Ausgabe 
(10.7.1896) 28
 
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an heidnischen Opserfesten bestraft und vollständig auf-gerieben? Da es thöricht von Maximian gewesen wäre,eine ganze Legion, mochte sie auch nur 1000 Mannzählen, zu vernichten, so ließ er die christlichen Ober-offiziere hinrichten und vielleicht auch die Legion deci-miren; dann löste er sie auf und steckte die Soldatenin größeren und kleineren Abtheilungen in andere Le-gionen und Garnisonen (S. 62).

Aber für diese Annahme Bergs fehlen in dem Be-richte des Eucherius jegliche Stützpunkte; die Glaub-würdigkeit dieser ältesten Passion des hl. Mauritius undseiner Genossen schmilzt auf ein Minimum herab. DaSErcigniß selbst wird auf den 22. September 302 ver-legt (S. 68).

Ueberblicken wir noch einmal die kirchengeschichtlicheStudie des Oberpfarrers von Pyritz über den hl. Mau-ritius und die thebäische Legion , so müssen wir sagen:der Arbeit fehlt die logische Aneinanderreihung der ein-schlägigen Materien. All die Fragen nach S. 46 überdie Existenz einer christlichen Legion aus Thebüern zu-sammengesetzt, über die Ursache der Decimirung undschließlichen Vernichtung derselben, über die Zeit diesesVorkommnisses hätten schon im Anschlüsse an die Unter-suchungen über die Legionsverhältnisse zur Zeit des KaisersDiokletian (S. 26), über den Bagaudenaufstand (S. 27)in Behandlung gezogen werden sollen. Am Schlüsse ver-mißt man ein cudgiltiges Urtheil. Die Hauptfrage überdas Martyrium des hl. Mauritius und seiner Genossenbildet immer die Untersuchung über die Echtheit des Be-richtes von Eucherius . Ist dieser als echt und glaub-würdig anerkannt, so ist er nach den Regeln der histor-ischen Kritik zu erläutern.

Auch Wotke, der neueste Herausgeber der sämmt-lichen Werke des Erzbischofes von Lyon , hat die Autor-schaft des Eucherius an der Passion der agaunensischenMärtyrer nicht in Abrede gestellt (volles, I-. LuoliariiInr§ännensi3 op>. omnia, in vol. XXXI p. 163173des 6ori)U8 Vorixb. eeales. tat. cci. Vinäoston. ^.ea-üainiaa 1804), wenn er auch es für wahrscheinlich er-achtet, daß Eucherius eine ältere schriftliche Vorlage über-arbeitet habe, die er von dem Bischöfe von Genf er-halten haben mochte (I. v. p. XXII). Wird aber dieGlaubwürdigkeit des eucherianischen Berichtes in Abredegestellt, so erhebt sich sofort die andere Frage: Wie ent-stand in dem Engpässe zu Agauuum die Verehrung the-bäischer Soldaten? Wie gelangten die äußerst zahlreichenkörperlichen Ucberreste in jenes abgelegene Walliser Alpen-thal? Wie erhob sich schon gegen 350 n. Chr. überden Reliquien der Thebüer eine Kirche, der gar baldein Kloster folgte? Wie konnte eine solche ausgebildeteTradition sich an Ort und Stelle erhalten, wenn siegrundlos gewesen? Darum gibt es nur eine doppelteWahl: Entweder wird die eucherianische Recension alshistorisch glaubwürdig angenommen und erklärt, oder dieersten Bischöfe des Walliserlandes, Jsaak von Genf ,Theodor von Mariigny, waren Betrüger, welche denfrommen und gelehrten Erzbischof von Lyon in die Irreführten. Ist dieser Vorwurf gegen hochverdiente Männerhistorisch berechtigt, sittlich erlaubt? Gewiß nicht. Darumist das Martyrium des hl. Mauritius und seiner Ge-nossen geschichtlich festzuhalten.

Recensionen und Notizen.

o Jungst erschien im Verlage der kaiserlichen und könig-lichen Hoshuchhandlnng von Leo Wort i» Würzhurg in zweiter.

neugcarkeitetcr Auflage ein Commentar zum Buche Judithund in Verbindung damit ein zum ersten Male veröffentlichterCowmentar zu der Erzählung von Bel undDrachevon Dr. Anton Scholz, Professor an der k. Universität da-selbst. Der Verfasser trägt den in der Encyklica »krovulon-rissimus Dons- ausgesprochenen kirchlichen Grundsätzen in jederBeziehung Rechnung; seine beiden Commentare sind nach allenRegeln der biblischen AuslegungSkunde und Kritik bearbeitetund verdienen so in Wirklichkeit in weiteren Kreisen bekanntund den Liebhabern wissenschaftlicher Bibel-Erklärung empfohlenzu werden. Dem Buche ist, S. IIIXV, eine schneidige undeinschneidende Vorrede vorangestellt, in welcher der Verfasserseine kritisch-exegetischen Grundsätze und Resultate als mit demobengenanntcn päpstlichen Rundschreiben vom 18. Nov. 1893vollkommen übereinstimmend darlegt, die Vorurthcile gegenseine Erklärung und prophetische (apokalyptische) Auffassung deralttcst. Bücher Tobias, Esther und Judith als unbegründet er-weist und die Einwände seiner Gegner einer vernichtenden Kritikunterstellt. Der Vorrede folgt, S. XVIXL, zunächst die Ein-leitung zum Commentare zu Judith. Dieselbe gibt Aufschlußüber den Inhalt des Buches nach dem griech. Texte, über diekritische Beschaffenheit und das Verhältniß der verschiedenengriechischen und lateinischen Textcszcugen, über die beiden inhebräischer Sprache geschriebenen Midraschim, über die besondereGeschichte des Textes, über die im Buche vorkommenden Namen,über den prophetischen (apokalyptischen) Sinn, über den durchdie Geschichte des Textes beeinflußten Stil und die Sprache desBnchcS und endlich über dessen Berührungen mit dem NeuenTestament . Der Commentar zu Judith selbst, welcher der höchstinstructiven Einleitung, S. 2196, unmittelbar sich anschließt»ist ein beredtes Zeugniß von eminenter Begabung und beson-derer Geschicklichkeit, die von der wirklichen AuSlcgung geforderteKritik in unvergleichlicher Weise zu üben. Dabei aber wird dasEine Ziel einer jeden Erklärung, den wahren Sinn des Buchesaus diesem selbst d. h. im vorliegenden Falle aus den so ver-schiedenartig überlieferten Texten aufzufinden, keinen Augenblickaußer Acht gelassen. Auch merkt man an dem Gange der fort-schreitenden Erklärung, daß cS dem Erklärer allen Ernstes nurdarum zu thun ist, das Buch in Wirklichkeit zu erklären. Dernun folgende Commentar, S. 197233, zu der Erzählung überBel und Drache ist nach denselben kritischen und exegetischenGrundsätzen gearbeitet und verfolgt in derselben consequentenWeise sein Ziel wie der zum Buche Judith. Den ersten An-hang bilden, S. IIOXXIII, verschiedene Textcszcugen zumBuche Judith, welche in ihrem überlieferten Umfange in griech.,latein. Sprache oder in deutscher Ucbersetznng in vier Colnmncnnebeneinander abgedruckt sind, und zwar enthält Columne I denSixtinischen Text, Col. II den Codex 71, Paris . I, Col. III dieVulgata und Col. IV den großen hebräischen Midrasch in deutscher Ucbcrsctznug. Diesen merkwürdigen Texten zu Judith folgen,S. 6XXIV6XXXI, die griechischen Texte des Theodotion undder Septuaginta zu der Erzählung über Bel und Drache. Alszweiter Anhang ist, S. 6XXXVOL, als Vertreter der vulgataantigua der lat. Lost. kaoluanns abgedruckt und die deutsche Ucbersetznng des kleinen hebräischen Midrasch zum Buche Judithbeigefügt. Diese Beigaben der Texte ermöglichen es, daß derLeser, wenn er will, durch bloßen Augenschein ihr eigenartigesVerhältniß zu einander hinsichtlich des Umfangs und der nichtseltenen Abweichungen kennen lerne und verfolge. Die Sorg-falt aber, mit welcher der Commeniar im Ganzen gedruckt ist,und die saubere Form, in welcher er sich rcpräscntirt, deutenäußerlich schon die Noblesse und Accuratesse an, mit welcher ervom unermüdlich schassenden Autor ausgearbeitet wurde.

-ü- Vor Kurzem erschien das 42. Heft der AugsburgerBisthumSgcschichte. Mancher Abonnent mag bei der Durch-sicht desselben etwas enttäuscht gewesen sein, da es sich nicht alsFortsetzungS-, sondern als NachtragSheft erwies. Dasselbe ent-hält nämlich nicht, wie zu erwarten war, die Einleitung zurBeschreibung des Kapitels Kausbeurcn, sondern die Registerzu Bd. 2 u. 3 des genannten Werkes. ES ist aber einleuchtend,daß in erster Linie für Herrn I)r. Schröder, den Fortsetze! desStcichcle'schcn Werkes, Register zu den früheren Bänden un-umgänglich nothwendig sind, nur fortwährendes, zeitraubendesund vielleicht doch rcsultatloseS Suchen nach etwaigen früherenAngaben über Personen, Orte und Ereignisse, die erst jetzt zurgenaueren Darstellung gelangen, zu vermeiden. Die sorgfältiggearbeiteten Register ermöglichen ihm ein rasches und genauesAusfiudcn der von seinem Vorgänger gewonnenen ForschungS-resultatc auch dann, wenn dieselben zerstreut in den einzelnenBänden sich vorfinden sollten. Ebenso sind aber auch für denLeser und Benutzer deö Werkes Register von unschätzbare!»,