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bietung aller seiner Kräfte vermochte Mark Aurel indrei Fcldzügen (von 166—175 und 178—180) diesengewaltigen Anprall zurückzuweisen.
Um diese Zeit gründen sich bereits die für dasrömische Reich so verhängnisvollen germanischen Völker-vereine. Schon Caracalla kämpft gegen die Allcmannen,welche später, im Jahre 233, die Bollwerke nördlich vonder Donau größtentheils zerstören und siegreich in Nütieneinfallen. Alexander Severus , der aus Pcrsien herbei-eilte, sowie sein Thronräuber Maximin können den Ver-lust nur theilweise wieder gut machen.
Unter den Wirren der sogenannten Zeit der 30Tyrannen ging sogar das Land links des Rheines ver-loren. Seit Ende des 3. Jahrhunderts bilden wiederumRhein und Donau die Reichsgrenzen, und selbst derglückliche Feldzug des Kaisers Probus im Jahre 277scheint wenig Erfolg gehabt zu haben.
Nur Rätien, südlich von der Donau , hielt sich nochlänger. Aber auch hier hatte sich „das ganze Leben undTreiben auf einige befestigte Orte concentrirt", welcheendlich mit dem Sturze des römischen Kaisertums durchdie Schaaren des Odoaker auch ihre Thore öffneten?')
Schon bet den ersten Einfällen scheinen die Ger-manen mit den römischen Grenzbefestigungen ordentlichaufgeräumt zu haben, wie die überall reichlich entdecktenAschen- und Kohlenreste z. B. uns zeigen; was sie abernicht thaten, das brachte der Zahn der Zeit in 1600Jahren zu Stande: der Landmann suchte den Lehm-damm abzutragen und anderweitig zu benutzen, manverflachte die umgestürzte Mauer zu einem Fahrwege, undaus den Steintrümmern der Thürme und Castelle bauteman Straßen und ähnliche Anlagen!
So ist es gekommen, daß in unserer Zeit die Ar-beiten des Forschers oft mit vieler Mühe und mit nichtgeringem Aufwande verknüpft sind.
Mit Freude ist daher die Thatsache zu begrüßen,daß seit einigen Jahren vom Staate selbst dafür gesorgtwird, daß auch nicht die letzten Reste dieses gewaltigenWerkes spurlos von der Erde verschwinden.
Rede des Herrn Pfarrers A. Schwarz inOttenbach (Württemberg )
gehqlten aus dem Ersten Internationalen Antiireimanrer-Congreßin Tricnt am 28. Sept. 1696.
Euere Eminenz!
Hochwürdigste Herren Bischöfe!
Erlauchte Herren!
Hochansehnliche Versammlung!
Gestatten Sie auch einem Vertreter deutscher Zunge indieser hehren Versammlung einige Worte über den hochwichtigenGegenstand, zu dessen internationaler Berathung wir uns indieser geschichtlich so berühmten Stadt vereinigt haben. MitRücksicht auf die eng bemessene Zeit lassen Sie mich gleich inweäias res eintreten und, wenn auch nicht ausschließlich, dochauptsächlicb das Ziel und Streben der deutschen Freimaurerei,um Gegenstand meiner Ausführungen machen.
Vergegenwärtigen wir uns vor allem die Thatsache , daßdie Freimaurerei ein Weltbund und für die Menschheit daswerden und sein will, was unsre Kirche auf Grund göttlicherBestimmung ist, nämlich katholisch d. h. allgemein, die ganzeErde umspannend. Finde!, wohl der angesehenste, fruchtbarsteund einer der gelehrtesten Logenschriftsteller Deutschlands , sprichtdiese Wahrheit an zahllosen Stellen, z. B. in seiner Schrift„Geist und Form der Freimaurerei", offen in den Worten aus:„Der Maurerbund soll ein Menschheitsbund sein, der seineinigendes Gezelt wölbt über die Verschiedenheit der Racen,
") Köstler: „Die Römer in Rätien ". Artikelserie V inHeft 6 d. Jahrg. 1896 der Zeitschrift „Das Baycrland".
Nationalitäten und Konfessionen." Und: „Dieser Bund derBünde umsaßt die ganz- Menschheit." „Als Maurer sind wirnickt Deutsche , sondern Menschen; als Maurer sind wir nichtStaatsbürger, sondern Weltbürger." Ja, Findet nennt sogardie Freimaurerei in seinem Buch „Die mooerne Weltanschau-ung" wörtlich „den wahren, innerlichen und freien Katholicis-mus" gegenüber unserer hl. Kirche, die er als den falschen, ausäußere Auctorität gegründeten, mechanischen und cultnrwidrigenKatholicismus bezeichnet, der ein Zerrbild des Göttlichen sei."Also der von Christus gegründeten Weltkirche will die Loge eineandere gegenüber stellen, ihren freimaurcriscben Weltbund. Schonhier klingt somit etwas von dein Rufe durch: Hie Christus, hieAntichrist, hie katholische Kirche , hie Loge! Der GroßmeisterBruder Settegast aber sagt: „Vollendet wird der Bau der Frei-maurerei dann erst dastehen, wenn er den ganzen Erdkreis um-spannt." Und: „Wir sahen . . . daß die Freimaurerei denPlan verfolgt, alle guten Menschen einem Weltreich unterzu-ordnen, in dem die Humanität als Herrscherin thront."
Da legt sich wie von selbst die Frage nahe: Was soll nunaber das einigende Band, den geistigen Inhalt dieses neuen frei-maurerii'chcn Weltbundes ausmachen, zu welcher Religion wirder sich bekennen? zum Christenthum, als zu der geoffenbartenReligion, oder zur bloßen Vernunftrcligion, zu jener, die alsMotto murmelt: „Wir glauben all' an einen Gott: Christ, Jud'und Heid' und Horrentott"?
Damit stehen wir vor der wichtigen Frage: Wie stellt sichdie Loge, die Freimaurerei zum Christenthum? Um diese ebensoobjectiv als gründlich beantworten zu können, müssen wir nachjenem Worte suchen, das kurz und treffend den ganzen Be-kenntniß- und Strebeinhalt der Loge zum Ausdruck bringt. Esist das sreimaurcrische Schlag- und Stichwort „Humanität",ein Wort, das heutzutage auf so vielen Lippen sitzt. Von diesemSchlagwort wimmeln die Werke und Schriften der berufenstenVertreter des Bundes. So sagt Finde!: Das Ideal der Hu-manität theoretisch zu erzeugen und im Leben praktisch zu ver-wirklichen, ist unicre wahre und denkbar höchste Aufgabe. Wieoft spricht nicht Finde! von dieser Humanität! Wie oft redetnicht der als freimaurerisLer Schriftsteller und Logcnbeamtcr be-kannte Professor und Geh. Regierungsrath Seitegast von ihr!So sagt letzterer z. B.: Die Loge ist eine Schule der Sittlich-keit und die Freimaurerei eine Gemeinschaft, welche die Hu-manität zur Herrscherin aus Erden einsetzen will. Was hatnun aber diese vielgenannte und vielgepriesene Humanität imMunde der Loge für eine Bedeutung? Diese sreimaurcrischeHumanität bedeutet das „Reinmenschliche" unter Verläugnungalles Göttlichen im christlichen Sinne und im schneidigen Gegen-satz zu demselben. Diese frcimaurerische Humanität macht dieMenschheit unabhängig von Gott, löst sie los von jeder über-natürlichen Gewalt, stellt die Menschheit ganz auf sich selbstund trennt sie damit von jeder Offenbarung, von allem Christen-thum. welch beide die Loge grundsätzlich verwirft.
Also auf Grund ibreö HumanitätSprincipcs, ihres rein-menschlichen, alles Ucbernatllrliche und Göttliche im christlichenSinne verwerfenden Standpunktes ist die Freimaurerei eineLäugnerin jeder Offenbarung Gottes, eine Vcrwerferin undGegnerin des Christenthums. Diese schwerwiegende Beschuldi-gung muß bewiesen werden. Lassen wir diesen Beweis jeneführen, welche theils als Mitglieder und Kenner der Loge, theilsals ihre gefeierten Geschichtsschreiber und Schriftsteller das auj'sgenaueste wissen müssen.
Ich will in dieser bedeutsamen Frage zunächst den ange-sehenen Freimaurer und im Studium des Logenwesens er-grauten Geschichtsschreiber, der als eine der ersten Auctoritg^nanerkannt ist, zum Wort kommen lassen. ES ist der bereitscitirte Finde!. Er, der als das Orakel der deutschen Frei-maurerei bezeichnet werden kann, spricht sich hierüber mit einerGrundsätzlichkeit und Offenheit aus, die deutlicher nicht seinkönnte. In seiner „Modernen Weltanschauung" sagt er z. B.:An die Stelle der Offenbarung (Gottes) tritt die Vernunftund an Stelle der unfehlbaren Kirche oder Bibel das logischeDenken. (S. 60.) Weiter: Das alte und das neue Testamentsind für die moderne Weltanschauung, die Sittenlehre ausge-nommen, überwundene Standpunkte, so gut wie die VedaS undder Koran . Er verwirft S. 49 die Erschaffung der Welt durchGott, lehrt die Ewigkeit der Materie, er polemisirt gegen dasGebet im christlichen Lünne (S. 42, 43, 55), bezeichnet dasChristenthum als ein menschliches Werk, verwirft den Sünden-fall, die Erbsünde, die Erlösung (57), nennt solch christlicheLehren Wahn und Irrthum und ruft, um seine ganze Feind-seligkeit gegen jedes Christenthum zusammenzufassen, pathetischaus: „Sagen wir es offen, meine Brüder, der Maurerbund seikeine christliche Union, kein Nblagcrnngsort sür die überwundene