Ausgabe 
(16.10.1896) 42
 
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der Theologe des Pelikan-Verlags, den ausgezeichnetenDr. Bataille mit gebührender Hochachtung citirt (DieGeheimnisse der Halle S. 14).

Der Charakter desDr. Bataille" dürfte damitgenügend aufgeklärt sein. Wir hätten uns nicht so langemit seinem Buche beschäftigt, wäre er nicht der ErfinderderMiß Diana Van ghan" oder mindestens derArrangeur der ganzen mit ihr getriebenen Komödie, derGeschäftsführer der Barnumiade, die man mit ihre«Namen geschmückt hat. Auf das schärfste muß betontwerden, daßDr. Bataille" diese Heldin schon imSommer 1893, also lange Zeit vor ihrem angeblichenAustritt aus der Freimaurerei oder gar vor ihrerBe-kehrung", auf der Bühne erscheinen läßt: zum Theildieselben Märchen, die der gläubige Dr. GermanuS ausihren Memoiren citirt, kann man schon bei Bataille I.709 ff. lesen, in einer Lieferung, die im Juli oderAugust 1893 erschien, ihre Einführung in denPal»ladismuS", daneben auch den geistreichen Schlachtbcrichtihres Specialteufels Asmodäns, bei einem Kampf zwischenEngeln und Teufeln habe er dem Löwen des hl. Markusden Schwanz abgehauen Herr Dr. Bataille hat dieGüte zu erklären, hier habe Asmodäus gelogen unddie schreckliche Geschichte vom Herrn Bordone, dem As-modäus den Hals herumdreht, weil er gegen Diana in-triguirt; zu seinem Glück dreht ihm die gutmüthigeDiana nach20 oder 21 Tagen" den Kopf wiederrichtig herum. Man beachte, daß einige Jahre späterdieMemoiren Diana'S" den Bericht des Dr. Batailleim wesentlichenbestätigt" haben, daß sie ihn noch 1896in ihremBs 33 ^ 6risxi" bestätigend citirt damitweiß man eigentlich genug, wenigstens könnte mangenug wissen.

Im 2. Bande (II, 847) wird dann daS ThemaDiana Vaughan weiter gesponnen, mit welcherDr.Bataille"lange Unterhaltungen gehabt" hat. Es hatkeinen Zweck, auf die ganze Kette wunderbarer Dingeeinzugehen, die er von Diana Vaughan zu melden weiß.Die Hauptsache ist, daß er dieLuciferianerin" als eineim Herzensgrund ganz prächtige Dame schildert, die inihrerBlindheit" leider auf verkehrten Wegen wandelt.Ihre spätereBekehrung" wird offenbar systematisch vor-bereitet. Namentlich wird hier (848) schon ihreange-messene Bewunderung für Jeanne d'Arc " hervorgehoben,die später als Brücke für ihreBekehrung" herhaltenmuß. Auch sei erwähnt, daß ihre Todfeindin SophiaWälder, die schon genannteUrgroßmütter des Anti-ChristS", und der famose Teufel Bitru schon bei Batailleeine große Rolle spielen. Kurz, in seinen Umrissenerscheint bei Bataille schon der ganze Humbug, der späterunter dem NamenMiß Diana Vaughan" aufgeführtworden ist.

Dasselbe Handwerk wurde betrieben in den beidenMonatsschriften, dieDr. Bataille" zur Neclame für denOialols au 19. siöols herausgab, im Lnllstill lnonsusl(1893) und in der Bsvus Neusuells (seit Anfang 1894),zu deren gegenwärtigenMitarbeiterinnen" bekanntlichauchDiana Vaughan" gehört. Im Bulletin vo« Oktober1893 wird ein (natürlich gefälschter) Brief von ihr ver-öffentlicht, in dem sie sich über ihr elendes Porträt imVialols (I, 705) beklagt. Die erste Nummer der ksvns(im Titel ausdrücklich als 6owplsmsnt äs 1a publi-vation Bs Olaläs au 19. siövls bezeichnet) enthälteinen ellenlangen Bericht des Ooinmavclsur I?isrrvBantisr, zitirt aus dem Loks äs Itoms, über seine

Zusammenkunft mit Diana in Paris , die ihm der liebens-würdige Dr. Bataille vermittelt. Ich kann das Citatnicht prüfen und muß es dahingestellt fein lassen, ob derganze Bericht gefälscht ist, oder ob Dr. Bataille sich denScherz gemacht hat, irgend ein Pariser Frauenzimmer dieseRolle der Diana Vaughan spielen zu lasten. So vielist sicher, daß auch auS diese« Bericht wieder zum Greifendeutlich der übermüthige Humbug zu Tage tritt, der unsim Oiadls aus allen Ecken angrinst. Man lese nur einpaar Sätze aus der Schilderung des Dejeuners, mit demDiana Hrn. Lautier erfreut:Als man uns den Kaffeefervirt hatte, ließ Miß Vaughan Liqucur bringen; sie ver-langte Fine Champagne und Chartreuse . Ein brmerkenS-werthes Detail: sie rührte diesen Liqucur nicht an undmachte sich sogar den Spaß, ihn uns anzubieten, wie einKind, das eine kleine Bosheit begehen will; sie selbstaber trank ganz alten Cognac. Die Feindschaft gegendie Kirche, bis zur Enthaltung vo« Liqucur der Carthäusergetrieben, das ist bezeichnend! Wir merkten es und lachten.Da sagte die Luciferianerin: Ein adonaitischerLiquenr, das ist nichts für mich." AIs ich das laS,glaubte ich beinahe,Ör. Bataille" lachen zu hören.

Nachde« der oder die Fälscher die Probe daraufgemacht hatten, daß sie selbst für die ausgelassensten Toll-heiten noch Gläubige fanden, glaubten sie sich natürlichalles gestatten zu dürfen. Im Bulletin vom April 1894wird in Fettdruck mitgetheilt: Diana habe ihre Ent-lassung aus der Freimaurerei genommen, Documente vonder größten Wichtigkeit würden jetzt bekannt werden. DerNest ist bekannt:Dr. Bataille" verschwand in der Ver-senkung, als neues Gestirn stieg aufMiß Diana Vaug-han", dieunabhängige Palladistin", die »Bekehrte ", dieHeilige ", wie ein geistlicher Landsmann desDr. Ba-taille" sie in Trient genannt hat, und schriebEnt-hüllungen", daß die Balken krachten. Sie gründetdas Ballaäiuin rsAsnsrs als würdiges Seitenstück zumBullstin und zur Ravus Llsususlle, sie beglückt letzteresmit ihrer Feder und zankt sich neuerdings dort in massivenAusdrücken mit Domenico Margiotta über die Frage herum,ob sie existire oder nicht. Seit Juli v. I. hält sie dieWelt mit ihren Memoiren zu« Besten, und die Kronedes Ganzen bildet 1-s 33 türlsxl, beginnend mit demPrachtsatz:Die Zahl drei spielt im Leben Crispi's einegewisse Rolle. Er ist Trigamist. Er ist in Italien derMann des Dreibundes. Außerdem ist er schon zwei Malgestorben und wird demgemäß ohne alle Frage zu« drittenMal sterben", gipfelnd in demDocument " von derGroßmutter des Antichrists. Zur Ergänzung undBe-stätigung" dient noch ein ganzer Pack sonstiger ^anti-freimaurerischer" Literatur, der Bnoiksr äsmasqus vondem angeblichen bekehrten Freimaurer Doinel alias JeanKostka alias Kostka de Borgia; der ^ntiwaaoii; 1aIHans-matzoiiQsris äsrnasHnss, die Bivista anti-rnassonioa; Domenico Margiotta usw. usw. Der einemehr, der andere weniger, Betrogene oder Be-trüger, weben sie alle mit an den Maschen des Netzes,welches ein Pariser Geschäfts-Consortium zuerst im viablsan 19. siösle der Leichtgläubigkeit nur zu weiter Kreiseüber den Kopf warf. Immer wieder muß ja betont werden,daß dieser zweifellos erdichtete Roman bereits alle Elementeder späternanti-freimaurerischen" Literatur enthält, diepalladistischen Triangel, das Freimaurer -Papstthum, sowiedie Geschichten von Pike und Lemmi nicht ausgeschlossen.

Daß an dieser spätern Entwickelung vr. Hacks nochbetheiligt ist, glaube ich nicht. Die Rsvus auii-