verletzt; <") daß aber die Eltern ausGram hierüber schon zur Zeit des Eintritts AdalbertSin den Benediktineroden gestorben waren, darüber enthältdie Vita, keine Silbe. Spätere Kommentatoren, unterihnen Hemmauer/°) haben den frühzeitigen Tod derEltern vermuthet und in die Vita hineincommentirt;aus der Vita heraus läßt sich das Ableben derselbenvor oder bald nach 1261 nicht entnehmen.
Die Annahme Schunds,'") daß Adalbert 12 2 9 ge-boren worden und 1251 in das Kloster Oberaltaicheingetreten sei, ist unrichtig; unrichtig und falsch sinddemnach auch alle Folgerungen, die hieran geknüpft werden,insbesondere jene, Albert der Heilige sei als Sohn demGrafen Albert I. von Notenburg anzureihen und höchstwahrscheinlich zuzusprechen.
Adalbert I., Graf von Hohenberg (1207—1231), derBruder Burkards II. (1207—1225), war nach Schund
<w) LlaZsistrornm st üarsntum oorreptiouss ju-venili lrweiviL iustiAutus skkuKit st oum svurris morsva§1 nliquumäin onourrit, tu guoruw seslsribusuulti ssermäns Imberi voluit.r°) Chronik S. 542.
") Geschichte der Grafen von Zeltern-Hohenberg 1662Seite 17.