191
berg und Rotweil gelungen, die Eintracht zwischen GrafAlbert und den Grafen von Zollern wieder herzustellen.
Auffallend ist es, daß für die gräfliche FamilieZollern-Hohenberg der Benediktiner -Prior Adalbert exnlgeblieben ist. Weder Albert, Rudolfs Sohn, welcherBischof von Freising (1349 —1359) geworden war,^)noch spätere Mitglieder dieses seit seiner Verbindung mitRudolf von Habsburg illustren Hauses scheinen sich umdie Beatifikation ihres Stammesgliedes gekümmert zuhaben. Deßungeachtet hat an der Zoller'schen Abkunftdes seligen Adalbert bisher Niemand gezweifelt. SeinAngedenken haben die Besten der Söhne des hl. Benediktin Oberaltaich hoch gefeiert und in Ehren gehalten, undwird dasselbe in Bayern (Adalbert ist ja durch Naturali-sation Bayer geworden) gesegnet bleiben, solange dieKirche zu s. Peter in Oberaltaich an den Bestand desalten, berühmten Klosters erinnert.
Dieses Kloster ist schon zweimal, ja dreimal ver-lassen bezw. zerstört worden, es wurde aber immer wiederHergestellt. Das erstemal vom Abte Pirminius unter demAgilolfinger-Herzoge Hugbert (nicht Odilo ) 731, daszweitemal von den überaus mächtigen Grafen von Bogens)zunächst von Iriäarions aävooatno aeolasias klatrs-bvQMsig. Dieser Friedrich war seinem Wappen zufolgeein Graf von Vormbach (Lambach-Wels-Vormbach), undHie Vögte der bischöflichen Kirche von Bamberg ,die Ahnen der Grafen von Abenberg , scheinen seitLhiemo I. der nämlichen Abstammung gewesen zu sein,wie wir anderwärts bereits angemerkt habend) In dieserRichtung muß weiter geforscht werden, und wäre nur zuwünschen, daß in Bayern wieder Genealogen auftreten,wie wir sie an Moritz zu Ensdorf (WittelsbacherStiftung) und an ?. Hermann Sch ollin er von Ober-altaich,°°) dem Akademiker und Redacteur der Non. Loiaa,gehabt haben vor und zur Zeit der Klosteraufhebung des19. Jahrhunderts. Auf Aventin, welcher nach seinemKalender am 30. Juni und 5. Oktober 1517 in Ober-altaich gewesen ist, und auf Bayerns alte Grafschaftendes Ritters Karl Heinrich v.,Lang kann man sich nichtverlassen.
Wie wir gesehen haben, war der selige Prior Adal-bert von Oberaltaich ein Geschwisterkind der Gräfin Gertrudvon Hohenberg, der Gemahlin Kaiser Rudolfs von Habs-burg , mit welcher dieser jene Mechtilde erzeugte, welchedie dritte Gemahlin des Bayernherzogs Ludwig desStrengen und die Mutter des Pfalzgrafen Rudolf, desStammvaters des regierenden Hauses Wiitelsbach, unddes Kaisers Ludwig des Bayers geworden ist.
Wenn unsere Aufgabe hier nur eine beschränkte war,fo glauben wir doch die Erinnerung an eine berühmteCulturstätte Bayerns geweckt und an dem Benediktiner -Prior Adalbert, welcher als Muster eines Ordensmannes
°2) Ll. 6. 88. XVII, 305. ämts nativitatem vomini rsxKuäoltus venit. vodinberZ st Lotwils. Idiäsm kestumvats.1so8l6bra.vit. OomitsmL.1b6rtnmeteowitssäs 2o11srs rssovoiliavit.
Llsivlislbsek Historik vrisinA. tom. II x. 151. SchmidI. o. S. 205-224.
Ueber die Grafen von Bogen ist zu vergleichen v. Bcne-dikt Braunmüller (jetzt Abt in Metten ) 17. Jahrb. d. hist.B. sich Niedcrbayern S. 144 u. 18. Bd. S. 87.
°°) Siehe 54. Bericht d. hist. Ver. zu Bamberg 1892 „dieGrafen von Bergthcim" Beil. II, 3 A. 1.
°°) Scholliner, geb. 1722 zu Altomünster (Aichach ), legte1733 zu Oberaltaich Profcß ab, wurde 1745 Doktor der Theo-logie, 1772 Prior und Vicar auf dem Bogenberge. Derselbelehrte seit 1773 Dogmatik an der Universität Jngvlstadt undstarb 1795.
in Armuth, Entsagung und Gehorsam gelten kann undauch als Kritiker Anerkennung gefunden hat?') gezeigtzu haben, wie die genealogische Darstellung in derSchmid'schen I. Stammtafel der Zollern-Hohenberg ausder Vita lläalbarti theilweise berichtigt werden kann"»)und berichtigt werden muß.
Berichtigung.
In Beilage Nr. 23 ist bei BeatuS AdalbcrtuS Seite 180Zeile 3 nach Pez das Wort „hat" zu streichen und dafürdas ausgelassene „genannt" zu setzen.
Münchner anthropologische Gesellschaft.
Freitag den 29. Mai 1896. Der Vorsitzende Professorvr. I. Ranke gibt die Einladung der Nürnberger naiur-bistorischen Gesellschaft zum Besuch ihrer prähistorischen Aus-stellung bekannt und knüpft daran die Hoffnung, daß möglichstviele Mitglieder dieser Einladung Folge leisten möchten. Hieraufwird der bisherige Ausschuß per Acclamation wiedergewählt.Das Wort erhält hierauf Pros. vr. E. Selenka zu seinem Vor-trage: „Die Sprache des menschlichen Angesichts." Nicht ausder Form, nicht aus dem Schnitt des Gesichts können wir ausdie Seelcnstimmung und Gemüthsbewegungen schließen. DieNassen- und Nationaliypen sind verschieden, die Mimik aber istbei allen Völkern gleich. Von den vier Arten, um anderenetwas mitzutheilen: Tastsprache, Geberdensprache. Lantfpracheund Mimik, soll die letztere behandelt werden. Die Gesichts-zügc werden durch den Zug von Muskeln verändert, wodurchHautfalten entstehen. Wird der Mensch durch Bilder über-rascht oder ist er besonders aufmerksam auf etwas, so werdendie Augen weit geöffnet, die Stirn in horizontale Falten ge-legt; dazu kommt oft noch der offenstehende Mund, weil manin der Uebcrraschung vergißt, den Mund zu schließen, wie essich ziemlich drastisch bei Untersuchungen von Kindern beobachtenläßt. Die Mimik ist dieselbe, ob Sinneseindrücke oder seelischeErregungen dieselbe bedingen. Wir mimen in derselben Weise,ob uns liebliche, süße Gedanken beschäftigen, oder ob wir etwasSüßeS genießen, ähnlich wie wir abstrakte Begriffe aus demSinnlichwahrnchmbarcn hernehmen, weil alle unsere Vorstell-ungen von uns vergegenständlicht werden. Die Mimik hat denZweck, die Vorstellungen intensiver zu machen (adjutorischeZüge). Wir mimen aber auch, um uns gegenseitig zu ver-ständigen (demonstrative Züge). Die Angesichtssprache ist wort-ärmer als die Lantsprachc; während aber letztere erfunden ist,ist erstere in der natürlichen sinnlichen Mimik gegeben. DieMimik ist die einzig natürliche Sprache. Sie ist aber auch vielaufrichtiger, weil wir, gute Schauspieler ausgenommen, nichtselbst controliren können. Zu den schon erwähnten horizontalenStirnfalten kommen senkrechte durch Zusammenziehen dcrBraucn-muskeln, sie entstehen bei dem Bestreben, daö Licht abzublenden;zugleich wird die Lidspalte verengert, es entstehen im äußerenAugenwinkel die sog. Gänsefüßchen, die Oberlippe wird paisivgehoben, die Zähne kommen zum Vorschein. Es zeigt dieseGrimasse Unbehagen an, es ist der verdrossene Zug. DerVortragende skizzirt dann noch die Mimik der MundmnSkulatnr.Bei süßen Empfindungen preßt man die Lippen leicht auf-einander, bei bittern zieht man Oberlippe und Nase etwas indie Höhe; will man etwas prüfen, so schiebt man die ganzeLippenpartie vor. Beim bissigen Zug pressen wir die Zähneund Lippen aufeinander. Die gleichen Züge treten bei ent-sprechenden Gemüthsbewegungen auf. Es ist nicht möglich indem kurzen Rahmen eines Referats die vielen interessanten undgeistreichen Details zu bringen, die durch eine Menge von Ab-bildungen trefflich illustrirt wurden. Zum Schlüsse wies derVortragende noch aus den Vergleich mit außereuropäischenVölkern und Affen bin. Bei allen Menschen zeigt sich dieselbeMimik. Wie die Affen keine Lautsprache haben, so haben sieauch keine Angesichtssprache. Erst mit der Begrisfsbildung kannder Wunsch entstehen, sich gegenseitig durch mimische Züge ver-ständlich zu machen. Die derben GesichtSmuskcln der Affenhaben sich daher auch nicht feiner differentirt. An der Diskussionbetheiligten sich Oberstabsarzt I. Cl. Segge! und Selenka. Nach-dem der Vorsitzende dem Vortragenden gedankt hatte, erhieltdas Wort Pros. vr. Kühn zu einigen Mittheilungen über dieFakire in Budapest. Nach den vorliegenden Mittheilungen des
") Vergl. Anm. 30 oben!
°°) Siehe Beilage 1 des Separatabdruckö.