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Doch es kam die Zeit des großen Papstes und deSgroßen Monarchen, und Alles schien rückläufig zu werden,bis die Völker und besonders die Priesterschaft wieder er-schlaffte. Da kam die Entscheidungsschlacht am Walser-selde, das Unheil siegte, und Ahasver hat bei seiner Rück-kehr aus Europa den letzten Papst in Ketten nachJerusalem geschleppt. Große Ruhmesthaten im Nahmenvon Jahrhunderten berichtet der Jude und verlangt nun,daß Sotör nur das Judenvolk in seiner Nähe, alle Akumsaber nur als Sklaven dulde. Mit kaum merkbarem Höhnehört ihn der König und entläßt ihn dann gnädig. Teitanaber, der hinter dem Vorhänge gelauscht, ruft aus:
„Es kann der Jude seines Wesens Kern,
Und der ist ekle Frechheit, nicht verleugnen?
In die „Katakomben" Jerusalems führt derfünfte Gesang. Durch List, indem er sich als Verfolgterstellt, kommt der Flüchtling Kossof als Sendling Ahasversin den verborgenen Aufenthalt der Christen im Gebirge.Henoch weiht eben einen Jüngling zum Kreuzritter.Rührend ist das Auftreten der zwei Patriarchen, die denRittern ihre letzten Ermahnungen geben, denn sie wissen,daß ihre Stunde gekommen ist.
„Die Stunde naht. es fügt sich Ring an Ring,
Geschlossen ist der Weltgeschichte Kreis."
Inzwischen hat sich auch nach anderer Seite hindie Katastrophe genähert. „Die Wahnsinnige" dessechsten Gesanges ist die entehrt heimgeschickte Tochter desNabbi. Bei gewitterschwülem Himmel im Garten aufeiner Steinbank sitzt des Wahnsinns arme Beute, LabansTochter. Sie fingt das Lied ihrer Liebe. (Wer denktnicht an Ophelia?) Der alte Nabbi rast vor Wuth, undder unglückliche Bräutigam Kaleb schwört, die Schmachim Blute des Kanzlers zu waschen. Beiden dämmertjetzt auch der Gedanke:
„Wer weiß, ob nicht der König
Mit Ahasver und unser'm Volk sein Spiel treibt."
Voll Kraft und hochtragisch endet dieser Gesang.
(Schluß folgt.)
Ueber die Entstehung, Anlage und Bedeutungder römischen Grenzmark in Deutschland .
(Schluß.)
-o- Wie im Mittelalter, ja bis in die Neuzeit jedeausziehende Truppe von einem Schwärme Marketenderbegleitet wurde, so waren auch römische Händler undKrämer den Legionen bis in die Provinzen gefolgt,einerseits, um den Soldaten die Beuteantheile abzu-schachern, andererseits, um durch Verkauf von Lebens-rnitteln, besonders natürlich von Getränken, nur um soschneller wieder zu ihrem Gelde zu kommen.
Da nun auf Grund der strengen römischen Dis-ciplin im eigentlichen Oastrum für sie kein Platz war,schlugen sie ihre Buden (oaüLbLs v. aariada, — Kneipe)außen an den Mauern, besonders hinter der xorta, cks-curuaug. auf, um so sich noch des Schutzes der Besatzungzu erfreuen und zugleich ihre Kunden stets in der Nähezu haben.
Damit dürfen wir jedoch nicht das eigentliche Lager-dorf verwechseln, welches sich ebenfalls gewöhnlich in derNähe deS Castells befand, von den Soldaten-Weibern undKindern, von ausgedienten Veteranen, übrigens auch vonLandeseingebornen bewohnt wurde. Wenn auch von denbürgerlichen Niederlassungen am Pfahle selbst keine es zu
einer solchen Bedeutung brachte, wie die Lagerstädte derLegionscastelle zu Salzburg, Negensburg, Augsburg ,Straßburg und Mainz , so dürften doch auch jene An-siedlungen oft ganz ansehnlich gewesen sein und den Ur-sprung mancher noch heute blühender Ortschaften bilden.
In der nächsten Umgebung des Castrums standenhäufig die Cultusstätten der Lagergarnison, meist in Formvon kleineren Tempeln (rund), die dem Apollo oder derDiana, der Astarte oder dem Serapis, dem Juppiter(Ooliolieinw) oder dem Sedatus (zu Pfünz) gewidmetwaren. Sehr verbreitet scheint besonders der Mithras-dienst (Tempel zu Großkrotzenburg a. M.) gewesen zusein, welcher den alten persischen Sonnengott MithraSmit dem römischen Juppiter identificirte, was dem Cha-rakter und dem Bedürfnisse der damaligen Zeit voll-kommen entspricht.
Als Anlagen außerhalb der Castellmauern sind nochdie Friedhöfe zu betrachten, auf denen die Asche, selten dieGebeine, der Gefallenen und Verstorbenen in Urnen nebsteinigen Beigaben von Hausgeräthschaften beigesetzt wurdeund nun mehr als anderthalb Jahrtausende im Schoßeder Mutter Erde verborgen lag, bis der wissensdurstigeforschende Archäologe des 19. Jahrhunderts sie aus ihrerRuhe störte.
Wer sich aber einen Einblick verschaffen will in daSdamalige Leben und Treiben der Römer, der gehe hineinin ein Museum zu Mainz, Nürnberg oder München undbetrachte aufmerksam die unzähligen Gegenstände, welchedurch die Ausgrabungen vielfach in jüngster Zeit an dasTageslicht gefördert wurden, die Lanzen und Schwerter,Schilde und Panzerplatten, Pfeile und Wurfgeschosse,steinerne Inschriften und Statuen, Silber- und Gold-münzen, Töpferwaaren aus der bekannten rothen tsrra,siFillutu und Amphoren, Werkzeuge und Ziergegen-stände, Kleiderspangen und Haarnadeln, Veteranendiplome(Bronzeplatten mit der Entlassungsurkunde) und Feld-zeichen rc. rc.
Dies wäre nun, wenn wir noch an das dichteStraßennetz denken, welches nicht nur im Innern derProvinz, sondern auch an der Grenze auf's beste ent-wickelt war, in Kurzem die Anlage der römischenGrenzmark, und es sei dieselbe noch einmal zusammen-gefaßt in dem passenden Gleichnisse des Herrn Bezirks-ingenteurs Marggraff, welcher sagt:^)
„Ich möchte den Limes vergleichen mit einem langenSchienenwege: hier die eiserne Fahrbahn, dort die Maueroder der Wallgraben; hier die Bahnwärterhäuschen, dortdie Wachtthürmc; hier die Stationen und Ortschaften,dort die Castelle und bürgerlichen Niederlassungen; hierdie Ueberfahrtsschranken, dort die Schlagbäume oderWegdurchgänge; hier wie dort das Vorherrschen der ge-raden Linie.^)
III. Bedeutung deS Limes.
Nur ein kurzer Sprung führt uns von hier auf dieBedeutung der Grenzmark und auf die römische Grenz-bewachung überhaupt, insoweit diesem Theile nicht schonim Vorigen Rechnung zu tragen versucht wurde.
Vor allem bildete der Limes selbst nicht etwa „eineFestungsmauer, an welcher der Anprall der Feinde zer-schellen sollte, ähnlich den Bastionen von Babylon und
n) „Die römische Rcichsgrenze in Germanien und ihreBauten." S. 18.
2') Hier wären etwa noch die vielumstrittcnen Wartthürmeinnerhalb der Provinz zu besprechen, was ich mir jedoch aufeine bessere Gelegenheit verspüren will.