Ausgabe 
(7.8.1896) 32
 
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wissen Einfluß des großen Meisters auf seinen suchendenFreund bestreiken wollen. Jedoch sollte man, wenn mandiesem nachforschen will, in der Beweisführung logischerzu Werke gehen und nicht die absurdesten Folgerungenmit den gemeinsten und tollsten Beschimpfungen desAndenkens großer Männer verbinden, wie es unserKritiker" thut. - -

Wir müssen, um die Unrichtigkeit der Behauptungendesselben zu beleuchten, noch einige Thatsachen in Betrachtziehen, die geeignet sind, die Entstehung des letzten Kunst-werkes Wagners und dessen Verhältniß zu seiner angeb-lichenBekehrung" genauer erkennen zu lassen.

(Schluß folgt.)

Die Griefe des seligen Petrus Camslns.

Von Adam Hirschmann.

Am 21. Dezember 1897 vollenden sich drei Jahr-hunderte, seit der erste deutsche Jesuit Petrus Canisius zu Freiburg in der Schweiz der Zeitlichkeit entrücktworden ist. Allenthalben rüstet man sich, die Wieder-kehr dieses TageS würdig zu begehen; der internationaleCongrcß der Katholiken soll in den Augusttagen deskommenden Jahres am Grabe des Seligen tagen, dermit Recht der zweite Bonitatius, der Apostel der Deutschen,genannt wird. Daher kann es nur freudig begrüßt werden,wenn endlich einmal die Briefe dieses seeleneisrigen Priestersund Gelehrten gesammelt und der Oeffentlichkeit übergebenwerden. Dieser Mühe hat sich ein Ordensgenosse desSeligen, Otto Braunsberger , rühmlichst bekannt durchseine Studien über die Entstehung und erste Entwicklungder Katechismen des Petrus Canisius (Herder, Freiburg 1893; XII, 187), mit ebensoviel Liebe als Eifer undGeschick unterzogen.*) Vor uns liegt der I. Band, dieJahre 1541 1556 umfassend. Der Inhalt ist reichund abwechslungsvoll, die Sprache klar und einfach.Wir sehen, abgesehen von einigen Familienbriefen, dieEntwickelung der Gesellschaft Jesu in Deutschland anunserem geistigen Auge vorüberziehen, wir lernen dieSchwierigkeiten kennen, mit denen die junge Pflanzungin Köln (S. 103 113) gegen die NenerungSsucht desheirathslustigen Erzbtschofes Hermann von Wird zukämpfen hatte. Daß die Kölner Kirche die Wirren jenerverhängnißvollen Periode glücklich überstanden hat, ver-dankt sie außer ihre« tüchtigen Klerus unter GroppersFührung (S. 145) dem energischen Eingreifen des PetrusCanisius, der nach den Niederlanden, nach Ulm eilte,um das Absetzungsdekrct des Papstes gegen Hermannzur Durchführung zu bringen (S. 199). Vorübergehendweilte Canisius in Trient, in Bologna , um mit Snlmeronund Laynez an den Concilsarbeitcn thcilzunehmen (1547);

Charakter. DaßJcsuS von Nazareth" dramatisches Fragmentblieb, war nur die Folge der gesunden germanischen Wcltan-schaunng Wagners." Er meint offenbar,JcsuS von Nazareth"hätte Wagner in die Wege der Orthodoxie geleitet. Nun istaber der Entwurf diesc-Z Werkes eigentlich nur aus einer revo-lutionären Stimmung hervorgegangen und politisch und religiösrevolutionär gehalten. ES geht aus demselben überdies hervor,daß Wagner zu damaliger Zeit durch begelianisch: Ideen be-einflußt war. Was ferner Wagner von der Ausführung zurück-hielt, war nichr diegesunde germanische Weltanschauung",sondern, wie er selbst sagt, die erkannte Unmöglichkeit der öffent-lichen Aufführung und diewiderspruchsvolle Natur des Stoffes".Er war offenbar mit der Behandlung des Themas später selbstnicht mehr zufrieden.

') Lsatä stetri tlanisii, 8. >7. onistulao et aota. OolloZidet aclnotatiollidus illustravib Otto Lro.nusdsrn'or. h'ridnrLÜLnsZovms. Ilsräsi 1896. 816.

im Herbste 1547 zieht ihn der heil. Orbensstlfier nachNom, um den ersten deutschen Jesuiten so recht einzu-weihen und zu befestigen in dem Geiste, auf welchemJgnatius das Gebäude aufgeführt wissen wollte. Herr-lich, voll überquellender Gefühle des Dankes gegen Gott,sind die Briefe unseres Seligen über die «seelischeSchulung, welche er vom hl. Jgnatius empfing: Ge-horsam und Demuth sind die Fundamente des Ordens(S. 247). Der Gehorsam führte den Sohn der rhein-ischen Tiefebene hinab nach Mesfina in Sizilien, wo dieJesuiten in der Schule, auf der Kanzel, in der Christen-lehre, im Beichtstühle an der Nesorm des Volkes ar-beiteten. Freudig berichtet Canisius nach Köln an Leou-hard Kessel, wie die sizilianische Jugend so eifrig zu denhl. Sakramenten gehe, wie sie gerne am Unterrichte sichbetheilige (S. 284). Seinen lieben Karthäusern imdeutschen Rom gibt er von Mesfina aus 1549 Nachrichtüber die Missionen seiner Gesellschaft in Nubien , amCongo, in Abessinien, und fordert dieselben auf, mit ihmzu beten für die Einheit der Kirche, ut üat unum ovils8ul> unius xastoris tuZurio (p. 294).

Am 13. November 1549 sehen wir den gehorsamenOrdensmann einziehen in die Mauern Jngolstadis. Wiehatte sich in dieser Universitätsstadt, welche durch Eckeinen Weltruf erlangt hatte, das kirchliche Leben ent-wickelt und sich den Stürmen der lutherischen Neuerungengegenüber bewährt? Traurig, sehr traurig sah es damalsnach den Briefen des Canisius in der gefeierten Hochburgdes Katholizismus aus.

Nicht mit Geld sind die Leute zu bewegen, in bishl. Messe zu gehen; selbst an hohen Festtagen wird nureine frostige Predigt gehalten; vom Fasten ist gar keineRede (S. 306314); das Niederkniecn bei dem Gebete,bei der hl. Communion gilt fast als eine Schande (S. 395),äußerst selten geht man zu den Sakramenten. Wo liegtder Grund diesesTodcsschlafes, der alles bedeckt" (381)?In der ganz und gar unzureichenden Vorbildung derGeistlichen; selbst die unfähigsten Köpfe werden ordiniri,weil der Priestermangel zu groß ist (S. 393). Daherkommt denn auch die tiefe Abneigung gegen den geist-lichen Stand und Beruf: am allerwenigsten wollen dieDeutschen vom Ordensleben etwas hören. Zwei Feindedrohen die katholische Kirche in Deutschland zu vernichten:das Lutherthnm und der Islam (S. 381). An derUniversität sind die Juristen tonangebend, welche mitdem Lutherthum liebäugeln; Theologen finden sich selten:möchten doch wenigstens 4 5 Kandidaten anS unserenVorlesungen, die möglichst einfach, ferne von allen sub-limen Spekulationen zu halten sind, einigen Nutzenschöpfen! klagt Canisius. (S. 307.)

Trotz dieser ruincnhaften Zustände verzagte derOrdenZmann nicht. Er predigte, katechisirte, hörte Beichte,besuchte die Kranken und Gefangenen, hielt unentgeltlichVorlesungen an der Hochschule: durch diese apostolischsThätigkeit gewann Canisius die Herzen der Jugolstädter,so daß er später selbst berichten konnte: nunmehr harrendie Zuhörer seiner Predigten selbst bei der strengstenWinterkälte geduldig aus (S. 395). Groß war dieTrauer und der Schmerz, als am 28. Februar 1552der sceleneifrige Jesuit von Jugolstadt'S Hochschule undBürgerschaft Abschied nahm, um nach Wien sich zu be-geben. Hier, in der Hauptstadt Oesterreichs , und imLande selbst zeigte sich daS religiöse Leben in nochdüstererer Gestalt, als in Bayern : fast bis in die Hofburgdes Königs Ferdinand I. war die Häresie gedrungen