Ausgabe 
(17.10.1896) 43
 
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(Nöm. 11, 26), also am Ende der Zeiten (2. Makk. 2,7),nach den Tagen des Antichrists, welcher von den Juden,deren Namen nicht eingeschrieben sind im Lebensbuchedes Lammes" (Offb. 13, 8. Joh. 5, 43), als Messias aufgenommen wird. So hat also der Dichter die Thätig-keit Ahasvers mit der des Antichrists in organische Ver-bindung gebracht und uns auf diese Art ein äußerst ge-nußreiches Epos geschenkt.

Eine gedrängte Uebersicht der 17 Gesänge mögeSeber's Werk neue Freunde gewinnen!

Der erste GesangDie Weltstadt" führt unssofort in die Metropole des Antichrists, dessen Herrschaftdreieinhalb Jahre dauern soll; in die Zeit, wo daschristusfeindliche Judenthum seine höchste Blüthe erreichthat. Packend ist diese Hauptstadt, Jerusalem etwa um'SJahr 2000 nach Christus, geschildert. Es ist die Residenzdes Antichrists, der nach den Ansichten der heiligen Väterselbst ein Jude, wahrscheinlich aus dem Stamme Dan,und die Frucht eines unerlaubten Umgangs sein wird.

Ein Marmorheer von Hallen und Palästen,

Worauf die Silberkuppeln leise schweben

Und Mast au Mast die schlanken Säulen ragen."

Unzählige Fabrikschlote rauchen, alle Reichthümer derErde sind hier aufgestapelt, tausend Sonnen elektrischenLichtes erhellen die Straßen,

es ist ein Markt, auf dein sich Nord und Süden,die alte wie die neue Welt begegnen."

Und König ist der Messias, Sotßr. Sein Zeichenist der Stern, der im Kuppelknaufe der Königsburg aufSion flammt.

Was all die Menschen hier vereint, verbrüdert,

DaS ist die blutig rothe Sternkokarde,

Die jeder trägt, das Zeichen des Messias."

Nachdem so in frischem Fortschreiten die Szeneriegeschaffen, tritt der Held auf: Ahasver kehrt nach zwei-jähriger Abwesenheit nach Jerusalem zurück, nachdem er,der Repräsentant des Judenthums, mit all dem Einflüsseund der Macht des Goldes auf dem weiten Erdenrundefür die Ausbreitung der Messiasherrschaft mit groß-artigstem Erfolge gearbeitet hat. Fast die ganze Welt,jedenfalls aber alle Katholiken, sind unterworfen und zuSklaven gemacht. Eben treiben rohe Knechte unterFührung des Scheusales Kossof, dessen Name wohl dieStellung des Schisma's andeutet, eine Heerde gefangenerKatholiken durch die Straßen Jerusalems , und der heim-kehrende Ahasver ist glückseliger Beobachter dieses Trauer-spieles, als plötzlich Stockung und Hemmung des Zugeseintritt.

Da plötzlich reißt mit rauher Kraft ein GreisDie Geißel aus des Wächters Faust an sich;"

es ist Elias , der mit Henoch in jenen Tagen wiederauf die Erde kommen wird, um die Schwachen zu stärkenund die Neste Israels in den wahren Schafstall zuführen.

Während er den christlichen Sklavenzug zum Stehenbringt, stürmt von verschiedenen Seiten

Mit wildem Ungestüm ein starker TruppVon Eisenmännern vor; vom dunkeln MantelHebt leuchtend sich das Kreuzeszeichen ab.

Es blitzt das blanke Schwert in ihrer Rechten,Bedrohlich hebt die Linke den Revolver."

Mit großer Originalität verwerthet hier der Dichterdie dem hl. Franz von Paula zugeschriebene Prophezeiung,daß Männer aus dem Orden der Kreuzritter mit ihrenFührern in jenen Tagen gemartert werden. Sie sind

es, die an der Seite der zwei Propheten die Truppe ge-fangener Christen in Sicherheit bringen, womit der ersteGesang abschließt.

Der zweite GesangSara" ist eine Episode, dieaber durchaus organisch dem Ganzen eingefügt ist. Deralte Nabbi Laban zu Jerusalem hat eine Tochter, diedem Waffenhändler Kaleb verlobt, aber mit aller Leiden-schaftlichkeit dem Reichskanzler Teitan, einem DonJuan und abtrünnigen Christenbischofe, zugethan ist.Fest steht in ihr der Entschluß, keines Krämers Weibzu werden, während der Alte über den ehemaligen Bischofvon Sardes herzieht, der ja doch nicht auf Seite derJuden steht.

Im dritten GesängeDer späte Gast" findenwir Ahasver beim alten Nabbi. Die Beiden sind einsim Hasse gegen den Kanzler und fürchten, daß dieserdes Messias Herz immer mehr den Juden abwendigmache.

Ach, dciß der große König wider Recht

Und Ueberlieferung den Mann erhob!...

WaS du gesät, was wir mit allen Opfern

An Geld und Gut für den Messias pflanzten,

DaS erntet er, unö bleiben nur die Stoppeln."

Durch die Gefangennahme Henoch's und Elias ' willAhasver dem Könige beweisen, daß er, daß der Jude eSist, der Thaten vollbringt, während Teitan nur einglatter, zungenfertiger Schwätzer ist.

Wie Donnerrollen ^

Im Hochgebirg erdröhnt des Alten Wort:

Und steigt er höher noch, so wird er fallen.""

Nach langem, erregtem Gespräche überlassen sich disGreise dem Schlafe und

hören nicht ein Fenster leise klirren,

Im Hof die Rosse lausbcgierig stampfen."

Sara, die verblendete, flieht, von Teitan entführt,auf dessen Gebirgsschloß.

Der Bericht" nennt sich der vierte Gesang.Ahasver hat Audienz bei Sotsr. Erwartend stehen dieFürsten der unterjochten Völker, sie sollen des Messias'Cortöge bilden.

Dann öffnet sich die hohe Flügelthüre:

Von Königen geleitet steht Sotsr,

Gehüllt in weiße, wallende Gewänder.

Ein dreifach Diadem auf seinem Haupte."

Es macht einen hochtragischcn Eindruck, wie nunAhasver dem Könige Meldung erstattet, was er und seinVolk für das Reich des Messias geleistet. Der Arme!Er hält Sotsr für den König, den Ersehnten, und ahntes kaum, daß er wohl den Feind Christi , aber nicht denFreund des gläubigen Judenthums vor sich hat. Ingroßen Zügen entwirft er ein Bild dessen, was Israelseit Jahrtausendeu erlitt und erstritt,seitdem der Herrsein Volk im Zorne schlug und in die Hand der Heidenübergab". Die Judenverfolgungen im Mittelalter unddie Wuchergeschäfte der Hebräer,wo Krieg und Friedenbarg des Juden Toga", die jüdischen Philosopheme einesSpinoza, die Verjudung der Kunst, der Wissenschaft unddes Kapitals Alles führt Ahasver dem Könige vordie Augen; Alles, besonders aber die finanzielle Aus-saugung der Nationen, mußte dazu dienen, um daSjüdische Weltreich für den erhofften Messias bereits hinterden Coulissen bereit zu halten.

Was immer Menschmgcist und Menschenfleiß

Sich hart erworben, floß in unsre Taschen . . .

Wir nannten Alles, Alles unser eigen."